Nun sitze ich hier, zwei Jahre nach meiner ersten Yogaausbildung und mache mein zweites Teacher Training. Dieses Mal allerdings mit einer ganz klaren Spezialisierung. Ich bilde mich nun bei Katharina Giegling und ihrem Teacher Training „Yoga for musicians“ weiter, denn schon seit Jahren habe ich ein großes Ziel: Ich möchte Musikschaffenden und Musikstudierenden dabei helfen, ihren Körper wieder zu spüren, ihre Bedürfnisse wahrzunehmen, sich selbst zu helfen und selbst zu heilen und vor allem einen Weg zu zeigen, sich um ihre mentale Gesundheit zu kümmern – auch präventiv.
In meiner ersten 200 h Yogaausbildung bei Innerflow Yoga ging es natürlich um alle Grundlagen, Einblicke in verschiedene Stile, die Yogaphilosophie, Anatomie, Sequenzierung von Yogastunden und ganz viel Ausrichtung in Asanas (Haltungen). Es ging grundsätzlich darum Menschen aller Niveaus auf der Matte zu begleiten. Was ist denn jetzt bei Musikschaffenden so „anders“? Warum muss man sich denn auf eine bestimmte Berufsgruppe spezialisieren und dafür auch noch mal ein ganzes Teacher Training machen?
Diese Antwort hatte ich bereits nach meiner Bachelorarbeit 2022, was da so „anders“ ist und warum es für Musikschaffende und vor allem Musikstudierende so wertvoll und hilfreich wäre Yoga zu praktizieren und zwar ganzheitlich. Bei Yoga geht es um mehr, als nur den herabschauenden Hund oder den Sonnengruß auf der Matte zu praktizieren. Ich habe in meinem Klavier Studium (Bachelor of Music Instrumentalpädagogik) 2022 darauf bestanden eine Bachelorarbeit über mentale Gesundheit von Musikstudierenden zu schreiben, da ich wenige Jahre vorher einen kompletten mentalen Zusammenbruch in der Musikhochschule hatte.
Da ich zu diesem Zeitpunkt bereits viele Jahre Yoga praktizierte, wollte ich mir wissenschaftlich die Frage stellen: Kann Yoga die mentale Gesundheit von Musikstudierenden präventiv beeinflussen? – Spoiler: Ja, Yoga kann das und noch viel mehr! Ich habe mir zum einen die Frage gestellt: Wie geht es eigentlich Musikstudierenden an deutschen Musikhochschulen? (Die gesamte Bachelorarbeit ist unten zum Download verfügbar, du darfst sie dir gerne runterladen und nachlesen, inkl. der Quellenangaben)
„Seit vielen Jahren ist die Gesundheit von Musikstudierenden international Gegenstand von Untersuchungen. Auffällig ist, dass in diesen Studien oft herausgefunden wurde, dass Studierende, die den professionellen Musikberuf ergreifen wollen, bereits mit Beschwerden ins Studium starten. Das Übe- und Arbeitspensum wird im ersten Studienjahr oft drastisch erhöht, im Gegensatz zu den Jahren davor. „Ebenso war das körperliche und psychische Befinden dieser Musikstudierenden gegenüber Studierenden anderer Studienrichtungen deutlich eingeschränkt.“ In einer Studie von 2017 wurden Musikstudierende an fünf deutschen Hochschulen durch Umfragen jährlich zu ihrem Gesundheitsstatus befragt. „Bereits 29% der Musikstudierenden beginnen ihr Studium mit spielbezogenen gesundheitlichen Beschwerden. Diese Anzahl stieg im zweiten Studienjahr auf 42% an. Die Durchführung präventiver Gesundheitsmaßnahmen nahm ebenfalls im Laufe des Studiums stetig zu.“Wenn man den Fokus in dieser Studie auf die psychischen Beschwerden richtet, dann sind zu den unter-schiedlichen Erhebungszeitpunkten 14% im ersten Studienjahr, 17% im zweiten Studienjahr, 7% im dritten und 11% im vierten Studienjahr betroffen.In einer weiteren Studie von Hildebrandt, Nübling und Candia aus dem Jahre 2012 wurde deutlich, dass Studierende im ersten Studienjahr „erhöhte Werte im Bereich Erschöpfung (physisch und psychisch) und Lampenfieber aufwiesen.“. 2006 wurde ein Forschungsprojekt von Claudia Spahn durchgeführt mit dem Ziel der Entwicklung des Freiburger Präventionsmodells. Zu diesem Zeitpunkt wurde über Psychosomatik oder psychische Belastungen nur wenige Studien durchgeführt, aber trotzdem gab es hierzu Erkenntnisse. „In unserer Studie gaben in der retrospektiven Einschätzung drei Viertel der Musiker an, dass sie sich durch die körperlichen Beschwerden psychisch belastet fühlen. Diejenigen Musiker, welche an aktuellen Spielbeschwerden litten, zeigen höhere Werte für Angst und Depression auf. Insgesamt weisen die Ergebnisse daraufhin, dass es bei Musikern häufig zu eine reaktiven psychischen Belastung infolge körperlicher Beschwerden kommt, dass diese psychische Belastung jedoch selten klinisch auffällige Ausmaße annimmt.“ Neben den körperlichen Beschwerden als Ursache von psychischen Belastungen fanden andere Autoren noch heraus, dass „Auftrittsangst, Ungeduld und Frustration über die eigene musikalische Entwicklung, Unsicherheit über die berufliche Zukunftsperspektive, Konflikte zwischen Musik- und Privatleben, Belastung durch ständiges Üeben, depressive Verstimmung und Konzentrationsschwierigkeiten als psychisch belastende Faktoren“ bei Musikstudierenden zu beobachten sind.
(Ausschnitt aus meiner Bachelorarbeit S.4 und 5)
Eine Sache, die ich in meiner Yogaausbildung und auch selbst auf der Matte in meiner Selbsterfahrung lernen durfte war: Wir können den Körper, den Geist und die Seele nicht voneinander trennen. Alles beeinflusst sich gegenseitig und gerade als Musikschaffende und Musikstudierende ist es nicht unüblich, dass es zu Überlastungserscheinungen und körperlichen Beeinträchtigungen kommt, diese sich dann auf die mentale Gesundheit und das gesamte Wohlbefinden auswirken.
Zum anderen habe ich mir die Frage gestellt: Welche Yoga Angebote für Musikstudierende gibt es bereits an Musikhochschulen? Ich konnte zu diesem Zeitpunkt nicht alle Vorlesungsverzeichnisse einsehen, habe allerdings dort wo ich es konnte nach solchen Angeboten im Jahr 2022 gesucht. Ich habe ein potentielles Yoga Angebot für Musikstudierende skizziert, wie es in den Hochschulalltag integriert werden könnte und selbstverständlich eine ausführliche Erläuterung über Yoga, die Möglichkeiten und die Vorteile für Musikstudierende. Ersetze nun Musikstudierende durch Menschen, denn natürlich ist Yoga nicht nur für Musikstudierende von Vorteil. Ich habe es an der Stelle eben auf deren Alltag und deren Probleme bezogen. Nun möchtest du bestimmt auch die Vorteile wissen oder? Let’s See:
- Verbesserung des Herz-Kreislauf Systems/Durchblutung
- bewusstere und tiefere Atmung/höhere Kapazität des Lungenvolumens
- Aktivierung der Muskulatur und Mobilisierung der Gelenke
- Stärkung des Immunsystems
- reduziert das Stresslevel/Cortisolspiegel wird verringert
- positiver Einfluss auf mentale Stärke und Stressresistenz (Resillienz)
- positiver Einfluss bei Menschen mit Depressionen und depressiven Verstimmungen
- reduziert Schlafprobleme
- positiver Umgang auf Auftrittsangst/Lampenfieber
- positive Einstellung und gerichtete Aufmerksamkeit bei Auftritten
- Selbstbewusstsein wird gestärkt
- geschulteres Körperbewusstsein und besseres Körpergefühl
- positiver Einfluss auf die Konzentrationsfähigkeit
Und das sind nur die Vorteile (ein Ausschnitt), die wissenschaftlich belegt sind!
Der Clou, ich sitze nun hier, einige Wochen, nachdem ich diesen Artikel begonnen habe und habe ein Yoga Angebot an der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf, an der ich im Music Career Center lehre, per Mail an die Studierenden gesendet und es sind seither 29 Anmeldungen reingeflattert! Nach nur 24 Stunden hatte ich bereits 14 Anmeldungen, was mir mal wieder zeigt, dass die Nachfrage definitiv da ist und ich so dankbar bin, dieses Angebot nun neben meinen Fächern rund um Marketing, Selbstständigkeit, Selbstmanagement und Mentales Training, zu erweitern.
Yoga kann so viel! Yoga ist nicht nur „Verrenkung auf der Matte“ oder „Ommmmmm“, wie es von Vielen, oft unwissend, gerne runtergespielt wird. Yoga ist nicht nur eine Körperarbeit.
„Was Yoga von Gymnastik oder anderen Körperübungen unterscheidet, ist die bewusste Integration von Atem, Haltung und Bewegung.“
Leslie Kaminoff
Yoga kann präventiv wirken, es kann auch begleitend zu psychischen oder körperlichen Beschwerden helfen und das Wohlbefinden verbessern. Ich sage oft, wenn ich gefragt werde, warum ich Yoga mache, dass Yoga mir das Leben gerettet hat! Und das meine ich genau so.
In allen schweren Lebensphasen oder sehr stressigen Phasen, hat es mir geholfen, mich geerdet, mich wieder zu verbinden mit meinem Körper, meinen Emotionen und meinen Bedürfnissen. Als ich psychisch am Tiefpunkt war, habe ich parallel zu meiner Therapie praktiziert und ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie ich diese Zeit ohne die Yoga Praxis überstanden hätte!
Ich habe mich dann bereits in dem Jahr, in dem ich diese Bachelorarbeit schrieb 2022 entschieden eine Yogaausbildung zu machen, die ich dann auch 2023 gemacht habe. Nun vertiefe ich mein Wissen und lege meinen Schwerpunkt auf Instrumentalist*innen und Sänger*innen, die gerade in der körperlichen Praxis ganz spezifische Asanas (Haltungen) praktizieren können, um sich und ihren Körper optimal zu unterstützen. Pranayamas (Atemübungen), die Bläser*innen und Sänger*innen noch mal besonders helfen, in ihrem Körpergefühl und schlicht bei einem der wichtigsten Faktoren der Tonerzeugung: Ihrem Motor und Treibstoff. Meditationstechniken, die sowohl Ruhe und Frieden im Monkey Mind einziehen lassen, gleichzeitig beim Reflektieren und Hinspüren helfen, beim Verbinden mit sich selbst.
Ich kann nur jedem Menschen, der musiziert (egal auf welchem Niveau) empfehlen sich mit Yoga zu beschäftigen. Profis kann ich es ganz besonders ans Herz legen und Musikstudierenden, die noch ihren Weg suchen und enormen Druck verspüren und sich selbst machen sowieso.
Wenn du mehr lesen möchtest und vor allem die Quellen, zu meinem Artikel, dann lade dir hier gerne meine BA Arbeit runter.
Hier geht es zu meinen Angeboten, falls du das mal digital probieren möchtest.





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