Leseprobe: „Was machen Sie eigentlich beruflich?“

Ich kann es kaum glauben, aber in genau 14 Tagen am 13.03.22 veröffentliche ich mein Buch: „Was machen Sie eigentlich beruflich?“

Ich habe beschlossen hier eine kleine Leseprobe zu teilen und schon mal Werbung zu machen. An dem Tag selbst gehe ich auf Instagram live und am Montag wird diese Livefolge als Podcastfolge online gehen auf meinem Podcast.

Das Buch wird es als gedrucktes Buch im Eigenverlag geben, mit ISBN und erhältlich auch bekannten Buchportalen. Als E-Book und als Hörbuch kannst du es bei mir erwerben, an dem Tag wird auch hier ein Blogartikel online gehen mit allen Links und Infos dazu.

Jetzt möchte ich dich aber nicht länger auf die Folter spannen, es folgt ein Ausschnitt aus dem Kapitel:

„Ach, Musik kann man studieren?“

Diese Frage wird, glaube ich, spätestens in der Familie oder im Umfeld gestellt, wenn man auf die Frage: 

„Was machst du denn dann nach der Schule?“, mit „Ich möchte Musik studieren und bereite mich gerade auf die Aufnahmeprüfung vor.“ antwortet. Natürlich gibt es Familien, in denen bereits Musiker*innen sind. Viele Musikstudierende kommen auch aus Musikerhaushalten. Da wird diese Frage selbstverständlich eher selten gestellt. Es gibt aber sehr viele Menschen, die konsumieren täglich ihre drei bis vier Stunden Spotify oder Radio und sind dann völlig aus dem Häuschen, wenn man ihnen sagt, dass man Musik sogar studieren kann. 

Es gibt tatsächlich dreiunddreißig Musikhochschulen beziehungsweise Universitätsinstitute in Deutschland, an denen man das kann. Ich finde es auch absolut nicht schlimm, dass es Menschen gibt, für die das neu ist. Ich wusste bis vor kurzem auch nicht, dass man „Angewandte Freizeitwissenschaften“ oder „Urbanistik“ studieren kann. Grundsätzlich ist in unserer Branche Musikstudium nicht gleich Musikstudium. Es gibt selbst innerhalb dieser dreiunddreißig Stand-ortmöglichkeiten sehr unterschiedliche Studiengänge. Pauschal könnte man sie in zwei Kategorien einteilen: künstlerische und pädagogische Studiengänge. 

So leicht kann man es sich aber dann doch nicht machen, wenn man sich so ein Studiengangsangebot einer Hochschule mal genauer anschaut. Man findet dort neben Orchestermusik, Jazz/Pop, Solo/Kammermusik und Musiktheater Studiengängen mittlerweile auch Singer/Songwriter oder Musikproduktion. Im pädagogischen Bereich gibt es die ganz klassische Unterteilung von Instrumental- und Gesangspädagogik (IGP), Elementare Musikpädagogik (EMP) und Lehramt. Am Ende haben diese Studienfächer eines gemeinsam: Es geht um Musikvermittlung! 

Die Ensembleleitung darf man hier selbstverständlich auch nicht vergessen. Ja, die Dirigent*innen großer, sowie kleiner Orchester haben in den meisten Fällen ein Dirigatstudium hinter sich oder das Fach Ensembleleitung studiert. Natürlich kann man auch in die wissenschaftliche Richtung gehen, sowohl in der Musikwissenschaft oder in der Musikpädagogik. Viele Musikwissenschaftler*innen stecken hinter den Beiträgen von Rundfunkanstalten oder hinter Zeitungsartikeln. Ganz schön viele Berufszweige, die da zusammenkommen in einer Branche, von der so einige Menschen glauben, wir würden das hobbymäßig machen. Es gibt eine sehr große Vielfalt an Studiengängen und noch eine größere Vielfalt an Berufsprofilen, die dadurch entstehen können. Mittlerweile gibt es nur noch wenige Musikstudierende, die nur einen Studiengang mit einem einzigen Ziel studieren. Orchestermusik ist wahrscheinlich so eine Studienrichtung. Man übt sich vier bis sechs Jahre die Finger wund, um nach zehn bis dreißig Probespielen, eventuell irgendwann, irgendwo, irgendwie eine Orchesterstelle abzusahnen. Die Stellen werden immer weniger und gleichzeitig gibt es immer mehr Anwärter*innen auf diese Stellen. Problem vorprogrammiert. Dazu aber später mehr. 

Eine andere Problematik gibt es in der Beobachtung von Lehramtsstudiengängen. Viele Studierende nutzen die umfassende Ausbildung (hier geht es noch am ehesten in die Richtung ‚Studium generale‘) und setzen dann später einen anderen musikalischen Schwerpunkt, studieren noch Instrumental- oder Gesangspädagogik oder Dirigieren und gehen dann damit in eine ganz andere Richtung und teilweise auch nicht in die Schulen. Früher konnte man Lehramt auch noch an viel mehr Hochschulen im Doppelfach studieren, das bedeutet, man hatte kein Zweitfach für die Schule, sondern das instrumentale Hauptfach war sozusagen das Zweitfach. Das hatte den Vorteil, dass die Musiklehrämtler*innen auch viel Zeit für ihre künstlerische Bildung hatten, für mich eine absolute Voraussetzung, um Kindern und Jugendlichen Musik zu vermitteln. Das kommt heute bei einem Zweitfach an der Universität, wie zum Beispiel Mathe, Chemie oder Geschichte, natürlich zu kurz. Viele zieht es dann zurecht noch in einen Studiengang, indem sie dem Wunsch nach mehr künstlerischer Entfaltung nachgehen können. Musik studieren bestimmt nicht so viele junge Menschen in Deutschland, oder? Es gibt tatsächlich Zahlen, die ich hier natürlich nicht vorenthalten möchte. Im Wintersemester 2019/2020 waren 33.002 Studierende eingeschrieben an deutschen Musikhochschulen, Universitäten, Pädagogischen Hochschulen und Fachhochschulen[i]. Davon tatsächlich die meisten in Studiengängen der Instrumental/-Orchestermusik mit 9.077 Studierenden. Auf Platz zwei folgt der Studiengang Lehramt für allgemeinbildende Schulen mit 7.679 Studierenden und mit 6.800 Studierenden, auf Platz drei, Musikwissenschaft/Musikgeschichte. In Studiengängen der Musikerziehung (IGP und EMP) befanden sich in dem Wintersemester 2019/2020 4.227 Studierende. Wenn man diese Zahl in Relation setzt: Im Wintersemester 2019/20 waren deutschlandweit 2.897.300 Studierende eingeschrieben, laut dem Statistischen Bundesamt 37.100 an Kunsthochschulen – das sind 1,3 %[ii]. Natürlich ein geringer Anteil, aber es sind eben doch mehr, als man vielleicht glauben mag. Generell ist Deutschland ein sehr beliebtes Studienland für das Fach Musik. Wir haben eine sehr internationale Studierendenschaft, was auch auf kultureller Ebene sehr befruchtend ist. Ein weiterer Grund sind natürlich die nicht notwendigen Studiengebühren, das trifft aber natürlich nicht nur die Musikstudiengänge. Deutschland ist als Kulturnation gleichzeitig auch sehr verlockend, bei Komponisten wie Bach, Beethoven und Brahms (Nein, ich kann nichts dafür, dass die alle mit B anfangen).


[i] http://miz.org/downloads/statistik/8/08_Studierende_Musikberufe_Studienfach.pdf

[ii] https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2019/11/PD19_453_213.html

Das Buchcover

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