Ich habe mir dieses Jahr das Versprechen gegeben hier jeden Monat einen Rückblick zu veröffentlichen und mein jeweiligen Fokus als Thema zu nehmen, dich zu inspirieren oder zu motivieren. Im Januar stand etwas für mich im Vordergrund, was ich mir zwar schon oft vorgenommen habe, allerdings nicht konsequent war: Meine Bedürfnisse und Zeit nur für mich – mich um mich zu kümmern und das zu tun, was ich sonst meinen Klient*innen und Studierenden rate: Selbstfürsorge. Denn let’s to be honest: Niemand kommt und macht das für dich!

Durch das Human Design durfte ich lernen, wie wichtig das für mich ist mich alleine aufzuladen und mir Zeit zu nehmen nur für mich und eben nicht immer nur unter Menschen zu sein. Das ist etwas konträr zu dem was ich lange über mich dachte. Ich kann mich auch sehr gut im Kontakt mit meinen Herzensmenschen oder auch größeren Gruppen aufladen. Das ist aber ein anderes „aufladen“ als das, was ich brauche und ich konnte auch ganz lange Zeit nur schwer alleine sein.

Im Januar habe ich mir zum ersten Mal ganz konkrete „Kreativtage“ ausgeblockt und da kam auch nichts dran. Das waren terminfreie Tage, an denen ich z.T. auch gearbeitet habe, aber eben nur wenn ich Lust hatte und ansonsten habe ich mir Zeit genommen für mich, Zeit genommen Ideen fliessen zu lassen, Musik zu machen, zu schreiben oder eine lange Spazierrunde zu machen. Denn Überraschung: Dann fliessen auf ein mal die Ideen, die Einfälle, die Lösungen für Probleme, wenn wir uns dafür Zeit nehmen.

Ein Gehirn, welches unter Druck steht, unter Stress, ist nicht in der Lage kreativ zu sein oder Lösungen zu finden. Ein Körper im Survival Mode (Überlebensmodus), ist nicht in der Lage kreativ zu sein und zu erschaffen oder fokussiert und konzentriert an etwas zu arbeiten. Das können wir uns abschminken. Ich habe vor allem vor kurzem noch ein neuen Survival Mode Zustand kennen gelernt, der noch nicht lange in der Psychologie als solcher benannt wird.

„Fawning“ oder auch der „Bambi-Reflex“

Direkt übersetzt bedeutet Fawn = Rehkitz. Er wird als 4. Überlebensmodus gezählt, nach „Fight-Flight-Freeze“ (Kampf – Flucht – Erstarren). Pete Walker hat diesen Zustand hinzugefügt.

„Der Bambi-Reflex, ist eine Form von chronischer Unterwerfung und Überanpassung.“

www.therapeuten.traumaheilung.de/fawn-response/

Bei diesem Zustand handelt es sich nicht um eine kurze Reaktion, wie beim Kampf oder Flucht Mechanismus unseres Körpers, der natürlich auch auf der Bühne oder in anderen Stresssituationen vom Sympathikus in unserem Nervensystem aktiviert wird. Der Bambi-Reflex ist eine Form des chronischen Survival Modes und für mich war es ein Moment, bei dem mir wirklich, auch körperlich, die Schuppen von den Augen fielen, als mir das bewusst wurde. Diesen Zustand kenne ich sehr gut! Ich würde sagen, fast alle People Please die hier mitlesen, kennen diesen Zustand nur zu gut.

Wie genau zeigt der Zustand sich im Alltag?

Menschen in diesem Zustand sind immer freundlich, auch wenn ihnen was gegen den Strich geht. Sie stellen ihre Bedürfnisse immer hinter die der anderen. Oft haben diese Menschen gar keinen Zugang zu ihren Bedürfnissen, wissen also gar nicht was sie brauchen oder was ihnen gut tut. Sie haben große Schwierigkeiten damit Grenzen zu setzen und wollen es ihrem Gegenüber immer recht machen. Kinder die dieses verhalten an den Tag legen werden gerne auch als „pflegelicht“ und „total entspannt“ beschrieben. Im Erwachsenen Alter kann das allerdings zu unterschiedlichen Probleme führen, zumindest für die Person, die in diesem Zustand feststeckt und quasi in einem dauerhaften, chronischen Survival Mode fest steckt und das nicht mal merkt, denn…

…für andere im Außen ist das ja besonders angenehm und nicht „auffällig“. Im Gegenteil. Menschen profitieren sehr von denen, die ihre Grenzen nicht setzen (können) und alles machen, damit es ihnen gut geht, nur geht es halt eben diesen betroffenen Personen irgendwann nicht mehr gut. Was, wenn dann der Körper dieser betroffenen Personen irgendwann immer lauter schreit und wir ihn nicht hören (wollen)?

Und nun schließt sich der Kreis, warum ich darüber schreibe. Ich durfte für mich erkennen, dass ich die letzten Jahrzehnte in diesem Zustand verbracht habe. Dauerhaft angepasst und Grenzen setzen war für mich körperlich schmerzhaft, da ich so emphatisch bin und auf keinen Fall meinem Gegenüber auf die Füße treten wollte oder mit ansehen konnte, wie diese Person dann leidet wenn ich „Nein“ sage. Verantwortung für andere übernehmen? Gar kein Problem. Verantwortung für mich übernehmen? Ja…schwierig.

Mein „Point of no Return“

Ich hatte in den Rauhnächten allerdings mehrere Meditationen und Träume, dir mir klar gemacht haben: I’m fuc*ing done with this sh*t! Es geht nicht darum, dass ich auf Menschen in meinem Umfeld wütend sein will, die meine Grenzen missachtet haben (die ich nie oder nur ganz leise gesetzt habe) oder profitiert haben von meiner grenzenlosen Hilfsbereitschaft, sondern darum mir einzugestehen, dass ich mich selbst darum kümmern darf, sowohl die Traumata aufzuarbeiten die hinter diesem Bambi-Reflex stehen, als auch selbst verantwortlich für mein Wohlergehen, meine Bedürfnisse und meine Wünsche bin.

Ich predige das ja schon länger in meinen Yogasessions, meinen Mentorings, Coachingsessions und Unterrichtsstunden und ein Satz kam in den den Rauhnächten immer wieder: Practice what you teach!

Setze das um, was du anderen rätst. Ja, wir können uns nicht selbst therapieren oder coachen, wir können uns nichts selbst spiegeln, wir brauchen dafür ein Gegenüber, im Idealfall eins vom Fach, dass professionell helfen kann. Also stand mein Januar vor allem unter dem Stern der Selbstfürsorge.

Was brauche ich? Was tut mir gut? Was tut mir nicht mehr gut? Wer kann mir helfen? Wie viel Zeit brauche ich zum heilen?

Gleichzeitig, während ich mir diese Zeit genommen habe, kamen diese kleinen hinterlistigen Gedanken in mir hoch, die mir suggerieren wollten, was für eine egoistische Bit*h ich doch bin, mich jetzt „nur noch“ auf mich zu fokussieren und nicht mehr für alle da zu sein.

Krass, ich weiß, weil mit Egoismus hat das und wirklich nichts zu tun und mal abgesehen davon, habe ich in den letzten Jahrzehnten schon so viel für mein Karma Konto gemacht, dass ich jetzt auch einfach mal zwölf Monate auf den Malediven nur noch Cocktails schlürfen könnte und trotzdem noch Punkte gut hätte!

Sich um sich selbst zu kümmern, körperlich, emotional, mental und energetisch ist Voraussetzung dafür, dass wir mit anderen in Beziehung treten können, egal welche Art von Beziehung. Wenn unser Glas fast leer ist und wir ballern noch den Rest in unsere Beziehungen und das nur, weil wir glauben, sonst nicht mehr geliebt zu werden oder diese Menschen zu verlieren, dann geht das nur für eine kurze Zeit gut. Irgendwann beißt einem der Körper dann metaphorisch in den energetischen Hintern und sagt: Wer nicht hören will muss fühlen!

Der Körper sendet nämlich nicht nur ein Signal, sondern so gefühlt 30 Signale und wird von Mal zu Mal deutlicher. Wenn wir ihm halt erst zuhören, wenn wir am Boden liegen und dann realisieren, diese Signale kommen vor allem, um uns zu schützen und sind für und nicht gegen uns, dann sinken manche (so wie ich) auch noch in sich selbst zerfleischende Gedanken und schämt sich dafür, was man dem eigenen Körper da über Monate oder Jahre angetan hat.

Nicht hilfreich kann ich da nur sagen!

Was mir im Januar geholfen hat und was ich für mich getan habe?

  • täglich Zeit für mich nehmen und meinem Körper zuhören
  • Yoga praktizieren
  • journeln (Gedanken aufschreiben)
  • meditieren
  • Mama Kakao
  • Malen
  • Musizieren
  • Spazieren gehen im Wald
  • Krafttraining
  • Sauna und Massage

Und das wichtigste Tool: Moven! Kennen gelernt von der wundervollen Irene Kurka und mein aktuell bestes Tool. Wenn du mehr darüber wissen möchtest, les gerne ihren Gastartikel auf meinem Blog.

Zeit für Rückzug

Mir war es noch nie so klar wie im Januar. Mein Rückzug und die Zeit alleine nur für mich ist Voraussetzung dafür, dass ich performen kann, dass ich auf Social aktiv bin, dass ich kreativ bin, dass ich Menschen begleiten und unterrichten kann, dass ich in Beziehungen immer auch bei mir bleibe und nicht nur die Bedürfnisse der anderen Person priorisiere. Meine zweite Linie (im Human Design, mehr dazu gibt es bald im Podcast und in der Reihe Bühne meets Business mit Irene Kurka) habe ich früher nicht gelebt. Ich habe sie übergangen und immer nur den Drang gespürt mehr Zeit alleine zu verbringen.

Dates mit mir selbst zu planen. Zeit nur für mich zu haben. Intuitiv das zu machen worauf ich Lust habe, ohne Rücksicht auf andere zu nehmen. Mich zurück zu ziehen, um mich zu sortieren und zu regulieren.

All das habe ich im Januar für mich ausprobiert und was soll ich sagen: Waren unglaublich wichtige und prägende Erfahrungen und es zur Routine werden zu lassen fällt einem dann noch viel leichter, wenn man merkt, wie gut es einem tut.

Ich habe im Januar nicht viel gepostet und nicht viel kreiert, dafür war auch nicht die Zeit. Es gibt Tiere, die sind noch im Winterschlaf und Pflanzen, die unter einer Schneedecke überwintern und einfach zur Ruhe kommen und in unserer aufgeregten patriarchal und kapitalistischen Welt rennen alle ab dem 03.01. wieder wie die Wahnsinnigen im Hamsterrad und wundern sich, dass sie keinerlei Energie dafür haben.

Ich fühle das sehr und bin mir darüber bewusst, was für ein Privileg und Luxus es für mich ist, dass ich da aussteigen konnte und meine Selbstständigkeit nicht mehr dauerhaft funktionieren muss bzw. ich mir über die Jahre etwas aufgebaut habe, was auch läuft wenn ich in der Sauna sitze und ich darüber hinaus eine halbe feste Stelle an einer Hochschule habe, bei der ich zeitlich sehr flexibel bin meiner Arbeitszeit so einzuteilen, wie es mir passt.

Auf diesen Luxus habe ich jahrelang hingearbeitet und jetzt kann ich etwas in den Vordergrund stellen, was immer zurückgestellt wurde: Mein Körper, meine mentale Gesundheit und meine Bedürfnisse.

Und das ist für mich Luxus! Nicht der Porsche. Nicht das Haus. Nicht das 5-Sterne Hotel auf Bali. Nicht die Business Class. Sondern, dass ich mich priorisieren kann und die Freiheit habe, die ich jetzt habe mich um mich zu kümmern.

Ich bin gespannt auf den Februar, denn ich habe jetzt einige Meilensteine gelegt für dieses Jahr und ich habe in der Nase, dass das wirklich next Level wird. New Era. Time to Shine.

I want it all.

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