Kennst du die Situation, dass du in einem Konfliktgespräch steckst oder einer Meinungsverschiedenheit und du weißt irgendwie gerade gar nicht mehr, warum der Konflikt entstanden ist oder warum ihr gerade an diesem Punkt seid?

Oder kennst du die Situation, dass du etwas auf Social Media schaust, was dir so richtig gegen den Strich geht und du kannst nicht genau benennen, was es ist: Es passt dir einfach nicht.

Ich auch.

Ich habe mich vor einigen Jahren in einem Coaching mit meinen Werten beschäftigt und war damals so voller „Mind blowing Momenten“, weil ich plötzlich verstand, warum ich in bestimmten Situation, bei bestimmten Themen oder Situationen innerlich explodiere oder es fast nicht aushalten kann mir das anzuhören oder anzuschauen.

Ich möchte heute mit dir eine sehr simple Übung teilen, die gleichzeitig einen Riesen Impact hat und du wirklich lange damit arbeiten kannst. Jetzt zu Beginn des Jahres habe ich mit meinen Klientinnen im 1:1 und meinen Studierenden diese Übung gemacht und festgestellt: Ich habe tatsächlich noch keinen Blogartikel zu dem Thema. Das wollte ich nun schleunigst ändern, denn bei all dem, was gerade und der Welt abgeht, kann es hilfreich sein, sich mit den eigenen Werten und auch den eignen Bedürfnissen zu beschäftigen, sein eigenes Verhalten zu reflektieren, ohne sich selbst fertig zu machen.

Hast du einen Wertekompass? Ist die bewusst welche Werte dir besonders wichtig sind und welche wichtig und welche „Nice-to-have“?

Die oben beschriebenen Situationen sind mir schon so einige Male unter gekommen und seit ich mich mit meinen Werten und Bedürfnissen beschäftige, wird mir immer klarer, warum ich so reagiere wie ich reagiere. In Meinungsverschiedenheiten oder auch ganz ruhigen Gesprächen, generell in Interaktionen mit anderen Menschen kann es passieren, dass unsere Werte verletzt werden. Werte, die uns in vielen Fällen nicht mal bewusst sind.

Es kann natürlich auch sein, dass unsere Grenzen überschritten werden, oft ist das allerdings ein fliessender Übergang, ob nun die eigene Grenze oder ein Wert verletzt wurde. Bevor du dann in die Luft gehst, kannst du, wenn dir das bewusst ist, mit dem Gegenüber viel besser deine Werte und Bedürfnisse kommunizieren und erläutern, warum dich das gerade emotional macht. Nicht als Rechtfertigung, sondern um zu verdeutlichen, es geht hier um mehr als nur das Thema. Gerade im Zwischenmenschlichen geht es oft nicht um das Was, sondern um das Wie.

Vielleicht denkst du jetzt schon die ganze Zeit: Was sind denn Werte?

Persönliche Werte sind grundlegende Überzeugungen und Prinzipien, die als innerer Kompass dienen und unser Verhalten, unsere Entscheidungen und unsere Bewertung von Situationen beeinflussen. Sie repräsentieren das, was wir für gut, wichtig und erstrebenswert hält. Beispielsweise Ehrlichkeit, Respekt, Authentizität oder Freiheit.

Es ist in vielen Fällen so, dass es viele Werte gibt, die wir für grundsätzlich wichtig erachten, sogar als selbstverständlich voraussetzen und das von unserem Gegenüber erwarten. Nicht zu unterschätzen ist auch der Umstand, dass es Werte gibt, die wir besonders von uns selbst und eher nicht von anderen erwarten. Wenn wir unsere eigenen Werte dann nicht leben oder ernst nehmen und unsere inneren kritischen Stimmen oder der Schweinehund uns dann durch Muster dazu bringt, unsere eigenen Werte zu verletzen, wird es richtig spannend. Ich nenne das gerne Selbstsabotage oder Selbstverarsche.

Könntest du jetzt ohne nach unten zu scrollen fünf Werte aufzählen, die dir wirklich wichtig sind? Dann hast du dich entweder schon mal damit beschäftigt oder du bist gut mit dir selbst verbunden. Ich kenne viele Menschen, die könnten das nicht aus dem Stehgreif beantworten, sondern sich erst mal ein paar Minuten Zeit nehmen und sich damit beschäftigen.

Genau dazu möchte ich dich inspirieren. Du kannst dir hier ein PDF runterladen mit einer ausführlichen persönlichen Wertetabelle und einer Anleitung, wie du vorgehen kannst für dich. Nimm dir dafür gerne einen ruhigen Moment, mach dir was Leckeres zu trinken, schöne Musik an oder Naturgeräusche und Kuschel dich vielleicht sogar schön ein.

Vielleicht zeigt sich dir nach der Übung auch eine andere Bedeutung von dem Wort Wertschätzung. Wir denken bei diesem Wort oft erst mal an unseren Selbstwert, dass wir uns wünschen als Mensch mit all unseren Emotionen, Bedürfnissen und Leistungen gesehen und wertgeschätzt zu werden. Übrigens ein Urbedürfnis von uns. Gleichzeitig geht es bei dem Wort Wertschätzung, neben unserem Selbstwert, auch um unsere Werte innerhalb unseres inneren Kompass.

Denke mal an eine schwierige Situation mit einem anderen Menschen in der Vergangenheit zurück. Welche deiner Werte, die du dir jetzt als Top 10 notiert hast wurden da verletzt? Welche Bedürfnisse wurde da übergangen oder auch von dir nicht wahrgenommen?

Selbstverständlich sind Bedürfnisse und Werte noch mal etwas Unterschiedliches, allerdings gibt es einige Werte, die wir auch als Bedürfnisse bezeichnen. Gemeinschaft, Harmonie, Empathie, Integrität oder Respekt. Um nur ein paar zu nennen. Gleichzeitig gibt es Unterschiede zwischen Werten und Bedürfnissen. Kurz erklärt:

Bedürfnisse sind notwendig für unser Wohlbefinden und z.T. Überleben. Sie können physiologischer Natur sein, wie z.B. Hunger, Durst, Hygiene etc. oder psychologischer Natur sein, wie z.B. Schutz, Ordnung, Geborgenheit. Bedürfnisse sind situationsabhängig und es kommt auch stark auf die Lebensphase an, gerade in der Entwicklung vom Baby zum Erwachsenen, gleichzeitig auch in verschiedenen Lebensphasen nach dem 25. Lebensjahr. Es sind Verlangen oder Wünsche, die einen Mangel ausgleichen sollen.

Eine Frage, um sich selbst seiner Bedürfnisse bewusst zu werden in Situationen ist: Was brauche ich gerade?

Werte sind Überzeugungen und Prinzipien, die uns wichtig sind und als innere Kompass dienen. Sie sind relativ stabil können sich trotzdem verändern mit veränderten Lebenssituationen. Sie beeinflussen unsere Gedanken, Muster, Entscheidungen und Handlungen.

Eine Frage, um sich selbst seiner Werte bewusst zu werden in Situationen ist: Was ist mir gerade besonders wichtig?

Konntest du dir über Einiges in dir klar werden? Konntest du dir deine Werte (wieder) bewusst machen?

Du kannst mit dieser Liste, die du jetzt vor dir hast natürlich auch weiter arbeiten und dir über Situationen in der Vergangenheit bewusst werden. Du kannst dir auch für zukünftige Entscheidungen, deine Top 10 irgendwo hinhängen, wo du sie siehst, bevor du wichtige Entscheidungen triffst.

Vergiss nicht, dass es eben auch gut sein kann, dass du deine eigenen Werte übergehst, weil sie dir nicht bewusst sind. Da darfst du dann in die Eigenverantwortung gehen und dir klar machen, dass nicht „die anderen“ schuld sind. Es ist durchaus möglich, dass wir unsere eigenen Grenzen überschreiten und es uns dann nicht gut geht, wir allerdings dann die „Schuld“ im Außen suchen. Das können natürlich auch Einflüsse sein, ganz klar. Gleichzeitig dürfen wir uns immer wieder mit unseren eigenen Grenzen, Werten und Bedürfnissen verbinden und danach handeln und entscheiden.

Hinterlasse einen Kommentar

Angesagt