Bewusst oder Unterbewusst, das ist hier die Frage.

„Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage.“

W.Shakespeare (1564-1616) – Hamlet

Und eine verdammt gute Frage noch dazu. So wie Shakespeare habe ich mir diese Frage schon mehr als ein mal gestellt. Da ich nicht die größte Philosophin bin, werde ich diesen Satz jetzt nicht analysieren, dafür gibt es bereits genug andere Menschen, die das vor mir besser gemacht haben. Ich mag allerdings die Satzzusammenstellung und so kam auch der Titel zustande.

Ich habe mir schon sehr oft in den letzten Jahren die Frage gestellt: Ist diese Entscheidung bewusst oder unterbewusst von mir getroffen worden? Habe ich Ja gesagt, weil ich das wirklich machen will oder weil irgendein altes Muster in mir angegangen ist und jemand auf meinen Buzzer geschlagen hat? Wollte ich nicht insgeheim eigentlich Nein sagen, ist mir das später aufgefallen und hatte ich dann (unterbewusst) den Glaubenssatz, dass ich den Menschen, dem ich jetzt zugesagt habe nicht einfach so wieder absagen kann, denn dann würde ich den ja enttäuschen?

Hui. Ich würde sagen, wir sind bereits ganz tief in Glaubensmustern angekommen, die ich allerdings schon in mein Bewusstsein geholt habe. Zu allererst ein mal, erläutere ich dir in aller Kürze noch mal den Unterschied und die Hard Facts, denn vom Bewusstsein und Unterbewusstsein hast du mit Sicherheit schon gehört, beschäftigt vielleicht auch schon, aber in die Tiefe gehen … das kann sehr schmerzhaft werden und die meisten Menschen schrecken davor erst mal (verständlicherweise) zurück.

5% Bewusstsein und 95% Unterbewusstsein

Ich habe es auf dem Blog schon einige Male geschrieben. Unser Gehirn besteht zu 5% aus Bewusstsein, mit dem du jetzt diese Zeilen hier liest, darüber nachdenkst und die vielleicht sogar Notizen dazu machst oder zu dem Thema bereits weitere Artikel recherchierst, weil du es so interessant findest. 95% machen dein Unterbewusstsein aus. Stell dir mal einen Eisberg vor. Das was da aus dem Wasser ragt, ist nur die Spitze des Eisbergs. Das ist dein Bewusstsein. Alles, was sich unter Wasser befindet, ist dein Unterbewusstsein und das ist sowohl im Falle des Eisbergs, als auch bei deinem Gehirn, ’ne ganze Menge!

In deinem Unterbewusstsein befinden sich unglaublich viele Dinge: Verhaltensmuster, Bewegungsmuster (auch für das Musizieren sehr wichtig), Automatismen jeglicher Art, Glaubenssätze, Blockaden in Form von geblockten Energien und Emotionen, Schattenanteile und Gedankenschleifen. Von den ca. 60.000-80.000 Gedanken, die du jeden Tag denkst (ja, das ist viel), sind ebenfalls 95% aus deinem Unterbewusstsein. In der Regel denken wir auch jeden Tag ähnliche Gedanken. So sichern sich Glaubenssätze in unserem Unterbewusstsein ab, die z.T. aus unserer frühen Kindheit kommen und wir dann schon mehrere Jahrzehnte jeden Tag durch den Fleischwolf drehen, bis wir es uns selbst glauben.

Jetzt könntest du sagen: „Boah, Saskia, das ist echt viel Zeug, da will ich mich eigentlich gar nicht durcharbeiten, das ist so anstrengend.“

Zwischenspeicherkapazität?

Ja, und so machen es ebenfalls gefühlt 95% der Menschheit. Einfach so weiter wie bisher, weil Veränderung ist anstrengend und kostet Energie. Weißt du warum so viele Entscheidungen und Verhaltensmuster unterbewusst laufen? Weil wir wahnsinnig werden würden, wenn wir jeden Tag neu entscheiden müssten, ob wir nun Zähne putzen, wie wir heute zur Arbeit fahren wollen, wie wir unseren Tee oder Kaffee zubereiten wollen oder ob wir uns am Abend auf die Couch setzen und den Fernseher einschalten. Unser „Zwischenspeicher“ im Gehirn hat am Tag nur eine begrenzte Kapazität und Entscheidungen kosten Energie, wenn wir sie bewusst treffen. Jeder Mensch kennt das. Gewohnheiten und Verhaltensmuster zu verändern kostet Zeit, Energie und Nerven, manchmal sogar Tränen. Alle Entscheidungen, die aufgrund von Gewohnheiten unterbewusst getroffen werden können, spart also Zwischenspeicherkapazität in unserem Gehirn und wir können besser denken und uns um „Wichtige Dinge“ kümmern.

Als Musikerin gehe ich noch einen Schritt weiter und sage: Das Unterbewusstsein ist für uns unumgänglich, denn wenn ich heute immer noch bei jeder F-Dur Tonleiter die Töne einzeln bewusst spielen müsste, würde ich schlicht durchdrehen und könnte kein Stück wirklich frei spielen! Jede Bewegung die wir einüben, ob äußerlich mit den Gliedmaßen, Händen und Fingern oder innerlich im Atemapparat und der Muskulatur werden früher oder später abgespeichert und können „einfach so“, ohne groß darüber nachzudenken, abgerufen werden.

Bewusst musizieren

Probier es doch mal und nimm dir eine Tonfolge, die du bereits ohne Probleme singen oder spielen kannst und denke, fühle und spiele jede Note ganz bewusst. (mehr dazu in der Masterclass: Bewusst Musizieren am 17.03.23 um 19 Uhr) Ist eine unglaublich wertvolle Übemethode, vor allem, wenn du kleine Fehler ausbügeln möchtest, aber: Es ist anstrengend und kostet Energie. Das könnten wir bei einer 25-minütigen Sonate oder einer 3-stündigen Oper schlicht nicht leisten. Es steckt in unserem Bewegungsgedächtnis und Notengedächtnis, welches zu großen Teilen im Unterbewusstsein geparkt wird, weil, wie wir oben gelernt haben, wir nur eine begrenzte Zwischenspeicherkapazität zur Verfügung habe. Wir sind also angewiesen auf unser Unterbewusstsein und als Musiker*innen haben wir in der Regel kein Problem Stücke und Passagen, die dort gespeichert sind wieder ins Bewusstsein zu holen. Da geht der Übergang ziemlich fließend und ist für uns beim Üben, Proben und Konzertieren Alltag.

Neuroplastizität

Warum haben wir aber ein solches Problem damit, Gewohnheiten und Denkmuster ins Bewusstsein zu holen, dort ggf. mal neu zu denken und auch wieder umzulernen? Denn im Gegensatz zu früher ist heute klar, dank der Neuroplastizität unseres Gehirns können wir in jedem Alter neu Lernen und Umlernen. Bei Gewohnheiten, Glaubenssätzen und Denkmustern sind in der Regel Emotionen beteiligt, die unangenehm sind.

In dem Moment, wo ich mir bewusst mache, dass ich jeden Tag zwei Stunden auf Social Media rumscrolle und weiß eigentlich, dass mir das nicht gut tut, mir aber die Energie fehlt, damit aufzuhören, schäme ich mich vor mir selbst. Bevor ich diesem Gefühl dann in Selbstliebe begegnen kann und es da sein darf, inklusive der Gefühle und Gedanken, die ich mit den zwei Stunden scrollen wegdränge und mich damit nur von etwas ablenke, was uns unser Unterbewusstsein eigentlich gerne mal hochspülen würde, entscheide ich mich lieber dafür, weiter zu scrollen, um mich diesen unangenehmen Gefühlen wie Wut, Angst, Scham, Zorn oder Ohnmacht nicht auszusetzen. Viele Menschen deklarieren diese Gefühle als negativ und das ist schon das größte Problem! Es gibt keine positiven oder negativen Gefühle.

Es gibt nur Gefühle. Die werden unterbewusst sowieso gefühlt und ergeben irgendwann Trigger, auf die andere Menschen oder man selbst dann drauf hauen kann und man dann wie ein HB-Männchen in die Luft geht. Die Frage, die du dir also jetzt und in der Zukunft stellen darfst, besonders in Situationen, wo du nicht bewusst etwas entschieden hast: Warum? Welche Erfahrung hat dazu geführt, dass ich hier jetzt zustimme, obwohl ich weiß, dass ich das nicht machen will. Vor welcher Emotion habe ich Angst? Habe ich vielleicht sogar Angst vor der Angst? Das gibt es wirklich, ich spreche aus Erfahrung!

Selbstreflexion ist der erste Schritt

Wenn du eine Entscheidung oder Handlung im Nachhinein hinterfragst und reflektierst, holst du sie in dein Bewusstsein. Dein Unterbewusstsein will dir nicht schaden, es ist kein geheimer Bereich in dir, in den du nicht reingelassen wirst, sondern du entscheidest dich dafür, nicht in der Scheiße zu wühlen, weil das halt wehtut. Das kann ich absolut verstehen, ging mir früher ja ganz genauso. Ich habe allerdings mittlerweile die Erfahrung machen dürfen, in geschützten Räumen, diese Emotionen, Glaubensmuster und Erfahrungen aus meinem Keller zu holen, mir anzuschauen und mir bewusst zu machen, dass ich in der Regel nichts für diese Erfahrungen konnte, denn ich war z.T. vier bis acht Jahre alt. Seitdem ich einige Tools für mich gefunden habe, mache ich das sogar alleine auf meinem Meditationskissen oder meiner Yogamatte.

Ich hole Erfahrungen und Emotionen an die Oberfläche und lasse sie durch mich durchfließen. Ich hinterfrage Handlungen und Entscheidungen, besonders wenn mir mein Bauchgefühl ein Signal gibt. Ich habe durch Meditation meine Reaktionszeit auf Reize oder Impulse von Außen verlängert und schiebe vor der Reaktion den Gedanken ein: Willst du das wirklich? Passt das jetzt? Warum kommt diese Emotion jetzt bei dieser Frage? Was stört mich gerade? – Was auch immer in die Situation passt. Wenn ich emotional reagiere verlasse ich die Situation, um mir kurz ins Bewusstsein zu rufen, was hier gerade passiert und versuche mein Nervensystem, welches by the way mit unserem Unterbewusstsein verbunden ist, zu beruhigen.

All die Erkenntnisse, die ihr in meinem Jahresrückblick nachlesen konntet, kamen so an die Oberfläche. Entweder durch Meditation, eine Yoga Session oder durchs Journaln. Das bewusste Reflektieren über Erfahrungen, Gedanken und Emotionen im Unterbewusstsein ist mein persönlicher Game Changer in der persönlichen Weiterentwicklung gewesen. Ja, das tut manchmal weh. In einigen Fällen frage ich mich, wie mein jüngeres Ich das überhaupt aushalten konnte und dann fällt mir wieder auf: Ach ja, es hat die Situation und Emotion nicht ausgehalten, sondern weggedrückt, sonst wäre sie ja nicht in meinem Körper und Unterbewusstsein gespeichert. Das ist ein hoch komplexes Thema, welchem ich hier aber mehr Raum geben möchte, da von euch so viele Fragen kamen: Wie hast du das gemacht mit deinem inneren Kind und deiner Weiblichkeit?

Im nächsten Artikel geht es um Gewohnheiten und wie du sie ganz konkret und langfristig verändern kannst. Der Schlüssel dazu ist, du errätst es sicher, dein Unterbewusstsein 😉

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