Vor einigen Wochen wurde mir ein Post auf Instagram angezeigt, mit dem Verweis auf ein Statement des Vdm (Verband deutscher Musikschulen) und des BMU (Bundesverband Musikunterricht) vom 12.01.24, mit dem Titel „Musik und musikalische Bildung brauchen starken gesellschaftspolitischen Rückhalt“, welches ich natürlich umgehen lesen wollte, denn der Überschrift stimme ich zu 100% zu. Das Statement auf das ich mich hier beziehe findet ihr hier.

Ich bin ganz ehrlich, nachdem ich es ein mal durchgelesen habe, sind in mir einige Emotionen hochgekocht. Wut, Ärger und ganz besonders der Gedanke: „Kommt ihr ja echt früh drauf.“

Ich möchte hier bevor ihr diesen Artikel lest ein klaren Disclaimer voraus schicken: Ich stimme dem Statement inhaltlich zu, ich freue mich auch, dass sie das mal zu Papier gebracht haben und sich offensichtlich Gedanken gemacht haben und ich möchte weder gegen den Vdm noch gegen den BMU schießen. Aber ich und viele andere, die das gelesen haben sind irritiert und können eigentlich nur den Kopf schütteln, über die ein oder andere Formulierung und „Einseitigkeit“ der Darstellung. Mit Sicherheit ist da mehr besprochen worden, als am Ende in dem Papier gelandet ist, aber ich möchte es mir nicht nehmen lassen, neben meiner Podcastfolge dazu, einen Artikel mit meinen Gedanken und den Zahlen, die ich bereits in meinem Buch festgehalten habe, zu verfassen.

Starten wir mit der Frage, die natürlich provokant im Titel gestellt wird: Haben wir einen Fachkräftemangel? Im Statement finde ich folgenden Absatz:

„Was bedeutet es für das Musikland Deutschland, wenn aufgrund fehlenden beruflichen Nachwuchses immer weniger frühe musikalische Bildung gewährleistet werden kann, wenn noch mehr Musikunterricht an den allgemein bildenden Schulen ausfällt oder fachfremd unterrichtet wird, wenn nicht mehr genügend Instrumental- bzw. Gesangspädagoginnen und -pädagogen zur Verfügung stehen, um Kindern und Jugendlichen eine qualitativ hochwertige musikalische Bildung zu ermöglichen?“

Vdm und BMU

Fehlt uns Nachwuchs? Haben wir nicht genügend Instrumental- und Gesangspädagog*innen und nicht genügend Musiklehrer*innen für allgemeinbildende Schulen? Ich habe hier auf dem Blog in den letzten Jahren nicht so viele Artikel in dieser Richtung geschrieben, das wird sich nun ändern. Die Zahlen in meinem Buch sind nicht die aktuellsten, diese werde ich im Jahr 2024 in einer 2. Auflage anpassen. Was sagen denn die aktuellen Zahlen?

Im WS 21/22 gibt es insgesamt 32.404 Fachbelegungen in Studiengängen für Musikberufe, da einige (wie ich damals auch) mehr als einen Studiengang studieren, wird hier von Fachbelegungen und nicht von der Anzahl von Studierenden gesprochen. Davon sind 12,8% Fachbelegungen (4.135) in IGP (Instrumental- und Gesangspädagogik) und Musikerziehung und 23,7% Lehramt an allgemeinbildenden Schulen (7.677).

„Die gesunkenen und weiter sinkenden Zahlen an Studienbewerberinnen und -bewerbern der letzten Jahre in allen Bereichen der Musik, insbesondere in der Musikpädagogik, machen deutlich, dass junge Menschen ihrer musikalischen Neigung nicht mehr folgen wollen“

Vdm und BMU

Funfact: Bei IGP sind es vom WS 00/01 in den letzten 20 Jahren ein Anstieg von 18%. Das Hoch war im WS 19/20 mit 4.227 Fachbelegungen, wenn man von 2019 aus rechnet zu heute ergibt sich ein Rückgang von 2%. Da würde ich jetzt noch keine Panik schieben, denn das ist nicht das Problem, dass es weniger Menschen studieren, aber dazu komme ich im Verlauf noch. Bei den Lehramtsstudiengängen gibt es seit dem Jahr 2000 einen Rückgang von 7% der Fachbelegungen.

Spannend finde ich hier anzumerken, dass mein Vater bereits im Jahr 2001 aufgrund von Fachkräftemangel an Musiklehrer*innen in allgemeinbildenden Schulen begonnen hat an einer Realschule zu arbeiten (übrigens bis heute). Um die Jahrtausendwende herum, hatten wir bereits einen Fachkräftemangel an Musiklehrer*innen in allgemeinbindenden Schulen. Was ist seither passiert? Zum Thema Lehrer*innen Mangel möchte ich euch den Artikel und generell den Podcast und die Socials von Bob Blume empfehlen. Dazu kommt noch ein gesonderter Artikel.

Wieso will das keiner mehr machen?

Die Frage, die sich in dem Statement nur bedingt gestellt wird, außer dem Satz, dass mit dem Beruf aktuell nicht viel Perspektive verbunden ist, lautet: Was ist mit all den bisher nicht in festen Stellen lebenden IGPlern der letzten zwanzig Jahre?

Von einem Fachkräftemangel zu sprechen, weil das u.a. weniger studieren wollen und gleichzeitig außer Acht zu lassen, dass wir einen Haufen gut ausgebildeter Fachkräfte haben, die in den letzten zwanzig Jahren zum Teil einfach verprellt wurden, die die Branche (das „sinkende Schiff“) verlassen haben, die auf Privatunterricht umgestiegen sind, weil die Konditionen an Musikschulen unterirdisch sind, die sich als Honorarkräfte nicht ausbeuten lassen wollten, die keine Stelle bekommen haben, ist gelinde gesagt verletzend und ignorant. Genau so fühlen sich Menschen zwischen Ende Zwanzig und Anfang Vierzig, die das lesen und sich denken: „Ist das jetzt echt euer Ernst?“.

Ich bin ja nicht die Einzige, die auf diese Missstände schon länger hinweist, die in ihrem Buch mehrere Kapitel zu dem Thema verfasst hat. Es gibt dazu schon lange Kritik. Ich weiß, es ändert sich gerade an einigen Stellen was, es bewegt sich was in die richtige Richtung und ich kann aber jede*n verstehen, der oder die sich von dem Statement angegriffen fühlt, nicht gesehen fühlt oder schlicht verletzt ist.

Die Realität für freischaffende Musikpädagog*innen ist hart und zum Teil in prekären Verhältnissen. Die Zahlen, die ich dazu teilen kann, kommen von den angegebenen Einkommen pro Jahr von der KSK (Künstlersozialkasse).

Man darf dabei natürlich nicht vergessen, dass viele nicht nur das machen und es sicher nicht ihr einziges Einkommen ist, denn seien wir ehrlich, wer kann von 14.496 € im Jahr leben? Interessanter finde ich an der Stelle die Anzahl der versicherten: 26.373 Menschen waren im Jahr 2023 im Bereich Musikpädagogik versichert. Das sind alles Menschen, die wohl keine feste Stelle (50% oder mehr) an einer Musikschule haben, denn sonst wären sie nicht über KSK sozialversichert. 26.373 Musikpädagog*innen, die freischaffend tätig sind.

Mit Sicherheit gibt es auch einige (mich eingeschlossen) die gerne freischaffend tätig sind, gerne selbstständig und ihr*e eigene*r Chef*in sind, aber ich gehe stark davon aus, dass es unter dieser Anzahl auch Menschen gibt, die sehr gerne in den Genuss und die Sicherheit einer festen Anstellung gekommen wären oder gerne kommen würden. Ich lasse die Zahl jetzt einfach mal so im Raum stehen und es darf sich jede*r seine oder ihre Meinung bilden zum Thema: „Wir haben einen Fachkräftemangel, keiner will es mehr machen“.

Wie sieht denn die Realität an Musikschulen so aus?

Laut dem Vdm arbeiten 2022 36.690 Lehrkräfte an den Vdm-Musikschulen, davon 42% nach TvöD-Vergütung, 12% mit anderer Vergütung und 45% auf Honorarbasis. Von den Festangestellten arbeiten 12% in Vollbeschäftigung und 88% in Teilbeschäftigung. 16.866 Menschen arbeiten an Vdm- Musikschulen auf Honorarbasis, die privaten Musikschulen sind hier natürlich nicht mit eingerechnet.

Wenn man sich die folgende Tabelle anschaut, von derselben Seite, ergibt sich eine für mich spannende Beobachtung:

Die Anzahl der TVöD Kräfte ist ziemlich konstant geblieben von 2009 bis 2021. Die Anzahl der Angestellten mit anderer Vergütung jedoch ist von 11.630 auf 4.404 gesunken und zeitgleich stieg die Anzahl der Honorarkräfte von 8.257 auf 16.866 mit zwischenzeitlichem Höchststand von 19.163 im Jahr 2015. Wenn ich mir diese Entwicklung so anschaue, brauche ich ehrlich gesagt nur eins und eins zusammenzuzählen, warum viele die Musikschulwelt irgendwann verlassen haben. Das sind allerdings unter anderem die (in dieser Altersklasse), die vermutlich nicht mehr als Nachwuchs bezeichnet werden würden, aber eben als ausgebildete Fachkräfte.

Was ist denn der Unterschied zwischen Festangestellten und Honorarkräften?

Um das ein mal hier in aller Kürze (ausführliche Kapitel gibt es dazu in meinem Buch) zu erläutern. Festangestellte Lehrkräfte (nach TVöD oder „anderer Vergütung“) haben einen befristeten oder unbefristeten Vertrag mit der Musikschule. Sie sind über die Musikschule sozialversichert und wenn sie erkranken, melden sie sich bei der Musikschule krank und fertig. Das Gehalt, welches sie jeden Monat erhalten, ist bereits das Netto-Einkommen, also schon versteuert. Sie haben ein bestimmtes Deputat, wenn dieses mit Schüler*innen nicht gefüllt ist (bei Instrumenten, wo nicht so großer Andrang ist) müssen sie entweder andere Tätigkeiten machen oder erhalten trotzdem ihr Geld für ihr Kontingent, auch wenn es nicht voll ausgefüllt ist. Sie sind weisungsgebunden, müssen also das machen was ihre vorgesetzten Personen sagen. Sie haben Planungssicherheit (bei unbefristetem Vertrag) und die Musikschule hat Planungssicherheit.

Ich höre nun einige Lesende denken: „Ja, normal halt, so wie jede*r Arbeitnehmer*in“. Ja, die meisten von euch kennen das. Was sind denn nun Honorarkräfte (freie Mitarbeiter*innen) und wo liegt hier das Problem.

Freie Mitarbeiter*innen sind mit einer Honorarvereinbarung an der Musikschule, sie sind selbstständig und kümmern sich so um ihre Sozialversicherung selbst (bestenfalls über die KSK). Das Honorar, welches sie (hoffentlich) jeden Monat erhalten (manche werden nur in den Monaten außerhalb der Schulferien bezahlt, andere rechnen das Honorar hoch auf 39 Unterrichtswochen und teilen es durch 12 Monate), müssen sie selbst versteuern.

Wenn sie krank sind gibt es verschiedene Vereinbarungen, in manchen Musikschulen, dürfen sich freie Mitarbeiter*innen zwei bis vier Wochen krankmelden, ohne Abzug ihres Honorars. In manchen Musikschulen, muss der Unterricht zu einem anderen Zeitpunkt nachgeholt werden, sonst wird das Honorar zum Ende des Monats, Quartals oder Jahres abgezogen.

Ich selbst hatte schon sämtliche verschiedenen Arten in meinem Honorarvereinbarungen. Ihr habt richtig gelesen, ich musste früher Stunden, die aus gesundheitlichen Gründen meinerseits ausgefallen sind nachholen, sonst habe ich kein Geld bekommen. Im Falle einer langfristigen Erkrankung, wenn man bei der KSK versichert ist, kann man sein Krankengeld dort beantragen, wenn nicht, hat man ein Problem.

Die Honorare variieren stark, in einer Umfrage auf Instagram hatte ich sogar Rückmeldungen, die unter 10 € pro 30 Minuten Unterrichtseinheit erhalten. Ich selbst hatte auch schon solche Vereinbarungen. Ein Großteil hat für 10-15 € pro 30 Minuten abgestimmt. Schulkooperationen mit Grundschulen und weiterführenden Schulen sind oft etwas besser honoriert, aber leider auch mit extrem viel Mehraufwand und energetischen Kapazitäten verbunden.

Honorarkräfte sind nicht weisungsgebunden und können sich „prinzipiell“ aussuchen wie viel oder wenig sie arbeiten wollen und an welchen Nachmittagen. Gerade aber bei den Schulkooperationen sind die Zeiten oft vorgegeben und das „selbstständig“ arbeiten und entscheiden ist da nicht mehr wirklich gegeben.

Für die, die einfach ein paar Schüler*innen am Donnerstag Nachmittag unterrichten wollen, ist die Honorarvereinbarung ja grundsätzlich eine schöne Sache. Wenn allerdings Honorarkräfte zeittechnisch für eine 50% Stelle arbeiten, aber nicht so entlohnt werden und eben auch nicht über die Musikschule sozialversichert sind, wird das ganze knifflig.

Das Grundproblem ist: Die wenigsten Eltern, Schüler*innen und Menschen außerhalb der Bubble wissen, dass wir an städtischen Musikschulen eine „2-Klassen-Gesellschaft“ haben. Wir unterrichten Tür an Tür, machen dieselbe Arbeit, haben aber unterschiedliche Privilegien und auch finanziell sind wir nicht gleichgestellt. Viele arbeiten sehr motiviert und engagiert zu Beginn ihrer Honorartätigkeit, mit Hoffnung auf eine potentielle feste Stelle und brennen irgendwann aus. Sie sind irgendwann unzufrieden mit den Arbeitsbedingungen und den Honoraren und verlassen dann die Musikschulen oder gehen erst gar nicht in diese Arbeitsverhältnisse. Eine meiner Kolleginnen schrieb mir:

„Es waren vor allem die Arbeitsumstände. Ich wollte keinen Chef haben, der mir sagt wie ich meinen Unterricht gestalten soll oder wie ich mit Schülern umzugehen habe. Gruppen- oder Partnerunterricht am Klavier geben zu müssen ohne es gelernt zu haben, fand ich nicht attraktiv. Stunden die 22,5 min dauern, weil es eben die Hälfte einer Unterrichtseinheit ist, kann ich nicht vertreten.(…) Ich wollte mich nicht verheizen lassen. Ich kann nicht gegen meine Überzeugungen arbeiten.“

Klavierlehrkraft, unterrichtet privat

Geht es hier nur um Geld?

„Insbesondere für freiberuflich Tätige, deren Einkommen ohnehin oft prekär ist, wurde es geradezu existenzbedrohend.“

Vdm und BMU

Dieser Satz steht im Statement. Ich habe dazu zwei Fragen. Erstens: Wer macht denn die Honorare? und Zweitens: Glaubt ihr wirklich es liegt nur an der Höhe der Honorare?

Ich glaube nicht. Es sind die Strukturen und Arbeitsbedingungen, die zum Teil auch fest angestellte Lehrkräfte kritisieren, die aber als Honorarkraft noch kräftezehrender sind, weil Sicherheit fehlt und ein zusätzlicher Arbeitsaufwand besteht sich um Steuern und Versicherung selbst zu kümmern, diese Zeit aber ja nicht honoriert wird.

Natürlich wird in dem Statement auch über fehlende Wertschätzung gesprochen, sowohl von der Gesellschaft, als auch von der Politik. Aber woran liegt das? Wir haben die letzten Jahrzehnte in unserem eigenen Sumpf gegraben und uns darüber aufgeregt, einige haben sich an Gewerkschaften oder Verbände gewandt. So langsam kommt das Thema faire Vergütung auf den Tisch und nach dem BSG Urteil 2022 auch das Thema Scheinselbstständigkeit an Musikschulen noch mal als Brandbeschleuniger in die Diskussion.

Wenn wir als Honorarkräfte nicht über diese Arbeitsbedingungen und Unzufriedenheit öffentlich sprechen, woher sollen denn andere Menschen wissen, wie es uns geht? Wenn wir Eltern und unseren Schüler*innen nicht sichtbar machen, was zu den „30 Minuten Unterricht“ alles an Arbeitsaufwand dazugehört und welche Ausbildung wir in Anspruch genommen haben, wie viel Geld wir in unsere Ausbildung investiert haben, um heute diesen Job zu machen, woher soll denn da Wertschätzung und Verständnis kommen?

Um die politische Kommunikation soll es hier jetzt gar nicht gehen, sondern ich möchte allen Leser*innen ein Verständnis dafür entlocken, warum „das einfach keiner mehr machen will“. Wenn die Perspektiven nicht gut sind und die Arbeitsbedingungen als Honorarkräfte bereits Studierende in Ausbildung ausbrennen lassen und wir mit Mitte zwanzig in der Burn-Out Klinik liegen, weil „wir uns mal nicht so anstellen sollen“, ist das nicht gerade einladend für junge Menschen.

„IGP ist ja auch nicht so viel wert wie KA“

Abschließend kommt noch ein Schlag gegen die Musikhochschulausbildung bzw. die Menschen, die als Professor*innen und Dozent*innen jungen Menschen vor und während ihrer Ausbildung an einer Musikhochschule das Gefühl vermitteln und es klar benennen, dass es eine „Hierarchie“ an Studiengängen gibt. Zu meiner Studienzeit war das der rosa Elefant im Raum: „Du studierst ja nur Pädagogik!“

Wenn Menschen vor und während ihrer Ausbildung von ihren Vorbildern gesagt wird, dass Pädagogik ja zweiter Klasse ist und das „einzig wahre ist die künstlerische Ausbildung (KA)“ dann produzieren wir einen Haufen potentiell arbeitslose Musiker*innen. Wenn sie schon im Studium sagen: „Unterrichten ist unter meinem Niveau“ – weil ihr Professor oder ihre Professorin ihnen den Floh ins Ohr gesetzt hat, dann möchte ich gelinde gesagt einfach kotzen.

Jetzt kommt eine Wahrheit, die vielleicht viele nicht hören wollen, aber die ich diesen Personen gerne auf die Stirn tätowieren möchte: „Wenn keine*r mehr den Anfang begleitet, gibt es auch keine Begabtenförderung und auch keine Menschen, die das zu ihrem Beruf machen wollen!“ Wenn ihr euch also das nächste Mal über die Pädagog*innen stellt, vergesst nicht, dass auch ihr irgendwann mal angefangen habt…bei einer/einem Pädagog*in.

Ich bin, wie viele meiner Kolleg*innen das beste Beispiel: Es geht beides gleichzeitig. Ich habe beides studiert und bin sowohl eine herausragende Künstlerin auf der Bühne, als auch eine inspirierende und fachlich top ausgebildete Pädagogin. IGP zu studieren ist für einige der Weg, „weil KA nicht geklappt hat“ und für andere ist es ihre Berufung und deren Selbstwert wird mit solchen herablassenden Aussagen leider ebenfalls zerstört.

Wenn wir also davon sprechen, dass „immer weniger Musikpädagogik studieren wollen“, sollten wir vielleicht auch in der Musikhochschule ansetzen und diese Rangordnung von „KA, dann lange nichts, dann IGP, dann lange wieder nichts, dann die EMPler*innen und die Lehrämtler*innen (denn die sind ja künstlerisch der größte Witz)“. Diese Sätze habe ich so, nicht nur ein mal gehört in meiner Studienzeit. Von Dozent*innen und von Studierenden.

IGP oder Lehramt ist nicht weniger wert, als die künstlerische Ausbildung. Alleine, dass wir das im Studium voneinander trennen ist schon ein riesiges Problem. Diese Problematik ist, wie in diesem Artikel deutlich geworden, vielschichtiger als: Wir brauchen gesellschaftspolitischen Rückhalt.

Wenn du möchtest, kommentiere gerne deine Gedanken dazu unter diesen Artikel oder schreibe mir eine Mail.

3 Antworten zu „Fachkräftemangel oder Arbeitslosigkeit?”.

  1. Liebe Saskia,

    dein Artikel bringt es sehr gut auf den Punkt. Es gibt eindeutig Gründe, wenn Kollegen sich oft ausgebrannt und demotiviert von ihrer Berufung und Begabung abwenden. „Sie haben soooo einen schönen Beruf“ höre ich regelmäßig. Gefolgt von: „Wie toll, dass sie ihr Hobby zum Beruf gemacht haben!“ Oh ja, das ist fantastisch, aber eben auch ein Kampf. Denn die Miete, die Autoreparatur oder auch neue Schuhe fürs Kind wollen trotzdem irgendwie bezahlt werden. Und noch mehr unterrichten kann da nicht die Lösung sein.

    Die Hierarchie an den Musikhochschulen fand ich auch immer schwierig. Schließlich haben EMPler und IGPler maßgeblichen Einfluss auf zukünftige Generationen der KIler. Und uns alle vereint doch unsere Leidenschaft! Wenn wir uns gegenseitig nicht wertschätzen – wieso sollen es denn andere tun?

    Eine gute Idee von dir, die Schülereltern auf den langen Ausbildungsweg hinzuweisen. Oder aufzuklären, wie viel Arbeit und Energie wir bereits VOR der Unterrichtsstunde für ihr Kind aufgewendet haben.

    Danke für deinen wichtigen und deutlichen Artikel!

    Carina

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  2. […] Fachkräftemangel oder arbeitslosigkeit? […]

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  3. […] hier kannst du mehr über die thematik lesen […]

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