Musikstudium = Duales Studium?!

Wer kennt den Satz: „Was?! Musik kann man studieren?“ oder „Was passiert eigentlich in so einem Musikstudium?“ oder „Was ihr übt dann da einfach den ganzen Tag?“…

Zumindest das Zweite ist eine sehr gute Frage! Was passiert in einem Musikstudium und was gibt es für mögliche Schwerpunkte? Wo kann man Musik studieren und bei welcher Lehrkraft ist es am Besten? Was muss man überhaupt können, um eine Aufnahmeprüfung zu bestehen? Wie lange muss ich mich vorbereiten und wie läuft so eine Aufnahmeprüfung ab? 

Dieser Artikel, der erste einer kleinen Artikelserie, richtet sich vor allem an Schüler*innen und/oder junge Menschen, die den Wunsch haben Musik zu studieren und nicht wissen wo sie die Informationen dafür herbekommen.

Ich hatte das große Glück drei Jahre eine studienvorbereitende Ausbildung machen zu können, bevor ich eine Aufnahmeprüfung absolviert habe. Ich wusste, bei wem ich was fragen konnte. Ich wusste was es für Möglichkeiten gab, schon alleine aus dem Elternhaus und näherem Umfeld. 

Aber…

Ich weiß auch, dass es da draußen viele junge Musiker*innen gibt, die dieses Privileg nicht haben und nach Informationen suchen und bei so genannten Info-Tagen an Musikhochschulen meist mit mehr Fragen rausgehen, als sie reingekommen sind. 

Für genau die Menschen gibt es nun eine Artikelserie, bei der ich mich mit diesen und noch weiteren Fragen beschäftigen werde.

Kleiner Disclaimer am Rande: wenn du die Artikel liest und es Fragen gibt, die ich hier nicht beantworte oder dich noch anderen Fragen beschäftigen – schreib mir eine Mail! 

Nun aber zum Thema des heutigen Artikels. 

Ist das Musikstudium ein Duales Studium? Nein! Es wird zumindest so nicht ausgelegt und rechtlich wäre es falsch das zu behaupten. Aber nach sieben Jahren Studium kann ich eines mit Gewissheit sagen: es fühlt sich wie ein duales Studium an! Mit einem Uni-Studium hat es zumindest nur sehr sehr wenig zu tun!

Für die Menschen, die dich fragen „Was, das kann man studieren?“, gebe ich dir hier eine schlagfertige Antwort mit auf den Weg: „Ja, man kann schließlich auch Kosmetologie oder Amerikanistik studieren und ich frage mich, was man danach beruflich macht außer Taxi fahren?“ – Ok, ein altes Klischee, aber fragt mal Studierende aus Universitäten oder geht zu Info-Tagen. Ich bin immer wieder selbst überrascht, was man nicht alles studieren kann. 

Bei uns wird aber zumindest überwiegend das, was im Namen enthalten ist, auch unterrichtet. 

Grundsätzlich gibt es an Musikhochschulen aber nicht nur einen Studiengang. 

Wir haben insgesamt 24 eigenständige Musikhochschulen, 9 Hochschulen, an denen man Kirchenmusik studieren kann und 5 Institute, die unter dem Dach einer Uni laufen. (Eine Übersicht findest du hier: https://www.dov.org/klassikland-deutschland/musikhochschulen)

Das sind schon ein paar Möglichkeiten. Gleichzeitig macht es aber die Auswahl nicht gerade leichter, bei dem großen Angebot!

Wenn ich hier jetzt versuchen würde einen Rundumschlag, über die verschiedenen Schwerpunkte der einzelnen Hochschulen aufzuschreiben, säße ich vermutlich in 3 Tagen noch hier. Ich möchte jedoch trotzdem, soweit es mir möglich ist, einen Einblick geben, in das grobe Studienangebot im Bereich Musik. 

Vielen Menschen fällt beim Musikstudium vermutlich zuerst einmal das Orchestermusik Studium ein. Dazu muss man leider sagen: die alten Diplom Studiengänge waren, was die Berufsbezeichnung am Ende angeht, etwas leichter zu verstehen. 

Im Jahr 2020 studiert man erst mal kein „Orchestermusik“, sondern man studiert einen „Bachelor of Music“. Ja, die Bologna Reform hat auch vor den Musikstudiengängen nicht Halt gemacht. Noch heute kotzen gefühlt alle Fachbereiche an den Hochschulen. Manche finden es auch toll. Aber ich kenne eindeutig mehr Menschen, die das Bachelor- und Mastersystem im Musikstudium völlig hirnverbrannt finden, aus verschiedenen Gründen. Dazu aber in einem anderen Artikel mehr. 

Der Studiengang „Bachelor of Music“ kann verschiedene Themenfelder bzw. Schwerpunkte bedienen. Da gibt es natürlich den Studiengang, den wir umgangssprachlich als „KA“ also die Künstlerische Ausbildung bezeichnen. Den gibt es für so gut wie jedes Instrument. Bei mir handelte es sich z.B. um den „Bachelor of Music Holzbläser“. Dasselbe gibt es mit Klavier, Gitarre, Streichinstrumenten, Schlagwerk etc., es ist aber nicht die einzige Möglichkeit! 

Auch hier werfe ich erst mal einen umgangssprachlichen Begriff in den Raum: IP und/oder EMP. Da handelt es sich um die pädagogischen Studiengänge. IP bedeutet Instrumentalpädagogik und EMP steht für Elementare Musikpädagogik. EMP ist für dich vielleicht sogar noch eher unter dem Begriff der „Musikalischen Früherziehung“ bekannt. 

Wenn man nicht so der Klassikmensch ist oder gar ein Instrument spielt, was für ein klassisches Studium nicht in Frage kommt, gibt es auch den Studiengang Jazz/Pop.  

Den gibt es allerdings nicht an jeder Musikhochschule und da kommen wir schon zum ersten Problem: nicht jede Institution bietet alles an und nicht jede Institution ist für alles geeignet und dafür ausgestattet! Natürlich muss man sich in diesem Urwald an Studienfächern irgendwie zurechtfinden. Das musst du aber unbedingt selbst machen, da hilft nur recherchieren, sich einen Plan machen (da bist du hier ja richtig) und sich die Studienorte und ihre Lehrkräfte anschauen. Aber dazu im nächsten Artikel mehr. 

Ein sehr bekannter Studiengang, den ich noch nicht genannt habe, ist das Lehramt Studium. Der läuft allerdings nicht unter dem Namen „Bachelor of Music“, sondern tauft sich „Bachelor of Arts Lehramt Musik“. Dieser Studiengang wird aber nur angeboten, wenn eine Universität in der Nähe ist, mit der die Hochschule verbunden ist. Oder eben eine Universität mit einem Fachbereich Musik. 

Im „Master of Music“ kann man sich dann z.B. als Instrumentalist auf Orchesterspiel oder Kammermusik oder Solo spezialisieren. Es gibt ebenso die Möglichkeit sich auf eine Stilistik zu konzentrieren: zeitgenössische/Neue Musik oder Alte Musik. Pädagogische Masterstudiengänge und Master im Jazz/Pop sind selbstverständlich auch vorhanden.

Es gibt zusätzlich, zu den oben etwas ausführlicher dargestellten Studiengängen, die Fächer (Bachelor und Master): Orchesterdirigieren, Chordirigieren, Oper/Musiktheater, Kirchenmusik, Komposition, Tonsatz, Musikwissenschaft, Musikproduktion…

Du merkst vielleicht nach den letzten Zeilen. Das ist ein riesen Angebot und es ist überall immer etwas anders. Das Internet bietet uns heute die Möglichkeit sich sehr gut zu informieren, über einen bestimmten Studiengang oder eine Musikhochschule und deren Lehrende. Was aber irgendwie nirgends steht, ist die Realität und der Studienalltag eines Musikstudierenden. Ich versuche mit meinen kommenden Artikeln, genau dieses Loch zu füllen. Ich möchte niemanden davon abhalten ein Musikstudium anzustreben! Aber ich möchte auch nicht, dass jemand blind ins Studium rennt, ohne einen Gedanken daran verschwendet zu haben, was da eigentlich auf einen zukommt!

Abschließend will ich noch mal auf den Titel dieses Artikels eingehen und auf die Frage(n):

Ist das Musikstudium wie ein duales Studium?

Es kommt ganz darauf an, was du daraus machst. Mein Studienverlauf hat sich zumindest immer wie ein duales Studium angefühlt, da ich selten „nur“ studiert habe und immer schon in dieser Berufsbranche gearbeitet habe. Natürlich um Geld zu verdienen, aber auch um Erfahrung zu sammeln!

Kann man mehrere Studiengänge gleichzeitig oder hintereinander studieren?

Ja, ich bin das lebende Beispiel! Aber hintereinander biete sich schon eher an, als gleichzeitig…

Muss man sich auf einen Berufszweig einschießen?

Nein, ist auch nicht sehr förderlich. Ein Plan B oder C zu haben, ist grundsätzlich nicht verkehrt oder sich mehrere Standbeine aufzubauen!

Ist das Musikstudium wirklich so hart?

Das kommt ganz drauf an, was du studieren möchtest und was du danach damit anfangen willst! Aber ein Ponyhof ist es definitiv nicht…

Wo soll ich mich bewerben?

Die Frage, bzw. meine Tipps dazu, kommen im nächsten Artikel 🙂 Bis dahin eine gute Zeit und genießt die Sonne (falls vorhanden)! 

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