Freitag, der 13. oder Angst vor der Weiblichkeit

Ich schreibe diese Zeilen nun an dem so allgemein gefürchteten Freitag, den 13.

Fasziniert war ich, als ich in einem Reel von Lydia (Zauberhaut) erfuhr und danach weiter recherchierte, dass die Zahl 13 die Zahl der Weiblichkeit ist. Das geht darauf zurück, dass Kalender früher nach Mondzyklen berechnet wurden und es 13 Mondzyklen pro Jahr gibt. Der weibliche Zyklus verläuft (bei gesundem Zyklus), wie der Mondzyklus, ebenfalls 13 Mal pro Jahr. Mit Aufstieg des Patriarchats kam auch die Angst vor der weiblichen Kraft und weiblichen Sexualität. Die Einzelheiten zum Thema Unterdrückung der Frau in Religionen und Gesellschaft oder der Hexenverbrennung erspare ich euch hier jetzt, wenn ihr darüber mehr hören wollt, hört in meine aktuelle Podcastfolge rein.

Ich wurde nach meinem Jahresrückblick vielfach angeschrieben, wie ich denn nun in meine Weiblichkeit gekommen wäre, was damit genau gemeint ist und wo ich darüber Informationen gefunden hätte. Also gibt es in diesem Artikel auf der einen Seite eine kleine Ode an die Weiblichkeit und andererseits Empfehlungen von mir, wo ich mich damals informiert habe und wo ihr euch auch selbst damit beschäftigen könnt. Hilfe zur Selbsthilfe.

Zuerst ein mal eine kleine Erklärung und ein Disclaimer: Jeder Mensch, egal welchem Geschlecht er sich zugehörig fühlt und welche sexuelle Neigung er hat, vereint beide Energien in sich. Yin und Yang. Weibliche und männliche Energie. Und noch eine kleine Randbemerkung für alle, die nicht verstehen wollen, dass das Wort „transsexuell“ falsch verstanden wird. Es geht dabei nicht um deren sexuelle Neigung, sondern um deren Identität. Fühlt man sich als Mann, als Frau oder keinem Geschlecht zugehörig (Non-Binär). Das ist für diesen Artikel auch wichtig zu verstehen, denn ich schreibe den Artikel nicht nur für Frauen, die in ihre Weiblichkeit kommen dürfen, sondern für alle Menschen, die ihre weibliche Energie mehr ins Licht bringen wollen.

Ich habe sehr lange Zeit meine weibliche Kraft und Energie als Schattenseite in meinem Inneren verborgen. Das war der Hauptgrund für meine Neurodermitis und meine Allergien. Ich habe einen großen Anteil in mir einfach unterdrückt. Emotionen unterdrückt, die ich „als Frau nicht fühlen oder zeigen darf, denn das macht man nicht“. Welche Emotionen ich meine? Wut, Zorn, Aggression. Ein Mann ist stark und weiß was er will, wenn er im Meeting oder im Privaten auf den Tisch haut und Tacheles spricht. Eine Frau ist emotional und anstrengend, wenn sie das gleiche tut, vielleicht hat sie aber auch einfach nur ihre Tage …

Mehr Informationen rund um das Thema findest du im Artikel Lebe Intuitiv von Lydia (Werbung, unbezahlt, von Herzen). Das war auch der erste Text, den ich darüber las. Die dazugehörige Podcastfolge und der Artikel haben mich richtig umgehauen!

Ich habe als junges Mädchen gelernt und aufgesogen, dass ich bitte nicht zu emotional und sensibel zu sein habe, anstrengend und nervig ist auch nicht so toll, hysterisch schon gar nicht und zu laut bitte auch nicht. Das haben die Gesellschaft, die Medien, Film und Fernsehen (besonders Germany’s next Topmodel) und Märchen grandios hinbekommen. Über Schönheitsideale brauche und will ich jetzt gar nicht anfangen. Ich soll keine „Heulsuse“ sein, aber auch kein „Mannsweib“. Nicht zu prüde und verklemmt, aber bitte auch keine, die jeden ran lässt. Keine Zicke und auch keine Drama Queen. An dieser Stelle eine riesen große fette Herzensempfehlung für das Buch Drama Queen – Frauen zwischen Beurteilung und Verurteilung von Tara-Louise Wittwer. Dieses Buch sollte jeder Mensch gelesen haben, aber besonders jede Frau!

Ich habe gelernt, dass es scheinbar völlig okay ist, wenn ich mal nicht die strahlende Gute-Laune-Maus gegeben habe, mich darauf anzusprechen, „ob ich denn meine Tage hätte, ich wär doch sonst nicht so grummelig“. Generell wurde mir vor Kurzem schon wieder gesagt, ich solle besser positiven Content machen und mehr Lächeln, dass würde mir mehr stehen. Wenn ich mal ungeschminkt unterwegs war, fragte man mich, ob alles okay wäre, ich „sähe so fertig aus“. Ne, sorry, ich bin einfach nur ungeschminkt. Wenn ich bestimmte „schickere“ oder „freizügigere“ Kleidung trage, wird das kommentiert. Wenn Frau schon mit 13 (scheint wohl doch so ’ne magische, weibliche Zahl zu sein) sexualisiert und auf ihr Äußeres reduziert wird, von gleichaltrigen und auch von Älteren, dann hinterfragt Frau das nicht mehr.

Was das jetzt alles mit der Angst vor Weiblichkeit zu tun hat? Ein Menge.

Nicht nur Männer haben kollektiv seit Jahrtausenden Angst vor der Kraft und Energie der Weiblichkeit, sondern auch Frauen vor ihrem eigenen Licht, ihrer eigenen Kraft und vor allem vor der Kraft von anderen. Was in diesem Kontext Weiblichkeit bedeutet? Ich versuche es mal so kurz und knackig wie möglich zu erläutern:

  • Empfangen und Hingabe
  • Kreativität, Ideen und Schöpferkraft
  • Intuition wahrnehmen und Bedürfnisse äußern
  • Altes Loslassen
  • Emotionen zulassen (Energie in Bewegung)
  • Naturverbundenheit
  • Selbstannahme und Selbstfürsorge
  • Körpergefühl und Sexualität

All das sind Attribute, die alle Menschen integrieren können. Gleichzeitig steckt in der weiblichen Energie eine unbändige Kraft, die uns Frauen Kinder gebären lassen können. Was passiert, wenn Frauen in ihre Weiblichkeit kommen? Sie lassen sich nicht mehr kontrollieren. Sie scheißen auf Kommentare und Bewertungen von Außen, weil sie sich selbst komplett annehmen können und selbst die Liebe geben, die sie sich vorher vermeintlich von anderen erhofft haben. Sie brechen aus dem patriarchalen System aus. Von der einen Seite bekommen sie Applaus und von der anderen Seite Hate. Sowohl von Männern, als auch von Frauen. Aber wie, fragst du dich, konnte es passieren, dass sogar Frauen sich von anderen Frauen bedroht fühlen und Angst vor deren Kraft und Weiblichkeit haben?

Im Buch von Tara lernte ich zum ersten Mal ausführlich den Begriff und die Bedeutung von internalisierter Misogynie, kurz und knapp eingepflanztem Frauenhass. Mir war bis zu diesem Buch nicht klar, wie groß und krass dieses Problem wirklich ist, denn an das meiste hatte ich mich bereits, wie oben beschrieben, gewöhnt. Von der niedlichen Bezeichnung des „Bienenköniginnen Kampfs“ habe ich in Form von Mobbing mehr als ein mal kosten dürfen und bin mehr als ein mal davon traumatisiert worden. Es kann nur eine geben. Ja, genau, so sahen auch viele Filme, Serien, Shows, Musikacts etc. die letzten Jahrzehnte aus.

Ein weiteres Buch, was ich euch sehr ans Herz legen kann: Es kann nur eine geben von Caroline Kebekus. Das hat mich auch mehrfach geflasht.

Die Angst, dass eine andere Frau einem die Show stiehlt oder den oder die Partner*in ausspannt oder den Job besser macht, weil sie jünger, schöner und attraktiver ist als man selbst, oh ja, das kennt glaub ich wirklich jede. Das ist in uns indoktriniert worden. Nicht nur in den letzten Jahrzehnten, sondern in den letzten Jahrtausenden! Im Buch Genesis von Veit Lindau gibt es eine unglaublich gute Erläuterung des Jahrtausendealten Patriarchats und den zwei Energiepolen Yin und Yang (Eros und Logos). Auch dieses Buch hat mich in dieser Thematik unterstützt und mir geholfen meine Problematik zu verstehen.

Die kollektive Unterdrückung der Frau und der Weiblichkeit führte dazu, dass auch ich meine eigene Weiblichkeit unterdrückte, mein Körper das aber nicht so geil fand. Dann kam die Reaktion – heftig und intensiv. Wie ich das raus fand und mir meine weibliche Kraft zurück geholt habe?

Durch Abgrenzung und Aussprechen (aller) meiner Bedürfnisse.

Durch Loslassen von Ängsten, alten Glaubenssätzen und eingefahrenen Denkmustern über Weiblichkeit und mich als Frau.

Durch kreative Tätigkeiten aller Art: Malen, Tanzen, Singen, Musizieren und Schreiben.

Durch Selbstvertrauen und das Hören auf meine Intuition und meine innere Stimme.

Durch Fühlen – wirklich alles Fühlen, auch alte Verletzungen und alten Schmerz, alte Wut, alter Zorn.

Durch das Lösen von Aggression und einem Kanal dafür finden, ohne andere dabei zu verletzen – Ja, das geht!

Durch Empfangen von Ideen und Einfällen, besonders während meiner Periode, da bin ich besonders angebunden.

Durch Selbstliebe (da bin ich noch mittendrin und ich glaube, das ist eine Lebensaufgabe) und Selbstannahme.

Durch das Auflösen von Traumata, die damit zusammenhingen und da bin ich noch lange nicht komplett durch!

Durch das Lesen und Aneignen von Wissen über das Thema, in Büchern, Podcasts und Artikeln.

Kurz: Ich habe Verantwortung für meinen Körper, meine Seele, meine Emotionen und meine Gedanken übernommen. Das tut manchmal weh, manchmal sogar sehr.

Nun sitze ich hier, am Freitag, den 13. und bade in meiner weiblichen Energie. Ich kann absolut nachvollziehen, wo diese Angst herkommt und warum sie existiert. Aber wie mit vielen Ängsten ist es auch hier möglich, sich ihr zu stellen und nicht alles zu glauben, was wir denken!

Ich feiere jetzt eine Weiblichkeitsparty und wünsche euch eine wundervolle Woche.

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