Ich komme aus einer sehr erfahrungsreichen und erkenntnisreichen Woche und kann gerade tatsächlich nicht anders als einiges davon in Textform zu packen. Wenn der Drang in mir kommt einen Artikel zu schreiben, dann tue ich das. Wenn kein Drang kommt, zwinge ich mich nicht dazu. Das ist ebenfalls eine der vielen Erkenntnisse der letzten Woche.

Ich schreibe seit einigen Monaten an einem neuen Buch, dazu werde ich an anderer Stelle mehr berichten, aber ein großes Themenfeld in dem neuen Buch ist das „Müssen“. „Ich muss noch dies tun…“ – „Ich muss noch das tun…“. Viele werden diese Gedanken nur zu gut kennen. Wenn wir das „Gemusste“ dann doch nicht tun, haben wir oft das Gefühl nichts getan zu haben, fühlen uns faul und/oder unproduktiv und geißeln uns dann selbst.

„War ja klar, dass du das nicht hinbekommst!“

„Dann leg dich halt auf die Couch, du faules Stück Sch****!“

„Ich will ja nichts sagen, aber vom unters Kopfkissen legen, ist noch keiner besser geworden!“

Der kleine grüne Gnom

Du kennst das, ich weiß es. Ich nenne diese Stimme fürsorglich meinen inneren kleinen grünen Gnom. Andere sagen zu ihm „innerer Kritiker“. Wer hier schon länger liest, weiß bereits, dass wir meist mehrere und unterschiedliche Stimmen in unserem Kopf haben, die uns allen möglichen Mist erzählen. Und in der Regel: Glauben wir den Mist auch noch.

Nun möchte ich dir von einem meiner Krafttiere erzählen (Ja, ich habe tatsächlich mehrere, manchmal hab ich das Gefühl, ich darf bald einen inneren Zoo eröffnen). Mein innerer Koala hat seinen Wortschatz auf genau zwei Wörter begrenzt: Nicht tun. Ich habe dieses flauschige und sehr chillige Wesen nun schon eine ganze Weile in mir und bin in vielen Situation sehr dankbar, dass er da ist. Aber vielleicht kannst du dir vorstellen, wie es mich auch auf die Palme bringt, wenn er in einer Entscheidungsphase meinerseits einfach raushaut: Nicht tun.

Lange Zeit habe ich „Nichts tun“ verstanden, nicht etwa weil der kleine Kerl sich nicht klar ausgedrückt hätte, aber wir hören sehr oft nur das, was wir hören wollen. Mich in meinem inneren Weltbild zu bestätigen, wenn ich etwas nicht tue, dass ich dann eine faule Socke bin, die keinen Erfolg haben wird, genau das wollte ich hören. Darum geht es aber nicht.

Wahrnehmen und bewusst machen

Bevor ich das Ganze nun fortführe, eine kleine Übung für dich, die du wirklich jeden Tag, zu jeder Uhrzeit machen kannst:

Nimm dir einen Zettel oder dein Notizbuch und notiere dir haargenau alles, was du in den letzten Stunden getan hast. Wenn du das etwas erleichtern willst, nimm dir für ein oder zwei Tage vor, alles zu notieren, was du am Tag tust, am Besten sogar, wie lange das gedauert hat. Du kannst auch einfach abends, besonders wenn du dir Gedanken darüber machst, dass du zu wenig gemacht hast, Revue passieren lassen und das rückblickend aufschreiben.

Weißt du, was dann passiert? Wir nehmen war und machen uns bewusst, was wir eigentlich doch alles gemacht haben. Wenn du innerlich weiterkommen möchtest, dann wirf die Wertung bei der ganzen Sache mal über Bord. Bewerte nicht, ob das jetzt gut oder nicht gut war, „so lange“ mit dieser einen Sache beschäftigt gewesen zu sein. In der Regel haben wir schlicht wenig bis kein Zeitgefühl bei Aufgaben, Terminen oder Aktivitäten rund um den Haushalt. Wir denken dann: „Ach das wird ja nur zehn Minuten dauern, ich mache das noch schnell“. Viele vergessen auch Fahrtzeiten oder Vorbereitungen für bestimmte Termine oder Aufgaben bzw. schlicht das vollständige Ausmaß.

Die wenigsten Menschen machen sich das im Nachhinein bewusst, dass dann aus zehn Minuten – „noch ganz schnell“plötzlich fünfundvierzig Minuten wurden. Sie fragen sich dann einfach, warum so viel Zeit vergangen ist („Wo ist denn die Zeit hin?“) und fangen dann an, sich darüber aufzuregen oder sich innerlich dafür runter zu machen. Kurzer Reminder: Alle Menschen, wirklich alle, haben vierundzwanzig Stunden am Tag zur Verfügung. Dazu habe ich bereits einen Blogartikel und eine Podcastfolge veröffentlicht, schaut und hört gerne mal vorbei.

Es ist sehr selten der Fall, dass wir wirklich den ganzen Tag nichts getan haben. Wenn das der Fall ist, das nennen wir dann Prokrastination, hat das Gründe, die erörtert und angeschaut werden dürfen.

Die innere Stimme findest du nicht in deinem Gehirn

Was also meint mein Koala genau, wenn er zu mir sagt: Nicht tun. Zu allererst: Hör auf, diesen Brainfuckern in deinem Kopf zu glauben! Das ist nicht deine innere Stimme. Deine innere Stimme kommt nicht aus dem Kopf. Manche nennen es Bauchgefühl, andere Intuition. Am Ende ist es völlig egal, wie du es nennst, aber vergiss nie, dass die Stimmen in deinem Kopf nichts mit deiner inneren Stimme zu tun haben.

Daneben meint er auch für viele Workaholics (wie ich eine war):

Lass es mal gut sein.

Ruh dich aus.

Komm runter.

Entspann dich.

Lutsch mal am Eukalyptus und chill dein Leben.

Du bist gut so wie du bist.

Du musst nicht mehr.

Es gibt so schlaue Menschen, die sowas von sich geben wie: „In der Ruhe liegt die Kraft“. Ja – den Satz fand ich immer scheiße, weil ich immer dachte, ich muss irgendwas tun um geliebt zu werden oder um gesehen zu werden. Ich dachte, wenn ich nicht tue, dann bin ich nichts wert. Warum sollte mich jemand einfach so lieben, weil ich da bin? Das waren Fragen, die sich bei mir leider besonders durch die Kindergarten- und Schulzeit gefestigt und die im Studium fast zu einem Burn-Out geführt haben.

Du musst nichts mehr

Es gibt also einen meilenweiten Unterschied für mich zwischen Nichts tun und Nicht tun. Heute bin ich mit diesem kleinen Kuschelkoala sehr verbunden und muss schon fast lachen, wenn er vor meinem inneren Auge auftaucht und mich nur anschaut. Er braucht heute nichts mehr zu sagen, denn ich weiß, warum er da ist und wovor er mich beschützen will, woran er mich erinnern möchte.

Wenn du einen Drang hast, ständig etwas tun zu müssen, hat das einen Grund. Manchmal hat das sogar mehrere Gründe. Wenn du dir selbst sagst, dass wenn du nichts tust, du faul und unproduktiv bist, hat das einen Grund. Wenn nicht tun für dich eine Herausforderung ist, dann darf ich dir die frohe Botschaft überbringen, dass da ganz viel Wachstumspotential für dich bereit liegt.

Falls du das heute noch nicht gehört oder gelesen hast:

Du bist wunderbar, so wie du bist.
Du bist wertvoll, so wie du bist.
Du bist liebenswert, so wie du bist.
Du musst dich dafür nicht mehr anstrengen.
Du musst gar nichts. Du darfst. Du willst. Du möchtest. Aber du musst nicht mehr…

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