„Was muss ich für die Aufnahmeprüfung können?“

Zuallererst muss ich leider eine bittere Wahrheit aussprechen: Angehende Musikstudierende mussten vor ihrem Studium noch nie so viel können, wie heutzutage. Natürlich bezieht sich das auf das künstlerische Niveau, aber auch auf die Fähigkeiten außerhalb des Instruments. Die Aufnahmeprüfungen werden gefühlt von Jahr zu Jahr härter, was natürlich einmal mit der großen Anzahl an Bewerbern zu tun hat, auf der anderen Seite mit dem, was einen alles nach dem Studium erwartet. Die Anforderungen sind höher, die Stücke schwerer und die Plätze werden weniger. 

Mit dieser Einleitung möchte ich niemanden deprimieren oder jemandem Angst machen. Ich habe allerdings die Erfahrung gemacht, dass man mit einer realistischen Vorstellung und Einschätzung erfolgreicher fährt, als mit naiver Einstellung gegenüber der Musikbranche und deren Ausbildung.

Beim dritten Artikel in der Serie für Studieninteressierte setze ich voraus, dass du dich mit den ersten beiden Artikeln auseinandergesetzt hast. Die Fragen: Was gibt es für Studiengänge und wo sollte ich die studieren, beantworte ich dir in diesen beiden Artikeln:

https://managemusik.com/2020/07/19/musikstudium-duales-studium/

https://managemusik.com/2020/07/31/was-und-wo-soll-ich-studieren/ 

Hier gibt es noch eine weitere Seite, um einen Überblick zu bekommen, was wo studiert werden kann: 

https://www.studycheck.de/studium/kunst-gestaltung-musik/musik

Was muss ich für die Aufnahmeprüfung können?

Muss ich auch Klavier spielen?

Was muss ich für Stücke vorspielen?

Wie schwer sind die theoretischen Aufnahmeprüfungen in Tonsatz und Gehörbildung?

Wie viele Bewerber bekommen einen Platz?

Mit diesen und weiteren Fragen beschäftige ich mich in diesem Artikel und mit den Voraussetzungen für die Aufnahmeprüfung und dem Musikstudium. Bevor ich auf diese Fragen näher eingehe, kurz die Erklärung, warum es diese Prüfungen überhaupt gibt und warum sie in einigen anderen Studiengängen vielleicht nicht schlecht wären einzuführen.

Unter normalen Umständen an einer Universität bewirbst du dich auf einen Studienplatz in einem bestimmten Fach. Z.B. ‚Bachelor of Arts‘ (BA) mit den Fächern Geschichte und Politikwissenschaft oder Deutsch und Religion auf Lehramt, also im ‚Bachelor of Education‘ (B.Ed.). Wenn du auf eine x-beliebige Seite einer Universität gehst, in meinem Fall war es damals: https://www.studium.uni-mainz.de/studienfaecher-ba/ der Johannes Gutenberg Universität Mainz, findest du sehr oft die Bezeichnung bei Zulassungsvoraussetzungen: zulassungsfrei. 

Das bedeutet im Prinzip, jeder der sich bewirbt kommt auch rein. Man könnte hier auch davon sprechen, man schreibt sich an einer Universität ein ohne ein Verfahren der Eignung o.ä.

Dann gibt es einige Studiengänge an einer Universität, da steht dann: zulassungsbeschränkt. Das wird in den meisten Fällen über den sogenannten N.C. geregelt, also über deinen Abiturschnitt. Ein sehr berühmter Studiengang ist hier natürlich das Medizin- oder das Psychologiestudium – auch wenn ich der Meinung bin, eine Eignungsprüfung vor allem auf der sozialen Ebene würde diesen Studiengängen weiß Gott mehr bringen, als der Abiturschnitt.

Bei drei Studienfachrichtungen steht allerdings folgendes: Eignungsprüfung.

Diese drei sind, wie du dir vielleicht denken kannst, Musikstudiengänge, Kunststudiengänge und Sportstudiengänge. Spannend, bei der Recherche fiel mir ein Gedanke dazu ein, warum es heute nur noch umgangssprachlich „Aufnahmeprüfung“ heißt. Eignung und Aufnahme sind ja zwei verschiedene paar Schuhe. Damals hieß es Aufnahmeprüfung, weil tatsächlich alle, die früher eine Aufnahmeprüfung bestanden haben, auch einen Studienplatz bekamen und eben aufgenommen wurden. Heute ist das Bestehen einer sogenannten Eignungsprüfung kein Garant für einen Studienplatz! In der Prüfung wird geschaut, ob du dich für den Studiengang eignest, ob du aufgenommen wirst, steht leider auf einem anderen Blatt. Das ist nur eine Vermutung bzw. eine Interpretation meinerseits und kein Fakt! 

Es ist also durchaus möglich, dass du eine Eignungsprüfung bestehst, du dich also offensichtlich dafür eignest – es aber nicht so viele Studienplätze, wie es bestandene Bewerber*innen gibt. Einige Fachbereiche an Hochschulen machen das besonders „schlau“, um nicht in diese Situation zu kommen – sie lassen einfach alle durchfallen, die nicht aufgenommen werden. Geil! Andere Hochschulen schrauben ihre Anforderungen in der Theorie dermaßen hoch, dass ein Großteil durch die Theorieprüfungen rasseln und ebenfalls durchfallen. Auch geil! 

Wenn man etwas genauer hinschaut, ist das alles natürlich gar nicht geil. Aber irgendeine Taktik, um die hohen Bewerberzahlen zu bewältigen, muss es ja geben – und diese Zahl ist leider sehr hoch! Ich habe jedoch keine offiziellen Zahlen gefunden, aber aus eigener Erfahrung: bei meiner Bacheloreignungsprüfung im Jahr 2015 waren es über 80 Bewerber, nur für Flöte und nur für den künstlerischen Studiengang. Die Klavierlehrenden der HfMT prüfen eine ganze Woche Pianisten und Pianistinnen, täglich von 08:00 Uhr bis 20:00 Uhr. 

Du merkst schon, es sind unglaublich viele! Wie viele Plätze es gibt, hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie viele Lehrende es für das Instrument gibt, wie viele bei den jeweiligen Lehrenden Abschluss gemacht haben und so einen Platz „frei“ machen und wie im letzten Artikel schon beschrieben: ob die Lehrenden dich haben wollen! 

Die Frage ‚Was muss ich für die Aufnahmeprüfung können?‘ stellt sich natürlich dann direkt. Leider ist das nicht ganz so einheitlich zu beantworten. Erst mal ist entscheidend, für welchen Studiengang du dich bewirbst und wo du das tust. Du findest die detaillierten Voraussetzungen auf den jeweiligen Internetseiten. Grob erklärt:

  1. Du musst auf deinem Hauptfach vorspielen – Programm zwischen 15 und 30 Minuten, abhängig von den Voraussetzungen
  2. Du musst auf deinem Nebenfach vorspielen – bei allen Orchesterinstrumenten ist das Klavier, die Pianisten haben freie Wahl und die Zupfinstrumente können ggf. auch ein anderes Zupfinstrument nehmen
  3. Du musst eine schriftliche Prüfung ablegen in den Fächern Tonsatz und Gehörbildung
  4. Du musst eine pädagogische Prüfung ablegen, im Falle eines pädagogischen Studiengangs
  5. Wenn es weitere Nebenfächer o.ä. gibt, musst du auch dort eine Prüfung ablegen. Das ist allerdings sehr studienspezifisch! 

Im Normalfall besteht die Eignungsprüfung also aus drei Teilen: dem Hauptfach, dem Nebenfach und einer Theorieprüfung. 

Es gibt Hochschulen mit Fachbereichen, die wünschen ein bestimmtes Programm für die Hauptfachprüfung. In meinem Fall reichte das von: „Ein Kopfsatz eines Solokonzerts, ein Werk für Flöte solo und ein Werk nach 1950“ bis hin zu „Bach Partita, Mozartkonzert in G-Dur, Syrinx von Debussy…“. Es kann aber auch sein, dass dort einfach steht: „20 Minuten Programm Werke aus drei verschiedenen Epochen“ – das ist der Jackpot, denn da kann man seine Stärken sehr gut ausspielen! 

Im Nebenfach steht in den meisten Fällen 10-15 Minuten Programm, zwei Werke aus zwei verschiedenen Epochen und in den allermeisten Fällen spielen die Anwärter*innen dann das C-Dur Präludium von Bach BWV 846 und etwas von Schumann oder was modernes. 

Ein Kommentar noch zu der Minutenangabe: du spielst keine 20 Minuten in der Hauptfachprüfung, du spielst auch keine 15 Minuten in der Nebenfachprüfung. Der Tag der Prüfungskommission müsste 48 Stunden haben, damit das aufgeht. Rechne mit 5-10 Minuten. Du wirst abgebrochen, manchmal hören sie auch nur 2 Ausschnitte aus 2 Stücken. Manchmal die Anfänge von allen Werken, die auf deiner Liste stehen. 

Zur Theorieprüfung gibt es von meiner Seite folgenden Tipp: Bereite dich gut vor! 

Wenn du Probleme mit Gehörbildung hast, übe es jeden Tag genauso wie dein Instrument. Jeden Tag 10-15 Minuten, investiere diese Zeit, denn wie oben beschrieben: viele Hochschulen sieben ihre Bewerberzahlen in der Theorieprüfung aus. An manchen Hochschulen gibt es auch die Möglichkeit, bei einer nicht bestandenen Gehörbildungsprüfung trotzdem einen Studienplatz zu bekommen, ins Tutorium zu gehen und ein Jahr später die Eignungsprüfung in diesem Fach zu wiederholen. 

Das ist aber nicht die Regel! 

Fast jede Hochschule hat alte Klausuren als PDF Download bereit, damit du einen Eindruck bekommst, was verlangt wird und wie geprüft wird. Es gibt auch Angebote, von Studierendenvertretungen oder von den Hochschulen selbst, für Vorbereitungskurse in den Theoriefächern. Vielleicht hat deine Musikschule eine/n Theorielehrer/in, geh in den Kurs und bereite dich vor – so früh wie möglich. Du kannst dir nicht vorstellen, wie vielen verzweifelten Studierenden ich schon bei dem Thema Gehörbildung geholfen habe! Ich höre selbst nicht absolut. Ich hatte einfach den besten Professor, den es dafür gab und das über eine sehr lange Zeit! 

Die Voraussetzungen für das Musikstudium selbst, bespreche ich im nächsten Artikel. Heute sollte es erst mal um die Eignungsprüfungsvoraussetzungen gehen und die vielen Fragen im Kopf der Studieninteressierten, was da auf einen zukommt. 

Wie immer bei Fragen gerne melden – ich versuche sie alle in dieser Artikelreihe, zumindest im Ansatz, zu beantworten! 

„Ich habe einfach keine Zeit!“

Diesen Satz höre ich sehr oft und habe ihn früher auch immer gekonnt von mir gegeben – bis mir etwas klar geworden ist:

Das ist eine Lüge, die wir uns selbst und anderen gerne erzählen!

Fakt ist, wir haben alle 24 Stunden. Jeder Mensch auf dieser Welt hat immer nur 24 Stunden pro Tag. 

Fakt ist, Zeit kann man nicht besitzen und in seine Tasche stecken. 

Fakt ist, dieser Satz wird meistens als Ausrede benutzt, um etwas nicht tun zu müssen, oder zu können, aber auch um sich zu rechtfertigen, etwas nicht getan zu haben. 

Bevor ich hier jetzt die ein oder andere Anekdote zur Unterhaltung preisgebe, noch ein Hinweis: Zeit kann man auch nicht einteilen. Das Wort Zeitmanagement ist leider irreführend, da es suggeriert, wir könnten Zeit managen. Wir managen aber nicht die Zeit selbst, sondern die Aufgaben und Termine, die wir innerhalb einer bestimmten Zeit haben. In meinem ersten Artikel auf diesem Blog habe ich bereits über diese Formulierungsproblematik geschrieben: https://managemusik.com/2019/09/12/example-post/ 

Was steckt eigentlich hinter diesem Satz? 

Ich nehme dich mal in eine Situation mit – eine ganz typische Situation im Studium, an einer Musikhochschule. 

Es ist Mitte des Semesters. Ich sitze in der Bibliothek der Hochschule, da ich dort seit einigen Jahren studentische Hilfskraft bin. Es kommt ein Studierender relativ panisch bzw. schwer atmend reingelaufen (das schwer atmend, könnte sich natürlich auch auf den Berg beziehen, den man hier in Wuppertal immer erklimmen muss). Der Studierende legt mir ein Zettel auf den Tresen, den ich nur zu gut kenne: die Literaturliste unseres Musikwissenschaftsprofessors. 

Es ertönt folgender Satz: „Saskia kannst du mir helfen? Ich brauche ein paar Bücher für das Referat in Musikwissenschaft. Ich habe schon angekreuzt, welche ich brauche. Wie finde ich die denn hier in der Bibliothek? Haben wir die überhaupt da?“.

Ich antworte mit ruhiger Stimme, er oder sie solle sich erst mal beruhigen, ich schaue mir das mal an und gehe in unseren Online-Katalog. Ich suche dort die Bücher raus und überprüfe, ob wir sie haben oder wir sie ggf. aus Köln bestellen müssen. Eins der vier Bücher ist gerade entliehen, der Rest ist da. Ich freue mich, dass ich dem Studierenden helfen konnte und suche die Bücher raus. Es kommt zu folgendem Dialog:

Studierende: „Ok vielen Dank! Das ist ja blöd, dass das eine Buch entliehen ist. Ich hoffe, das ist nicht zu wichtig. Ich muss mich nämlich etwas beeilen!“. Ich frage und ahne schon die Antwort: „Oh, wann musst du denn das Referat halten?“. Studierende: „Übermorgen“

Ja, was soll ich dazu sagen, diesem kurzen Dialog folgt ein Gespräch über das Thema des Referats, mit dem sich der Studierende quasi heute zum ersten Mal beschäftigt und die Umstände, warum er oder sie erst heute mit dem Referat beginnt. Irgendwann fällt er, der berühmte Satz:

„Ich hatte einfach keine Zeit!“ 

Was ist hier passiert und warum ist das eine Lüge, die sich Studierende bevorzugt selbst erzählen?

Wir gehen dem Satz einmal etwas näher auf den Grund, die Fakten über die Zeit, habe ich oben ja bereits ausgeführt. Zeit kann man nicht managen, aber die Aufgaben und Termine innerhalb der Zeit schon. Aufgabe für den Studierenden war es ein Referat, inkl. PowerPoint und Handout, zu einem musikwissenschaftlichen Thema, zu entwerfen. Diese Aufgabe wird in der ersten Stunde, zu Beginn des Semesters, gestellt.

Zeit für diese Aufgabe hatte er oder sie effektiv ca. 4-6 Wochen. Gehen wir mal von 4 Wochen aus – das sind 28 Tage oder 672 Stunden. Das ist eine Menge an Zeit! Wenn wir mal die Zeit abziehen, die wir im Durchschnitt schlafen (also acht Stunden) bleiben noch 448 Stunden übrig. Zeit war also mehr als genug da! 

Was aber hat gefehlt?

  1. Eine Vorstellung davon, wie viel Zeit man wirklich in das Referat investieren muss – aus meiner Erfahrung sind das ca. 8-12 Stunden, je nachdem, wie lange das Referat sein muss und wie viel Stoff vorher verarbeitet werden muss. 
  2. Ein Plan, wann ich allerspätestens anfangen sollte, mich auf das Referat vorzubereiten. 
  3. Das Ziel ‚Referat‘ in kleinere Ziele bzw. Aufgaben zu unterteilen.
  4. Die Aufgabe(n) zur Priorität zu machen.

Und da haben wir das Kernproblem. 

Wenn du sagst: „Ich habe keine Zeit“, dann ist der Subtext: „Es ist nicht meine Priorität“. Wir haben nicht Zeit zu wenig, sondern wir setzen uns bestimmte Aufgaben oder Termine nicht als Priorität! Noch ein wichtiger Hinweis: wir können nicht Prioritäten zur selben Zeit haben – die Mehrzahl ist hier leider eine ähnliche Lüge, wie der Satz in der Überschrift. Wir können immer nur eine Priorität haben, innerhalb einer bestimmten Zeit.

Ein Beispiel aus meinem Leben:

Ich studiere, wie mittlerweile viele Leser/innen wissen, zwei Hauptfächer gleichzeitig – Querflöte und Klavier. Ich kann ja nicht beides zur selben Zeit üben. Ich kann aber Übe-Hopping (das Wort habe ich mir tatsächlich grade ausgedacht) betreiben, sprich, innerhalb von zwei Zeitstunden beide Instrumente im Wechsel üben oder eben nacheinander. Erst das eine, dann das andere. 

Größer gedacht, ich kann mich nicht auf zwei Konzerte innerhalb einer Woche, mit beiden Instrumenten vorbereiten. Ich habe hier zwei Möglichkeiten: 

  1. Ich verlängere die Vorbereitungszeit, sodass innerhalb der einen Woche nur noch Details gefeilt werden.
  2. Ich lasse es!

Während meinen Übesessions habe ich immer eine bestimmte Priorität in dem einen Moment. Nicht nur das Instrument an sich, sondern auch inhaltlich. Ich kann nicht zwei Dinge gleichzeitig machen. Auch wenn einige böse Zungen behaupten, Frauen könnten Multitasking – ich muss die Zungen leider enttäuschen. Aus der Neurobiologie ist die Nachricht ganz klar: Das Gehirn, kann sich nur auf eine Sache gleichzeitig konzentrieren! (auch bei Frauen!).

Wenn Menschen mich also fragen, wie ich es schaffe, zwei Studiengänge und Job unter einen Hut zu bekommen, ist die Antwort simpel: durch Prioritäten setzen und z.T. langen Vorbereitungszeiten und Planen. 

Wenn Studierende also ein Referat oder eine Hausarbeit im allerletzten Moment anfangen, ist da meist kein böser Wille dahinter, sondern Unsicherheit und ein schlechtes Gewissen, welches immer größer wird. Sie prokrastinieren bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie merken „Scheiße, jetzt muss ich anfangen!“.

Es folgt Stress, durchgemachte Nächte und das Referat hält man dann mit drei Liter Kaffee intus und ist danach völlig am Arsch! Im Endeffekt war das Referat einfach nie Priorität. Priorität war: 

  • Üben (nur zu verständlich) 
  • Hauptfachunterricht
  • Freunde treffen 
  • Hobby’s 
  • Fächer, die einen vielleicht mehr interessieren 
  • Netflix, YouTube, Social Media 
  • Das Date, worauf man sich so lange gefreut und vorbereitet hat
  • Füge hier ein, was auch immer bei dir grade Thema ist… 

Das ist vollkommen ok! Ich möchte hier noch mal betonen, dass ich mich darüber nicht lustig machen möchte oder den Guru mit dem erhobenen Zeigefinger geben will. Ich war selbst so und rutsche manchmal wieder in dieses Denken ab, bei dem ich mir erzähle, ich hätte für dies und jenes ja keine Zeit…

Was ich mit diesem Artikel bezwecken will? 

Hör auf dir zu erzählen, du hättest für irgendwas keine Zeit. Das ist Bullshit! Zeit ist genug da, die Frage ist, was du zu deiner Priorität machst. Wenn du gerade frei hast und Semesterferien und deine Priorität ist es, die 10. Staffel Modern Family an einem Tag durchzusuchten – hammergeil, viel Spaß! 

Wenn du allerdings noch drei Hausarbeiten auf der Uhr hast und ein gemeinsames Projekt, an dem noch andere arbeiten, dann überlege dir, was gerade Priorität hat und schau vielleicht nur eine oder zwei Folgen am Tag und den Rest arbeitest du produktiv, über einen längeren Zeitraum. Jeden Tag ein bisschen und ein Schritt nach dem anderen. 

Dieses sogenannte ‚Bingewatching‘ von Serien ist mittlerweile auch in unseren Arbeitsmodus übergegangen. Wir ‚bingewatchen‘ Netflix und dann ‚bingewatchen‘ wir das Referat in 24 Stunden. Das ist leider überhaupt nicht gesund und effektiv. Es führt zu Stress, genervten Dozenten, genervten Studienkollegen und einem schlechten Gefühl, man sei zu dumm oder zu unorganisiert, um sowas zu schaffen. 

Ein paar Tipps für dich, die du heute noch umsetzen kannst:

  1. Schau mal in deinen Kalender und überlege dir, was gerade Priorität hat: das Studium? Deine Freizeit? Deine Freunde? Dein Job? Zeit für dich?
  2. Frage dich, ob das so in deinem Sinne ist oder ob du momentan Zeit für Dinge investierst, die dich in deiner Priorität leider gar nicht weiterbringen. Z.B. Fünf Stunden durch Social Media zu scrollen.
  3. Entlarve deine Zeitfresser, die Dinge, die dich viel Zeit kosten, aber nicht viel bringen.
  4. Schreibe dir auf deine To-Do-Liste für heute nur eine Aufgabe – die eine Aufgabe, die heute Priorität hat!

Abschließend bleibt zu sagen, dass jedes Mal, wenn wir uns erzählen wollen, wir hätten für irgendwas keine Zeit – für Sport, für gesunde Ernährung, für mehr Zeit mit Freunden, für Zeit mit uns selbst, für ein weiteres interessantes Projekt – immer ein bestimmter Teil in unserem Gehirn nicht möchte, dass wir etwas verändern. Der mag das nämlich nicht, sich zu verändern. Wenn sich also etwas in dir sträubt beim Lesen dieses Artikels, sieh es als Herausforderung, und wenn du das nächste Mal den Satz sagst oder denkst, dann frage dich kurz: „Was ist gerade meine Priorität und ist das auch meine Priorität oder die eines anderen?“

Lass deine fehlende Selbstreflexion nicht an der Zeit aus. Sie kann nichts dafür, sie ist einfach da und wir können sie auch sinnvoll für uns nutzen. Aber sie immer als den Miesepeter hinzustellen, ist nicht fair und auch nicht zielführend. 

Ich revidiere also den Satz in der Überschrift:

„Es ist nicht meine Priorität!“ 

Was und Wo soll ich studieren?

Ich habe mich in den letzten Wochen auf sehr vielen unterschiedlichen Hochschulseiten umgeschaut und eine Sache festgestellt: es gibt wirklich sehr viele verschiedene Möglichkeiten. Sowohl welchen Studiengang, als auch an welchem Studienort man studieren möchte. 

Als ich mich vor sechs Jahren an deutschen Musikhochschulen umgeschaut habe, um eine/n Professor/in zu finden, wusste ich zumindest schon mal was ich studieren möchte. Das ist auch der allererste Schritt, sich zuerst einmal in dem Wald an Studiengängen zurechtzufinden. In einigen Fällen und bei einigen Instrumenten ist die Wahl einfach, in anderen nicht. Die Recherche davon nimmt viel Zeit in Anspruch und ich kann nur wärmstens empfehlen, dass du dich früh genug damit beschäftigst. 

Im letzten Artikel habe ich dir bereits einen groben Überblick gegeben, welche Studiengänge grundsätzlich möglich sind. Die ganz simple Unterteilung ist die Künstlerische Ausbildung, die pädagogische Ausbildung oder das Lehramtsstudium. Wenn du dir die Frage stellst, ob man auch mehrere Studiengänge studieren kann, möchte ich noch mal darauf hinweisen, dass es in jedem Fall sehr schlau ist sich breit aufzustellen. In der aktuellen Situation mehr denn je. 

Aber…

Wenn du dir absolut nicht vorstellen kannst zu unterrichten, dann musst du das auch nicht tun. Es ist natürlich ein gutes Standbein, eine pädagogische Ausbildung zu haben und gerade in der Corona-Krise, waren die Pädagogen an vielen Stellen die „Gewinner“ der Krise. Wir konnten großflächig auf Online-Unterricht umstellen, man mag darüber denken was man möchte, aber unsere Einkommen waren somit auch als Honorartätige gesichert. Ich habe Kollegen, die verdienen seit März nichts mehr, da sie ausschließlich von Live Auftritten leben. Es ist dennoch kein Zwang zu unterrichten, es gibt noch einige andere Möglichkeiten sich vielfältig aufzustellen.

Im künstlerischen Bereich ist die Wahl des richtigen Professors oder der richtigen Professorin wirklich essenziell. Und hierzu möchte ich ein paar Dinge loswerden, die vielen in der Branche sonnenklar sind, aber Studienanwärtern oft nicht. 

Natürlich suchen sich Lehrende die Studierenden aus für ihre Klasse und niemand möchte gerne die Katze im Sack kaufen. Es macht also sehr viel Sinn, vor der Aufnahmeprüfung Kontakt mit den Lehrenden aufzunehmen, an dessen Hochschulen du Aufnahmeprüfungen machen möchtest und ihnen vorzuspielen oder ggf. eine Probestunde zu nehmen. Ja, das ist mit Aufwand verbunden. Ja, das ist mit Zeit und Geld verbunden – aber es lohnt sich! Denn eines ist ganz sicher. Eine Probestunde nützt nicht nur den Lehrenden zur Feststellung, ob du in ihre Klassen passt – sondern auch dir, um festzustellen, ob du mit den Lehrenden zurechtkommst. Es bringt dir leider nichts, wenn du irgendwo einen Platz bekommst und du dann vier Jahre durch die Hölle gehst…

Vertrau mir – alles schon da gewesen! 

Und noch etwas: wenn ein/e Professor/in 250€ für eine Probestunde von 45 min verlangt, dann mach das bitte nicht! Du musst nicht dessen schicke Chanel Handtasche oder den Porsche mitfinanzieren. Schwarze Schafe gibt es überall! 

Falls du in Erwägung ziehst, eine künstlerische und pädagogische Ausbildung zu absolvieren, dann plane auf jeden Fall etwas mehr Zeit ein als vier Studienjahre. Es ist möglich! Einige von meinen Studienkollegen haben es gemacht, ich selbst studiere beides aktuell. Aber es ist in keinem Fall möglich, zeitgleich zwei volle Bachelorstudiengänge in Regelstudienzeit (8 Semester) zu studieren. Die Kombination von Lehramt und Instrumentalpädagogik oder Elementarer Musikpädagogik ist ebenfalls sehr beliebt. 

Im letzten Artikel hatte ich schon auf die Internetseite verwiesen, bei der es eine Auflistung aller Musikhochschulen gibt (inkl. deren Internetseiten). Auf so ziemlich jeder Website einer Musikhochschule findest du Informationen darüber, welche Studiengänge möglich sind und wer die einzelnen Instrumente unterrichtet. Über die tollen Studienverlaufspläne und deren Verständnis, schreibe ich in einem anderen Artikel noch ausführlicher. Aber für einen Eindruck, welche Fächer in dem Studiengang unterrichtet werden, schaut da gerne mal rein. 

Viele der Hochschulen bieten Info-Tage an. Ich kann dir sehr empfehlen dorthin zu gehen. Den Ort einmal zu sehen vor der Aufnahmeprüfung, nimmt einem auch die Angst vor dem Unbekannten, denn so eine Aufnahmeprüfungssituation ist schon aufregend genug!

Eine Frage die ich schon häufiger gestellt bekommen habe an solchen Info-Tagen ist:

Wie viele Aufnahmeprüfungen an verschiedenen Hochschulen kann ich schaffen?

Dazu musst du ein paar Dinge wissen…

  • Pro Bewerbung zahlst du 50€-60€ Verwaltungsgebühr – an jeder Hochschule!
  • Einige Prüfungen laufen parallel ab und nicht immer ist beim Bewerbungsschluss klar, wann die Prüfungsphase für deinen Studiengang stattfindet
  • Die normalen Prüfungsphasen in Deutschland belaufen sich auf 2-2 ½ Monate z.B. Mai-Anfang Juli (Corona Ausnahmezustand mal ausgenommen)
  • Nicht an jeder Hochschule kann man sich für Winter- und Sommersemester bewerben
  • Es gibt Hochschulen, die haben Pflichtprogramme für dein Instrument, besonders dieser Punkt ist ausschlaggebend, wenn man nicht 8 Stücke zeitgleich vorbereiten möchte
  • Jede Aufnahmeprüfung läuft ein bisschen anders ab und ist inhaltlich auch selten einheitlich – bei der einen findet alles an einem Tag statt, bei der anderen im Abstand von 14 Tagen

All diese Informationen solltest du im Hinterkopf behalten, wenn du dich bewirbst.

Wenn du dich bei drei Lehrenden vorgestellt und dort ein gutes Gefühl hast, dann reichen drei Aufnahmeprüfungen völlig aus. Drei bis sechs Aufnahmeprüfungen sind schon gut zu schaffen, vorausgesetzt sie überschneiden sich nicht. Zum Beispiel:

Die letzten Jahre ist es immer mal vorgekommen, dass die Flöten Aufnahmeprüfungen von der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf und der Hochschule für Musik und Tanz Köln an den gleichen Tagen stattfanden. Das ist blöd, zumal sich einige an beiden Hochschulen bewerben, sie liegen ja auch nur wenige Kilometer voneinander entfernt. Oder es passiert, dass die zweite Runde einer Aufnahmeprüfung in Berlin am selben Tag ist, wie die Theorieprüfung in München. Manchmal muss man pokern, aber wenn man sich an neun Hochschulen zeitgleich bewirbt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich etwas überlappt natürlich viel höher!

Bedenke bei den Bewerbungen auch den Studienort und die Entfernung zu dir nach Hause. Du musst diese Kilometer alle z.T. mehrfach fahren. Das bedeutet nicht, dass du dir keinen Studienort am anderen Ende des Landes suchen sollst, es bedeutet aber, dass du das bei der Planung bedenken und das auch finanziell stemmen musst. 

Abschließend kann ich dir eine kleine Checkliste (besonders für künstlerische/pädagogische Studiengänge) mit auf den Weg geben:

  1. Informiere dich über verschiedene Studiengänge, welche für dich in Frage kommen, um dich dann gezielt darauf zu bewerben.
  2. Suche nach Lehrenden und spiele ihnen vor, besuche ihre Workshops oder Meisterkurse und kommuniziere frühzeitig mit ihnen – gerne auch ein Jahr im Voraus.
  3. Schau nach Bewerbungsfristen, einige Hochschulen haben die sehr früh angesetzt. Informiere dich über die Bewerbungsverfahren: online oder per Post.
  4. Bewirb dich dann gezielt an den Hochschulen, bei dessen Lehrenden du dir vorstellen kannst zu studieren. Ein bis zwei Aufnahmeprüfungen kann man auch auf Risiko spielen, also ohne vorher dort jemandem vorgespielt zu haben auch der Erfahrung halber. Aber grundsätzlich solltest du mindestens zwei Lehrende im Hinterkopf haben, bei denen du gerne studieren würdest!
  5. Bereite dich frühzeitig auf die Aufnahmeprüfungen vor und schau was verlangt wird, das ist z.T. an jeder Hochschule etwas anders.

Zum letzten Punkt – darum geht es im nächsten Artikel! Ich habe schon mit so einigen jungen Musikern und Musikerinnen gesprochen, die da die größte Hürde sehen und nicht wissen, wie sie sich anständig und gut durchdacht auf Aufnahmeprüfungen vorbereiten können. Oft haben diese jungen Menschen auch nicht unbedingt Lehrende an der Hand, die sie dabei begleiten.

Viel Spaß beim Recherchieren und wenn du Fragen hast, fühl dich frei mich zu kontaktieren.

Musikstudium = Duales Studium?!

Wer kennt den Satz: „Was?! Musik kann man studieren?“ oder „Was passiert eigentlich in so einem Musikstudium?“ oder „Was ihr übt dann da einfach den ganzen Tag?“…

Zumindest das Zweite ist eine sehr gute Frage! Was passiert in einem Musikstudium und was gibt es für mögliche Schwerpunkte? Wo kann man Musik studieren und bei welcher Lehrkraft ist es am Besten? Was muss man überhaupt können, um eine Aufnahmeprüfung zu bestehen? Wie lange muss ich mich vorbereiten und wie läuft so eine Aufnahmeprüfung ab? 

Dieser Artikel, der erste einer kleinen Artikelserie, richtet sich vor allem an Schüler*innen und/oder junge Menschen, die den Wunsch haben Musik zu studieren und nicht wissen wo sie die Informationen dafür herbekommen.

Ich hatte das große Glück drei Jahre eine studienvorbereitende Ausbildung machen zu können, bevor ich eine Aufnahmeprüfung absolviert habe. Ich wusste, bei wem ich was fragen konnte. Ich wusste was es für Möglichkeiten gab, schon alleine aus dem Elternhaus und näherem Umfeld. 

Aber…

Ich weiß auch, dass es da draußen viele junge Musiker*innen gibt, die dieses Privileg nicht haben und nach Informationen suchen und bei so genannten Info-Tagen an Musikhochschulen meist mit mehr Fragen rausgehen, als sie reingekommen sind. 

Für genau die Menschen gibt es nun eine Artikelserie, bei der ich mich mit diesen und noch weiteren Fragen beschäftigen werde.

Kleiner Disclaimer am Rande: wenn du die Artikel liest und es Fragen gibt, die ich hier nicht beantworte oder dich noch anderen Fragen beschäftigen – schreib mir eine Mail! 

Nun aber zum Thema des heutigen Artikels. 

Ist das Musikstudium ein Duales Studium? Nein! Es wird zumindest so nicht ausgelegt und rechtlich wäre es falsch das zu behaupten. Aber nach sieben Jahren Studium kann ich eines mit Gewissheit sagen: es fühlt sich wie ein duales Studium an! Mit einem Uni-Studium hat es zumindest nur sehr sehr wenig zu tun!

Für die Menschen, die dich fragen „Was, das kann man studieren?“, gebe ich dir hier eine schlagfertige Antwort mit auf den Weg: „Ja, man kann schließlich auch Kosmetologie oder Amerikanistik studieren und ich frage mich, was man danach beruflich macht außer Taxi fahren?“ – Ok, ein altes Klischee, aber fragt mal Studierende aus Universitäten oder geht zu Info-Tagen. Ich bin immer wieder selbst überrascht, was man nicht alles studieren kann. 

Bei uns wird aber zumindest überwiegend das, was im Namen enthalten ist, auch unterrichtet. 

Grundsätzlich gibt es an Musikhochschulen aber nicht nur einen Studiengang. 

Wir haben insgesamt 24 eigenständige Musikhochschulen, 9 Hochschulen, an denen man Kirchenmusik studieren kann und 5 Institute, die unter dem Dach einer Uni laufen. (Eine Übersicht findest du hier: https://www.dov.org/klassikland-deutschland/musikhochschulen)

Das sind schon ein paar Möglichkeiten. Gleichzeitig macht es aber die Auswahl nicht gerade leichter, bei dem großen Angebot!

Wenn ich hier jetzt versuchen würde einen Rundumschlag, über die verschiedenen Schwerpunkte der einzelnen Hochschulen aufzuschreiben, säße ich vermutlich in 3 Tagen noch hier. Ich möchte jedoch trotzdem, soweit es mir möglich ist, einen Einblick geben, in das grobe Studienangebot im Bereich Musik. 

Vielen Menschen fällt beim Musikstudium vermutlich zuerst einmal das Orchestermusik Studium ein. Dazu muss man leider sagen: die alten Diplom Studiengänge waren, was die Berufsbezeichnung am Ende angeht, etwas leichter zu verstehen. 

Im Jahr 2020 studiert man erst mal kein „Orchestermusik“, sondern man studiert einen „Bachelor of Music“. Ja, die Bologna Reform hat auch vor den Musikstudiengängen nicht Halt gemacht. Noch heute kotzen gefühlt alle Fachbereiche an den Hochschulen. Manche finden es auch toll. Aber ich kenne eindeutig mehr Menschen, die das Bachelor- und Mastersystem im Musikstudium völlig hirnverbrannt finden, aus verschiedenen Gründen. Dazu aber in einem anderen Artikel mehr. 

Der Studiengang „Bachelor of Music“ kann verschiedene Themenfelder bzw. Schwerpunkte bedienen. Da gibt es natürlich den Studiengang, den wir umgangssprachlich als „KA“ also die Künstlerische Ausbildung bezeichnen. Den gibt es für so gut wie jedes Instrument. Bei mir handelte es sich z.B. um den „Bachelor of Music Holzbläser“. Dasselbe gibt es mit Klavier, Gitarre, Streichinstrumenten, Schlagwerk etc., es ist aber nicht die einzige Möglichkeit! 

Auch hier werfe ich erst mal einen umgangssprachlichen Begriff in den Raum: IP und/oder EMP. Da handelt es sich um die pädagogischen Studiengänge. IP bedeutet Instrumentalpädagogik und EMP steht für Elementare Musikpädagogik. EMP ist für dich vielleicht sogar noch eher unter dem Begriff der „Musikalischen Früherziehung“ bekannt. 

Wenn man nicht so der Klassikmensch ist oder gar ein Instrument spielt, was für ein klassisches Studium nicht in Frage kommt, gibt es auch den Studiengang Jazz/Pop.  

Den gibt es allerdings nicht an jeder Musikhochschule und da kommen wir schon zum ersten Problem: nicht jede Institution bietet alles an und nicht jede Institution ist für alles geeignet und dafür ausgestattet! Natürlich muss man sich in diesem Urwald an Studienfächern irgendwie zurechtfinden. Das musst du aber unbedingt selbst machen, da hilft nur recherchieren, sich einen Plan machen (da bist du hier ja richtig) und sich die Studienorte und ihre Lehrkräfte anschauen. Aber dazu im nächsten Artikel mehr. 

Ein sehr bekannter Studiengang, den ich noch nicht genannt habe, ist das Lehramt Studium. Der läuft allerdings nicht unter dem Namen „Bachelor of Music“, sondern tauft sich „Bachelor of Arts Lehramt Musik“. Dieser Studiengang wird aber nur angeboten, wenn eine Universität in der Nähe ist, mit der die Hochschule verbunden ist. Oder eben eine Universität mit einem Fachbereich Musik. 

Im „Master of Music“ kann man sich dann z.B. als Instrumentalist auf Orchesterspiel oder Kammermusik oder Solo spezialisieren. Es gibt ebenso die Möglichkeit sich auf eine Stilistik zu konzentrieren: zeitgenössische/Neue Musik oder Alte Musik. Pädagogische Masterstudiengänge und Master im Jazz/Pop sind selbstverständlich auch vorhanden.

Es gibt zusätzlich, zu den oben etwas ausführlicher dargestellten Studiengängen, die Fächer (Bachelor und Master): Orchesterdirigieren, Chordirigieren, Oper/Musiktheater, Kirchenmusik, Komposition, Tonsatz, Musikwissenschaft, Musikproduktion…

Du merkst vielleicht nach den letzten Zeilen – das ist ein riesen Angebot und es ist überall immer etwas anders. Das Internet bietet uns heute die Möglichkeit sich sehr gut zu informieren, über einen bestimmten Studiengang oder eine Musikhochschule und deren Lehrende. Was aber irgendwie nirgends steht, ist die Realität und der Studienalltag eines Musikstudierenden. Ich versuche mit meinen kommenden Artikeln, genau dieses Loch zu füllen. Ich möchte niemanden davon abhalten ein Musikstudium anzustreben! Aber ich möchte auch nicht, dass jemand blind ins Studium rennt, ohne einen Gedanken daran verschwendet zu haben, was da eigentlich auf einen zukommt!

Abschließend will ich noch mal auf den Titel dieses Artikels eingehen und auf die Frage(n):

Ist das Musikstudium wie ein duales Studium?

Es kommt ganz darauf an, was du daraus machst. Mein Studienverlauf hat sich zumindest immer wie ein duales Studium angefühlt, da ich selten „nur“ studiert habe und immer schon in dieser Berufsbranche gearbeitet habe. Natürlich um Geld zu verdienen, aber auch um Erfahrung zu sammeln!

Kann man mehrere Studiengänge gleichzeitig oder hintereinander studieren?

Ja, ich bin das lebende Beispiel! Aber hintereinander bietet sich schon eher an, als gleichzeitig…

Muss man sich auf einen Berufszweig einschießen?

Nein, ist auch nicht sehr förderlich. Einen Plan B oder C zu haben, ist grundsätzlich nicht verkehrt oder sich mehrere Standbeine aufzubauen!

Ist das Musikstudium wirklich so hart?

Das kommt ganz drauf an, was du studieren möchtest und was du danach damit anfangen willst! Aber ein Ponyhof ist es definitiv nicht…

Wo soll ich mich bewerben?

Die Frage, bzw. meine Tipps dazu, kommen im nächsten Artikel 🙂 Bis dahin eine gute Zeit und genießt die Sonne (falls vorhanden)! 

Corona-Alltag

Was soll ich sagen…mein letzter Artikel war am 11.04….und ich freue mich wahnsinnig jetzt gerade auf meinem Balkon in der Sonne zu sitzen – natürlich mit Kaffee – und einen neuen Artikel schreiben zu können. Denn eines ist sicher: am Wollen scheiterte es bei mir nicht, sondern am Können!

Ich weiß nicht wie es dir erging in den letzten Wochen, aber diese Situation konnte keiner vorhersehen, geschweige denn kann das jemand verstehen. Es ist nach wie vor surreal und völlig fern ab der Realität, die wir gewohnt sind. Ich möchte heute auch absolut nicht über Corona oder über meine Meinung zu dem Thema sprechen. Aber ich möchte über die Folgen sprechen. Folgen der Maßnahmen für dich und mich als Musiker/in, Musikpädagoge/in und/oder Künstler/in etc.

Ich habe am 17.03. noch einen Artikel geschrieben über eine Quarantäne-To-Do-Liste, mit Dingen die man machen kann, für die man nie Zeit hat oder genauer gesagt sich die Zeit dafür nie genommen hat. Witziger Fun-Fact: ich hatte noch nie so wenig Zeit für Dinge, die ich schon immer mal machen wollte, wie in den letzten sechs Wochen! Die Vorstellung einer Quarantäne, in der ich den ganzen Tag nicht weiß was ich mit meiner Zeit anstellen soll, war eine schöne Vorstellung – es blieb leider bei der Vorstellung. Die Realität sah etwas anders aus. Wie gesagt: es konnte keiner vorhersehen und ich möchte hier auch nicht auf hohem Niveau jammern, aber dieser Blog richtet sich bevorzugt an Musikstudierende oder Studierende und ich habe die Vermutung, dass es nicht nur mir so ging!

Zu Beginn der Corona Krise entwickelte sich immer mehr mein Alltag mit Online Unterricht, Online Seminaren und Kommunikation via Zoom/Mail/WhatsApp.

Was mir nicht klar war: die Kommunikation mit Eltern oder Lehrern zum Planen eskalierte in der Anfangszeit natürlich enorm. Stunden meiner Woche gingen nur dafür drauf, Termine abzuklären, Zoom Links zu erstellen, die unfassbar große Flut an E-Mails zu bewältigen, Unterrichte vorzubereiten, Material zu scannen, Play-Alongs einzuspielen, Tutorials aufzunehmen – und da hatte ich noch keinen einzigen Unterricht live via Zoom oder Jitsi gegeben! Am Anfang war ich dafür unglaublich dankbar. Ich merkte, dass ich weiterhin Geld verdienen kann. Meine Verluste durch Muggen hielt sich Gott sei Dank in Grenzen. Aber…

…ich bin sowieso gefährdet beim Thema Überplanung. Das ist meine größte Schwäche und es kam also wie es kommen musste. Innerhalb kürzester Zeit hatte ich ein Workload durch Online Unterrichten, Online Studium, Workshoptätigkeit und Gremienarbeit, welcher sich auf ungefähr 60-70 Stunden die Woche belief. BÄM! Und glaub mir, ich hab das intuitiv kommen sehen, aber es überrollte mich zur Gänze, als es dann soweit war!

Die Vorstellung ich hätte in der Corona Krise Zeit viele Blogartikel zu schreiben, Podcastfolgen zu produzieren, neue Kurskonzepte zu entwickeln, zu Lesen, viel Sport zu machen, Auszumisten und zu Üben – ja die verpuffte ungefähr nach zwei Wochen. Meine Vermutung, dass es einigen Studierenden da draussen ähnlich geht, hat sich bereits durch Gespräche bestätigt. Denn eine Sache haben wir auch noch völlig unterschätzt: Wir Musikstudierende sind es absolut nicht gewohnt 8-9 Stunden vor einem PC/Laptop/Tablet zu hängen und dort zu arbeiten.

Ein Online Seminar jagt das nächste. Die Vor- und Nachbereitungszeit hat sich gefühlt verdoppelt, weil einige Lehrende dachten: ‚Na damit da bloß keine Langeweile bei den Studierenden aufkommt, können die ja dies und jenes auch noch machen!‘ – bitte nicht falsch verstehen, den meisten Lehrenden war auch das nicht klar. Denn wie oben bereits geschrieben, niemand konnte das vorhersehen. Üben zu Hause ist vielen einfach gar nicht möglich. Weil einem die Nachbarn, die ja auch alle zu Hause sind und z.T. auch im Home-Office arbeiten, einem einfach aufs Dach steigen, wenn man 4 Stunden lang Orchesterstellen oder Etüden rauf und runter übt.

Und dann kommt da eine Frage in mir hoch: Wofür übe ich überhaupt grade? Was soll das Ganze? Ich habe das nächste Konzert im Oktober, wenn das denn stattfindet. Probespiele wurden alle auf unbestimmte Zeit verlegt. Kann ja auch da keiner wissen, wann es wieder weiter geht. Ich bin ein sehr zielorientierter Mensch, war ich schon immer. Für meine Psyche auf der Ebene, waren die letzten Wochen auch eine große Herausforderung. Ich habe mich fokussiert aufs Unterrichten, Geld verdienen, Funktionieren.

Der Online Unterricht, ob man ihn nun gibt oder nimmt, ist wesentlich kräftezehrender als der Präsenz Unterricht. Die Rückmeldung habe ich nicht nur aus dem näheren Bekanntenkreis erhalten. Zeitweise hatte ich das Bedürfnis abends meinen geliebten Laptop einfach aus dem Fenster zu werfen. Kopfschmerzen, Konzentrationsprobleme und Zeitmangel sind eine unfassbar beschissene Kombination!

Zusätzlich zu dem ganzen Workload, kam immer wieder die große Sehnsucht zu sozialem Kontakt. Ich vermisste das Bier/Kaffee trinken mit Freunden, die Small Talks in der Hochschule und vor allem die Kammermusik! Die fehlt mir nach wie vor am meisten. Ich habe mein Musikstudium vor sieben Jahren begonnen u.a. weil ich mein Leben lang Kammermusik machen wollte. Das erfüllt mich. Ich liebe das! Mit Menschen in Verbindung auf der Bühne Musik zu machen, das Publikum zu berühren, zu interagieren, die Sau rauszulassen, Spaß zu haben auf einer ganze besonderen Ebene. All das war von heute auf morgen einfach weg.

Es macht mich wütend, dass unsere Branche einfach so auf 0 gebremst wurde. Nach wie vor. Es geht mir da nicht nur ums Geld. Künstler arbeiten schon seit Jahrzehnten zum Großteil für eher weniger als mehr Geld. Ich habe diesen Beruf auch nicht gewählt um reich zu werden. Ich habe ihn gewählt, weil ich liebe was ich da tue. Ich motiviere junge oder ältere Menschen Musik zu machen, ich begeistere sie für Musik und stecke sie im Idealfall mit meiner Leidenschaft und Energie an. Das geht Online unter bestimmten Umständen auch ganz gut, aber nichts – gar nichts – ersetzt den persönlichen, menschlichen Kontakt live in Farbe und in 3D! Ich berühre Menschen auf der Bühne im Publikum und bringe sie für einen Moment weg aus ihrem Alltag in einen friedlichen Bereich ihrer Selbst. Ich löse Emotionen aus und kommuniziere mit Energie und Leidenschaft. All das ist einfach nicht mehr da!

So langsam kommen wir wieder zu einer „Normalität“ die ich dringend nötig habe. Ich halte mich natürlich an meiner Grundmotivation fest und vertraue darauf, dass es bald wieder möglich ist, all diese Dinge zu tun und zu fühlen. FaceTime mit Freunden und Familie haben mir sehr geholfen dadurch zu kommen. Ich hoffe bei dir war es genauso!

Ich bin für diese Menschen unglaublich dankbar!!! Und diesen Artikel widme ich allen wunderbaren Menschen, die mir in dieser Zeit durch diese Scheiß Corona Zeit geholfen haben – sorry ein bisschen fluchen am Ende musste sein!

Vergiss nicht! Du darfst das auch scheiße finden, du darfst dich drüber aufregen, du darfst weinen oder schreien oder jammern, du darfst es auch geil finden und feiern, dass du den ganzen Idioten draussen nicht mehr begegnen musst, es darf dir auch einfach egal sein. Alles ist erlaubt! Emotionen müssen raus und du musst dich auf keinen Fall dafür schämen, dass du nicht in der Zeit ein Roman geschrieben hast, ein Werk komponiert hast, ein Kunstwerk gemalt hast, einen Marathon gelaufen bist oder was auch immer…wenn du einfach sechs Wochen richtig in der tiefen emotionalen Scheiße gesteckt hast: dann Willkommen im Club! Es ging nicht nur dir so.

Einen wundervollen Tag wünsche ich dir – egal was du gerade machst! Denk immer daran:

Gemeinsam sind wir stark und wir schaffen das zusammen 😉

Erfolg bei Probespielen

Foto: Tilman Harmeling

„Du kannst dein bestes Probespiel spielen und trotzdem nicht genommen werden!“

Hanna Rzepka

Heute kommt endlich der zweite Teil des Interviews mit Hanna. Ich dachte, ich hätte in der Corona Krise mehr Zeit – ist aber leider nicht so. Dazu kommt dann demnächst auch ein Artikel.

Im letzten Artikel ging es um die Vorbereitung für ein Probespiel. Er endete mit der mentalen Vorbereitung und den letzten Tagen vor dem Probespiel. Ich möchte direkt dort anknüpfen.

5.Schritt: Die Anreise zum Probespiel und was nimmt man mit?

Hanna hat mit über 30 Probespielen so einige Zugfahrten, Flüge, Busreisen und Autofahrten hinter sich und konnte mir hilfreiche Tipps geben:

  • Übernachtung oder nicht? – Wenn der Ort des Probespiels zu weit weg ist, empfiehlt sich eine Übernachtung (evtl. aus Kostengründen auch bei Bekannten/Freunden). Dann startest du am Tag des Probespiels sehr viel entspannter in den Tag, als wenn du früh morgens um 4 oder 5 Uhr losfährst.
  • Wenn du dir einen Zug am Tag des Probespiels buchst, plane ausreichend Pufferzeit ein. Wir alle kennen die Bahn! Und selbst wenn du mit dem Auto fährst, rechne mit Stau. Hanna hat bei ihren vergangenen Probespielen eingeplant mindestens eine Stunde vorher am Probespielort anzukommen.
  • Vorher schauen, wo genau du hin musst!
  • Ablenkung für die Fahrt mitnehmen, ein Buch, eine Zeitschrift oder auch Netflix. Hanna empfiehlt nicht zu schlafen, wenn man am selben Tag fährt. Sie hat die Erfahrung gemacht völlig gerädert anzukommen und sich nicht richtig konzentrieren zu können.
  • Für die Rückfahrt empfiehlt sich auf jeden Fall ein Flexticket (bei der Bahn) zu buchen. Du weißt nie, wie lange es dauert oder wie weit du kommst! Stress wegen des Zuges oder des Busses solltest du nun wirklich nicht bekommen!
  • Als Tipp (wusste ich auch nicht): Der DOV (Deutscher Orchester Verband) unterstützt seine Mitglieder bei Probespielen mit Reisekosten, Übernachtungskosten und Tagesgeld. Schau ebenso bei der GVL und der KSK, solltest du da bereits Mitglied/versichert sein, schaut mal nach Unterstützung!
  • Vergiss nicht die Noten für den Korrepetitor mitzunehmen!
  • Jetzt kommt typischer Girlstalk…Kleidung. Man muss nicht in Konzertkleidung oder in schwarz zum Probespiel kommen. Wichtig ist, dass du dich wohlfühlst und es vielleicht nicht gerade der Jogginganzug ist, aber eben auch nicht das Abendkleid ist. Mit flachen Schuhen hast du guten Kontakt zum Boden, ich denke das ist nicht nur bei Flötisten/innen wichtig! Stell dir vor, wie du zu einem Vorstellungsgespräch gehen würdest. Ein Probespiel ist nichts anderes.
  • Nimm dir Verpflegung mit! So ein Probespiel kann schon mal 4-6 Stunden gehen, inkl. Hin- und Rückfahrt!

Dazu eine kleine Anekdote von meinem ersten Probespiel. Ich spielte für eine Akademiestelle vor – mit einer Freundin und Studienkollegin, die es am Ende auch gewann. Wir hatten keine lange Anreise, da das Orchester hier in NRW war. Wir frühstückten ausgiebig bei mir, sie hatte bei mir übernachtet, es war unser beider erstes Probespiel in unserer Studienzeit. Wir nahmen uns Wasser und jeder zwei Bananen mit und gingen fest davon aus nach der ersten Runde rauszufliegen und dann war der Plan Sushi essen zu gehen…

…nachdem wir dann alle die ersten Runde gespielt hatten und es schon gute 2 Stunden dauerte, bei gerade mal knapp über 20 Bewerbern, wurden die Nummern genannt, die es in die zweiten Runde geschafft hatten. Zu unserer Überraschung waren wir beide weiter. Wir hatten unsere Bananen bereits aufgefuttert und es gab ein bisschen Schokolade vom Orchester, was natürlich sehr nett ist, aber als Flötistinnen gibt es bessere Nahrungsmittel als Schokolade vor dem Spielen. Nachdem ich nach der zweiten Runde draussen war, aber natürlich auf meine Freundin warten wollte, mitgefiebert und sie seelisch unterstützt hatte, waren wir insgesamt fast 5 Stunden dort (inkl. Einspielzeit). Ich kann dir sagen, mein Magen hing auf halb 8 und hätte ich selbst noch weiter spielen müssen nach der zweiten Runde, wäre ich vermutlich zusammengeklappt! Also: nehmt euch lieber zu viel mit, kann man ja abends zu Hause noch essen!

6. Schritt: Die Stunde davor…

Du bist jetzt dort, kannst dich einspielen und dich akklimatisieren. Auch hier ein paar Ideen/Inspirationen von Hanna, wie sie sich kurz vor dem Probespiel vorbereitet:

  • Einspielen. Klar, auf jedem Instrument sind da andere Parameter wichtig, aber eins fanden wir beide sehr wichtig: Einspielen! Nicht üben! Ein routiniertes Einspielprogramm, welches du sonst auch vor dem Üben machst, ist am Besten. Sprich darüber gerne mal mit deinem/r Professor/in!
  • Wenn möglich schau dir den Raum an, in dem du spielen wirst. Manche Orchester bieten sogar an, sich dort ein paar Minuten mit dem Instrument aufzuhalten, um die Raumakustik kennenzulernen. Vielleicht kannst du sogar vorher den/die Korrepetitor/in kennenlernen.
  • Wenn gelost wurde und klar ist, wann du dran bist, dann spiele während der Wartezeit nicht viel auf deinem Instrument. Du kannst noch mal an die frische Luft gehen, oft ist man mehrere Stunden drinnen, da tut es sehr gut mal 10-15 Minuten, wenn möglich in der Sonne, Sauerstoff zu tanken. Kommuniziere mit anderen Teilnehmern, oft entstehen Freundschaften aus solchen gemeinsamen Ereignissen und meist trifft man altbekannte Gesichter.
  • Versuche auch trotz Kommunikation oder Ablenkung von aussen bei dir und im Fokus zu bleiben, zielgerichtet und entspannt. Die Mentaltechniken aus dem letzten Artikel sind natürlich auch sehr zu empfehlen während der Wartezeit!
  • Hanna empfiehlt sich eine Checkliste anzufertigen. Dort könnte stehen: ‚in positiven Gedanken bleiben‘ oder ‚Ich möchte mich gut präsentieren‘ oder ‚Ich möchte meine persönliche Bestleistung abrufen‘ oder ‚Ich bin fokussiert aber nicht verkrampft!‘
  • Den Begriff: „Flexible Spannung“ hat Hanna von ihrer Professorin in Weimar gelernt, ich finde ihn wirklich sehr passend und vermute du weißt, was damit gemeint ist.

7.Schritt: Das Vorspiel

Jetzt ist es soweit. Du hast dich wochenlang, vielleicht länger, darauf vorbereitet. Jetzt ist der Moment innerhalb weniger Minuten zu zeigen, was du alles kannst…

…tu dir den Gefallen und nimm den Druck raus. Die Erwartungen, die man an sich selbst stellt, können oft die größte Hürde sein. Natürlich gibst du dein Bestes, du bist ja nicht hingefahren, um jetzt scheiße zu spielen. Aber wenn das der Fall ist und du nicht deine Bestleistung zeigst, ist das auch kein Weltuntergang und kein Grund sich selbst zu geißeln und danach fertig zu machen! Man darf bei der ganzen Geschichte nicht vergessen, dass das Ergebnis des Probespiels wirklich absoluter Zufall ist. Du kannst deine beste Leistung zeigen und trotzdem nicht in die zweite Runde kommen. Oder du kommst weiter und sogar bis ins Finale und dann wird die Stelle nicht besetzt, ist Hanna und einigen meiner Studienkollegen jetzt schon mehr als einmal passiert!

Ob du in das Orchester passt, ob als Akademist/in, Praktikant/in oder fest, entscheidest nicht du. Es hängt auch nicht davon ab, wie gut du vorbereitet bist. Oder wie gut du gespielt hast. Es gehören zu so einer Entscheidung sehr viele Faktoren, die wir z.T. nicht mal bewusst wahrnehmen. Da darfst du auch den Symphathiefaktor nicht vergessen, also sei immer freundlich und es schadet auch nicht, die Orchestermitglieder (ab der zweiten Runde) zu begrüßen, wenn man reinkommt.

Ich habe selbst in einem Probespieltraining mal das Feedback bekommen, dass ich die einzige Teilnehmerin war, die beim Hochgehen und(!) beim Runtergehen gelächelt hat und das Gefühl vermittelt hat gerne gespielt zu haben. Das hat mich damals total irritiert, macht für mich heute aber Sinn!

Wenn du während des Spielens deinen Fokus darauf legst:

  • Spaß zu haben
  • Musik zu machen
  • Mit Energie zu spielen
  • Freundlich zu sein
  • Dich gut zu präsentieren
  • Dich wohlzufühlen

…dann hast du alles richtig gemacht. Das ist das Wichtigste. Wenn du mit dir selbst zufrieden bist, dann kann es dir scheiß egal sein, wie das Ergebnis ausfällt!

Für den Fall das du weiterkommst, ein wichtiger Hinweis von Hanna:

„Teile deine Kräfte gut ein, ein Probespiel ist ein Marathon, mental und physisch – du kannst trotzdem das Beste draus machen!“

Hanna Rzepka

Und unterschätze nicht, wie wichtig in der ersten Runde der Anfang deines Solokonzerts ist. Er entscheidet darüber, ob die die Orchestermitglieder zuhören, oder ob sie abschweifen. Nach 30 Mozartkonzerten ist das auch nur zu verständlich! Mein Professor hat damals mit mir über 90 Minuten an den ersten 4 Takten herumgedoktert, ich bin schier wahnsinnig geworden. Aber er hatte Recht! Jedes Mal wenn ich es jetzt spiele, sitzt der Anfang!

Die Stellen müssen natürlich funktionieren, da darfst du nichts dem Zufall überlassen. Aber in der Vorbereitung ist oft genug Zeit für die Stellen! Du musst meist nicht mehr als ein ca. 20-minütiges Programm vorbereiten. Stellen muss man nachts um 3 spielen können, wenn man dich wecken würde. Dann laufen sie garantiert im Probespiel, wenn deine mentale Einstellung stimmt und du vor Lampenfieber nicht von der Bühne kippst! Wie bereits gesagt, in dem Fall hol dir bitte Hilfe!

8.Schritt: Das Feedback und Selbstreflexion

Du hast gespielt. Du hast es hinter dir. Jeder kennt diesen Stein der einem vom Herzen fällt, wenn man gespielt hat. Je nach dem wie weit du gekommen bist, wirst du jetzt eine gewisse Regeneration brauchen! Bedenke das in deiner Planung und leg dir vielleicht nicht gerade ein Tag nach dem Probespiel ein Konzert!

Wenn du das Probespiel gewonnen hast! Geil – herzlichen Glückwunsch, lass es Krachen!

Wenn nicht, kommen hier ein paar Tipps von Hanna, die viele Niederlagen einstecken musste, bevor der erste Erfolg kam:

  • Kenne deine Motivation! Warum machst du das? Motivation lässt dich nach einer Niederlage wesentlich schneller wieder aufstehen, als wenn du ziel- und planlos durch die Gegen ziehst.
  • Ein schöner Satz, den ich einfach mal so stehen lasse: „Wenn man auf die Fresse fliegt, ist das auch ein Schritt nach vorne!“
  • Wenn du dir Feedback von den Orchestermitgliedern holen möchtest, tue das gerne. Oft kann man da im Nachhinein auch telefonisch oder per Mail nachfragen. Aber vergiss nicht, wenn es sich um stilistische oder klangspezifische Dinge handelt, bleib du selbst! Es kann passieren, dass du diesen Aspekt aus dem Feedback beim nächsten Probespiel umsetzt und die hätten es aber gerne so gehabt, wie du es vorher gespielt hast. Hat’s alles schon gegeben.
  • Wenn du weißt, woran es gelegen hat und du dich selbst (konstruktiv) reflektiert hast, dann arbeite an den ‚Schwächen‘. Vergiss dabei aber deine Stärken nicht!
  • Deine Frustrationstoleranz wird mit jeder Niederlage niedriger. Bleib am Ball!
  • Lass dich von Freunden, Familie, Studienkollegen und deinem/r Professor/in aufbauen. Und lass dich nicht zu sehr in ein Loch fallen! Es geht weiter. Es kommen noch mehr Chancen!
  • Man kann sich auch nach einer längeren Durststrecke mal eine Pause von Probespielen gönnen, sich weiterentwickeln und mit frischer Energie ins Rennen starten!
  • Mach dir deine bisherigen Erfolge bewusst, alles, was schon geklappt hat. Das gibt einem enorm Energie, um weiterzumachen!
  • Es gibt Glückspilze, die nach 3 Probespielen eine feste Stelle haben. Das ist aber absolut nicht die Norm! Hol dir jedoch gerne Tipps und Inspiration von denen, die bereits Erfolg hatten. So wie ich jetzt.
  • Bedenke immer, auch wenn die Stelle nicht besetzt wurde: wenn du dich gut präsentiert hast, kann es sehr gut sein, dass dich das Orchester mal für eine Aushilfe anruft. Hanna hat so schon einige Aushilfen bekommen! Also:

„Egal ob du gewinnst oder nicht, präsentiere dich immer gut!“

Hanna Rzepka

Ich hoffe dir hat dieser und der letzte Artikel bereits geholfen, dich in deiner Vorbereitung für kommende Probespiele zu wappnen. Aktuell findet natürlich nichts statt, weder Probespiele noch Konzerte. Das ist die beste Zeit zum Üben, an seinen Schwachstellen zu arbeiten. Wir haben jetzt sehr viel Zeit dafür! Nutze sie und mach dir dafür einen Plan. Stecke dir Ziele, auch wenn sie aktuell noch weit in der Ferne liegen, da niemand so genau weiß, wann das nächste Probespiel stattfinden wird!

Und vergiss nicht: du bist nicht alleine mit diesen Problemen bei Probespielen! Es geht uns allen so und man kann voneinander lernen.

Danke liebe Hanna für das Interview und das Teilen deiner Erfahrung und deines Wissens!

Bleibt gesund und teilt diesen Artikel gerne an Studierende, denen er helfen könnte!

Probespielvorbereitung

„Zu einem erfolgreichen Probespiel, gehört mehr als nur zu Üben!“

Saskia Worf

Heute widme ich mich einem Thema, das mich seit einiger Zeit sehr beschäftigt. Da ich mich selbst – nach gerade einmal vier Probespielen – nicht unbedingt als Expertin einstufen würde, habe ich eine gefragt, die es auf jeden Fall ist!

Foto: Tilman Harmeling

Hanna Rzepka, 27 Jahre jung, ist eine gute Freundin, die ich bereits seit 15 Jahren kenne. Wir waren gemeinsam Jungstudentinnen am PCK Mainz; zwar in unterschiedlichen Flötenklassen, aber durch Kammermusik und die gemeinsame Schulzeit an derselben (Mädchen-!)Schule freundschaftlich verbunden. Wir sind bei Jugend musiziert „gegeneinander“ angetreten und im selben Jahr Bundespreisträgerinnen geworden. Wir haben uns bereits in jungen Jahren jedoch nie als Konkurrentinnen wahr genommen, sondern uns immer den Erfolg gegönnt. Diese Verbindung schätze ich bis heute sehr!

Als mich Hanna vor ein paar Wochen anrief und mir erzählte, dass sie ein Probespiel für eine feste Stelle in Frankfurt (Oder) gewonnen hat, war ich total aus dem Häuschen und habe mich riesig für sie gefreut! Kurz danach kam auch schon die Idee auf, mit ihr ein Interview zu machen und ihr Wissen mit dir zu teilen. Dank Corona haben wir alle ja jetzt unglaublich viel Zeit und so konnten wir in aller Ruhe telefonieren. Das Ergebnis gibt es in diesem und im nächsten Artikel („Erfolg bei Probespielen“) zu lesen.

Um euch kurz die liebe Hanna in aller Kürze vorzustellen:

Hanna Rzepka ist Flötistin, studierte ihren ‚Bachelor of Music‘ in Weimar bei Prof. Wally Hase. Ein Erasmus Jahr absolvierte sie in der Akademia Muzyczna im Grażyny i Kiejstuta Bacewiczów w Łodzi (Polen) in der Klasse von Prof. Antoni Wierzbiński und ihren ‚Master of Music‘ ab 2017 in Graz bei Prof. Erwin Klambauer, den sie allerdings für eine Akademiestelle am Gewandhausorchester Leipzig 2018 unterbrach. Sie ist Stipendiatin der Konrad-Adenauer-Stiftung und der Yehudi Menuhin Stiftung „Live music now“. Hanna spielte über 30 Probespiele in ihrer Studienzeit und hat so einige Erfahrungen gesammelt, Erfolge und Niederlagen eingesteckt und gewann vor kurzem eine feste Stelle. Dies war ein Ziel, welches sie sich bereits vor 10 Jahren gesteckt hatte. Das nenne ich mal Zielstrebigkeit und Durchhaltevermögen!

Viele Musikstudierende sitzen nun zu Hause und fragen sich: „Wie bereite ich mich auf ein Probespiel vor?“. Es gibt natürlich viele gute Professoren und Angebote an den Hochschulen und Musikuniversitäten, aber es gibt eben auch Studierende, die dort nicht so viel Unterstützung bekommen. Für diejenigen und für alle die es interessiert, ist dieser Artikel.

1. Schritt: Planen und Bewerben

Um ein Probespiel zu machen, musst du dich selbstverständlich erst mal dafür bewerben. Wo kann man die Stellenausschreibungen für Stellen und Praktika/Akademien überhaupt finden? Vielleicht hast du bereits davon gehört: die wichtigsten Seiten sind http://www.muv.ac und http://www.vioworld.de. Besonders die Bewerbungen über muv.ac sind benutzerfreundlich für Bewerber, aber auch für das Orchester selbst. Jedoch schreibt nicht jedes Orchester über diesen Weg aus. In der Zeitschrift ‚Das Orchester‘ (http://www.dasorchester.de) findest du auch jede Menge Ausschreibungen; jene für Stellen ausserhalb Deutschlands ebenso auf: https://www.musicalchairs.info

Es schadet auch nicht bei einigen Orchestern auf deren Seiten zu gehen. Für die Studierenden aus NRW ist auch die Seite des Orchesterzentrums (http://www.orchesterzentrum.de/de/orchesterpraktikanrw.html) sehr hilfreich. Dort werden Praktika ausschließlich für Master-Studierende aus NRW ausgeschrieben.

Wenn du jetzt von der Fülle des Angebots erschlagen bist, geht es dir wie mir. Der Tipp von Hanna dazu traf bei mir auf absolute Zustimmung:

„Du musst dich einfach sehr gut organisieren und ein gutes Zeitmanagement haben“

Hanna Rzepka

Ja, da bestätigt sich meine These von oben und der Inhalt dieses Blogs.

Hanna hat für sich speziell dafür ein System ausgearbeitet, in welchem sie sich zuerst einen Zettel nimmt und alle Plattformen nach Ausschreibungen durchsucht. Von den Ausschreibungen, bei denen sie sich bewerben will, schreibt sie sich in Stichpunkten folgenden Info’s mit:

  • Welches Orchester und Wo?
  • Deadline für die Bewerbung (besonders bei Postbewerbungen)
  • Datum des Probespiels (falls bekannt)

Dabei kommt eine Frage unumgänglich zum Vorschein: Wieviele Probespiele sind in einem bestimmten Zeitabschnitt machbar und wieviel Zeit brauche ich davor zur Vorbereitung?

Grundsätzlich ist dies von deiner Belastungsgrenze abhängig, aber wichtig ist sich realistisch einzuschätzen. Setze Prioritäten und bedenke diese bei deiner Planung. Ein paar Fragen, die dir bei der Entscheidung helfen könnten:

  • Ist das Programm mit den vorzubereitenden Stellen und Pflichtstücken in der gegebenen Zeit machbar?
  • Überschneiden sich Programme, sodass man mehrere Probespiele in kurzer Zeit spielen kann?
  • Habe ich überhaupt an dem Tag des Probespiels Zeit?
  • Wie sehen meine nächsten Wochen aus, habe ich die Zeit davor mich ausreichend auf das Probespiel vorzubereiten?

Wenn klar ist für welche Probespiele du dich bewerben möchtest, kommt jetzt die Bewerbung selbst. Bei muv.ac ist es sehr leicht. Es geht per Mausklick, wenn du einmal alle Daten eingegeben und deine Dokumente hochgeladen hast. Bedenke allerdings auch bei muv.ac: es bewerben sich für Stellen z.T. über 300 Menschen. Die Musiker aus der Instrumentengruppe haben keine Zeit sich von jedem 5-Seitige Lebensläufe durchzulesen. Konzentriere dich auf die wesentlichen und wichtigen Punkte. Geh deinen Lebenslauf am Besten mit deinem Professor oder Studierenden aus einem höheren Semester durch.

Hanna gibt den Tipp, bei „aktuelle Beschäftigung“ (muv.ac) die 2-3 essentiellen Tätigkeiten reinzuschreiben. Zum Beispiel: Studentin, Praktikantin bei Orchester xy, Substitutin/Aushilfe bei Orchester xy. So wissen die Leute, die alle Bewerber/innen durchschauen, sofort was du machst. Hanna hat dies auch in ihrem schriftlichen/tabellarischen Lebenslauf eingesetzt. Wenn du ein Empfehlungsschreiben eines Professors/in hast oder ein Empfehlungsschreiben/Arbeitszeugnis von einem Orchester, in dem du gespielt hast, füge es auf jeden Fall hinzu. Und beachte, wie in meinem Fall, bei den Ausschreibungen die Altersgrenze. Es gibt tatsächlich Probespiele an denen ich bereits nicht mehr teilnehmen darf, weil zu alt…

2. Schritt: Vorbereiten und Üben

Ein sehr guter Tipp von Hanna, den ich bereits aus der Konzertplanung kenne, ist sich einen Probespielzettel fürs Üben anzulegen. Also eine Art Übeplan, der einem eine Übersicht verschafft: für welches Probespiel, muss ich was vorbereiten?

Auf diesen Zettel kommt:

  • Das Orchester, der Ort
  • Wann findet das Probespiel statt?
  • Welche Pflichtstücke gibt es? (ja, manchmal gibt es noch mehr als Mozart und Haydn)
  • Welche Stellen muss ich vorbereiten?
  • Gibt es Stellen, die nicht im konventionellen Probespielheft zu finden sind? Besorg sie dir frühzeitig!
  • Bei Stellen, bei denen nicht klar ist, welcher Teil genau verlangt wird, gibt es zwei Möglichkeiten: 1. Üb einfach alles! oder 2. Frag nach!
  • Markiere dir die Stellen, die besonders viel Aufmerksamkeit benötigen. Stellen die noch nicht so sitzen oder die, die einfach neu für dich sind.

Ich liebe ja Pläne. Das weißt du bereits. Und mit einem guten Plan können dir wichtige Informationen auch nicht entgleiten, wenn du sie dir direkt zu Anfang deiner Vorbereitung aufschreibst. Und bevor jetzt jemand fragt: Ja, das geht auch mit einem Word Dokument, wenn du nicht per Hand schreiben willst. Es geht darum für jedes Probespiel einen gesonderten Überblick zu haben!

Hanna hat die Erfahrung gemacht, dass 2-3 Wochen ausreichen, um sich auf ein Probespiel vorzubereiten. Natürlich übt man viele Stellen über einen langen Zeitraum bereits im frühen Stadium seines Studiums. Aber 14-21 Tage sind viel Zeit, da kann sehr viel passieren.

Obwohl Hanna und ich Flötistinnen sind, kommen hier ein paar instrumentenübergreifende Ideen zum Üben: (natürlich wollen wir hier nicht in Methodik deines Lehrers eingreifen, sondern nur ein paar Anstöße geben und erfolgreiche Methoden von Hanna mit dir teilen):

  • Langsam Üben und zwar über einen langen Zeitraum deiner Übeeinheiten!
  • Nicht immer die gesamte Stelle, sondern die Abschnitte, die problematisch sind
  • Schwere Stellen oder Abschnitte kann man als Ton-/Technikübungen zum Einspielen umfunktionieren
  • Varianten bilden und den Übemethodenschatz am eigenen Instrument erweitern. Es kann sehr ermüdend werden über 8 Jahre dieselben Stellen zu üben. Da brauchst du Abwechslung! Werde kreativ oder hol dir Inspiration von deinen Studienkollegen.
  • Mit Metronom üben, besonders das Solokonzert, denn meistens ist der Korrepetitor nicht sehr flexibel, was das Tempo angeht! Das bedeutet nicht, dass du bei den Stellen ohne Metronom üben kannst.
  • Bei Bläsern: Wechsel von Nebeninstrumenten mitüben. Nicht immer eins nach dem anderen, sondern gerne mal mischen!

3. Die Tage vor dem Probespiel

„Man kann nicht jedem gefallen!“

Hanna Rzekpa

Nutze in den letzten Tagen vor dem Probespiel die Zeit, um Studienkollegen, dem/der Professor/in, irgendwelchen Zuhörern (Haustiere sind, wenn’s hilft, auch erlaubt ;-)) vorzuspielen, um dich der Situation und der Nervosität zu stellen. Das Probespiel ist definitiv eine andere Situation als das Üben im Übezimmer. Weitere Tipps von Hanna:

  • Komplette Durchläufe von allen Stellen machen. Auch wenn du sehr selten bis gar nicht alle Stellen am Stück vorspielen musst, ist es ein sehr gutes Training!
  • Die Vorspiele 4-5 Tage vor dem Probespiel machen. Da kann man noch was retten, wenn was nicht sitzt!
  • Körperwahrnehmung schulen! Fühlst du dich sehr gestresst oder gut vorbereitet?
  • Fühlst du Lampenfieber oder Angst? Ist es eine positive Anspannung oder eine negative?
  • Vergiss nicht: Probespiele kann man auch absagen, das ist völlig in Ordnung und ganz normal!
  • Man kann auch pokern: bei Probespielen, für die man sich nicht so gut vorbereitet fühlt, trotzdem zu fahren. Sieh es als Chance und als Erfahrung! Aber das ist deine Entscheidung!!
  • Die Anspannung ist immer da, allgegenwärtig und geht auch nach 30 Probespielen nicht weg. Die Frage ist, wie du mit ihr umgehst!

4. Mentale Vorbereitung

„Alle kochen nur mit Wasser!“

Hanna Rzepka

Jetzt komme ich zu dem Teil, auf den ich ursprünglich in meiner These zu Beginn dieses Artikels, abgezielt habe!

Ja es ist wichtig zu üben und sich sehr gut vorzubereiten! Es ist wichtig, sich gut zu strukturieren und zu planen, sein Zeitmanagement im Griff zu haben und zielgerichtet zu Üben/Arbeiten. Aber…

…das bringt dir alles nichts, wenn du in der Situation selbst den totalen Blackout hast oder solche Angst verspürst, dass du dich nicht mehr bewegen kannst. Hier kommen Mentaltechniken ins Spiel, die dir selbstverständlich nicht nur im Probespiel helfen können, sondern grundsätzlich bei Lampenfieber oder Auftrittsangst.

Ich werde dazu natürlich weitere und detailliertere Artikel schreiben. Solltest du einiges davon noch nie gehört haben: fang an dich damit auseinanderzusetzen!

  • Mentales Üben
  • Auswendig Üben
  • Den Fokus auf die positiven Dinge legen: welche Stellen kannst du besonders gut?
  • Erfolgsliste anfertigen: Welche Herausforderungen hast du bereits gemeistert, welche Erfolge hattest du in der Vergangenheit?
  • Meditation (das hilft besonders, wenn man es regelmäßig praktiziert und nicht nur am Tag des Probespiels!)
  • Visualisierungsübungen: Visualisiere dir die Situation und stell dir vor du erreichst dein Ziel oder visualisiere dir deine bisher erfolgreichen Momente in Bezug auf Probespiele oder Konzerte!
  • Wenn du starke Probleme mit Lampenfieber hast, hol dir Hilfe und arbeite daran. Das verändert sich nicht von Heute auf Morgen! Und vergiss dabei nicht: du bist nicht allein!

„Man spielt nicht um sein Leben, die Welt geht davon nicht unter, wenn man nicht gut spielt!“

Hanna Rzepka

Das war der erste Teil des Artikels. Ich hoffe, wir konnten dir bereits viel Input geben zum Thema Vorbereitung geben und ich möchte noch mal darauf hinweisen, dass es sich hier nicht um den einzigen Weg oder den heiligen Gral handelt! Es sind Erfahrungen und erprobte Methoden, die nicht unbedingt jedem zusagen müssen.

Da aber über dieses Thema nur wenig öffentlich gesprochen wird, dachte ich mir, wie bei so vielen Themen, „Damit ist jetzt Schluss!“. Die Orchesterwelt ist kein Märchenschloss und du wirst auch nicht mit Samthandschuhen angefasst. Das ist aber kein Grund den Kopf in den Sand zu stecken oder es gar nicht erst zu versuchen. Eine gesunde Selbsteinschätzung und Selbstwahrnehmung, sowie eine gute mentale Vorbereitung, sind für das Probespiel ebenso wichtig wie die Planung und Organisation und das Üben an dem eigenen Instrument.

Nun wünsche ich dir viel Spaß beim Üben und bleib positiv und gesund!

Zeit zum Stellen Üben, haben wir ja jetzt ausreichend 🙂

Quarantäne To-Do-Liste

COVID-19 hat uns an den Eiern gepackt. Aber so richtig. Und zwar nicht nur der Virus, sondern vor allem die Folgen. Heute, der 17.03., ist mein erster Tag in Quarantäne; nach einem Wochenende in Wien, in dem ich bereits gespenstische Szenen erlebt habe. Mich nimmt das wirklich mit und ja, wahrscheinlich nutze ich diesen Blog in den nächsten Wochen u.a. zum Verarbeiten einiger Gedanken. Vermutlich treffe ich da aber auf Zustimmung, denn dies wird nicht nur mir so gehen.

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Schulen zu, Kindergärten zu, Einzelhandel zu, Kneipen zu, Cafes zu, Ämter zu. Eigentlich alles zu, außer medizinischer Versorgung, Lebensmittelversorgung, Post und Banken und öffentlicher Verkehrsmittel. Diesen Zustand haben weder wir in unserer Studierendengeneration erlebt, noch unsere Eltern. Es ist beklemmend. Beängstigend. Gespenstisch. Sehr ungewohnt. Und noch mal ich rede nicht vom Virus, sondern von den Folgen.

Ich fühle mich in meiner Freiheit extrem eingegrenzt. Aber…

…ich möchte in diesem Blogartikel auch eine Idee mit dir teilen, die mir heute sehr geholfen hat! Eine COVID-19-Quarantäne-To-Do-Liste!

Ok, du weißt bereits, ich liebe Listen. Keine Ahnung, warum ich das so toll finde Sachen durchzustreichen, aber ist halt so. Diese Liste ist ein bisschen anders gemeint. Natürlich kannst du jetzt auch einfach mal deine To-Do-Listenleichen angehen. Jene Aufgaben, die seit Wochen, Monaten evtl. sogar seit Jahren auf deiner Liste herumkriechen und für die du NIE Zeit hattest. Genau jetzt wäre der Moment, sich um sie zu kümmern.

Steuererklärung, Fenster putzen, feucht durchwischen, Altglas/Pfand wegbringen, Ausmisten, Bücher neu sortieren. Solche Sachen, die dir immer zu zeitintensiv waren. Jetzt hast du die Zeit. Zeit ohne Ende. Und jetzt kommt der schöne Teil des Artikels.

Neben diesen Leichen, habe ich mir heute eine Liste angefertigt, die man nicht durchstreichen muss. Du könntest, musst es aber nicht. Du weißt ja: ‚du musst einen Scheiß!‘

Stattdessen schreibst du eine Liste mit Dingen, die du schon immer mal zu Hause machen wolltest; aber schöne Dinge. Wenn Putzen für dich was Angenehmes ist, zählt auch das.

Zum Beispiel:

  • Eine Sprache lernen, oder gleich mehrere
  • Bücher lesen
  • Malen/Zeichnen
  • Journaln
  • Ziele setzen für nach diesem Shutdown
  • dein Instrument einfach nur spielen, anstatt zu üben oder mal das zu üben auf das du Lust hast
  • Meditieren, wenn du das noch nie probiert hast, fang damit an!
  • täglich Sport machen, hat man ja nie Zeit für…
  • Yoga/Pilates machen
  • einen Kaffee/Tee morgens auf dem Balkon trinken, wenn vorhanden (also der Balkon)
  • Die Wohnung umdekorieren/umstellen
  • spazieren gehen
  • DIY’s ausprobieren
  • Backen und/oder Kochen (Noch nie war es so einfach, günstig und gesund zu leben – ohne Fastfood und To-Go-Kaffees)
  • ein neues Hobby finden
  • dein Social Media/Onlineauftritt professionalisieren
  • mit einem/r Freund/in oder Familienmitglied telefonieren oder videochatten, die man schon ewig anrufen wollte
  • dein Selbstmanagement System neu organisieren
  • Blogartikel lesen 😉
  • Podcasts hören
  • in meinem Fall: beides produzieren

Du merkst, das ist schon ne ganz schöne Liste. Hier geht es nicht ums Abstreichen bzw. Durchstreichen, sondern: All dies ist möglich, macht Spaß, füllt deine Zeit, man fühlt sich nicht so unbrauchbar und hilflos und es ist Zeit für dich!!!

Ich habe seit meinem Abitur, was tatsächlich am 09.03. sieben Jahre her ist (nebenbei bemerkt, ich werde alt) durchgearbeitet und seit dem 01.04.2013 ohne Pause studiert. Semesterferien kannte ich meist nicht, weil ich gearbeitet habe. Ich habe nun 5 ganze Wochen (vielleicht sogar länger) vor mir, in denen ich unter der Woche ein paar Schüler online unterrichte und den Rest zur freien Verfügung habe.

Das bedeutet nicht, dass man sich jetzt vor Netflix und Youtube hängen muss und den ganzen Tag Bingewatching betreiben muss. Da würde mir nach ein paar Tagen vermutlich die Decke auf den Kopf fallen.

Nutze deine Zeit sinnvoll, aber chill auch mal dein Leben! Ich habe das seit sieben Jahren nicht mehr wirklich gemacht, weswegen mein Körper gerade dagegen rebelliert. Aber mit dieser Liste habe ich Lust bekommen, die nächsten Wochen sinnvoll zu gestalten. Kreativ zu bleiben. Nicht den Kopf in den Sand stecken.

Ihr Lieben, bleibt gesund, bleibt zu Hause und entspannt euch! So viel Zeit, wie sie uns jetzt geschenkt wurde, hatten wir vermutlich seit langer Zeit alle nicht mehr. Seht es positiv und kümmert euch um Menschen die nicht so flexibel und topfit sind!

In den nächsten Wochen gibt es dann auch mehr Content hier 🙂

Ich hab ja Zeit! Dass ich das mal sagen würde, hätte wohl auch kein Mensch mehr gedacht.

Inspirationsquellen: Podcast

Heute mal ein Artikel mit Eigenwerbung 😉

Ich habe vor etwa 2 Jahren Podcasts für mich entdeckt. Für diejenigen, die nicht wissen was das ist: das ist wie Radio nur mit dauerhaft sinnvollem und produktivem Inhalt (je nach Interesse) und meistens ohne Musik. Es gibt verschiedene Anbieter, für die Apple Suchti’s unter euch, mich eingeschlossen, gibt es eine App vom iTunes Store. Spotify, Deezer und viele weitere Anbieter bieten mittlerweile auf ihren Plattformen ebenfalls Podcasts an. Auf http://www.podcast.de gibt es viele Podcasts kostenfrei zu entdecken. Genauso sind mittlerweile alle größeren Podcaster auch mit ihren Inhalten auf YouTube unterwegs.

Ich höre unglaublich gerne Podcasts unterwegs, beim Aufräumen, beim Kochen, beim Spazieren gehen, manchmal auch zum Einschlafen. Mittlerweile gibt es wirklich für jeden Interessenschwerpunkt einen Podcast, sodass du auf jeden Fall auf deine Kosten kommst.

Von den ersten Folgen an, die ich gehört habe, kam in mir der Wunsch, selbst einen Podcast zu starten. Aber…da kamen sofort Gedanken wie „Über welches Thema denn?“…“Wer will sich denn anhören, über was du da quatschst?“…“Warum sollte sich irgendwer dafür interessieren, was du zu sagen hast?“…“Wie macht man das überhaupt, ist bestimmt total kompliziert und kannst du sowieso nicht!“…“Dann brauchst du auch ein Mikro, hast du nicht, ist bestimmt teuer, lass es einfach!“.

Ja geil. Ich liebe diese schönen Dialoge mit dem inneren Kritiker in unserem Kopf. Richtig genial. Denn um einen eigenen Podcast zu starten, habe ich dank dem Bullshit in meinem Kopf 2 Jahre gebraucht. Andererseits, bin ich unglaublich dankbar, dass ich ein Thema gefunden habe, mit dem ich anderen helfen kann, wofür ich brenne, was mir Spaß macht und was eine gelungene Abwechslung zu meinem Job ist.

So kam also der Tag, an dem ich den Blog startete im letzten Jahr und direkt war der Gedanke da: „Jetzt hast du ein Thema für einen Podcast! Geil! Los gehts!“ und rate mal, wer mir erneut dazwischen gefunkt hat? Ja genau, diese kleine, fiese, Rumpelstielzchenartige Stimme in meinem Kopf. Allerdings hat sich in den letzten 2 Jahren in meinem Mindset einiges getan und nachdem ich einen Plan gemacht hatte, sah die Welt schon ganz anders aus.

Ich habe mir einfach vor Augen geführt, was für eine unglaubliche Inspiration einige der Podcaster, die ich höre, bereits für mich waren. Wenn ich es schaffen kann für andere eine Inspiration oder Motivation zu sein, wie diese für mich, dann scheiß ich doch auf mein Ego! Denn warum ist Inspiration für uns so wichtig?

Tiefpunkte in unserem Leben sind völlig normal, Motivationslöcher sind ebenfalls völlig normal. Du kannst dich dann im Selbstmitleid baden (manchmal auch vollkommen in Ordnung) oder du suchst dir Menschen mit denen du redest, oder Menschen denen du beim Reden zuhörst. Beides kann Wunder wirken! Welche Podcasts ich dir sehr empfehlen kann und welche ich selbst viel höre, sind die von:

Damit sind vor allem die Themen abgedeckt, über die ich hier auch schreibe, die ich so unglaublich wichtig finde für uns als Musiker/innen und besonders im pädagogischen Bereich! Wenn du die Welt der Podcasts entdeckst und merkst, es gefällt dir Leuten beim Reden zuzuhören, dann wirst du feststellen: es gibt unglaublich viele verschiedene und für jeden ist etwas dabei.

Bevor ich meinen eigenen Podcast vor wenigen Wochen gestartet habe, rief ich einen guten alten Freund aus Mainz an. Manuel Hilleke (http://www.manuelhilleke.de/) kenne ich seit 11 Jahren. Er war der Bandcoach und Leiter des Bourbon Street Orchestras aus Mainz, in dem ich seit meinem 15. Lebensjahr spiele.

Nebenbei bemerkt, ich werde alt…:D

Ich wollte ursprünglich mit ihm ein Interview für diesen Blog machen, da ich ihn als Selbstständigen Musiker und Musikpädagogen sehr schätze und sein Wissen für diesen Blog gerne transferieren wollte. Da kam uns im Gespräch die Idee aus dem Interview einen Podcast zu machen. Meinen Traum von einem Podcast rückte also noch näher, bevor ich Zeit hatte mich mit meinem Eigenen zu befassen.

Seit Dezember 2019 findest du unseren Podcast Die Musikerschmiede auf allen oben aufgeführten Kanälen (Links findest du unten), zu dem Thema „Was Musiker auch noch managen müssen…“. Hier geht es natürlich primär um Themen, die wir als Musikstudierende vor uns haben, worüber aber keine Sau redet! Du wirst schnell feststellen, dass wir in diesem Podcast kein Blatt vor den Mund nehmen und die Zeit von http://www.wünsch.dir.was.de und Zauberschlösser, in die man uns metaphorisch an manchen Stellen als Studierende setzt, ist hier vorbei! Wir wollen realistisch über die Arbeit als Selbstständige/r Musiker sprechen und Themen auf den Tisch bringen, die leider gerne unter den Tisch fallen.

Als ich diesen Podcast mit Manuel gemeinsam gestartet habe, zog die Ausrede, die ich in meinem Kopf hatte, nicht mehr. Ich habe mich damit auseinander gesetzt und festgestellt: einen Podcast zu starten ist überhaupt nicht schwer. Ein bisschen Recherche und Wissen von Dr.google und Dr.YouTube und die Plattformen waren bestückt mit den Podcastfolgen.

Also dauerte es nicht mehr lange, bis ich meine erste Podcastfolge aufgenommen und hochgeladen habe. Seit dem 09.02.20 ist der Podcast Managemusik online. Links findest du ebenfalls unten! Falls du eher der Typ bist, der lieber hört statt liest, kannst du meine Inhalte auch dort konsumieren. Es wird auf jeden Fall Themenbereiche geben, die sich gesprochen leichter vermitteln lassen, als geschrieben. Daher freue ich mich wenn du vorbeischaust und reinhörst.

Ich kann dir abschließend nur sehr ans Herz legen, probiere es aus. Egal ob du gerade nach Inspiration suchst oder nach Antworten auf bestimmte Fragen oder einfach nach Unterhaltung (ohne Bild)…du wirst mit Sicherheit etwas finden 😉

Hier noch die versprochenen Links:

Facebook Seite von Die Musikerschmiede: https://www.facebook.com/Die-Musikerschmiede-111209163701932/

auf iTunes: https://podcasts.apple.com/de/podcast/die-musikerschmiede/id1491213588

YouTube Kanal von Manuel, dort sind auch unsere Podcasts in Bildform zu finden: https://www.youtube.com/channel/UC945OoE5ZP-HHoSjfXl53yw

Podcast von Managemusik: https://www.podcast.de/podcast/762553/

auf iTunes: https://podcasts.apple.com/us/podcast/managemusik-selbstmanagement-im-musikstudium/id1498375594

Wenn du meine Arbeit unterstützen möchtest, kannst du hier für das Projekt spenden 🙂

Was ist ein guter Plan?

Ich gebe es zu. Ich liebe Pläne. Tagespläne, Monatspläne, Übepläne, Konzertpläne, Hausarbeitspläne, Lernpläne, Sportpläne, Reisepläne und ja man möge mich vielleicht für verrückt halten, aber es gibt für mich manchmal nichts Schöneres, als mich mit meinem Kalender, Bullet Journal und einem Kaffee hinzusetzen und zu planen. Diese Leidenschaft für Planung & Co. musst du nicht unbedingt mit mir teilen, aber was einen guten Plan ausmacht, wie und wann du ihn am Besten erstellst und was für Faktoren man bei der Planung meistens vergisst, darum soll es in diesem Artikel gehen.

Ein guter Plan sollte folgende Punkte erfüllen:

  • Er sollte realistisch zu schaffen sein, bezogen auf deine Zeit und deine Energie
  • Er sollte möglichst kurz und prägnant formuliert sein (max. 1 DIN A4 Seite)
  • Er sollte übersichtlich gestaltet sein, am Besten in Form einer Checkliste
  • Falls es eine Deadline gibt, setze dir deine persönliche Deadline dafür 14 Tage vorher (darauf komme ich später zurück)
  • Dein Ziel oder deine Motivation für diesen Plan sollte ganz oben auf dem Zettel stehen
  • Bei größeren Zielen innerhalb des Plans, solltest du Teilziele formulieren

Worauf du deinen Plan schreibst ist Geschmackssache. Es kann auf Schmierpaper sein oder du benutzt ein Notizbuch/block oder selbstverständlich auch eine NotizApp auf deinem Laptop/Tablet. Vom Smartphone rate ich aus Übersichtlichkeitsgründen eher ab, aber wenn du so ein Smartphone besitzt, was auch eher als zu klein geratenes Tablet durchgeht (ich frage mich mit meinen kleinen Händen immer, wie man sowas hält und damit telefoniert), dann natürlich auch damit.

Die Frage die sich einige zu Recht stellen, ist was unterscheidet denn einen Plan von einer To-Do-Liste? Sagen wir mal so, ein Plan kann auch teilweise eine To-Do-Liste sein, aber oft geht es bei Plänen um den Überblick über ein bestimmtes Projekt, oder im Falle einer Reise auch um Zwischenstopps. Meine Pläne beinhalten auch immer To-Do-Listen bzw. eine Checkliste mit den wichtigsten Punkten. Es geht beim Plan schreiben auch gar nicht mal nur darum, dass alles aufzuschreiben, sondern du kannst während der Planung viele Dinge durchdenken ohne in Stress zu geraten.

Kennst du das, wenn du am Abend vor einem vollen oder stressigen Tag, deinen Rucksack schon fertig packst und durchgehst, woran du denken musst, was alles wann ansteht, wann du wo sein musst und dir noch auf einen Klebezettel ein paar To-Do’s schreibst und an deinen Kühlschrank klebst? Das ist Planung. Natürlich schreibst du jetzt nicht für jeden Tag abends eine DIN A4 Seite. Aber wie stehst du dann morgens auf? Entspannter? Vielleicht ist es bei dir immer eher so, dass du zu spät aufstehst, weil du noch 5 mal die Snooze Taste gedrückt hast, noch gaaanz schnell duschen gehst, dein Zeug in der Wohnung zusammensuchst und unterwegs feststellst, du hast 2 wichtige Sachen vergessen, obwohl du vor dem Einschlafen noch dran gedacht hast…

Versteh mich bitte nicht falsch, mir passiert das auch und daran ist auch gar nichts Schlimmes. Zumindest kommt es auf den Tag und den Inhalt des Tages an. Aber dieses Gefühl, zu wissen was auf einen zu kommt und die wichtigsten Dinge dafür geplant und gepackt zu haben, gibt dir Sicherheit und zumindest einen Hauch von Kontrolle. Aber was hat das jetzt mit dem Plan schreiben zu tun?

Ich möchte dir zeigen, dass du nicht nur kleinschrittig in Tagen planen kannst, sondern auch größer und langfristiger. Kennst du die Leute die solche Sätze auf Fragen antworten wie: „Keine Ahnung, ich hab keinen Plan“. Der Satz ist schon umgangssprachlich in unseren Alltag gerutscht. Und es ist so viel Wahres dran. Wenn du ein bestimmtes Ziel verfolgst, mach dir einen Plan. Wenn du nicht weißt welches Ziel du verfolgst, gibt es andere Artikel auf meinem Blog, die ich dir zuerst ans Herz lege oder du dir da Hilfe von anderen Blogs/Büchern/YouTube-Kanälen holen kannst.

Wir nehmen mal als Beispiel das Ziel: Auftritt im Klassenabend/Konzert innerhalb deiner Hochschule.

Wenn du jetzt eine Checkliste dafür anlegen möchtest, empfehle ich dir auf jeden Fall vom Zieltag auszugehen und rückwärts zu planen. An was muss man für so ein 10-15 minütigen Auftritt alles denken? Einiges kommt dir vielleicht jetzt selbstverständlich vor, aber lass dir gesagt sein, nach 7 Jahren Studium, das ist es nicht immer und für jeden!

  • frühzeitig Werk mit dem/der Hauptfachlehrer/in abklären
  • Werk erarbeiten, ggf. Übeplan dazu schreiben
  • Deadline, das Werk Aufführungsreif zu können, 14 Tage vor dem Konzert setzen
  • ausreichend Proben mit dem Korrepetitor oder den Kammermusikpartnern ausmachen
  • eine Generalprobe festlegen (lassen)
  • Wenn du eine Aufnahme oder Videomitschnitt davon machen möchtest, ein Tag vorher klären wer und mit welchem Medium das gemacht wird

Da könnten jetzt noch mehrere Punkte stehen je nachdem, was du eben brauchst. Ich erkläre jetzt mal meine Methode „14-Tage-Vorher-Deadline-setzen“. Warum, fragst du dich, mache ich mir noch mehr Stress. Um früher fertig zu werden? Nein, um früher fertig werden geht es nicht!

Stell dir mal vor du hast deine Deadline für dein Projekt am Tage der gesetzten Deadline, im Falle eines Konzerts, der Konzerttag. Und dann wirst du krank in der Vorbereitungszeit. Oder du bekommst eine tolle Mugge angeboten, in der Woche vor dem Konzert. Hattest aber eigentlich geplant, den Feinschliff und die Details für dein Projekt in genau diese Woche zu machen. Oder es kommen mehrere Projekte gleichzeitig zustande und du musst parallel arbeiten, was wir dann übrigens Berufsalltag nennen, denn du hast mit Sicherheit nie nur ein Stück für ein Konzert oder ein Projekt gleichzeitig. Diese Methode ist gedacht um Pufferzeit einzuplanen.

„Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen.“

John Lennon

Genau das ist der Punkt. Während wir planen und organisieren vergessen wir oft, dass wir einen ganz normal Alltag haben, der in unsere Pläne meistens dazwischen funkt. Du weißt nie was kommt und Pläne kann man auch ändern oder verwerfen, sie sind absolut nicht in Stein gemeißelt. Es geht also bei deinem Plan den du schreibst nicht darum, dass du ihn unbedingt und ohne Kompromisse einhalten musst.

Es geht darum zu Beginn deines Projekts/Ziels einen Plan zu haben, wie du die Zeit bis dahin nutzen kannst um es erfolgreich zu erreichen. Wenn du von Anfang an Pufferzeit einplanst, kannst du sicher sein, dass du am Ende nicht in den mega Stress verfällst, falls Dinge dazwischen kommen, die wir nun mal nicht planen können.

Wenn du das Gefühl hast ein Plan läuft nicht so wie du dir das vorgestellt hast, frage dich immer mal zwischendurch, warum du das machst und für wen. Die Motivation für ein Projekt oder ein Ziel, solltest du immer auf dem Plan stehen haben. Ganz oben und klar formuliert. Wenn du nicht weißt wofür du das machst, kann die Arbeit sehr sehr schwer sein und dir wesentlich mehr Energie rauben, als du dafür eigentlich aufbringen wolltest.

Ein guter Plan ist relativ und absolut von der Person und der Größe des Ziels abhängig. Ein guter Plan für mich ist nicht unbedingt ein guter Plan für dich. Um herauszufinden was für dich gut funktioniert, kann ich nur wärmstens empfehlen es einfach auszuprobieren.