17 Semester später (Teil 1)

Am 01.04.2013 begann meine Reise als Studentin. Das ist jetzt einfach krasse 17 Semester her. 17! Drei Studiengänge später sitze ich nun hier und schreibe einen Blogartikel über meine Studienzeit. Hätte ich am 01.04.2013 nicht gedacht, dass ich am 12.09.2021 hier sitze und diese Zeilen in einen Blog tippen würde. Ich war generell in dieser Zeit in einem vollkommen anderen Mindset. Ich dachte mir, ich nehme euch mal mit auf eine kleine Reise durch die Zeit. Erstens um selbst meine Studienzeit zu reflektieren und zu schauen was sich da so verändert hat und zweitens, weil das scheinbar Menschen interessiert, die das hier lesen.

Also zurück zum 01.04.2013. (Unten seht ihr ein paar Fotos von mir aus dieser Zeit.)

Ich habe während meiner gesamten Oberstufenzeit parallel zur Schule mein Jungstudium absolviert, am Peter-Cornelius-Konservatorium in Mainz bei Renate Kehr. Zwischen meinen schriftlichen Abitur-Klausuren und meiner mündlichen Prüfung, spielte ich dann meine Aufnahmeprüfung an genau diesem Haus. Ich habe für das Studium der Instrumentalpädagogik (Hauptfach Flöte) vorgespielt und einen Studienplatz bekommen. Es war im Prinzip ziemlich klar, dass das klappen würde und trotzdem ging mir der Arsch gehörig auf Grundeis bei dieser Prüfung. Ich bestand sie und am 01.04.2013 – 14 Tage nach meiner Zeugnisübergabe an der Hildegardisschule Bingen – begann dort mein Studium. Ich lernte in dieser Zeit wahnsinnig viel über Didaktik, Übemethoden, Neurobiologie, Psychologie und Musikpädagogik. Nicht etwa weil die Kurse so grandios gewesen wären, einige waren das, andere leider nicht – so wie überall natürlich – sondern, weil ich extrem viel gelesen habe und einen ganz besonderen Dozenten hatte, der mein Potential auch als Pädagogin schnell erkannt und mich mit Literatur und Input versorgt hat. Ich habe in meiner Studienzeit in Mainz, wie auch schon zuvor, sehr viel gespielt, viele Muggen, viele Konzerte, sehr viel Kammermusik und natürlich schon unterrichtet. Da war die Musikschule meines Vaters ein geeigneter Ort, um mich auch neben dem Studium auszuprobieren und zu wachsen. In Mainz studierte ich mit unglaublich tollen und wunderbaren Menschen und Musiker*innen und habe dort wahrlich Freunde und Kolleg*innen fürs Leben gefunden – Grüße gehen raus an alle, die hier mitlesen. Ich habe mich in dem „kleinen Teich“ dort sehr wohlgefühlt, aber es gab ein Problem: Ich wollte mehr. Ich wollte wissen wo ich stand, ich hatte dort kaum Vergleichsmöglichkeiten. Ich wollte mehr Bühne, mehr Zeit zum Üben, das ist in einem Pädagogikstudium wirklich nicht so einfach bei all den Fächern. Ich ging auf die Reise, auf die Suche nach jemandem, bei dem oder der ich studieren konnte nach meiner zauberhaften Lehrerin, die mich begleitet hat seit meinem 12. Lebensjahr.

Ich spielte verschiedenen Professor*innen und Dozent*innen vor, an den unterschiedlichsten Orten. Jede*r, der oder die sich für mehrere Aufnahmeprüfungen beworben hat kennt das. Ich habe sowohl sehr liebe Menschen kennengelernt, als auch (und ich nenne selbstverständlich keine Namen) absolut unpädagogische, arrogante Arschgeigen! Nach einer Session, bei der ich jemandem vorspielte, wollte ich hinschmeißen. Und zwar komplett. Ich wollte keine Flöte mehr studieren, denn ich „bin ja sowieso nicht gut genug, und habe gegen die 16- Jährigen Asiaten keine Chance“ (mal abgesehen von dem rassistischen, diskriminierenden Unterton, ein absolut unmöglicher Kommentar!) … mit 20. Alles, was ich damals noch als Baustellen von mir definierte, dachte ich, kann man hinbekommen, mit dem richtigen Lehrer oder der richtigen Lehrerin. Aber diese eine (Arschgeige) Person, hat mir den Boden so unter den Füßen weggezogen, dass ich einfach nicht mehr weitermachen wollte.

Dann, wenn eine Tür zu geht, öffnet sich eine andere. Das sagte mein Opa immer zu mir. Mein geliebter Opa, der am 03.06.2014 ein Stern wurde. Einer der schlimmsten Tage meines Lebens und gleichzeitig, einer der besten meines Lebens. Ein Schicksalstag, mein Schicksalstag. Ich war in dieser Woche zum ersten Mal auf dem Meisterkurs von Carin Levine in Rheinsberg.

Am 03.06.2014 bekam ich morgens den Anruf meines Vaters, dass mein Opa in der Nacht verstorben war. Der Tag fing demnach für mich sehr, sehr traurig und verzweifelt an. Die Kursteilnehmer*innen haben mich so wahnsinnig toll aufgefangen und Carin selbst natürlich auch. Beim Mittagessen sprach ich dann mit ihr, über meinen Wunsch an einer Hochschule studieren zu wollen, aber einfach keine*n finde, der oder die mich nehmen würde. Mal abgesehen davon, dass mich Carin in dieser Woche technisch einmal auseinandergenommen und dann wieder zusammen gesetzt hat, sah sie mich an und lächelte. Dann sagte sie zu mir: „Schau mal, da drüben der Mann mit der Glatze. Das ist Dirk. Geh mal zu ihm rüber und sag du kommst von mir. Er ist Professor in Wuppertal.“

Ich sah mich um, sah einen sehr sympathisch wirkenden Mann am Nebentisch sitzen. Da ich zu diesem Zeitpunkt schon keinerlei Hemmungen hatte fremde Menschen anzusprechen, ging ich rüber, tippte ihm auf die Schulter, streckte ihm die Hand aus und sagte: „Hallo, mein Name ist Saskia, ich komme von Carin, sie sagte du bist Professor in Wuppertal. Ich suche jemand bei dem ich studieren kann, könnte ich dir einmal vorspielen?“. Er lächelte mich an, sprang auf und sagte: „Ja aber selbstverständlich, was machst du denn heute Abend? Dann können wir mal ein Bier gegenüber trinken gehen.“ – What? Ein Bier? Wie geil ist der denn?! Dachte ich mir. Da ich ja an diesem Tag meinen Opi verloren hatte, brauchte ich abends etwas Härteres als Bier. Ich spreche jetzt nicht darüber, wie viel, aber Dirk lud mich auf „ein paar“ Getränke ein und wir unterhielten uns wahnsinnig nett. Ich solle mal auf seinen Meisterkurs kommen in Wuppertal.

Den Wuppertaler Musiksommer 2014. Ich meldete mich direkt an und freute mich wie Bolle auf diesen Kurs und über dieses nette Gespräch. Zur Abwechslung mal keine Arschgeige und lustig war er obendrein, dass dieser Mann 16 Monate später mein Professor sein würde, für 6 Jahre, das ahnte ich noch nicht im geringsten. Ich hatte nur wieder Hoffnung …

Im August 2014 war ich also eine Woche in Wuppertal beim Meisterkurs. Ich merkte wieder einmal woran es bei mir flötistisch haperte. Nicht nur wegen des Vergleichs mit den anderen Flötist*innen, sondern weil Dirk ein sehr ehrlicher und direkter Lehrer ist. Das ist gut so! Manchmal halt ein bisschen „in you face“ – aber man weiß woran man ist. Mir wurde klar: „Oh, da gibt es noch viel Arbeit!“. Allerdings war ich schockverliebt in Dirk als Lehrer. Ich lernte so unglaublich viel, schon in dieser einen Woche und erinnere mich noch sehr gut an den Moment, als ich aus einem Unterricht rauskam, durch das Treppenhaus spazierte und vor dem großen Spiegel im 2.Stock stehen blieb und mir sagte: „An dieser Hochschule wirst du studieren. Hier bist du richtig. Bei Dirk bist du richtig. Nächstes Jahr um diese Zeit habe ich hier einen Studienplatz!“ – ich bekomme gerade Tränen in die Augen, wenn ich daran denke, denn eines war ganz klar: Ich musste verdammt hart arbeiten, um diese verflixte Prüfung zu bestehen. Ein langer Weg lag vor mir, aber ich wusste was das Ziel war.

Ich übte mir die Finger wund, erarbeitete alleine über ein Jahr Zoom Tube von Ian Clarke (mein persönliches Schicksalsstück) – wäre ich doch nur früher damit zu Carin gegangen, dann hätte ich nicht solange gebraucht – weil ich wusste, wo meine Stärken lagen. Bei Mozart und einem schönen Ton lagen sie zu diesem Zeitpunkt nicht. Aber in der Performance und in Solostücken, da lag bereits damals mein Potential begraben und wie sich später rausstellte auch in der zeitgenössischen Musik.

Im Juni 2015 spielte ich die Aufnahmeprüfung in Köln. Eins kann ich euch sagen, ich bin fast gestorben vor dieser Prüfung. Ich wollte sie so sehr bestehen. Was ich nicht wusste, Dirk hatte mich im Blick und zwar seit dem Musiksommer im vorherigen Jahr. Nachdem ich eine Telemann Fantasie gespielt hatte, mit schlechtem Ton, aber mit Musikalität, Leidenschaft und einer Leichtigkeit auf der Bühne, die Dirk total überzeugte. Er sagte mir einige Zeit später in meinem Studium: „Ich dachte mir, wenn du das kannst, bekommen wir den Rest auch noch hin!“

Ich spielte in dieser Prüfung Zoom Tube und dann Telemann. Zoom Tube war der Hammer und Telemann eine absolute Vollkatastrophe. Danach dachte ich erst mal: das war’s, das war jetzt dein Studienplatz, du hast es verkackt. Ich ging runter und holte mir erstmal einen Kaffee (in den ich gerne noch ein Schluck hochprozentiges gekippt hätte) und wartete auf meinen Zug. Eine Stunde später kam Dirk runter und wir unterhielten uns kurz. Ich machte mich auf ein „Danke, aber leider nein“ gefasst. Er erzählte mir zuerst wie geil Zoom Tube ankam, dass wir am „Telemann noch ein bisschen arbeiten müssten“ und stellte mir die Frage, ob ich denn bei ihm studieren wollen würde in Wuppertal … „JA! Natürlich! Sonst wäre ich ja nicht hier.“

Er grinste und sagte ganz nüchtern: „Na super. Dann hast du den Platz.“ Wie? Was? Moment, ich hab bestanden? Ich darf wirklich in Wuppertal studieren? Ich konnte es nicht glauben! Natürlich musste ich noch Klavier und die Nebenfächer bestehen eine Woche später, aber da war in Anbetracht meiner vergangenen Studienjahre das kleinste Problem.

Anfang Juli erhielt ich einen Brief, indem man mir den Studienplatz anbot mit der Bitte um Bestätigung. Ihr könnt euch vorstellen wie sehr ich geweint habe vor Freude. Ich hatte es geschafft. Ich hatte mir das Ziel gesetzt im August 2014 und im Juli 2015 hielt ich den Zettel in der Hand. Glaubt mir eins: alles ist möglich, wenn man es nur will und dafür hart arbeitet, manchmal braucht man ein bisschen Glück und die richtigen Personen, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort. Meine Person hieß Dirk – Schicksal eben …

Ich fuhr in dem Jahr noch einmal zum Musiksommer nach Wuppertal, diesmal bereits mit der Gewissheit ab Oktober dort studieren zu dürfen. Ich bereitete dort meinen Abschluss in Mainz vor, denn auch da war es wieder wie nach dem Abitur. Am 17.09.2015 spielte ich mein Abschlusskonzert in Mainz und am 01.10.2015 begann mein Studium in Wuppertal.

In dem Meisterkurs lernte ich bereits meine wundervollen Studienkollegen kennen mit denen ich die letzten Jahre verbracht habe. Changhuan Xia (links) und Leonardo Pedroza (rechts) – 13.08.2015

Ich durfte in diesem Musiksommer im Abschlusskonzert im großen Saal der Historischen Stadthalle vorspielen. Welches Stück? Natürlich: Zoom Tube! Das gibt es sogar als Video auf YouTube. Es war, wie im Jahr zuvor, eine sehr lehrreiche Woche und eine optimale Vorbereitung auf den Abschluss, bzw. auf den Beginn meines Studiums bei Dirk. Mein Examenskonzert am 17.09.2015 lief sehr gut, ich schloss mein erstes Studium in Mainz in fünf statt sechs Semestern ab, damit ich pünktlich in Wuppertal starten konnte. Mein letztes Semester in Mainz bestand also aus einem Haufen Prüfungen, Lehrproben, einer 30-Seitigen Examensarbeit und meinem Abschlusskonzert und zwischen all dem auch noch die Aufnahmeprüfung in Köln. In diesen Monaten lernte ich mal wieder auf’s Neue mein extrem gutes Zeitmanagement und meine gute Planung zu schätzen, anders wäre das auch nicht möglich gewesen.

Mein erstes Studium war somit vorbei, ich zog nach Wuppertal und begann am 01.10.2015 meinen ‚Bachelor of Music‘ in Wuppertal.

Nach dem Studium musste allerdings zuerst mal eine kleine, aber feine Veränderung her.

Fortsetzung folgt…

Konkurrenzdenken in der Musikbranche?

Oh, jetzt wird’s spannend. Wie sieht es eigentlich mit dem Thema Neid und Konkurrenzdenken in unserer Branche aus? Ist das ein großes Problem oder wird es nur aufgebauscht? Ist es überhaupt grundsätzlich einzuordnen oder könnte es sein, dass es sehr abhängig ist von der subjektiven Wahrnehmung von Musiker*innen? Ist es abhängig davon in welchem Teilbereich der Branche man sich rumtreibt oder welche Stilistik man als Schwerpunkt hat? 

Fragen über Fragen. Beantworten kann ich die meisten auch nicht, denn ich bin kein Guru und auch nicht allwissend. Was ich allerdings kann, ist meine persönliche Erfahrung und Einschätzung zu teilen. Ich beginne mal mit einer steilen These:

„Konkurrenzdenken ist abhängig von den Glaubenssätzen einer Person“ 

In meinen Augen hat das Konkurrenzdenken nichts mit bestimmten Berufssparten oder Stilistiken zu tun, sondern ausschließlich mit der Frage: „Vergleiche ich mich oft, mit anderen Musiker*innen oder vergleiche ich mich mit der gestrigen Version meiner selbst?“  

Konkurrenzdenken ist für mich persönlich nichts Schlimmes, es kann einen auch sehr anspornen. Wenn es aber zur Missgunst übergeht oder zur Sabotage der Kolleg*innen, dann sollte man da was einzuwenden haben. Wenn man sich den Begriff „Konkurrenz“ mal genauer anschaut, dann erhält man als Beschreibung Worte wie zum Beispiel: „Wettstreit“, „Rivalität“ oder „Wettbewerb“. Wettbewerbe kennen wir gut. Sie tauchen in unserer Branche ständig auf, schon früh im Kindes- und Jugendalter. Das geht los mit „Jugend musiziert“ (Folge Podcast) oder Vorspielen für Fördermaßnahmen an kulturellen Bildungsinstitutionen, geht dann weiter mit Aufnahmeprüfungen an Musikhochschulen und Akademien und mündet dann im Berufsalltag in Probespielen, Vorstellungsgesprächen und (inter-)nationalen Wettbewerben. 

Unsere Musikbranche ist also voll von Wettbewerben. Ist das ein Grund, warum wir das Thema Konkurrenz als ein solch Großes betrachten? Ist es so groß? Ich habe das Gefühl, es wird vor allem von außen gerne gepusht und von Menschen, die denken, dass andere Menschen unter Druck höhere Leistungen erzielen, herbeigeführt und befeuert. Das mag ja bei dem einen oder der anderen zutreffen, aber auch das sind meistens Glaubenssätze und Denkmuster, die da anspringen:

„Ich bin nur wertvoll, wenn ich Leistung erbringe“

oder

„Ich bin nur geliebt, wenn ich etwas geleistet habe“. 

Es gibt auch einen Kernglaubenssatz, der bei vielen Thema ist, die mit Konkurrenzgedanken zu kämpfen haben:

„Ich bin nicht gut genug!“

Zack! Dieser Glaubenssatz kann so viel Mist und Leid entfachen, auf so vielen unterschiedlichen Ebenen. Wenn man sich selbst als nicht gut genug erachtet, sind andere immer besser als man selbst und Neid und Eifersucht sind vorprogrammiert. Wenn du dich jetzt ertappt fühlst, weil du selbst oft negativ über andere denkst oder sogar sprichst, es anderen nicht gönnst, wenn sie Erfolg haben oder du anderen Misserfolg wünschst, dann mach dir klar: Das Problem liegt bei dir und kann nur von dir behoben werden, nicht von den anderen. 

Das ist erst mal eine harte Erkenntnis, aber wir wissen ja: „Einsicht ist der erste Weg zur Besserung“.

Es ist übrigens überhaupt nicht schlimm und unnormal, dass es dir so geht. Ich würde mal ganz frech behaupten, dass ca. 95% der Menschen diesen oder einen ähnlichen Glaubenssatz in sich tragen. Wenn sie ihn aufgelöst haben, besteht die Möglichkeit mit einem völlig neuen Blick dieses Thema anzugehen. Das Vergleichen mit anderen Musiker*innen oder generell mit anderen Menschen ist Gift für unsere Seele und Gift für unser Sozialleben. Die einzige Person, mit der du dich vergleichen darfst, bist du selbst. Du selbst kannst heute eine bessere Version von dir sein als gestern und morgen eine bessere Version werden als heute. Du kannst dir alte Aufnahmen von dir anhören und feststellen: Wow, bin ich gut geworden in den letzten drei Jahren. Du kannst dir Ziele stecken und besser werden mit jedem neuen Tag. 

Was ich nicht empfehlen kann, ist sich mit der Studienkollegin oder dem Studienkollegen zu vergleichen, der Lehrerin oder dem Lehrer oder gar mit dem Star der eigenen Instrumental- oder Gesangssparte. Mit YouTube Videos oder Alben auf Spotify. Diese Menschen haben eine ganz andere Vita und einen anderen Hintergrund, wahrscheinlich auch ganz andere Talente und Schwerpunkte. So unterschiedlich und einzigartig wie wir Menschen sind, so unterschiedlich und einzigartig sind wir auch als Musiker*innen und das ist gut so! 

Wenn du es schaffen kannst den Fokus auf dich und deinen Erfolg zu lenken, dich um deine Ziele und Träume zu kümmern und jeden Tag dafür zu arbeiten, interessiert dich der Rest um dich herum überhaupt nicht mehr. Versteh mich bitte nicht falsch, es ist nach wie vor wichtig zu wissen, wo man steht und wo noch Luft nach oben ist, aber sich deshalb die Augen auszukratzen oder zu denken, man ist nicht gut genug, hat noch niemanden weitergebracht. 

Gesunde Konkurrenz bzw. ein gesunder Wettstreit zwischen Musiker*innen ist in unserer Branche wohl unumgänglich. Es ist allerdings von großer Bedeutung, wie es dir dabei mental geht und ob du dich auch als wertvoll und liebenswert erachtest, wenn du nicht den ersten Preis bei dem Wettbewerb machst, nicht das Probespiel gewinnst oder nicht den Studienplatz bekommst. Das sind nämlich keine Fakten, die beweisen, dass du nicht gut genug bist, sondern dass es jemand gab der besser war als du oder es einfach am „Vitamin-B(eziehung)“ lag. Fakt ist: Es wird immer jemanden geben, der besser ist als du – das ist aber kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Du kannst es als Ansporn nehmen oder du merkst, dass der oder die andere nur in einem bestimmten Bereich besser ist als du und du etwas anderes dafür viel besser kannst als sie oder er. Dann wären wir wieder bei der Einzigartigkeit eines jeden Musikers und jeder Musikerin. 

Bleib bei dir und arbeite für deine Ziele. Vergleiche dich nicht mit den anderen, sondern vergleiche dich ausschließlich mit dir selbst. Werde zur besten Version deiner selbst und scheiß einfach darauf, ob der eine die Bach Partita besser spielen kann als du. Rock die Bühne mit Stockhausen und stelle feste: das ist eh viel mehr mein Ding! Dann wird unsere Musikbranche auch bunter und interessanter, vielfältiger und individueller. 

Ankündigung: Ab jetzt auch auf Patreon!

Was soll ich sagen, lange hab ich überlegt es zu machen. Lange habe ich Vor- und Nachteile abgewägt und lange habe ich mir die Frage gestellt: „Wer wird da kommen?“ …

Jetzt habe ich es einfach gemacht und bin gespannt auf das, was vor mir liegt. Meinem kreativen Kopf sind wirklich noch nie die Ideen ausgegangen und dieser Blog und mein Podcast werden inhaltlich ja absolut positiv angenommen. Warum also nicht?

Du fragst dich sicher: „Was zum Henker ist Patreon?“ – verständlich, ist bei uns in Deutschland nämlich noch nicht so wahnsinnig bekannt!

Patreon ist eine Seite für (vor allem) kreative Köpfe, die ihren Content exklusiv anbieten wollen. Von Musiker*innen, Künstler*innen, Autor*innen bis hin zu YouTubern jeglicher Spate ist dort sehr viel und spannendes zu finden. Ab heute gibt es auch meinen Managemusik Content dort exklusiv für alle, die noch tiefer in die Themen Planung, Persönliche Weiterentwicklung, Mindset und Projektplanung einsteigen möchten. 

https://www.patreon.com/managemusik

Wenn du jetzt denkst: „Ohje, dann wird sie hier ja gar nichts mehr posten…“ – liegst du falsch. Das Schöne an Patreon für mich ist, ich kann den Content mit meinen kostenfreien Inhalten verbinden nur wird eben hier nicht alles „verraten“ und einen exklusiven Zugang ermöglicht, für Menschen, die gerne tiefer einsteigen möchten und bereit sind dafür auch etwas zu bezahlen. Das ich nicht von Luft und Liebe lebe, kannst du dir sicher vorstellen 😉 Mittlerweile investiere ich gerne viel Zeit in meinen Podcast, Blog und meine Produkte – allerdings ist es schon sehr angenehm, wenn man weiß: dafür wirst du auch bezahlt und es ist keine Arbeitszeit, die mir woanders dann fehlt. Ich möchte gerne weiterhin guten und hochwertigen Content kreiren, gleichzeitig aber nicht zwischen bezahltem Job und unbezahlter Leidenschaft wählen müssen.

Du hast Interesse und würdest gerne mehr erfahren, dann lies gerne weiter!

Was gibt es für mögliche Mitgliedschaften?

Fan: für 3 € pro Monat unterstützt du meine Arbeit und bekommst Zugriff auf meine Planervorlagen (1-2 pro Monat) im PDF Format, sowie einen Auszug aus meinem Hörbuch. 

Exklusiv: für 6 € pro Monat erhälst du einen exklusiven Blogartikel, eine exklusive dazu passende Podcastfolge und ein kurzes Video pro Monat von mir. mit einem bestimmten Thema, welches du z.T. sogar mitbestimmen kannst! (Planervorlagen inkl.)

Premium: für 10 € pro Monat gibt es zu den oben genannten Leistungen ein Video Tutorial + Workbook Seiten (á la meinem Starterkit) und eine dazu passende Livesession pro Monat, in der wir uns austauschen zum Thema des Monats.

Wann ist das was für mich?

Wenn du dich näher mit den Themen beschäftigen möchtest, mich gerne unterstützen möchtest, mit mir näher und regelmäßiger in Kontakt treten willst und einfach die ganz heißen Tipps von mir nicht verpassen möchtest, die ich in meinem Blogartikeln und Podcastfolgen dann doch eher ausspare.

Ist das ein Jahresabo oder kann ich jederzeit kündigen?

Es ist sozusagen Netflix/BookBeat Style! Du kannst jederzeit wieder kündigen, wenn dir mein Content nicht gefällt, nicht ausreicht, du schlicht nicht zufrieden bist oder es dir aktuell am Geld mangelt!

Ich freue mich wahnsinnig diesen Schritt gegangen zu sein und bin vor allem gespannt, wen es so auf meinen Patreon Kanal verschlägt. Beim Premium Zugang freue ich mich auf den nahen Austausch mit dir und bin jetzt schon voller Ideen für die Video’s und Workbookseiten.

Wenn dir das zu viel ist, bei mir ein Abo für Content abzuschließen, du mir aber trotzdem gerne etwas Gutes tun und meine Arbeit unterstützen möchtest, kannst du mir entweder ein oder mehrere Kaffee’s ausgeben auf der Startseite oder über diesen Link in meinen Virtuellen Hut etwas spenden.

Achtung Spoiler: das Thema im Juni auf Patreon wird sich mit Energiemanagement beschäftigen und ganz konkret geht es um „Energie haushalten“ (im Exklusiven Bereich) und um „Energiefresser entlarven und Kraft tanken“ (im Premium Bereich).

Prokrastination

„Nur noch ein Video auf YouTube, dann fange ich an … “ – „Ich könnte ja noch schnell saugen, bevor ich anfange, daran zu arbeiten … “ – „Oh, ich war ja schon lange nicht mehr auf Pinterest, ich könnte mir doch mal eine neue Pinnwand erstellen zum Thema vegetarische Gerichte …“

Wir wissen, wie das endet. Du fängst nicht an.

Prokrastination ist eins der gefragtesten Themen auf meinen Social Media Kanälen und natürlich ein sehr beliebtes Thema unter „Selbstmanagement Experten“, zu denen ich mich jetzt einfach mal ganz frech zähle. Was ist Prokrastination überhaupt und wo kommt sie her? Gibt es Menschen, die eher dazu neigen, zu prokrastinieren, als andere, oder ist jeder Mensch gleich davon betroffen? Diese und weitere Fragen werde ich in diesem Artikel versuchen zu beantworten.

Wer gerne lieber hört statt liest, kann sich meine Podcastfolge zu dem Thema anhören: https://www.podcast.de/episode/578971327/Prokrastination/

Wenn du jetzt denkst: „Was zur Hölle ist Prokrastiantion?“ – habe ich eine einfache Antwort. Umgangssprachlich nennen wir es auch gerne „Aufschieberitis“ oder noch einfacher, wir schieben eine bestimmte Aufgabe vor uns her bis es zu spät ist (Worst Case). Anstatt also diesen einen Anruf zu machen, die Hausarbeit anzufangen, dieses eine Stück zu üben oder zu planen, schieben wir die Aufgabe lieber noch etwas – „Mach ich dann morgen“.

Ich unterscheide grundsätzlich noch mal in zwei verschiedene Varianten: produktive Prokrastination und unproduktive Prokrastination.

Bei der produktiven Prokrastination, verfallen wir gerne in einen Zustand, indem wir unsere To-Do-Liste von hinten abarbeiten, einen Hausputz starten oder ausmisten. Es sind plötzlich alle anderen Aufgaben viel interessanter, als diese eine, vor der wir uns drücken. Der Vorteil an der Variante ist, es passiert wenigstens etwas „Sinnvolles“, was zwar gerade nicht unbedingt Thema ist oder notwendig ist, aber die Zeit ist nicht völlig für die Katz‘. Bei der unproduktiven Variante ist unser Smartphone, Tablet oder Fernseher hoch im Kurs und wir versacken vor YouTube, Instagram, TikTok oder Netflix. Im schlimmsten Fall sogar den ganzen Tag. Da gibt es eigentlich keinen Vorteil. Wir fühlen uns danach schuldig, haben oft ein schlechtes Gewissen, vor allem, wenn die Deadline näher rückt.

Das Problem an der ganzen Geschichte ist, dass man schnell in den Glaubenssatz gerät: “ Ich arbeite halt besser unter Druck und mache deshalb immer alles auf den letzten Drücker.“ – sorry, aber das ist genauso Bullshit wie: „Ich bin nicht gut genug dafür.“

Wenn du dir diesen Satz wirklich selbst erzählst, dann habe ich jetzt eine eher schlechte Nachricht für dich. Mit „unter Druck arbeiten“ hat das Ganze nichts zu tun. Wir schieben Aufgaben vor uns her, weil wir vor irgendwas Angst haben oder auf etwas einfach gar kein Bock haben. Bleiben wir mal ehrlich an der Stelle! Mit Honig ums Maul schmieren, ist noch niemand gewachsen. Wenn du eine Aufgabe vor dir herschiebst, dann stelle dir die Frage: „Wovor habe ich Angst?“

Ist es Bewertung? Ist es Versagen? Ist es nicht zu genügen?

Wenn du herausfindest, wovor du Angst hast bei einer Aufgabe, dann kannst du mit der Angst arbeiten und dich beruhigen. Perfektion, übrigens, ist auch eine Angst! Wenn du auf eine Aufgabe schlicht und ergreifend keinen Bock hast, dann fehlt es dir an Motivation. Der Schlüssel dazu ist, finde einen Grund (auch außerhalb deiner bekannten Denkmuster), warum du diese Aufgabe erledigen solltest. Es gibt immer einen Grund, etwas zu tun oder es nicht zu tun. Wenn sich alles in dir dagegen sträubt, ist es vielleicht gerade einfach nicht das Richtige. Dann schau, ob du das noch verschieben kannst oder ob du es wirklich machen musst.

Es gibt definitiv Menschen, die eher dazu neigen, zu prokrastinieren. Ich gehöre zu den Glücklichen, die da eher selten reintappen, wenn überhaupt, dann in die produktive Variante. Ich habe zum Beispiel während der Vorbereitungsphase auf meine Klavier-Aufnahmeprüfung plötzlich nur noch Lust gehabt, Flöte zu üben und in der Vorbereitungsphase auf mein Bachelorkonzert mit der Flöte, wollte ich nur Klavier üben. Ich nenne das dann „Luxus Prokrastination“ und ich jammere da auch nicht auf hohem Niveau, ich finde es eher unterhaltsam.

Prokrastination kann allerdings zu krassem Stress führen, wenn man diese eine Sache dann doch so lange herauszögert, dass man keine Wahl mehr hat, und dann zwei Nächte durchmachen muss. Prokrastination vermeidest du also auch, wenn du einen Plan für deine Aufgabe hast und auch ausreichend Pufferzeit eingebaut hast. Ich spreche da immer von dem „14-Tage-Puffer“! Wenn die Deadline am 1.12. ist, setzt du deine Deadline am 15.11. – basta. Dann kann auch was dazwischen kommen, auch mal ein „Netflix-Chips-Couch-Tag“, der dann auch vollkommen okay ist und nichts mit Prokrastination zu tun hat. Nur weil du einen oder zwei Tage mal entspannst und mal nichts tust, redet man noch lange nicht von Prokrastination! Das wird dann gefährlich, wenn es über Tage und Wochen passiert oder eben immer wieder. Wir sind Gewohnheitstiere, auch Prokrastination kann zur Gewohnheit werden und dann solche schlauen Sätze in unserem Kopf hinterlassen, wie „unter Druck arbeite ich besser“. Was für ein Unfug.

Ja, manche Menschen werden unter leichtem Stress leitungsfähiger, aber niemand will zwei Nächte durcharbeiten, weil er oder sie vorher wochenlang die Aufgabe weggeschoben hat! Das hat nichts mit Druck zu tun, das ist schlicht ungesund. Stress, über einen kurzen Zeitraum, ist für unseren Körper kein Problem. Adrenalin und Noradrenalin verschwinden dann wieder aus unserer Blutbahn und wir entspannen uns. Wenn aber das tückische Cortisol mit um die Ecke kommt, der Stress langfristig nicht aufhört und wir uns eben nicht entspannen zwischendurch, werden wir krank. Stress machen wir uns dann natürlich auch gerne, weil wir etwas vor uns herschieben und genau wissen, es ist bald fällig. Das kriecht dann so auf unserer To-Do-Liste und in unserem Unterbewusstsein rum und macht dort Terror.

Ich hoffe ich konnte dir mit diesem Artikel ein paar Denkanstöße geben und Licht ins Dunkel bringen. Noch ein letzter Satz: Du bist nicht alleine mit diesem Problem! Ich kenne so viele Menschen, die wirklich regelmäßig mit Prokrastination kämpfen. Wenn du deine Angst vor der Aufgabe kennst und deine Motivation dafür klar definierst, kannst du aus der Spirale aussteigen.

Wenn etwas fehlt…

In den letzten Monaten werde ich immer wieder gefragt: Wie geht es dir mit der aktuellen Situation? Und weißt du, was ich dann immer sagen möchte?

Es geht mir beschissen. Ich möchte nachts in mein Kissen schreien. Ich fühle mich, als würde der Anteil in mir, der mich am stärksten ausmacht seit über einem Jahr fehlen. Ich unterdrücke seit Monaten Bedürfnisse, die uns Menschen ausmachen und die mich persönlich als Musikerin und Künstlerin ausmachen. Wie soll es mir da gehen? Ich habe Bewältigungsmechanismen im Alltag, ja, die helfen manchmal mehr und manchmal weniger – aber im Endeffekt bin ich die meiste Zeit in einem sehr traurigen, depressiven Zustand, in dem ich aktuell kaum rauskomme.

Ich lenke mich ab mit Arbeit. Ich lenke mich ab mit Schreiben, Podcasts und Content produzieren, um etwas Sinnvolles mit meiner Zeit anzufangen. Ich lenke mich ab mit Netflix und Büchern, ich lenke mich ab mit FaceTime und Zoomcalls. Ich versuche nicht daran zu denken, dass mir das, was mich als Mensch ausmacht fehlt. Ich versuche nicht daran zu denken, dass ich am 08.02.2020 mein letztes Konzert hatte. Ich versuche nicht daran zu denken, dass ich das Bühnentier in mir in Ketten gelegt habe und still halten muss, damit ich nicht täglich in Tränen ausbreche und irgendwem die Visage einschlagen will, weil ich zwar rational verstehe, aber emotional nicht verstehe was hier passiert. Aber ich bin ehrlich, ich verstehe auch rational nicht mehr was hier passiert.

Der Teil in mir, der kommunizieren möchte und zwar echt, real, in 3D und Farbe, den habe ich ebenfalls in Ketten gelegt. Er versteht nicht, warum ich täglich mit einem Laptop oder einem Smartphone spreche. Er fragt mich täglich: „Was soll der Mist?“. Ein Teil in mir, der Menschen umarmen und ihnen Nahe sein möchte, habe ich in Ketten gelegt, der fragt mich ebenfalls täglich: „Hast du noch alle Latten am Zaun?“. Ein Teil in mir, der mit anderen Menschen musizieren möchte, nun ja was soll ich sagen, Ketten reichen da leider nicht mehr aus …

Was tun, wenn wir die menschlichsten Bedürfnisse in uns unterdrücken müssen? Von den Floskeln: „Noch zwei Wochen, dann haben wir’s geschafft“, bekomme ich Brechreiz. Für ein paar Wochen kann man diesen Zustand aushalten, aber für diese lange Zeit? Da sind härtere Massnahmen nötig, um in uns diese Stimmen auszuschalten. Die Unterdrückung der eigenen Bedürfnisse halten manche Menschen länger aus als andere. Ich halte es nicht mehr aus.

Ich weiß, ich spreche nicht nur für mich und ich weiß, dass der eine oder die andere das vielleicht nicht nachvollziehen kann, aber diese lange Zeit hinterlässt starke psychische Spuren. Mein Inneres rebelliert seit einigen Monaten schon, es rebelliert bereits so, dass man es von Außen sehen kann. Jede*r in meinem Umfeld kann meinen Zustand mittlerweile sehen und ich ertrage es nicht mehr so zu tun, als käme ich mit der ganzen Sache noch länger klar. Ich nutze diesen Artikel und diese Zeilen natürlich auch, um das mal alles loszuwerden und niederzuschreiben. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass mir das hilft.

Die psychische Belastung, die diese Zeit mit sich bringt ist mittlerweile auf so vielen Ebenen zu sehen und ich möchte darüber nicht mehr schweigen. Es ist nicht nur für Musiker*innen und Kulturschaffende schwer. Es ist für alle eine sehr schwere Zeit, aber es ist für einige gesundheitlich schwerer als für andere. Diese Menschen dann mit Scheiße zu bewerfen, weil sie versuchen aus ihrem Loch zu kriechen und irgendwie klar zu kommen, aus der Angst (vor was auch immer) auszusteigen, ist keine Lösung. Es verschlimmert den Konflikt in dem Menschen und zwischen den Menschen nur noch mehr.

Meine Motivation diese Zeilen zu schreiben?

Vielleicht liest das jemand, der oder die sich dann nicht mehr alleine fühlt. Vielleicht liest das jemand, der oder die dann etwas besser versteht, dass es wesentlich mehr Menschen scheiße geht, als man das so im Umfeld mitbekommt. Vielleicht liest das jemand, der oder die jemandem im Umfeld helfen kann, damit besser umzugehen. Ohne mein Umfeld, könnte ich das aktuell nicht stemmen.

Ich weiß, ich bin nicht alleine. Ich weiß, es ist hart das auszusprechen. Ich weiß, einige halten mich jetzt für labil, instabil, ignorant, irrational oder für schwach und weißt du was?

Juckt mich nicht!

Warum eigentlich nicht?

Nach langer Pause mal wieder ein Blogartikel! Ihr Lieben, ich habe mich hier sehr lange nicht mehr mit einem Artikel gemeldet, das hat ganz verschiedene Gründe. Der Hauptgrund war aber tatsächlich die Veröffentlichung meines ersten Buchs! 🙂

Tatsache, ich habe ein Buch geschrieben, mein Erstes um genau zu sein und bin unfassbar stolz, glücklich, dankbar und kann es machmal immer noch nicht ganz fassen, wenn ich das Buch in die Hand nehme. Heute soll es nicht nur darum gehen, aber ein bisschen Hintergrundinformationen möchte ich euch nicht vorenthalten.

Im Januar 2020 hatte ich eine Vision von einem Workbook für Studierende, die am Anfang ihres Studiums stehen, dezent bis heillos mit der Situation überfordert sind und sich nicht unbedingt trauen, bestimmte Fragen an erfahrene Studierende zu stellen. In meiner Vision hatte ich bereits klar, es soll um Fragen gehen. Fragen, die man sich zu Beginn nun mal stellt. Aber es soll kein Buch werden, indem ich erzähle wie die Welt funktioniert, sondern es soll ein Buch werden, mit dem man arbeiten kann – eben ein Workbook!

Nach langen Brainstorming-Sessions und unzähligen Nächten, die von Selbstzweifeln heimgesucht wurden, kam ich erst mal an den Punkt: darf ich überhaupt ein Buch schreiben? Kann ich eine Autorin sein, nur weil ich Blogartikel schreibe? Bin ich gut genug dafür? Weiß ich überhaupt, wie man sowas macht? Kurzum: ich hatte erst mal eine persönliche Krise losgetreten, in der ich mir klar machen musste, dass ich alles sein darf, was ich will. Ich veröffentlichte dazu auch einen Post auf Social Media:

Ich darf alles sein, was ich mir erlaube zu sein. Diese Erkenntnis traf mich wie der Blitz und ehrlich gesagt scheiße ich heute auf alle Konventionen und Erwartungen, die an mich gestellt werden oder die ich an mich selbst gestellt habe. Ich mache alles worauf ich Lust habe, was ich kreativ umsetzen kann und wenn ich noch zehn (oder mehr) Bücher in meinem Leben schreiben will, dann kann ich das einfach machen. Es verbietet mir niemand das zu tun, außer ich mir selbst!

Nach dieser kleinen aber feinen Krise war ich an dem Punkt öffentlich anzukündigen: Ich habe ein Buch geschrieben und ich werde es am 10.03.21 veröffentlichen. Ursprünglich wollte ich das einfach nur als E-Book verkaufen und ganz ursprünglich wollte ich damit eine Einnahmequelle schaffen, um diesen Blog hier und meinen Podcast sich selbst finanzieren zu lassen. Doch dann geschah etwas ganz faszinierendes: mein kreativer Zugang war gelegt und offen. Warum eigentlich kein Hörbuch daraus machen? Ich habe das Know-How, die Stimme und das Equipment. Warum eigentlich das Buch nicht drucken? Ach, du weißt nicht wie das geht? Egal, Google weiß das! Und siehe da, ich veröffentlichte nicht nur ein E-Book, sondern auch ein Hörbuch und ein Ringbuch (in gedruckter Form). Einfach, weil ich es kann und weil mir meine Selbstzweifel ab jetzt gehörig am Arsch vorbei gehen!

Den Titel habt ihr oben schon gesehen: Starterkit für Musikstudierende!

Es besteht aus zehn Kapiteln, die als Fragen gestellt sind und neben Text und Tools von mir, gibt es in jedem Kapitel Fragen, die ihr euch selbst stellt und Platz zum Schreiben. Seien wir ehrlich, wenn ich den Platz nicht eingeräumt hätte, würde man es doch nicht so genau beantworten …

Wenn ihr Interesse an dem Buch habt, findet ihr alle Links auf meiner Projekte und Leistungen Seite und das Ringbuch könnt ihr bei mir per Mail erwerben.

Neben diesem Buch schreibe ich tatsächlich gerade an meinem Zweiten, das hat erst mal nichts mit meinem Blog zu tun, darüber schreibe ich in einem anderen Artikel genauer. Ich möchte nur soviel noch zum Starterkit sagen: es ist nur das erste Workbook einer Trilogie. Ich mag Trilogien. Es wird noch ein Buch für Musikschüler*innen geben, die vor einer Aufnahmeprüfung stehen und ein Buch für Studierende, die am Ende ihres Studiums kurz vor der Abschlussprüfung stehen. Beide werden im selben Stil und selben Layout erscheinen. Wann? Gebe ich euch dann rechtzeitig Bescheid!

Der andere größere Grund für meine Stille hier auf dem Blog, war der übliche Wahnsinn der aktuellen Zeit, über den ich hier jetzt nicht ausführlich schreiben möchte. Es wird jetzt aber auch wieder mehr Artikel geben, vor allem parallel zu Podcastfolgen, die regelmäßig Montags um acht Uhr morgens online gehen.

Einige spannende Themen habe ich in Planung und recherchiere noch dafür, seid gespannt. Eine wundervolle Woche wünsche ich euch, trotz der aktuellen Umstände!

Was war vor genau einem Jahr?

Nimm mal dein Smartphone in die Hand und gehe in einen beliebigen Chat, mit einem Freund oder einer Freundin, deiner Familie oder einer bestimmten Gruppe und scrolle mal genau ein Jahr zurück …

Was war in deinem Leben vor genau einem Jahr wichtig? Welche Themen haben dich beschäftigt? Welche Menschen hattest du um dich herum? Welche Herausforderung stand dir bevor oder welche hast du gerade erst gemeistert?

Diese Fragen kann man sich zu jedem Zeitpunkt (wann auch immer du diesen Artikel liest) stellen und wirs zu 99,9% ein ganz bestimmtes Learning haben: In einem Jahr kann sich so unglaublich viel verändern! 

Ich möchte mit diesem Artikel an deine Selbstreflexion appellieren und daran, dass du dich für deine Erfolge feiern darfst, sowie, aus deinen „Misserfolgen“ lernen darfst. Wichtig ist, dass du überhaupt reflektierst. Viele Menschen denken: „In einem Jahr kann man ja so viel auch nicht schaffen!“ – In einigen Situationen mit sehr großen Projekten mag das ja stimmen, aber in den allermeisten Fällen, ist dem nicht so. In einem Jahr kann sich sehr viel verändern. Auch du kannst dich in einem Jahr sehr verändern, ins Positive, aber auch ins Negative.

Neben der Taktik mit dem Chatverlauf, gibt es natürlich auch die Möglichkeit dir Bilder aus dieser Zeit, vielleicht sogar genau von diesem Tag (vor genau einem Jahr), anzuschauen. Videos, wie du gespielt oder gesungen hast. Die moderne Technik kann man in dieser Hinsicht natürlich sehr gut gebrauchen! 

In meinem Fall habe ich vor genau einem Jahr meinen Podcast gestartet. Der Blog war da bereits fünf Monate alt, aber einen eigenen Podcast zu starten, hat mich mit einigen meiner tiefsten Ängste konfrontiert – und das war gut so. Ich bin daran gewachsen und besser geworden. 

Natürlich kann man in unserem aktuellen Fall auch Corona nicht völlig außen vorlassen. Vor genau einem Jahr im Februar 2020 war das Virus zwar bereits ein Thema in Deutschland, aber einschränkende Maßnahmen gab es noch keine. Die meisten Menschen in meinem Umfeld hatten große Pläne für 2020, die größtenteils verpufften. Vielleicht hast du dich, genauso wie ich, im Februar 2020 mit ganz anderen Themen beschäftigt als heute. Selbstverständlich macht das alles etwas mit einem und dadurch gab es bei einigen Menschen im letzten Jahr auch einen krassen persönlichen Wachstumsschub, andere fühlen sich gelähmt und können kaum etwas Produktives machen. 

Egal wie es dir damit geht, beim Reflektieren geht es nicht darum, das zu bewerten, sondern es geht darum es anzuerkennen und für sich eine Erkenntnis zu formen. Diese Erkenntnis kann dir im Idealfall bei anderen ähnlichen Situationen helfen. 

Du wirst sicherlich überrascht sein, wie sehr sich dein Leben in einem Jahr verändert hat.

Hier habe ich ein paar Fragen zur Inspiration, die du dir stellen kannst:

  • Was hast du an dem Tag, vor genau einem Jahr gemacht?
  • Wo warst du?
  • Welche Menschen waren bei dir?
  • Wie hat sich das angefühlt?
  • Was für ein Mensch warst du?
  • Was war dir wichtig? 
  • Was war dir nicht wichtig? 
  • Welche Themen haben dich beschäftigt?
  • Worauf hast du dich gefreut?
  • Wovor hattest du Angst?

Das sind nur mögliche Fragen, du musst nicht alle beantworten! 

Wenn du dir ein Bild von dem Tag, vor genau einem Jahr gemacht hast, dann kommen die Fragen für den Status Quo:

  • Was hast du für heute geplant?
  • Wo bist du gerade?
  • Welche Menschen hast du um dich?
  • Wie fühlst du dich gerade?
  • Was für ein Mensch bist du heute?
  • Was ist dir heute wichtig?
  • Was ist dir heute nicht wichtig?
  • Welche Themen beschäftigen dich aktuell?
  • Worauf freust du dich?
  • Wovor hast du Angst?

Du kannst dir, wenn du das möchtest, die Fragen-Paare zusammensetzen oder einfach darauf antworten, was sich gerade richtig für dich anfühlt.

Nachdem du beide Bereiche für dich erörtert hast, wirst du eine gewisse Diskrepanz feststellen. Bei der einen Frage eine größere, bei der anderen eine kleinere, aber da wir ständig in Bewegung und Veränderung sind, wird sicherlich wenig so sein, wie vor einem Jahr! 

Ob du das nun gut oder schlecht findest, steht noch mal auf einem ganz anderen Blatt. Darum sollte es aber erst mal nicht gehen, sondern darum, es wahrzunehmen und anzuerkennen, Erfolge zu feiern, sich selbst mal auf die Schulter zu klopfen oder sich selbst zu trösten, weil diese eine Sache vielleicht nicht so gelaufen ist, wie du das gerne gehabt hättest. Der Moment, indem du diesen Artikel liest, verändert schon wieder alles. Du bist vermutlich nach dem Lesen des Artikels ein anderer Mensch als davor. Nicht etwa, weil ich so eine krass geile Bloggerin bin, sondern weil das einfach so ist! 

Veränderung passiert stetig. Du veränderst dich jeden Moment. Nutze diese Erkenntnis und verändere dich, wenn du das möchtest, in die Person, die du sein willst – das ist möglich! 

Davor braucht es allerdings Reflexion, also:

Frohes Reflektieren …

Konzentration beim Üben

Yes, heute geht es mal um ein sehr musikspezifisches Thema, aber für alle Muggles (Nicht-Musiker) unter euch ist gesorgt, denn Üben ist eine kognitiv und motorisch herausfordernde Tätigkeit. Davon gibt es ja noch mehr, außer auf einem Musikinstrument oder mit seiner Stimme zu arbeiten. Wer also kein Instrument spielt, darf jetzt an seine Schreibtischarbeit oder an eine andere kognitiv anstrengende Tätigkeit aus seinem oder ihrem Alltag denken. 

Konzentration. Was soll ich sagen, es ist natürlich mega nervig, wenn du dich hinsetzt und konzentriert üben möchtest und dann fliegen dir tausend Gedanken durch den Kopf, der Fokus ist nicht da, du wirst ständig abgelenkt und so wirklich Bock hast du grade auch nicht. 

Welcome to my life!

Wenn ich über irgendwas wirklich ausführlich aus Erfahrung sprechen kann, besonders nach dem letzten Jahr, dann ist es Konzentration beim Üben. 

Fehlende Konzentration kann natürlich unterschiedliche Gründe haben. Müdigkeit, Unwohlsein und fehlende Energie sind da nur ein paar Möglichkeiten. Selbstverständlich haben wir Musiker*innen auch manchmal einfach keinen Bock zu üben! Freundet euch mit dem Gedanken an, auch alle jungen Musiker*innen und frisch Studierende. Es wird der Tag kommen, an dem ihr einen Tiefpunkt beim Üben habt und dann ist die Motivation so richtig im Keller! Konzentration und Motivation kann man diesbezüglich auch nicht unbedingt voneinander trennen. 

Über Motivation möchte ich heute nicht viel sprechen, das ist ein eigenes Thema und wird dieses Jahr von mir mit Sicherheit noch mehr behandelt. Wenn es also der Zustand ist „einfach gerade keinen Bock aufs Üben“ zu haben, dann hast du zwei Möglichkeiten: Du ziehst es durch, weil etwas Wichtiges ansteht oder du lässt es einfach! 

Wenn du allerdings ständig unkonzentriert bist, habe ich hier ein paar Tipps bzw. Empfehlungen für dich:

Ich habe mich seit Jahren mit dem Thema Hirnforschung beschäftigt, gehirngerechtes Lernen und Üben, sowie grundsätzlich über Neurowissenschaft Bücher gelesen. Ich bin selbstverständlich kein Arzt oder Neurobiologe, aber kann dir trotzdem einige Tipps aus dieser Sparte geben! 

Unser Gehirn besteht aus zwei Hälften, die in der Mitte verbunden sind. Das wirst du sicher wissen. Es gibt eine kreativ denkende und eine logisch denkende Hälfte. Zwischen diesen zwei Hälften gibt es einen sogenannten „Balken“, der übrigens bei uns Musizierenden stärker ausgebildet ist als bei nicht Musizierenden. Ein Ungleichgewicht beider Hälften kann auch zu Konzentrationsproblemen führen. Eine einfache Atemübung kann dieses Gleichgewicht wiederherstellen: die Wechselatmung.

Du hältst ein Nasenloch mit einem Finger zu, atmest ein und atmest auf dem gegenüberliegenden Nasenloch wieder aus, während du das zuhältst, auf dem du eingeatmet hast. Auf dem Nasenloch, wo du ausgeatmet hast, atmest du direkt wieder ein und auf dem anderen aus. Diesen Vorgang kannst du beliebig oft wiederholen. Ich selbst mache das immer acht bis zehn Mal und verspüre nach bereits fünf oder sechs eine deutliche Verbesserung meines Sauerstoffgehalts im Gehirn. Natürlich kann fehlende Konzentration auch durch fehlenden Sauerstoff entstehen. Mit dieser Übung gleichst du deine Gehirnhälften wieder aus und bekommst ausreichend Sauerstoff ins Gehirn! 

Diese Übung machst du selbstverständlich in einer Pause und am besten an der frischen Luft oder bei geöffnetem Fenster. Da kommen wir auch gleich zum nächsten Tipp: Pausen.

Pausen sind so unglaublich wichtig beim Üben und auch generell. Unser Gehirn lernt und verarbeitet Informationen in den Pausen und nicht beim aktiven Übe- oder Arbeitsvorgang. Natürlich generell am meisten im Schlaf! Während du also nach einer Übesession auf der Couch sitzt und was isst, einen Spaziergang machst, oder einen Film schaust, arbeitet dein Gehirn unterbewusst weiter an dem Neugelernten. Unglaublich, oder? Wie das möglich ist? 

Unsere Gehirnaktivität besteht zu fünfundneunzig Prozent aus Unterbewusstsein und nur aus fünf Prozent Bewusstsein. Du benutzt also im wachen Zustand gerade mal fünf Prozent deiner Gehirnaktivität für deine sechzigtausend bis achtzigtausend Gedanken, die du täglich denkst, Entscheidungen, die du triffst und Handlungen, die du ausübst. 

Fürs Üben habe ich da den Tipp für dich, mit der Pomodoro Technik zu üben. Die kommt aus dem Zeitmanagement und sagt: Fünfundzwanzig Minuten Aktion und fünf Minuten Pause. Diesen Zyklus kannst du viermal wiederholen und dann braucht das Gehirn eine längere Pause von zwanzig bis dreißig Minuten. Einfach mal ausprobieren, dazu kommt noch mal ein gesonderter Artikel. 

Ablenkungen beim Üben solltest du grundsätzlich minimieren und die mit Abstand größte Ablenkung unseres Jahrhunderts ist unser Smartphone! Es hat so viel Nützliches und Hilfreiches in unser Leben gebracht, aber auch so viel Negatives und eine chronische Ablenkung ist es auch. Es gibt eine wunderbare Funktion auf dem Smartphone, vielleicht kennst du sie schon: den Flugmodus! 

Benutze ihn während deiner Übesession und in den Pausen, tu dir den Gefallen: Lass ihn eingeschaltet. Du wirst sehr schnell merken, wie sich dein Üben verändert. Solltest du dein Metronom und Stimmgerät nicht auf einem anderen Gerät haben, kannst du durch den Flugmodus auch dein Smartphone auf deinem Notenständer liegen lassen, ohne Störung und Ablenkung. 

Letzter Tipp, vor allem für das Gedankenkarussell: Mach ein Brain Dump.

Lege dir einen Zettel bereit oder nimm deine Notizapp und schreibe diese Gedanken runter bevor du übst, dann nerven sie dich nicht beim Üben. Wie ein Brain Dump funktioniert, habe ich in diesem Artikel bereits ausführlich erklärt: Link. 

Ich hoffe diese Tipps helfen dir, dein Üben fokussierter und konzentrierter zu gestalten. 

Sollte es dennoch Tage geben, an denen es einfach nicht geht: Lass es! 

Ein Pausentag die Woche kann nicht schaden, sondern bewirkt eher Wunder bei einigen Problemen und kann verhindern, dass du dir noch mehr Fehler und Probleme einübst. 

Habe eine wundervolle Woche und viel Spaß beim Üben. 

Monatsplanung

Der erste Artikel im Jahr 2021 – Ich wünsche dir ein frohes Neues Jahr! Ich hoffe du hattest eine erholsame Zeit zwischen den Jahren und bist gut ins neue Jahr gestartet.

„Mach nur einmal das, von dem andere sagen, dass du es nicht schaffst, und du wirst nie wieder auf deren Grenzen achten müssen.“

James Cook (1728-1779) britischer Seefahrer und Entdecker

Heute möchte ich direkt die frisch gewonnene Motivation nutzen, die so ein Jahresneustart mitbringt, für ein klassisches Planungsthema. In größeren Einheiten zu planen ist grundsätzlich immer sehr empfehlenswert, wie z.B. Jahresplanung, Semesterplanung oder sogar einen Fünf-Jahres-Plan. Aber was ich noch viel wichtiger finde, ist zu wissen, was in den nächsten vier Wochen passiert. Einen Überblick über jeden Monat zu haben, entspannt mich persönlich, zu Beginn des Monats, immer enorm.

Ich plane wie immer gemütlich mit Kaffee und schöner Musik, ein paar Kerzen und meinem Bullet Journal und Kalender. Die Methode funktioniert aber natürlich auch mit einem digitalen Medium oder einfach mit einem Schmierzettel.

Solltest du in deinem Kalender oder deiner App keine Monatsübersicht haben, dann druck dir eine aus. Es gibt Monatsübersichten wie Sand am Meer im Internet. Solltest du einen Jahreskalender an deiner Wand haben, kannst du selbstverständlich auch den benutzen.

Ich gehe in fünf Schritten vor:

  1. Ich schreibe mir alle wichtigen Termine in die Monatsübersicht. Keine wiederkehrenden Ereignisse, sondern einmalige Termine, wie z.B. Konzerte, Prüfungen, Blockseminare, Geburtstage, Deadlines und Arzttermine. Wenn ich auf Reisen bin, markiere ich mir das meistens auch in einer bestimmten Farbe. Ich blocke mir zu Beginn des Monats immer freie Tage aus, das müssen selbstverständlich nicht die Sonntage sein, aber einen freien Tag pro Woche gibt es bei mir immer!
  2. Ich arbeite mit meiner Jahresplanung und meinen Zielen, schaue was diesen Monat wichtiges ansteht und formuliere mir Ziele für den Monat. Ich versuche es auf maximal vier bis fünf Ziele zu beschränken, aus unterschiedlichen Lebensbereichen. Mehr schaffe ich aus Erfahrung sowieso nicht. Diese Ziele kommen ebenfalls auf meine Monatsübersicht. Du kannst dir das aber natürlich auch an die Pinnwand hängen oder im Bullet Journal eine eigene Seite gestalten.
  3. Ich plane für den Monat meinen Gesundheits- und Sportbereich. Da ich ein sehr sportaffiger Mensch bin und gleichzeitig ein Planungsfreak, gibt es natürlich auch diesbezüglich einen Plan. Ich plane meine Joggingrunden, vor allem wenn ich ein größeres Laufziel habe, ich überlege, wann ich Zeit habe für Krafttraining oder kurze intensive Sporteinheiten, wann ich Fahrrad fahren könnte oder schwimmen gehen kann und wann ich längere Yoga Sessions einplanen möchte. Ich trenne ganz klar meine Sportziele von meinen anderen Lebensbereichen, weil ich es als Musikerin für einen sehr wichtigen Lebensbereich halte, damit wir unseren Job gesund ausführen können.
  4. Ich plane meine Projekte und Jobs, wie in meinem Fall: Podcasts, Blogartikel, Social Media im Allgemeinen, meine Unterrichts- und Workshoptätigkeit, Konzert- und Probenplanung und Studienangelegenheiten. Dazu arbeite ich vor allem im Bullet Journal und schreibe mir für die jeweiligen Bereiche Pläne und kleine To-Do-Listen.
  5. Ich fertige eine To-Do-Liste für den Monat an, da stehen nicht die kleinen Schritte, sondern eher dir größeren Überthemen drauf. Alles was in dem Monat wichtig ist und unbedingt erledigt werden muss, bekommt die Priorität eins. Alles was in dem Monat wichtig wäre, aber nicht so dringend, bekommt die Priorität zwei und die sogenannten „Nice-to-Have-To-Do’s“ bekommen die Priorität drei – wenn dafür dann noch Zeit ist.

Beim Planen bezüglich der To-Do-Liste und den einzelnen Plänen für die unterschiedlichen Bereiche in deinem Leben, habe ich noch den Tipp neben dem Priorisieren: Tu dir den Gefallen und überlege dir bereits beim Planen, wie viel Zeit diese Tätigkeit in etwa in Anspruch nehmen wird und wie viel Energie sie dich kosten wird. Eine Arbeit am Schreibtisch ist etwas anderes, als eine Aufnahme, die mit Fahrtzeit und körperlicher, sowie kognitiver Arbeit verbunden ist. Aktives Üben ist eine anstrengendere Tätigkeit, als seine Noten einzurichten. Ich denke du verstehst, was ich meine.

Beim Priorisieren gibt es ebenfalls einen Fehler, der sehr oft gemacht wird. Bei manchen stehen dann von zehn To-Do’s, acht mit der Priorität eins da. Das könnte entweder daran liegen, dass du im Monat davor zu wenig von den wichtigen Dingen erledigt hast oder du überschätzt bestimmte To-Do’s in ihrer Wichtigkeit. Bedenke bei dieser To-Do-Liste immer: Je kürzer, desto besser! Lange To-Do-Listen führen zu Frustration und Demotivation, weil du im Laufe des Monats feststellst, dass der Monat auch nur 28-31 Tage hat. Das klingt zu Beginn immer so viel, ist aber in der Realität oft erschreckend wenig. Denn zwischen all den To-Do’s hast du sowas wie einen Alltag, dein Studium, deinen Job, deine Hobby’s, deine Freunde und Schlafen solltest du selbstverständlich auch noch irgendwann.

Aus meiner Erfahrung, hast du effektiv am Tag nicht mehr als drei bis vier Stunden für die To-Do’s auf deiner Liste. Das solltest du bei der Planung bereits im Hinterkopf behalten, sonst hast du am Ende des Monats noch die Hälfte der To-Do-Liste, die dann in den nächsten Monat rutscht und das wird dann im Dezember sehr ungemütlich …

Die Monatsplanung ist grundsätzlich dafür gedacht, dass du den Überblick über den Monat behälst, aber sie ist auch dafür gedacht, dass du dich nicht überlädst mit Arbeit. Das erfordert etwas Übung und ich möchte mich auch in diesem Jahr dahingehend wiederholen: Du musst einen Scheiß!

Niemand muss seinen Monat planen, wenn er das für sinnfrei und Zeitverschwendung hält. Dann beschwere dich aber bitte nicht, und am Besten schon gar nicht bei mir, dass du immer alles vergisst, dir wichtige Deadlines durchrutschen, du Termine verpennst oder du irgendwie in deinem Leben nicht voran kommst!

Abschließend möchte ich dir den Rat geben: Du kannst To-Do’s oder Termine auch streichen, wenn du das Gefühl hast es wird zu voll! Wir erlauben uns das selbst oft nicht, weil das ja Schwäche bedeuten würde oder Inkompetenz sich und seine Zeit und Energie einzuschätzen. Alles Bullshit! Es kommen einfach manchmal auch Dinge im Jahr, die nicht vorhersehbar sind (ich denke das Jahr 2020 ist uns da sehr lehrreich in Erinnerung), die man nicht planen kann und somit zerschießen sie einem auch mal den Monatsplan. Das ist ok, akzeptiere das und plane ggf. neu.

Niemand ist unersetzlich und wie wir im letzten Jahr festgestellt haben: Man kann wirklich alles verschieben!

Einen guten Start ins neue Jahr 2021!

Jahresreflexion und Jahresplanung

Das Jahr 2020 war … sagen wir … durchwachsen. Aber mal abgesehen davon, mache ich jedes Jahr eine Jahresreflexion „zwischen den Jahren“ und plane mein nächstes Jahr. Vor zwei Tagen hatte ich ein wundervolles Webinar zu diesem Thema und heute geht auch zeitgleich eine Podcastfolge dazu online. Ich möchte dir die Möglichkeit geben, meine Tools für die Jahresreflexion und Jahresplanung zu nutzen, damit auch du von diesen kraftvollen Übungen profitieren kannst.

Los geht’s.

Vor der Planung ist das Hirn einzuschalten und nicht nur der Rechner.

Werner L. Hetterich (*1945) dt. Architekt

Jedes Jahr nach Weihnachten in der Zeit zwischen dem 27.12. und dem 01.01. des folgenden Jahres, mache ich mir es ein paar Stunden gemütlich mit meinem Bullet Journal und meinem Kalender. Ich mache mir einen Kaffee (oder seien wir ehrlich – es sind meistens eher zwei bis drei) und mache schöne Musik an.

Das erste Tool, welches ich euch gerne vorstellen möchte, ist sich Fragen zu stellen.

Fragen sind etwas unglaublich Wertvolles, vor allem, wenn wir sie uns selbst stellen. Alle Antworten, die du benötigst sind bereits in dir. Du darfst dich wieder mit diesem weisen Anteil in dir verbinden, der weiß genau was du brauchst oder was dich bedrückt. Es folgen einige Fragen aus meinem Arsenal für die Jahresreflexion:

  • Welche Ziele habe ich dieses Jahr erreicht?
  • Welche Erkenntnisse hatte ich in diesem Jahr? 
  • Was habe ich Neues gelernt?
  • Welche besonderen Menschen habe ich im vergangenen Jahr kennengelernt?
  • Mit wem oder was habe ich viel Zeit verbracht?
  • Wie viel Zeit habe ich gefühlt vor dem Smartphone/Tablet/Laptop verbracht? Ist das okay für mich oder möchte ich das ändern?

Das zweite Tool, was ich seit Jahren schon mache ist, mein „Erfolgsboard“.

Schreibe dir in der Mitte eines Blattes das Jahr 2020 auf und drum herum die zwölf Monate. Für jeden Monat lässt du etwas Platz und schreibst dir für jeden Monat auf, welche Erfolge du hattest. Hier geht es absolut nicht nur um berufliche oder schul/studientechnische Erfolge. Ein Erfolg kann es auch sein, dass du den Lockdown gut überstanden hast oder du einen schönen Waldspaziergang gemacht hast, an einer Yogachallenge teilgenommen hast oder wieder angefangen hast zu malen. Schreib dir für jeden Monat mindestens eine Sache auf. Ein erreichtes Ziel, ein Erfolg, ein schöner Moment oder eine schöne Begegnung.

Ziel der Übungen ist, dass du am Ende drei Dinge für dich klar benennen und aufschreiben kannst.

  1. Deine Erkenntnisse des Jahres 2020
  2. Dein größtes Erfolgserlebnis im Jahr 2020
  3. Dein schönster Moment im Jahr 2020

Solltest du nicht nur eine Sache haben, die du dort hinschreiben kannst, ist auch Platz für zwei oder drei Sätze, aber mindestens einer!

Das nenne ich dann positive Jahresreflexion! Natürlich kann man sich auch daran aufgeilen, wie beschissen und nervtötend das Jahr war, was alles nicht geklappt hat und wie viel ausgefallen ist. Zielführend und erheiternd ist das aber leider nicht.

Wenn ich mein Jahr reflektiert habe, gehe ich über zur Planung des nächsten Jahres. Ich versuche dabei immer die Erkenntnisse und das Gelernte aus dem letzten Jahr zu berücksichtigen, damit Fehler oder bestimmte Dinge nicht noch mal passieren. Dazu schreibe ich mir immer eine Not-To-Do-Liste, das ist übrigens Tool Nummer drei. Kann man jederzeit im Jahr machen, aber zu Beginn finde ich es immer sehr hilfreich, um bestimmte Gewohnheiten, die sich eingeschlichen haben, wieder rauszubekommen.

Da steht dann z.B. drauf: nicht nach 12 Uhr ins Bett gehen oder max. eine Stunde Social Media Konsum am Tag oder kein Kaffee nach 16 Uhr. Was auch immer dich in den letzten Wochen und Monaten gestört hat in deinem Alltag: schreib es auf, häng es dir an den Kühlschrank oder an deine Pinnwand oder den Spiegel im Bad, dort wo du es jeden Tag siehst.

Nun habe ich auch bestimmte Fragen, die ich mir im Bereich Jahresplanung jedes Jahr stelle:

  • Mit was möchte ich im Jahr 2021 meine Zeit verbringen?
  • Mit wem möchte ich im Jahr 2021 meine Zeit verbringen?
  • Mit was wollte ich schon lange anfangen oder weitermachen, aber es war keine Zeit dafür da?
  • Was tue ich im Alltag für mich?
  • Welche Ziele habe ich?

Bei den Zielen wird es jetzt spannend. Ich halte nichts, aber auch gar nichts, von Vorsätzen für das neue Jahr. Jedes Jahr die gleiche Leier am 31.12.: „Ich möchte weniger Alkohol trinken“, „Ich will mehr Sport machen“, „Ich muss mich gesünder ernähren“ oder mein Highlight „Ich muss mit dem Rauchen aufhören“. Das sind so die gängigsten „Vorsätze“ der Nation und ich sage dir, wie lange die sich halten: im Normalfall maximal drei bis vier Wochen. Dann ist es vorbei mit den „gesunden und guten Vorsätzen“. Das liegt an einem ganz einfachen Phänomen. Unsere Gehirnaktivität steuern wir nur zu 5% bewusst, die restlichen 95% laufen Unterbewusst ab. Wenn wir also etwas an unseren Gewohnheiten verändern wollen, müssen wir mehr machen als uns nur gut zuzureden und dann versuchen innerhalb von drei Tagen alle Vorsätze gleichzeitig umzusetzen!

Ein tolles Tool hierfür ist, sich Ziele zu setzen.

Wenn du dir Ziele setzt, kannst du auch besser den Erfolg messen. Nehmen wir mal das Beispiel: „Ich will mehr Sport machen“. Was ist „mehr“ und welchen „Sport“? Noch vager, kann man den Satz eigentlich gar nicht formulieren. Hast du vorher irgendeinen Sport gemacht? Hat der dir Spaß gemacht? Nein? Dann könnte das zum Beispiel auch der Grund sein, warum du ihn nicht mehr machst.

Ein Ziel definiere ich immer mit einer fiktiven Deadline und einer konkreten Formulierung: „Am 01.03.21 laufe ich einen 5 km-Lauf in 30 Minuten“. So, da habe ich ein Datum, bis wann ich das erreicht haben möchte, ich habe eine Zielstrecke bei einem konkreten Sport und eine Zielzeit. Wenn du jetzt nicht so der Lauf-Typ bist, ist das gar nicht schlimm. „Ich mache drei Mal wöchentlich 20 Minuten Yoga“. „Ich gehe jeden Tag mindestens 30 Minuten spazieren“. „In einem Jahr habe ich zehn neue Sportarten ausprobiert.“ Alles besser als: „Ich will mehr Sport machen“.

Schon hast du dir ein Ziel gesetzt. Wichtig, schreib es dir auf, egal wohin! Allerdings reden wir jetzt nur von Sport, also dem Gesundheitsbereich in unserem Leben. Wir können uns aber in allen Lebensbereichen Ziele stecken. Dazu stelle ich dir mein letztes Tool für heute vor: Level 10 Life Strategie. Die ist natürlich nicht von mir, ich persönlich habe sie von verschiedenen Coaches schon als Übung gesehen und muss sagen, sie ist wirklich eine sehr wertvolle Übung.

Du malst auf ein Blatt Papier einen großen Kreis, unterteilst den Kreis in zehn Felder und schreibst dir deine zehn Lebensbereiche jeweils außen an jedes „Kuchenstück“ dran. Die zehn Lebensbereiche könnten so aussehen:

  • Berufliche Erfüllung
  • Familie & Freundschaft
  • Gesundheit & Fitness
  • Geld & Finanzen
  • Spiritualität
  • Partnerschaft & Liebe
  • Räumliche Umgebung
  • Abenteuer, Spaß & Freizeit
  • Gesellschaftliches Engagement
  • Kreativität

Du kannst natürlich auch welche austauschen, je nachdem wie es bei dir im Leben aktuell aussieht. Jetzt überlegst du dir in jedem Lebensbereich, wie erfüllt und zufrieden du gerade bist. Oft verlagern wir unsere Aufmerksamkeit auf zwei bis drei Lebensbereiche und vernachlässigen die anderen. Leider sind das unter anderem auch Gründe dafür, warum es uns schlecht geht, warum wir gestresst sind, warum wir nicht glücklich sind. Wir brauchen alle Lebensbereiche um ausgeglichen zu sein, nicht jeder gleich stark, aber jeder sollte über die Zeit Aufmerksamkeit bekommen. Die zweite Frage, die du dir dann stellen darfst, ist wie wichtig ist mir der jeweilige Lebensbereich? Also ist die geringere Erfüllung in dem Lebensbereich vielleicht okay, weil ich ihn gar nicht so wichtig erachte.

Wenn all das auf deinem Zettel steht, schreibst du dir Ziele für jeden Lebensbereich auf. Wichtig hierbei: Nicht jedes Ziel muss sofort oder gar dieses Jahr umgesetzt werden. Du kannst dir auch Ziele hinschreiben, die vielleicht erst in drei bis fünf Jahren umgesetzt werden können. Ich finde es unfassbar, wie sich mein Leben verändert hat, seit ich das jedes Jahr (mehrfach) mache. Das ist wie ein Software-Update beim Laptop.

Nachdem die Ziele klar sind, beginne ich damit, mir zu überlegen, wann ich diese umsetzen kann. Wann im Jahr habe ich Zeit, mich auf die jeweiligen Dinge zu konzentrieren. Ich breche größere Ziele runter zu Teilzielen und stecke sie mir über das Jahr ab. Bei einigen Zielen ist auch dein Warum sehr entscheidend! Wenn du Laufen willst, weil du abnehmen möchtest, ist das ein anderes Warum, als wenn du das tust, um fitter und gesünder zu werden. Das eine ist negativer geprägt in den meisten Fällen, das andere positiv. Schreibe dir ggf. dein Warum zu dem Ziel dazu!

Neben diesen Übungen, trage ich natürlich auch schon wichtige große Termine in meinen Kalender, sowie Geburtstage und Ferien bzw. freie Zeit.

Das ist es auch schon. Wie du vielleicht bemerkt hast, ist das einiges an Übungen und ich mache das für gewöhnlich nicht an einem Tag! Meistens nehme ich mir dafür drei bis vier Tage und gönne mir Pausen zwischendrin. Das ist unglaublich motivierend, wenn das Jahr startet und du hast einen genauen Plan, wie du privat oder beruflich weitermachen möchtest. Und Ziele sind immer besser als Vorsätze! Konkret, effektiv und erfolgsverdächtig.

Viel Spaß beim Reflektieren und Planen. Ich wünsche dir nun ein wundervolles Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2021! Und vergiss nicht, wir haben dieses Jahr gemeistert und können darauf sehr stolz sein.

Eure Saskia