Was und Wo soll ich studieren?

Ich habe mich in den letzten Wochen auf sehr vielen unterschiedlichen Hochschulseiten umgeschaut und eine Sache festgestellt: es gibt wirklich sehr viele verschiedene Möglichkeiten. Sowohl welchen Studiengang, als auch an welchem Studienort man studieren möchte. 

Als ich mich vor sechs Jahren an deutschen Musikhochschulen umgeschaut habe, um eine/n Professor/in zu finden, wusste ich zumindest schon mal was ich studieren möchte. Das ist auch der allererste Schritt, sich zuerst einmal in dem Wald an Studiengängen zurechtzufinden. In einigen Fällen und bei einigen Instrumenten ist die Wahl einfach, in anderen nicht. Die Recherche davon nimmt viel Zeit in Anspruch und ich kann nur wärmstens empfehlen, dass du dich früh genug damit beschäftigst. 

Im letzten Artikel habe ich dir bereits einen groben Überblick gegeben, welche Studiengänge grundsätzlich möglich sind. Die ganz simple Unterteilung ist die Künstlerischer Ausbildung, die pädagogische Ausbildung oder das Lehramtsstudium. Wenn du dir die Frage stellst, ob man auch mehrere Studiengänge studieren kann, möchte ich noch mal darauf hinweisen, dass es in jedem Fall sehr schlau ist sich breit aufzustellen. In der aktuellen Situation mehr denn je. 

Aber…

Wenn du dir absolut nicht vorstellen kannst zu unterrichten, dann musst du das auch nicht tun. Es ist natürlich ein gutes Standbein, eine pädagogische Ausbildung zu haben und gerade in der Corona-Krise, waren die Pädagogen an vielen Stellen die „Gewinner“ der Krise. Wir konnten großflächig auf Online-Unterricht umstellen, man mag darüber denken was man möchte, aber unsere Einkommen waren somit auch als Honorartätige gesichert. Ich habe Kollegen, die verdienen seit März nichts mehr, da sie ausschließlich von Live Auftritten leben. Es ist dennoch kein Zwang zu unterrichten, es gibt noch einige andere Möglichkeiten sich vielfältig aufzustellen.

Im künstlerischen Bereich ist die Wahl des richtigen Professors oder der richtigen Professorin wirklich essenziell. Und hierzu möchte ich ein paar Dinge loswerden, die vielen in der Branche sonnenklar sind, aber Studienanwärtern oft nicht. 

Natürlich suchen sich Lehrende die Studierenden aus für ihre Klasse und niemand möchte gerne die Katze im Sack kaufen. Es macht also sehr viel Sinn, vor der Aufnahmeprüfung Kontakt mit den Lehrenden aufzunehmen, an dessen Hochschulen du Aufnahmeprüfungen machen möchtest und ihnen vorzuspielen oder ggf. eine Probestunde zu nehmen. Ja, das ist mit Aufwand verbunden. Ja, das ist mit Zeit und Geld verbunden – aber es lohnt sich! Denn eines ist ganz sicher. Eine Probestunde nützt nicht nur den Lehrenden zur Feststellung, ob du in ihre Klassen passt – sondern auch dir, um festzustellen, ob du mit den Lehrenden zurechtkommst. Es bringt dir leider nichts, wenn du irgendwo einen Platz bekommst und du dann vier Jahre durch die Hölle gehst…

Vertrau mir – alles schon da gewesen! 

Und noch etwas: wenn ein/e Professor/in 250€ für eine Probestunde von 45 min verlangt, dann mach das bitte nicht! Du musst nicht dessen schicke Chanel Handtasche oder den Porsche mitfinanzieren. Schwarze Schafe gibt es überall! 

Falls du in Erwägung ziehst, eine künstlerische und pädagogische Ausbildung zu absolvieren, dann plane auf jeden Fall etwas mehr Zeit ein als vier Studienjahre. Es ist möglich! Einige von meinen Studienkollegen haben es gemacht, ich selbst studiere beides aktuell. Aber es ist in keinem Fall möglich, zeitgleich zwei volle Bachelorstudiengänge in Regelstudienzeit (8 Semester) zu studieren. Die Kombination von Lehramt und Instrumentalpädagogik oder Elementarer Musikpädagogik ist ebenfalls sehr beliebt. 

Im letzten Artikel hatte ich schon auf die Internetseite verwiesen, bei der es eine Auflistung aller Musikhochschulen gibt (inkl. deren Internetseiten). Auf so ziemlich jeder Website einer Musikhochschule findest du Informationen darüber, welche Studiengänge möglich sind und wer die einzelnen Instrumente unterrichtet. Über die tollen Studienverlaufspläne und deren Verständnis, schreibe ich in einem anderen Artikel noch ausführlicher. Aber für einen Eindruck, welche Fächer in dem Studiengang unterrichtet werden, schaut da gerne mal rein. 

Viele der Hochschulen bieten Info-Tage an. Ich kann dir sehr empfehle dorthin zu gehen. Den Ort einmal zu sehen vor der Aufnahmeprüfung, nimmt einem auch die Angst vor dem Unbekannten, denn so eine Aufnahmeprüfungssituation ist schon aufregend genug!

Eine Frage die ich schon häufiger gestellt bekommen habe an solchen Info-Tagen ist:

Wie viele Aufnahmeprüfungen an verschiedenen Hochschulen kann ich schaffen?

Dazu musst du ein paar Dinge wissen…

  • Pro Bewerbung zahlst du 50€-60€ Verwaltungsgebühr – an jeder Hochschule!
  • Einige Prüfungen laufen parallel ab und nicht immer ist beim Bewerbungsschluss klar, wann die Prüfungsphase für dein Studiengang stattfindet
  • Die normalen Prüfungsphasen in Deutschland belaufen sich auf 2-2 ½ Monate z.B. Mai-Anfang Juli (Corona Ausnahmezustand mal ausgenommen)
  • Nicht an jeder Hochschule kann man sich für Winter- und Sommersemester bewerben
  • Es gibt Hochschulen, die haben Pflichtprogramme für dein Instrument, besonders dieser Punkt ist ausschlaggebend, wenn man nicht 8 Stücke zeitgleich vorbereiten möchte
  • Jede Aufnahmeprüfung läuft ein bisschen anders ab und ist inhaltlich auch selten einheitlich – bei der einen findet alles an einem Tag statt, bei der anderen im Abstand von 14 Tagen

All diese Informationen solltest du im Hinterkopf behalten, wenn du dich bewirbst.

Wenn du dich bei drei Lehrenden vorgestellt und dort ein gutes Gefühl hast, dann reichen drei Aufnahmeprüfungen völlig aus. Drei bis Sechs Aufnahmeprüfungen sind schon gut zu schaffen, vorausgesetzt sie überschneiden sich nicht. Zum Beispiel:

Die letzten Jahre ist es immer mal vorgekommen, dass die Flöten Aufnahmeprüfungen von der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf und der Hochschule für Musik und Tanz Köln an den gleichen Tagen stattfanden. Das ist blöd, zumal sich einige an beiden Hochschulen bewerben, sie liegen ja auch nur wenige Kilometer voneinander entfernt. Oder es passiert, dass die zweite Runde einer Aufnahmeprüfung in Berlin am selben Tag ist, wie die Theorieprüfung in München. Manchmal muss man pokern, aber wenn man sich an neun Hochschulen zeitgleich bewirbt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich etwas überlappt natürlich viel höher!

Bedenke bei den Bewerbungen auch den Studienort und die Entfernung zu dir nach Hause. Du musst diese Kilometer alle z.T. mehrfach fahren. Das bedeutet nicht, dass du dir keinen Studienort am anderen Ende des Landes suchen sollst, es bedeutet aber, dass du das bei der Planung bedenken musst und das auch finanziell stemmen musst. 

Abschließend kann ich dir eine kleine Checkliste (besonders für künstlerische/pädagogische Studiengänge) mit auf den Weg geben:

  1. Informiere dich über verschiedene Studiengänge, welche für dich in Frage kommen, um dich dann gezielt darauf zu bewerben.
  2. Suche nach Lehrenden und spiele ihnen vor, besuche ihre Workshops oder Meisterkurse und kommuniziere frühzeitig mit ihnen – gerne auch ein Jahr im Voraus.
  3. Schau nach Bewerbungsfristen, einige Hochschulen haben die sehr früh angesetzt. Informiere dich über die Bewerbungsverfahren: online oder per Post.
  4. Bewirb dich dann gezielt an den Hochschulen, bei dessen Lehrenden du dir vorstellen kannst zu studieren. Ein bis Zwei Aufnahmeprüfungen kann man auch auf Risiko spielen, also ohne vorher dort jemandem vorgespielt zu haben auch der Erfahrung halber. Aber grundsätzlich solltest du mindestens zwei Lehrende im Hinterkopf haben, bei denen du gerne studieren würdest!
  5. Bereite dich frühzeitig auf die Aufnahmeprüfungen vor und schau was verlangt wird, das ist z.T. an jeder Hochschule etwas anders.

Zum letzten Punkt – darum geht es im nächsten Artikel! Ich habe schon mit so einigen jungen Musikern und Musikerinnen gesprochen, die da die größte Hürde sehen und nicht wissen, wie sie sich anständig und gut durchdacht auf Aufnahmeprüfungen vorbereiten können. Oft haben diese jungen Menschen auch nicht unbedingt Lehrende an der Hand, die sie dabei begleiten.

Viel Spaß beim Recherchieren und wenn du Fragen hast, fühl dich frei mich zu kontaktieren.

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