Ich habe im Februar sehr viel lernen dürfen und vor allem super viel in Heilung bringen können, aber eines was ich heute in meinem Monatsrückblick mit dir teilen möchte ist eine Erkenntnis, die ich zwar schon im instrumentalen Bereich hatte, aber noch nicht in dem Kontext in dem ich jetzt unterwegs bin.

Ich bin seit einigen Wochen wieder in Therapie und arbeite an Themen, u.a. auch an denen, die ich schon im letzten Artikel und auch in meinem Jahresrückblick thematisiert habe. Ich nehme mir sehr viel Zeit für meine persönliche Heilung von alten Verletzungen und neben der Therapie arbeite ich mit vielen Tools, die mich dabei unterstützen. Dabei musste ich feststellen, dass ich nicht voll oder z.T. auch gar nicht „funktionstüchtig“ bin. Soll heißen, ich komme in meinem Business und meinem Job nur schwer voran, für Dinge die ich sonst nebenbei wegschaffe brauche ich sehr lange, weil meine Kapazität nicht da ist. Mein Körper und mein Geist brauchen viel Energie um zu heilen und die fehlt mir natürlich dann an der Stelle, wo ich plane, strukturiere, ausführe und arbeite.

Das zu akzeptieren hat mich jetzt ungefähr den ganzen Februar gekostet. Ich bin ja die Queen of Produktivität und die Queen of Selbstmanagement, sonst gäbe es diesen Blog und meinen Podcast nicht. Nur wenn das plötzlich nicht mehr funktioniert, steht Frau mal eben kurz mitten in einer kleinen aber feinen Identitätskrise. Fragen oder Aussagen von Menschen im Umfeld wie: „Das kenne ich gar nicht von dir“ „Dir gehts gar nicht gut oder? Du hast noch nie so lange zum antworten gebraucht!“ helfen nicht unbedingt dabei das zu akzeptieren, sondern triggern erst mal zusätzlich an: „Shit, ich erfülle gerade weder meine eigenen Erwartungen, noch die von Menschen im Außen.“

Die eigentlich wichtigen Fragen, die ich mir dann im Februar gestellt habe war: Warum muss ich überhaupt Erwartungen erfüllen und von wem kommen die? Sind die von mir gesetzt? Sind die von Außen? Sind die aus der Vergangenheit? Und warum mache ich mir überhaupt so einen Stress?

Ich kam dann irgendwann zu dem Schluss, dass ich auf Erwartungen schei*en sollte, denn es blockiert mich und sorgt nicht wirklich dafür, dass es mir gut geht und ich mein Leben genießen kann. Das es Phasen gibt, die mal leichter und mal schwerer sind, ist ja völlig normal. Aber wie gehe ich damit um? Wie gehe ich damit um, wenn es mal nicht so läuft wie ich mir das vorstelle? Ich habe selten Kontrolle über das Außen, aber ich habe Kontrolle darüber, wie ich reagiere und wie ich mit Situationen umgehe, ob ich sie bewerte oder nicht und wie ich sie verarbeite.

Was ich mir dann eingestehen durfte war: Für all das brauche ich Zeit. Ich bin als Widder (mit Mars im Widder) nicht gerade die geduldigste Person und mit mir selbst schon mal gar nicht geduldig. Nur ist das der Gamechanger gewesen, als ich mir Zeit gegeben habe und nicht versucht habe meine Themen im Speed Modus in Heilung zu bringen, sondern anzuerkennen, wie viel Kapazität das nun mal frisst. Andere Menschen lassen sich in so einer Zeit krank schreiben und ich arbeite irgendwie noch so auf halbem Zahnfleisch und wundere mich, dass ich nix gebacken bekomme. Weil ich mir nicht eingestehen konnte, dass auch Ich, die Queen of fuc*ing everything, mal nicht funktionieren darf, mal schlecht drauf sein darf, mal nicht kann und einfach Durchhänger haben darf.

Also habe ich mir meinen Leitsatz als Pädagogin „Langsam ist das neue Schnell“ mal in diesen Bereich gezogen und festgestellt: Jap, that’s it! Langsamkeit ist nichts Negatives und Schlechtes, sondern die Voraussetzung bewusst Dinge voran zu bringen. Mit „Schnell schnell“ kommen wir nirgends schneller voran! Das Gras wächst nicht schneller wenn wir daran ziehen! Weder beim Instrument lernen, beim Lernen generell oder eben beim Heilen und Aufarbeiten von alten Themen. Mir Zeit zu nehmen und in Ruhe aufzuarbeiten ist mein Fokus für den März und natürlich auch die folgenden Monate, denn da gibt es eben keine Deadline, bis wann ich „geheilt“ sein muss.

Das ist ja kein Wettbewerb. Ist nur leider so, dass in unserer Branche, bereits seit meinem Jungstudium, über das Studium hinaus genau das Teil meines Lebens war. Es war immer ein Wettbewerb und ist es zu einem gewissen Grad immer noch. Auch wenn ich größtenteils aus dem Game ausgestiegen bin, bin ich darauf trainiert und mein Unterbewusstsein fährt nach wie vor solche Programme, auch wenn ich schon so vieles davon aufgearbeitet habe. Höher, schneller, weiter ist ja nicht nur in der Musikbranche „Standard“ und alles was davon abweicht erst mal „mutig“ oder „besonders“. Am Ende muss ich leider sagen, führt dieses Denken und auch das Getrieben sein nicht unbedingt zu einem gesunden Umgang mit unserem Körper und unseren Grenzen.

Da ich auf meinen Körper mal wieder nicht sofort gehört habe, hat er mir eine Message geschickt, die unmissverständlich ist: Füße still halten! Ich bin Mitte Februar richtig blöd und fies mit dem rechten Fuß umgeknickt und habe mir, wie ich seit kurzem weiß, ein Band gerissen und zwei angerissen. Nun sitze ich hier im Zug während ich das schreibe, mit einer Schiene am Fuß, mit der ich sowohl nicht mehr so schnell laufen kann, also da schon das Tempo drosseln muss und gleichzeitig auch gezwungen bin meine Füße öfter hochzulegen.

Spannend, oder? Was der Körper alles so macht, um uns spüren zu lassen, was er eigentlich von uns will. Die Message kam natürlich in den letzten Wochen häufiger, auf verschiedenen Kanälen. Ich habe sie gehört und ignoriert, weil ich weiterhin nicht zugeben wollte, dass ich eigentlich nicht wirklich arbeitsfähig bin. Zumindest nicht so, wie ich das sonst mache. Mein Tempo ist irrsinnig schnell und ich habe unglaublich viel Energie – als manifestierender Generator (MG im Human Design) gehöre ich zu den Turbo-Zündis, wie ich uns liebevoll nenne. Wir haben viel Energie und können Turbos einschalten, neigen aber auch schnell dazu nicht früh genug zu tanken und bleiben dann schlimmstenfalls einfach auf der Strecke stehen. Ich darf mir allerdings jetzt ganz bewusst eingestehen, dass ich diese Energie gerade für etwas anderes nutze, als fürs Arbeiten und das ist okay!

Auch ich darf lernen langsam zu machen und das es kein Zeichen von Schwäche ist oder von Versagen, wenn ich nicht alles sofort mache und sofort reagiere. Ich darf lernen, dass es nicht nur wichtig ist, dass ich meinen Klient*innen, Schüler*innen und Studierenden sage, sie sollen auf ihren Körper hören, sondern es selbst auch machen. Wo wir wieder bei „Practice what you teach“ sind.

Langsamkeit und Ruhe gehören noch nicht zu meinem Portfolio, das möchte ich allerdings ändern. Das wird mich ein bisschen Übung und Zeit kosten, das ist okay. Wenn der Körper uns dazu zwingt ist nun wirklich allerhöchste Eisenbahn und ich dachte ich wäre schon weiter damit.

Also mach langsam, nimm dir Zeit, Ruh dich aus.

Wir brauchen das um wieder mit frischer Energie durchzustarten.

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