Eine Sache, die ich in 19 Semestern Studium an Musikhochschule und Konservatorium gelernt habe ist: Wenn ich mein Semester nicht im Voraus plane, dann laufe ich am Ende auf dem Zahnfleisch.

Eine zweite Sache, die ich dann als Planungsqueen schmerzlich erfahren musste war: Überplanen ist auch keine Option!

Aus beiden Erkenntnissen habe ich über Jahre hinweg ein System kreiert, mit dem ich meine Semester geplant habe. Alle Fehler und schmerzlichen Erfahrungen, die ich gemacht habe, musst du nicht auch noch mal machen. Du kannst bereits aus meinen Fehlern lernen und das System direkt für dich umsetzen.

Klingt das gut? Let’s do this!

Nun sitze ich hier und schreibe nicht mehr als Studentin, wie noch vor drei Jahren, sondern als Dozentin des Music Career Centers an der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf. Für mich gehört die Semesterplanung und das Thema Selbstmanagement im Musikstudium zur absoluten Basis für die Studierenden, aber natürlich auch für mich als Dozentin. Denn ich plane ja nun auch wieder mein Semester, nur eben nicht als Studentin, sondern als Lehrende.

Das habe ich zum Anlass genommen, wieder ein kostenloses Online Seminar zum Thema Semesterplanung zu machen. Die Aufzeichnung dazu findest du ganz am Ende dieses Artikels.

Ich teile mit dir hier im Artikel meinen „10 Schritte Plan“ zum erfolgreichen Planen und Vorbereiten.

Ich muss eine Warnung aussprechen: Es kann sein, dass dein nächstes Semester dadurch erfolgreicher verläuft, du einen besseren Überblick über alles hast und vor allem, dass du nicht mehr zu allem Ja sagst. Eine Kombination aus Zielsetzung für dein kommendes Semester ist hier empfehlenswert, dazu liest gerne mal meinen Artikel:

In 10 Schritten zu deinem Semesterplan

  1. Nimm dir ein großes Blatt Papier (DIN A3) und einen Bleistift zur Hand. Du brauchst auch dein Studienbuch oder deinen Studienverlaufsplan. Natürlich kannst du das auch digital auf deinem Tablet oder Laptop machen, dafür bräuchtest du Excel oder Numbers (Apple).
  2. Notiere dir einen Stundenplan von Montag bis Freitag (oder nach Notwendigkeit auch Samstag) mit Uhrzeiten von acht bis achtzehn (oder zwanzig) Uhr für deine wöchentlich wiederholenden Termine und Seminare. Du kannst natürlich auch eine Vorlage nehmen, wenn du digital arbeitest.
  3. Schreibe neben dem Stundenplan, in einer Spalte, die Seminare und Vorlesungen auf, die du dieses Semester machen musst (Priorität eins) und machen könntest, wie zum Beispiel etwas Vorziehen, (Priorität zwei) und die du aus dem Wahlbereich machen möchtest (Priorität drei). Zusätzlich zu den Seminaren schreibst du noch die Semesterwochenstunden (SWS), also wie lange wöchentlich der Zeitaufwand ist. Achtung! Bedenke dabei, einige Seminare erfordern Vor- und Nachbereitungszeit. Ich würde zum Beispiel bei Theoriekursen grundsätzlich die Semesterwochenstunden verdoppeln! Vergiss deinen Haupt- und Nebenfachunterricht nicht.
  4. Nun geht es an die sogenannten Studienleistungen. Notiere dir, in welchem Seminar du eine Studienleistung (SL) oder sogar eine Modulprüfung (MP) ablegen musst. Sollte es hierfür bereits Termine geben, schreibe sie dazu, ansonsten ergänze sie, sobald du sie weißt.
  5. Jetzt öffne das Vorlesungsverzeichnis und suche dir die passenden Seminare heraus. Notiere dir die Zeiten, blocke es in deinem skizzierten Stundenplan aus. Bedenke gegebenenfalls Fahrtzeiten und Raumwechsel. Gerade wenn du auf einem Campus mit unterschiedlichen Standorten studierst, ist das von großer Bedeutung. Wenn sich etwas zeitlich in die Quere kommt, entscheide immer nach Prioritäten! Kleiner Tipp am Rande: Melde dich erst zu den Kursen an, wenn du mit der Planung fertig bist.
  6. Überlege dir, wie viel du in der Woche für dein Hauptfachinstrument investieren möchtest, sprich: Wie viel möchtest du üben? Schreibe das am besten auch in Semesterwochenstunden auf (3/4 Stunden Einheiten), dann kannst du später besser zusammenrechnen. Ein Fehler, den viele machen, ist, sich das nicht vorher klarzumachen. Schnell kommt dann im Semester der Moment, indem du denkst: „Ich hab ja überhaupt keine Zeit mehr zum Üben!“ – Dieses Problem ist hausgemacht und sorry für die harten Worte, aber: Dafür bist du selbst verantwortlich!
  7. Trage in deinen Stundenplan deine fixen Wochentermine, wie Arbeiten, Hobbys oder Proben ein.
  8. Nun schaust du dir mal den Stundenplan an, rechnest deine Semester-wochenstunden hoch und diese wandelst du dann in Zeitstunden um. Zum Beispiel: 52 Semesterwochenstunden (das klingt jetzt viel, kommst du aber inklusive Üben relativ schnell drauf) sind 39 Zeitstunden. Das ist vollkommen im grünen Bereich und kommt einer typischen ‚40-Stunden-Woche‘ einem oder einer Arbeitnehmer*in gleich. Gefährlich wird es, wenn deine Semesterwochenstunden die Siebzig überschreiten. Da ist Stress vorprogrammiert und ich spreche dann von sogenannter ‚Überplanung‘.
  9. Schreibe dir, wenn bereits vorhanden, alle Konzert- oder Prüfungstermine in einem Feld auf, wie zum Beispiel: Klassenabende, Kammermusikkonzerte, Orchester- oder Chorkonzerte und Klassenstundentermine.
  10. Wenn du zufrieden bist mit deinem Stundenplan, dann melde dich für die jeweiligen Seminare an, kläre deinen Haupt- und Nebenfachunterricht ab und blocke dir in deinem Stundenplan auch schon feste Übezeiten aus!

Mir ist klar, dass gerade das Üben bei manchen, das größte Problem ist. Nicht jede*r kann in der Wohnung üben und ist somit auf die Räume und der Hochschule angewiesen. Auch hier ist mir wichtig zu sagen: Das ist trotz allem, deine Verantwortung. Ich habe in meiner Studienzeit Kolleg*innen gehabt, die sich beschwert haben, dass sie ja kaum zum üben kommen, sind aber regelmäßig erst um 10.30 Uhr in der Hochschule aufgekreuzt, in der Zeit ich schon meine erste zwei Stunden Einheit hinter mir hatte (manchmal, war das sogar die einzige Einheit an einem Tag bei mir, weil es nicht anders ging).

Eine Sache ist die Raumkapazität, eine andere ist die Selbstorganisation und eben auch die Vorbereitung darauf. Wenn du schon etwas länger an deiner Hochschule studierst, wirst du die Raumkapazitäten kennen und wissen, an welchen Tagen die Hölle los ist. Du kannst dir dann natürlich auch andere Aufgaben, in diese Zeit legen, anstatt dich aufzuregen, dass es keinen Überaum gibt. Bitte versteh mich nicht falsch, ich verstehe das Dilemma, aber am Ende ist es sehr viel mehr in unserer Verantwortung, als wir gerne zugeben wollen und ich spreche absolut aus Erfahrung!

Noch ein anderer Punkt, der mich sehr wichtig ist an dieser Stelle: Du musst dich nicht kaputt arbeiten im Studium! Es ist niemandem gedient, wenn du bereits mit Mitte 20 im Burn-Out landest, weil du dir zu viel aufgehalst hast und auch hier spreche ich aus Erfahrung! Es ist vollkommen okay, sich einen Tag die Woche komplett frei zu nehmen! Denn Überraschung, wir haben in Deutschland ein Arbeitszeitgesetz, das juckt aber im Studium halt keine Sau. Du kannst dir auch zwei halbe Tage die Woche frei halten und wenn du die dann doch mal füllen solltest, sorge für deine Entspannung an einem anderen Tag.

Ich weiß, dass Selbstfürsorge in vielen Köpfen unserer Gesellschaft noch nicht vollständig Einzug gehalten hat, als etwas, was wir präventiv machen dürfen und nicht erst, wenn alles über uns einstürzt, denn dann ist es keine Selbstfürsorge mehr, sondern Brände löschen! Pausentage und Pausenzeiten in deinem Stundenplan zu notieren und auch einzuhalten, ist für deine mentale und körperliche Gesundheit unglaublich wichtig, für die wir in vielen Fällen immer erst dann dankbar sind, wenn wir mal krank waren oder es uns schlecht ging und wir wieder auf der Höhe sind.

Unten findest du die Aufzeichnung des Webinars vom 17.09.24, dort gibt es noch weitere Impulse und du kannst live dabei mit planen, da es sich um eine Aufzeichnung handelt, kannst du auch jederzeit pausieren.

Ich hoffe du kannst dich nun mit diesem 10 Schritte Plan gut aufs kommende Semester vorbereiten und solltest du mehr solcher Impulse brauchen und vielleicht sogar am Anfang deines Studiums stehen, dann kann ich dir mein Starterkit für Musikstudierende ans Herz legen. Dieser Semesterplan Guide ist auch dort zu finden, mit noch vielen weiteren Tipps und Themen.

Du kannst das Buch auch als Ringbuch bei mir bestellen, dafür schreibe mir eine Mail. Das Ringbuch kostet 20€ inklusive Versand.

Und wenn du dir so richtig viele Impulse und auch (liebevolle) Arschtritte abholen möchtest, dann schau mal, ob du dir direkt den Onlinekurs holst:

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