Konzentration beim Üben

Yes, heute geht es mal um ein sehr musikspezifisches Thema, aber für alle Muggles (Nicht-Musiker) unter euch ist gesorgt, denn Üben ist eine kognitiv und motorisch herausfordernde Tätigkeit. Davon gibt es ja noch mehr, außer auf einem Musikinstrument oder mit seiner Stimme zu arbeiten. Wer also kein Instrument spielt, darf jetzt an seine Schreibtischarbeit oder an eine andere kognitiv anstrengende Tätigkeit aus seinem oder ihrem Alltag denken. 

Konzentration. Was soll ich sagen, es ist natürlich mega nervig, wenn du dich hinsetzt und konzentriert üben möchtest und dann fliegen dir tausend Gedanken durch den Kopf, der Fokus ist nicht da, du wirst ständig abgelenkt und so wirklich Bock hast du grade auch nicht. 

Welcome to my life!

Wenn ich über irgendwas wirklich ausführlich aus Erfahrung sprechen kann, besonders nach dem letzten Jahr, dann ist es Konzentration beim Üben. 

Fehlende Konzentration kann natürlich unterschiedliche Gründe haben. Müdigkeit, Unwohlsein und fehlende Energie sind da nur ein paar Möglichkeiten. Selbstverständlich haben wir Musiker*innen auch manchmal einfach keinen Bock zu üben! Freundet euch mit dem Gedanken an, auch alle jungen Musiker*innen und frisch Studierende. Es wird der Tag kommen, an dem ihr einen Tiefpunkt beim Üben habt und dann ist die Motivation so richtig im Keller! Konzentration und Motivation kann man diesbezüglich auch nicht unbedingt voneinander trennen. 

Über Motivation möchte ich heute nicht viel sprechen, das ist ein eigenes Thema und wird dieses Jahr von mir mit Sicherheit noch mehr behandelt. Wenn es also der Zustand ist „einfach gerade keinen Bock aufs Üben“ zu haben, dann hast du zwei Möglichkeiten: Du ziehst es durch, weil etwas Wichtiges ansteht oder du lässt es einfach! 

Wenn du allerdings ständig unkonzentriert bist, habe ich hier ein paar Tipps bzw. Empfehlungen für dich:

Ich habe mich seit Jahren mit dem Thema Hirnforschung beschäftigt, gehirngerechtes Lernen und Üben, sowie grundsätzlich über Neurowissenschaft Bücher gelesen. Ich bin selbstverständlich kein Arzt oder Neurobiologe, aber kann dir trotzdem einige Tipps aus dieser Sparte geben! 

Unser Gehirn besteht aus zwei Hälften, die in der Mitte verbunden sind. Das wirst du sicher wissen. Es gibt eine kreativ denkende und eine logisch denkende Hälfte. Zwischen diesen zwei Hälften gibt es einen sogenannten „Balken“, der übrigens bei uns Musizierenden stärker ausgebildet ist als bei nicht Musizierenden. Ein Ungleichgewicht beider Hälften kann auch zu Konzentrationsproblemen führen. Eine einfache Atemübung kann dieses Gleichgewicht wiederherstellen: die Wechselatmung.

Du hältst ein Nasenloch mit einem Finger zu, atmest ein und atmest auf dem gegenüberliegenden Nasenloch wieder aus, während du das zuhältst, auf dem du eingeatmet hast. Auf dem Nasenloch, wo du ausgeatmet hast, atmest du direkt wieder ein und auf dem anderen aus. Diesen Vorgang kannst du beliebig oft wiederholen. Ich selbst mache das immer acht bis zehn Mal und verspüre nach bereits fünf oder sechs eine deutliche Verbesserung meines Sauerstoffgehalts im Gehirn. Natürlich kann fehlende Konzentration auch durch fehlenden Sauerstoff entstehen. Mit dieser Übung gleichst du deine Gehirnhälften wieder aus und bekommst ausreichend Sauerstoff ins Gehirn! 

Diese Übung machst du selbstverständlich in einer Pause und am besten an der frischen Luft oder bei geöffnetem Fenster. Da kommen wir auch gleich zum nächsten Tipp: Pausen.

Pausen sind so unglaublich wichtig beim Üben und auch generell. Unser Gehirn lernt und verarbeitet Informationen in den Pausen und nicht beim aktiven Übe- oder Arbeitsvorgang. Natürlich generell am meisten im Schlaf! Während du also nach einer Übesession auf der Couch sitzt und was isst, einen Spaziergang machst, oder einen Film schaust, arbeitet dein Gehirn unterbewusst weiter an dem Neugelernten. Unglaublich, oder? Wie das möglich ist? 

Unsere Gehirnaktivität besteht zu fünfundneunzig Prozent aus Unterbewusstsein und nur aus fünf Prozent Bewusstsein. Du benutzt also im wachen Zustand gerade mal fünf Prozent deiner Gehirnaktivität für deine sechzigtausend bis achtzigtausend Gedanken, die du täglich denkst, Entscheidungen, die du triffst und Handlungen, die du ausübst. 

Fürs Üben habe ich da den Tipp für dich, mit der Pomodoro Technik zu üben. Die kommt aus dem Zeitmanagement und sagt: Fünfundzwanzig Minuten Aktion und fünf Minuten Pause. Diesen Zyklus kannst du viermal wiederholen und dann braucht das Gehirn eine längere Pause von zwanzig bis dreißig Minuten. Einfach mal ausprobieren, dazu kommt noch mal ein gesonderter Artikel. 

Ablenkungen beim Üben solltest du grundsätzlich minimieren und die mit Abstand größte Ablenkung unseres Jahrhunderts ist unser Smartphone! Es hat so viel Nützliches und Hilfreiches in unser Leben gebracht, aber auch so viel Negatives und eine chronische Ablenkung ist es auch. Es gibt eine wunderbare Funktion auf dem Smartphone, vielleicht kennst du sie schon: den Flugmodus! 

Benutze ihn während deiner Übesession und in den Pausen, tu dir den Gefallen: Lass ihn eingeschaltet. Du wirst sehr schnell merken, wie sich dein Üben verändert. Solltest du dein Metronom und Stimmgerät nicht auf einem anderen Gerät haben, kannst du durch den Flugmodus auch dein Smartphone auf deinem Notenständer liegen lassen, ohne Störung und Ablenkung. 

Letzter Tipp, vor allem für das Gedankenkarussell: Mach ein Brain Dump.

Lege dir einen Zettel bereit oder nimm deine Notizapp und schreibe diese Gedanken runter bevor du übst, dann nerven sie dich nicht beim Üben. Wie ein Brain Dump funktioniert, habe ich in diesem Artikel bereits ausführlich erklärt: Link. 

Ich hoffe diese Tipps helfen dir, dein Üben fokussierter und konzentrierter zu gestalten. 

Sollte es dennoch Tage geben, an denen es einfach nicht geht: Lass es! 

Ein Pausentag die Woche kann nicht schaden, sondern bewirkt eher Wunder bei einigen Problemen und kann verhindern, dass du dir noch mehr Fehler und Probleme einübst. 

Habe eine wundervolle Woche und viel Spaß beim Üben. 

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