Wie viel Energie habe ich zur Verfügung?

Energie ist die Währung unseres Körpers. Alles, wirklich alles, was wir tun benötigt Energie. Ich rede jetzt nicht nur von Kilokalorien, aber auch das ist eine Einheit, in der man Energie messen kann. Keine Angst, dieser Artikel wird jetzt keiner von der Sorte, in dem ich dir sage du musst mehr Sport machen oder deine Kalorien zählen – bitte mit sowas am besten gar nicht erst anfangen.

Du weißt ja: Du musst einen Scheiß! 

Heute geht es um Energie, nicht nur in Form von Bewegungsenergie. Wie du sicher schon bemerkt hast, kostet dich eine kognitive Tätigkeit wie z.B. Schreiben, Lesen, Planen oder Üben auch sehr viel Energie – da bewegst du dich unter Umständen aber nur wenig bis gar nicht. Damit dir ein bisschen klarer wird, worauf ich heute hinaus will möchte ich eine kleine Geschichte erzählen. 

Vor über einem Jahr gab es einen Tag, an dem ich zwei Auftritte am selben Tag hatte. Grundsätzlich ist das etwas, womit ich keine Probleme habe. Ich spiele sehr gerne und war auch gut vorbereitet, sodass man von außen betrachtet sagen könnte: „Alles gut, das wird zwar anstrengend, aber ich schaffe das!“ 

Eine Stimme in mir, die damals noch sehr leise war, sagte mir aber schon Monate davor: „Lass es! Das wird zu hart!“. Es gab Diskussionen in mir, es gab Diskussionen außerhalb mit Lehrenden, Pro und Contra – am Ende habe ich mich entschieden, diese beiden Konzerte zu spielen. Ich hatte da große Lust drauf, es waren auch zwei sehr besondere Konzerte für mich und ich wollte nicht eins davon nicht machen, zugunsten des anderen. Klassische Entscheidungsproblematik. Also habe ich mich dafür entschieden, die Zähne zusammenzubeißen und das durchzuziehen. Man will ja auch kein Weichei sein oder Schwäche zeigen…

Dann kam der große Tag. Mir ging es sehr gut am Morgen und ich war guter Dinge. Nach dem ersten Konzert am Vormittag, hatte ich bereits einen halben Kreislaufkollaps. Das lag natürlich auch an der (zeitgenössischen) Musik, die ich dort spielte, aber auch an dem körperlichen Anspruch dieses Stückes an mich. Ich wusste innerlich zu dem Zeitpunkt schon: diese Stimme von vor ein paar Monaten – sie hatte Recht. Jetzt einzuknicken kam für mich allerdings nicht in die Tüte. Ich bin ja kein Schwächling…

Mittags hatte ich eine kurze Pause, in der ich mich ausruhen konnte. Dann ging es aber schon weiter zur Anspielprobe des nächsten Konzerts, in dem ich nicht nur über 60 Minuten spielte, sondern teilweise auch noch moderierte. Das hatte ich irgendwie energetisch nicht ganz so auf dem Schirm. Aber hey, ich bin ja hart im Nehmen…

Das zweite Konzert lief gut, ich merkte allerdings nach wenigen Minuten bereits, dass ich auf meinen persönlichen Notstromaggregaten umgestellt hatte. Oder wie ich so gerne sage, ich lief schon auf dem Zahnfleisch nach dem ersten Stück. 

Das Konzert war rum und mein Körper signalisierte mir den Alarmstufe Rot Zustand. Ich hatte massiv meine energetische Grenze überzogen an diesem Tag und die Quittung dafür erhielt ich dann die kommenden Tage. Ich lag drei ganze Tage wie erschossen auf der Couch. Ich war nicht krank, also keinerlei Erkältungssymptome oder ähnliches, aber ich habe mich gefühlt, als hätte mich ein LKW überfahren und zwar mindestens zehn Mal. Mir tat alles weh, ich war einfach müde und antriebslos und ich habe zwischen 12 und 14 Stunden geschlafen über den Tag verteilt.  

Warum ich dir das erzähle? 

Mir wurde im Vorhinein von einigen Menschen gesagt, ich sei ja so ein Energiebündel und ich würde das locker schaffen. Von Menschen, die glauben mich so gut zu kennen, dass sie sogar meine Energiegrenzen kennen. Ich habe das geglaubt und es mir selbst auch eingeredet. Die Erkenntnis, dass niemand von außen das einschätzen kann außer mir selbst – traf mich hart und war ein Tritt in meine Eier(stöcke). Ausgelöst von mir selbst. 

Praktischerweise bin ich selbstreflektiert und selbstkritisch, ich hatte das relativ schnell für mich klar. Aber eine Sache lies mich seitdem nicht mehr los: Menschen in meinem Umfeld wollen mir sagen was ich energetisch leisten kann und was nicht. Menschen in meinem Umfeld meinen zu wissen, was gut für mich ist und was nicht. Das ist keine Schuldzuweisung an diese Menschen, im Gegenteil, es ist ein Eingeständnis: ich darf und will Verantwortung für mich und meine Entscheidungen übernehmen.

Eigenverantwortung ist dieser Tage ein spannendes Thema. Darauf gehe ich auch in dem ein oder anderen Artikel noch mal näher ein.

Worauf ich heute abziele ist aber das Thema Energie und Grenzen unserer Energie. Die kennen nämlich nur wir selbst und so individuell wie wir Menschen sind, so individuell ist auch unser Energiehaushalt. Es ist unglaublich wichtig, dass du dir zugestehen darfst, nicht dieselbe Energie an den Tag legen zu müssen wie jemand in deinem Umfeld. Es kommt auch nicht nur auf unseren individuellen Energiehaushalt an, sondern auch auf unsere Motivation der Tätigkeit, für die wir die Energie bereitstellen.

Kurz gesagt: wenn du für etwas brennst und etwas richtig gerne tust, wirst du dafür viel mehr Energie bereitstellen können, als für eine Tätigkeit, an der du weder Freude empfindest noch in der du einen Sinn siehst. Wenn du zusätzlich am Motivationsfaktor auch noch gut bist in dem was du tust, durch Übung/Erfahrung oder einfach durch Talent, dann wirst du auch mehr Energie dafür haben bzw. energiesparender bei der Tätigkeit sein. 

In unserem Mikrokosmos der Musiker*innen bedeutet das z.B., es gibt Menschen in unserer Branche, die kostet das Unterrichten von Schüler*innen mehr Kraft und Energie als andere. Das kann an der Erfahrung liegen, denn mit der Erfahrung wächst auch die Fähigkeit bestimmte Unterrichtsbausteine im Autopiloten zu unterrichten. Es kann auch daran liegen, dass man es einfach liebt Menschen Wissen und Fähigkeiten auf dem Instrument beizubringen. Wenn du liebst was du tust, fällt es dir viel leichter, als wenn du dich dazu zwingen musst. Leider ist aber auch eine sehr motivierte und leidenschaftliche Lehrkraft irgendwann mal ‚leer‘. Ich gebe immer gerne das Bild einer Energieanzeige (wie eine Tankfüllung im Auto) im Ampelsystem, also von Grün nach Rot. Es gibt einen Reserve Bereich, wie beim Auto, die dir sinngemäß sagt: „Bitte tanken – du kommst noch 50 km weit“. Wenn du das nicht machst? – Genau. 

Das passiert uns Menschen auch. Da muss dann schlimmstenfalls auch der Abschleppwagen kommen…sinngemäß. 

Wann bei dir diese Reserven angezapft werden, kannst nur du spüren. Wenn man es dir ansieht, dann ist es meistens schon zu spät. Du kennst bestimmt diese Sätze: „Boah, du siehst echt fertig aus. Hast du viel Stress im Moment?“. Ich denke mir dann immer, na vielen Dank auch. Aber oft ist das absolut korrekt und ich bin eigentlich schon lange im Reservenmodus und komme nicht mehr wirklich raus. 

Wie du deine Energiereserven bzw. deinen Tank wieder auffüllst, darüber schreibe ich in einem anderen Artikel. 

Einen Tipp zum Abschluss habe ich noch für dich: 

Höre auf dein Bauchgefühl und wenn du nicht mehr kannst, dann lass es! 

Fahre nicht zu lange in diesem Alarmstufe Rot Bereich, es kostet dich deine Gesundheit und deine Lebensfreude. Vertrau mir, ich weiß wirklich wovon ich spreche und bin da leider nicht sehr stolz drauf. Es gibt Menschen, die denken ein Beipass ist ein Leistungsnachweis oder nur wer richtig Stress hat arbeitet auch hart.

„Nur die Harten kommen in den Garten.“ Das ist Bullshit! Sorry für den harten Ausdruck. Die Harten kommen dann ggf. irgendwann ins Grab, da wachsen zwar auch Blumen, aber ich glaube diesen „Garten“ meinte man damit nicht…

Wenn du dich schon in den Zwanzigern ins Burn-Out oder in chronische Erkrankungen schießt, dann ist das kein Leistungsnachweis, sondern es einfach unfassbar beschissen. Du kannst deine Ziele nur erfolgreich erreichen mit einem gesunden Körper und einem gesunden Geist. Wenn eins davon am Arsch ist, wird das leider nichts. 

Um deinen Körper gesund zu halten und das zählt für mich absolut ins Themenfeld Selbstmanagement, brauchst du ein gesundes Energiemanagement.

Stell dir ein paar Fragen, um dir darüber im Klaren zu sein, was für dich gilt und zwar nur für dich – nicht für andere:

  • Was sind meine persönlichen körperlichen Anzeichen für Stress?
  • Fällt mir spontan eine Situation ein, in der ich über meine Grenze gegangen bin und dafür die Quittung bekommen habe?
  • Wie viele Pausen brauche ich am Tag oder in einer Woche und nehme ich mir die?
  • Wo liegt die Grenze, über die ich nicht gehen sollte?

Die letzte Frage ist nicht unbedingt einfach zu beantworten und musst du auch nicht jetzt beantworten. Mein Ziel ist es mit diesem Artikel, dass du achtsamer mit deiner Energie umgehst und dir klar machst, dass nur du deinen Alltag bewältigen muss. Niemand macht das für dich, auch nicht die, die dir Ratschläge geben. Ich kann für dich diese Dinge nicht umsetzen, das tust du entweder selbst oder du lässt es. 

Deine Entscheidung. Deine Gesundheit. Dein Energiehaushalt. Dein Alltag. Deine Verantwortung. Dein Leben.

Niemand hat darüber zu bestimmen oder sich einzumischen, aber du darfst diese Verantwortung annehmen und die Entscheidung das zu tun – ist einfach unbeschreiblich befreiend. Im ersten Moment vielleicht auch beängstigend, für seine Handlungen, seine Gedanken und seine Gefühle Verantwortung zu übernehmen. Manchmal auch erschreckend. Aber dann auch befreiend und es öffnet dir unfassbar viele Möglichkeiten und Chancen erfolgreich zu sein und deine Ziele zu erreichen. 

Also bleib gesund und übernimm Verantwortung für deinen Körper. 

Er wird es dir danken!

Wenn dir dein Körper in den Hintern beißt…

In den letzten sechs Monaten wurde so viel wie noch nie über Gesundheit gesprochen, geschrieben oder geteilt – bzw. mehr über Krankheit, als über Gesundheit…

Eigentlich war es früher einigen Menschen sogar ziemlich egal, wenn sie andere angesteckt haben. Ich hatte regelmäßig in der Musikschule kranke Schüler*innen in der Erkältungszeit, die sich krank in die Schule und dann natürlich auch krank zu ihrem Musikunterricht geschleppt haben. Ich habe auch Fälle erlebt, da kamen Kinder oder Jugendliche mit Fieber in meinen Unterricht. Einerseits ja ein großes Kompliment, wenn die Schüler*innen sogar noch krank in den Musikunterricht kommen – dann macht es ihnen ja offensichtlich Spaß. Über die Ansteckungsgefahr eines nießenden Kindes auf die Klaviertasten brauche ich hier wohl nicht hinzuweisen. (Das war allerdings die letzten 8 Jahre in denen ich unterrichtet habe immer allen egal!)

Andererseits wurde so eine weitere Generation dazu erzogen: „sich mal nicht so anzustellen“ oder „ach das bisschen Schnupfen“ oder „kein Weichei zu sein“ oder „auf die Zähne zu beißen und das durchzuziehen“…

Hat sich dieser Umstand jetzt in der Coronazeit geändert?

Bei all der Berichterstattung der öffentlich rechtlichen Medien und der Aussagen von unterschiedlichen Politikern (die meiner Meinung nach eigentlich kein Recht haben über meine Gesundheit zu bestimmen), habe ich persönlich noch nicht das Gefühl gehabt, es gehe hier um Gesundheit! Ich weiß nicht wie es dir geht, aber für mich bedeutet Gesundheit: physische und psychische Gesundheit. Mal abgesehen davon, dass einem gesunden Körper mit ausgewogene Ernährung, viel Flüssigkeit, ausreichend Schlaf, Bewegung und viel frischer Luft (am Besten in der Sonne) alles wichtige gegeben ist, ich allerdings von diesen Themen wenig bis gar nichts in den Medien lesen kann, wird über psychische Gesundheit schon mal gleich gar nicht gesprochen! Manche würden hier jetzt ansetzen mit bösen Unterstellungen oder mit Mutmaßungen, ich werde mich von solchen Methoden aber distanzieren.

Schwierig wird es allerdings, wenn durch etwaige Maßnahmen einem die Luft zum atmen, die ja eigentlich so wichtig für unsere Gesundheit ist, einfach genommen wird. Einige Maßnahmen machen leider für mein Verständnis von Gesundheit absolut kein Sinn und ich weiß – ich bin mit dieser Auffassung nicht alleine! Darum soll es in diesem Artikel aber nicht gehen…

Ich möchte näher darauf eingehen wie spannend es ist mit anzusehen, wie einen der Körper außer Gefecht setzen kann. Besonders interessant für mich ist hier die Ursache herauszufinden.

Unser Immunsystem, bei einem gesunden Menschen ohne chronische Erkrankungen oder Vorerkrankungen, steckt ziemlich viel weg. Es gibt aber ein paar Dinge, die unser Immunsystem runterfährt – auch bei einem gesunden Menschen wie mir. Dazu gehört natürlich Stress! Ich glaube ich muss das niemandem erklären, jeder weiß wovon ich spreche. Stress ist einer der Immunsystemkiller schlecht hin. Angst produziert im Körper übrigens Stresshormone, man bedenke das, wenn man demnächst das Gefühl hat von panischen und ängstlichen Menschen umgeben zu sein…

Unser Körper hat einige Warnsignale die er bringen kann: Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Müdigkeit, Energielosigkeit, Schlaflosigkeit usw.

Bildlich gesprochen gibt es so eine Art Energieanzeige in unserem Körper und viele Menschen bewegen sich sehr lange im orangenen und hellroten Bereich – für Wochen oder sogar Monate. Wenn etwaige Symptome nicht beachtet werden, keine Ruhepausen eingelegt werden, die Energie zu sehr ausgereizt wird…ja, jeder weiß was passiert: wir werden krank! Der Körper ist plötzlich anfällig (übrigens nicht nur für Coronaviren) und es erwischt einen mit einer Erkältung, einem grippalen Infekt oder einer Grippe. Ja das sind alles unterschiedliche Krankheitsbilder, lass es dir gesagt sein ich war früher öfter krank…

Über Langzeitfolgen von Stress möchte ich hier und heute auch nicht sprechen, sollte aber vielleicht in einer der vielen Talkrunden im ZDF & Co. mal wieder dringend getan werden!

Warum ich diesen Artikel heute schreibe? Ich liege gerade krank im Bett. Ich habe eine Schwachstelle am Körper, die immer anschlägt wenn ich es überreizt habe. Mir passiert das zwar deutlich seltener als früher, aber dennoch liege ich hier und es nervt tierisch. Ich hätte mich noch vor wenigen Jahren einfach darüber aufgeregt, dass ich krank bin – man wird dann übrigens nicht schneller gesund, nur weil man sich drüber aufregt.

Heute bin ich an dem Punkt zu reflektieren, woran das liegen könnte. Unser Körper kommuniziert den ganzen Tag mit uns, er teilt uns mit wenn ihm etwas nicht passt, ihm etwas nicht gut bekommt oder er etwas nicht mehr schafft. Leider hören wir immer weniger auf diesem Kanal zu und ich frage mich ernsthaft woran das liegt! Ich bin der Meinung, wir dürfen diesem wundervollen Körper in dem wir hier auf diesem Planeten wandeln auch mal zuhören, vor allem wenn er nicht mehr kann. Ich bin der Meinung, dass es nichts aber auch gar nichts mit Schwäche zu tun hat, wenn man dem nachgibt und sich ausruht. Ich bin der Meinung, dass viele Menschen einfach nicht mehr auf ihren Körper hören, weil sie es irgendwann abtrainiert haben. Wir hören auf Empfehlungen von aussen, von Behörden, von Organisationen, von Politikern, aber auf unseren eigenen Körper nicht mehr? Das muss mir mal einer erklären!

Ich kann dir nur eindringlichst dazu raten, den Kommunikationskanal mit deinem Körper wieder aufleben zu lassen. Kein Arzt oder Ärztin, kein Familienmitglied oder Partner*in kann dir das abnehmen. Du alleine wohnst in diesem Körper, der den ganzen Tag 100% für dich gibt! Du bist selbst für diesen Körper verantwortlich – nicht die WHO, nicht das ZDF und schon gar nicht Frau Merkel! Wenn du krank wirst ist das meisten ein kleiner bis großer Tritt in deinen Hintern, sozusagen die letzte Methode die unser Körper zum kommunizieren hat. Er sagt einem dann ganz klar: „So Fräulein und du bleibst jetzt mal für ein paar Tage liegen und füllst deine Energiereserven mal wieder anständig auf. Ich sage wann es weiter geht und nicht du!“

Diesen Satz oder zumindest sinngemäß, bekam ich vor ein paar Tagen um die Ohren und ich wusste wieder: Ich bin zu weit gegangen. Jetzt liege ich hier mit meinem Tee und meinen Lutschpastillen und muss die Klappe halten – jeder der mich kennt weiß, wie unfassbar schwer mir das fällt. Während ich so am reflektieren war, was die letzten Wochen los war und woran das liegt, dass ich nun hier liege, sind mir so einige Antworten gekommen. Zeitgleich kam in mir der Gedanke auch über dieses Thema auf diesem Blog zu schreiben.

Für mich gehört dieser Artikel absolut in den Bereich „Energiemanagement“, denn eines ist ganz sicher: wenn ich die letzten Wochen besser mit meiner Energie gehaushaltet hätte und achtsamer mit meinem Körper umgegangen wäre, läge ich nun nicht hier!

Wer näher zu dem Thema in eine Podcastfolge einsteigen will, vor einer Woche ging dazu eine online:

https://www.podcast.de/episode/490684768/Energiemanagement/

Trotzdem bin ich meinem Körper immer wieder dankbar für seine Warnsignale. Ich möchte hiermit einfach ein bisschen Bewusstsein dafür schaffen, dass wir keine Maschinen sind und es irgendwann einen Punkt gibt, wo unser Körper uns eben in den Hintern beißt…

Bleibt Gesund und Grüße aus dem Krankenlager!

Was die Zeit so bringt…

Ein Jahr ist es her, da saß ich um 22.56 Uhr an meinem Küchentisch und habe meine Sorgen, Ängste, Befürchtungen und Glaubenssätze über Bord geworfen und diesen Blog gestartet. Genau heute vor einem Jahr ging mein erster Blogartikel online. Ich hatte die Idee für diesen Blog schon Wochen vorher, bekam aber leider mit jedem Tag mehr Zweifel, ihn zu machen. Ich hatte vor vielen Dingen Angst – vor Beurteilung, vor Ablehnung, davor als überheblich oder arrogant zu wirken und davor Menschen auf die Füße zu treten mit meinen Worten.

Ich hab dann an diesem Abend einfach drauf geschissen, nach dem ersten Modul des I AM Kurses von Laura Malina Seiler. Ich habe mir auf meinen ‚Action‘ Zettel geschrieben: Blog starten!

Ich hatte schon genug darüber recherchiert, ich wusste wie das geht, nachdem ich mir erst mal 14 Tage lang erzählt hatte, ich könne sowas eh nicht. Mein innerer Kritiker sang gemeinsam mit dem verletzen Kind in mir solch tolle Glaubenssätze wie: „Du bist dafür nicht gut genug!“ – „Niemand interessiert was du zu sagen hast!“ – „Die werden dich wieder für arrogant halten, du kennst das doch schon!“ – „Du willst das doch gar nicht!“ – „Du hast nicht genug Erfahrung dafür!“ – „Wer bist du eigentlich, dass du den Leuten erzählen willst, wie man sich organisiert!“. Sie sangen es übrigens im Kanon und in Endlosschleife, es war traumhaft…

Ich suchte also bis zum 12.09.19 ausschließlich Gründe, warum es nicht geht. Unser innerer Kritiker mag absolut keine Veränderung und das habe ich auf voller Linie zu spüren bekommen.

An diesem Abend fand ich allerdings einige Gründe für den Blog und meine Motivation, mein Warum dahinter. Es war mir plötzlich egal, was andere denken könnten. Mir war es wichtiger, was es bei denen auslösen kann, die Hilfe brauchen und sie dann dort finden würden. Ich hatte eine Vision davon, wie ein Studierender irgendwo in Deutschland sitzt und Probleme mit seinem oder ihrem Selbstmanagement hat, unmotiviert und uninspiriert ist, keine Ahnung hat wie er oder sie eine Struktur in den Studienalltag bekommen soll – dann recherchiert und auf meinen Blog stößt.

Meine Devise in dem Moment war:

Wenn es nur einem hilft, dann hat es sich schon gelohnt!

Der Name „Managemusik“ war in dieser Nacht eine Eingebung und absolut nicht vorher geplant, er fiel mir ein, als ich eine Domain brauchte! Ich schrieb also meinen ersten Artikel und baute die Seite auf WordPress, ich lud alles hoch und zack – er war online.

Heute, ein Jahr später, sind auf diesem Blog über 30 Artikel zu finden – rund um die Themen Selbstmanagement, Motivation, Planung und persönliche Weiterentwicklung. Meine Zielgruppe hat sich bereits um einen Großteil erweitert, denn am Anfang dachte ich, ich schreibe nur Musikstudierende an. Es kamen Schüler*innen, Studierende aus anderen Fachrichtungen, Selbstständige, Arbeitnehmer und bereits abgeschlossene Musiker*innen und lasen meine Artikel. Die Rückmeldungen die ich in den letzten Monaten erhielt, sind absolut überwältigend. Die Reichweite die dieser Blog bekommen hat, übersteigt meine kühnsten Vorstellungen! Wie bereits erwähnt, ich dachte mir, wenn es nur einer oder einem hilft, freue ich mich – mit dem was zurückkam, hatte ich nicht gerechnet!

Am 09.02.20 veröffentlichte ich meine erste Podcastfolge auf dem gleichnamigen Podcastkanal „Managemusik“. Ich hatte auch bei diesem Medium lange den Wunsch und den Ruf in mir, einen Podcast zu machen. Die Glaubenssätze beschäftigten mich auch dort, allerdings kam die Unterstützung durch den anderen Podcast „Die Musikerschmiede“ mit Manuel Hilleke dazu und meine Idee eines eigenen Podcasts brauchte dann nur etwas mehr Zeit. Ich zähle dort seit Beginn über 1500 Downloads meiner Folgen. Als ich diese Statistik gesehen habe, traute ich meinen Augen kaum, ich hatte zu diesem Zeitpunkt ja gerade mal 20 Folgen online. Bei einem Nischenpodcast hat mich das doch sehr umgehauen, denn auch dort galt für mich: Wenn es nur einem hilft, dann hat es sich gelohnt!

Die Rückmeldungen beim Podcast waren ähnlich überwältigend und zahlenmäßig überraschend, wie zuvor beim Blog. Es fehlte also nur noch eins: Der YouTube-Kanal, um das letzte Medium „Video“ auch noch abzudecken. Der Kanal ging online am 28.07.20.

Wenn du mir vor 13 Monaten gesagt hättest, dass ich ein Jahr später einen Blog, Podcast und YouTube-Kanal betreiben würde, sowie beruflich Social Media professionalisiert hätte, ich hätte dich schallend und missbilligend ausgelacht. Ich wollte keine Influencerin sein, ich wollte auch keine YouTuberin sein. Podcasterin schon, aber alles andere war zu diesem Zeitpunkt für mich absolut nicht in meinem Kopf realisierbar. Der Witz ist: Ich sehe mich auch nicht als YouTuberin oder Influencerin, ich finde diese Begriffe und Bezeichnungen haben eine solcher gesellschaftliche Abwertung erfahren, dass ich mich damit nicht betiteln wollte.

Mein Warum ist mittlerweile deutlich geworden, auch bei den Lesern und Hörern und Zuschauern meiner Medien. Ich möchte dich motivieren, inspirieren, informieren und dir einen Weg aufzeigen in ein erfolgreiches Studium und erfolgreiches Berufsleben. Ich liebe es, das zu tun, genauso wie ich es liebe zu unterrichten und zu musizieren bzw. zu konzertieren. Ich lebe das, was ich hier empfehle selbst. Ich bin ehrlich und authentisch und nehme kein Blatt vor den Mund. Ich halte dir den Spiegel vor, auch wenn das manchmal weh tut. Ich unterhalte dich mit Themen oder meiner Art, zaubere dir vielleicht ein Lächeln ins Gesicht oder wie ich mal gelesen habe auch mal eine Träne. Ich berühre Menschen mit dem was ich hier tue und genau das war mein Ziel!

Ich habe es erreicht und bin noch lange nicht am Ende angekommen. Ich habe neue Ziele und bin motivierter denn je, so viele wie möglich in ihre Kraft und ihren Erfolg zu bringen und wenn ich nur einen kleinen Teil dazu beitragen kann, freu ich mir schon einen Ast ab. Eure Nachrichten und Kommentare machen mich jeden Tag glücklich und geben mir Energie, dass ich richtig gehandelt habe. Meine Vision bestätigt sich täglich und ich werde nicht aufhören, mein Herzblut hier rein zu stecken, authentisch und ehrlich zu informieren und zu motivieren und dem ein oder anderen einen Arschtritt zu verpassen.

Die Zeit bringt manchmal Dinge mit sich, die wir uns gar nicht vorstellen können. Das ist wunderbar und ich bin unglaublich dankbar für jeden, der diesen Blog liest, der meine Podcastfolgen hört, meine Videos schaut, mir auf Social Media folgt und den ich unterstützen darf. Danke euch, denn ohne euch wäre das alles hier nicht möglich!

Happy Birthday – Managemusik!

Brauchst du einen Übeplan?

Da kommt er endlich, der lang ersehnte Artikel und Start in ein Themengebiet, bei dem ich bisher etwas zögerlich war. Ich wurde mehrfach gefragt, ob ich darüber sprechen und schreiben könne, wie ich meine Übepläne gestalte. Das tue ich natürlich sehr gerne, ist aber mit einigen Hürden meinerseits verbunden gewesen.

Den ersten Gedanken an diesen Artikel hatte ich bereits im November letzten Jahres. Da habe ich meinen Plan für den Wettbewerb entworfen, welcher ja dieses Jahr Corona-bedingt nicht stattfand. Ich dachte mir damals schon: „Das wäre natürlich ein sehr wichtiger Artikel, der Mehrwert bietet und vielen Studierenden Inspiration bringen kann.“ Da hatte ich natürlich weder meinen Podcast noch meinen YouTube Kanal gestartet. Jetzt wo all das da ist, kam ich etwas in die Denkspirale – Wie und Wo postest du das am Besten?

Ich habe mich entschieden: auf allen Kanälen! Ein Artikel oder eine Podcastfolge reicht da leider nicht. Deshalb kommt zu diesem Themenfeld jetzt ebenfalls vermehrt Content und dieser Artikel ist der Start. In meinen Workshops hat sich herausgestellt, dass das eines der essentiellsten und wichtigsten Themen für Musikstudierende darstellt. Hätte ich auch selbst drauf kommen können, aber für mich war das im ersten Moment nicht so deutlich, wie es das vielleicht für dich jetzt ist!

Auf die Frage: „Brauchst du einen Übeplan?“ – antworte ich intuitiv mit: „Auf jeden Fall!“. Vielleicht geht es dir genauso, aber du stellst dir gleichzeitig die Frage: „Wie erstellt man einen guten Übeplan?“. Vielleicht hast du dir diese Frage auch noch nie gestellt und bist jetzt verwundert, wie man sich nicht einfach in den Überaum begeben kann und einfach drauf los ballert. Vielleicht hast du dir auch schon Übepläne gemacht und dabei die Erfahrung, dass es dir nicht hilft oder du die Pläne nicht durchhalten konntest.

Eines ist auf jeden Fall schon mal ganz klar:

„Der Ziellose erleidet sein Schicksal – der Zielbewusste gestaltet es“

Immanuel Kant (1724-1804)

Eines sollte dir bewusst sein – Pläne sind keine Selbstzweck. Es gibt Menschen die planen einfach gerne und planen und planen und planen und kommen nicht ins handeln! Und dann gilt zeitgleich mit dem obigen Zitat:

„Machen ist wie wollen nur krasser“

Unbekannt

Bei all der Planerei, sollte dir immer klar sein warum du dir einen Plan machst. Ein Übeplan ist wie ein Navigationssystem. Wenn du in ein Auto einsteigst, fährst du ja auch selten einfach los. Du hast ein Ziel – eine Stadt bzw. eine Straße, im Idealfall sogar eine Hausnummer. Umso genauer du deine Adresse in dein Navi eingibst, desto schneller und ohne Umwege kommst du an! Wenn du in das Navi „Berlin“ eingibst – ja, dann kommst du schon irgendwo in Berlin an, aber nicht unbedingt dahin, wo du ursprünglich hinwolltest. So ähnlich ist es auch mit Übeplänen. Wenn du dir auf einen Zettel schreibst: „Ich übe heute die Beethoven Sonate“ – ja, dann wirst du schon irgendwas üben, vielleicht bringt dir das auch was oder es ist einfach Beschäftigung deiner Synapsen ohne Ziel und ohne Reflexion. Du wirst die Beethoven Sonate bestimmt auch irgendwann können, die Frage ist wie schnell und wie effektiv du an diesen Punkt kommst.

Du solltest dich also nicht fragen: „Brauche ich einen Übeplan?“, sondern zu allererst solltest du dich fragen, was deine Ziele auf deinem Instrument sind. Es gibt unterschiedliche Formen eines Übeplans. Die meisten denken bei Übeplänen vermutlich eher an die kurzfristige Variante – Wochenpläne oder Tagespläne. Das ist allerdings nur das Ende der Fahnenstange. Idealerweise hast du langfristige Ziele, mittelfristige Ziele und kurzfristige Ziele. Das funktioniert im Leben, wie auch beim Üben! Deswegen arbeite ich auch nicht nur mit dem Begriff eines Plans, sondern auch mit dem Begriff „Übeziele“. Deine Übeziele stehen also vor dem Plan. Oder um es anders zu sagen: Ohne Ziele macht ein Plan einfach keinen Sinn! Oder um es noch einfacher zu sagen: Dein Ziel gibst du in dein Navi ein und der Plan ist dann die Route.

Um bei meiner Metapher zu bleiben – es gibt auch Leute die sagen: „Viele Wege führen nach Rom“. Das stimmt auch. Ich hab nur in den meisten Fällen keine Zeit und keinen Bock dreimal so lange zu brauchen, mal abgesehen davon, dass jeder die schnellste Route im Navi auswählt und nicht die längste. Allerdings, stimme ich dem Satz zu, bei der Art und Weise Pläne aufzuschreiben. Es gibt viele Möglichkeiten einen Übeplan zu gestalten, darum soll es aber hier und heute noch nicht gehen!

Einer der größten Vorteile an einem Übeplan ist, dass du besser nachvollziehen kannst welche Fortschritte du bereits gemacht hast. Deine Entwicklung ist für dich leichter zu beobachten und in dem Moment, wo du etwas aufschreibst wird es verbindlicher, als wenn es nur in deinem Kopf herumirrt. Erfolgreiche Musiker*innen arbeiten mit Übezielen und Plänen, jeden den du fragst, wird dir das bestätigen. In welcher Form sie planen und ob sie das handschriftlich, mit dem Tablet oder im Kopf tun steht auf einem anderen Blatt.

„Wenn du in den Überaum gehst und noch nicht weißt was du gleich tun wirst, kannst du es auch gleich bleiben lassen!“

Valère Burnon – mehr dazu im Artikel: Wettbewerbvorbereitung

Zum Abschluss ist klar: deinen Erfolg kannst du nur messen wenn du weißt, ob du auf dem richtigen Weg in die richtige Richtung bist und dich deinen Zielen näherst. Dafür muss dir allerdings klar sein was deine Ziele sind. Du darfst dir gerne mal die Zeit nehmen, diese Ziele zu definieren.

Dazu noch ein Artikel: https://managemusik.com/2019/09/24/ziele-setzen/

Dieses Thema ist ein Fass ohne Boden und dieser Artikel ist wirklich nur eine erste Annäherung, vor allem für Menschen, die sich noch nicht viel damit auseinandergesetzt haben. Es folgen weitere Artikel, Podcastfolgen und YouTube Videos (https://www.youtube.com/channel/UCSxj3GIq0kqKiZLnRvik7BA?view_as=subscriber), denn ich möchte dir sehr gerne einen detaillierten Einblick in meine Übeplanungsroutine geben und dich damit motivieren und inspirieren.

Ich schließe mit einem Satz, der mir persönlich die Augen geöffnet hat in meinem früheren Planungswahn:

„Ein Plan ist nicht unbedingt dafür da erfüllt zu werden!“

„Und täglich grüßt das Murmeltier“

Kennst du das? Morgens 07:00 Uhr, der Wecker klingelt und du drückst erst noch mal auf die Schlummertaste. Dann um 07:10 Uhr und um 07:20 Uhr – das Spiel geht so bis 07:45 Uhr, dann musst du aber wirklich dringend aufstehen. Du merkst schon so ein leichtes Gefühl der Hektik im Körper. Etwas hastig läufst du ins Bad und machst dich schnell fertig, ziehst dir was an, auf dem Weg zum Bad hast du noch schnell die Kaffeemaschine eingeschaltet, um auf dem Rückweg aus dem Bad deinen Kaffee abzuholen. Du schmierst dir schnell ein Brot oder im schlimmsten Fall ist selbst dafür keine Zeit. Du nimmst dir deine Tasche und hechtest zum Bus oder zum Auto. Du bist eigentlich schon zu spät dran. Im Bus oder im Auto gehen dir Gedanken durch den Kopf, dass du ja gestern nicht unbedingt bis 02:00 morgens noch die Serie zu Ende hättest schauen müssen. Du bist leicht genervt, weil du zu deinem Termin zu spät kommst. Ein schlechtes Gewissen macht sich breit. Das Gefühl von Hetzerei und genervt sein kennst du gut, denn es geht dir an 80% der Tage im Monat so und diese Gefühle ziehen sich dann durch deinen ganzen Tag – bis du am Ende des Tages wieder genervt auf der Couch landest, um dort wieder bis um 02:00 morgens YouTube oder Netflix zu schauen…

Und täglich grüßt das Murmeltier!

Filmtitel (1993)

Das oben beschriebene Szenario hatte ich in meiner Studienzeit mehr als einmal. Mit dem Unterschied, dass ich eher bis 04:00 Uhr morgens noch unterwegs war und alkoholisiert von Hauspartys oder Bars nach Hause kam. Mit Kater ist das übrigens alles noch viel beschissener und schmerzvoller. Wenn das mal passiert, ist das auch überhaupt nicht schlimm. Wir sind ja schon groß und können selbst entscheiden, wann wir ins Bett gehen und was wir vor dem zu Bett gehen machen. Problematisch wird es, wenn das zur Gewohnheit wird und du jeden Morgen dasselbe erlebst wie Phil aus dem Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ – falls ihr den nicht kennt: Anschauen! 

Gewohnheiten sind richtig große Scheiße, zumindest wenn wir nicht bewusst Dinge zu unserer Gewohnheit gemacht haben. Denn eines kann ich dir ganz sicher sagen:

  • Unser Schlafverhalten ist eine Gewohnheit
  • Routinen haben wir auf jeden Fall, ob bewusst oder unbewusst, man macht morgens und abends immer das gleiche, ob man das nun merkt oder nicht
  • Das innere Murmeltier lässt sich allerdings trainieren – das ist die gute Nachricht.

Das größte Problem an dem oben geschriebenen Szenario ist aber, dass dein ganzer Tag sich so anfühlt, wie dein Morgen ausgesehen hat. Erfolgreiche Menschen etablieren sich eine Morgenroutine und nein du musst jetzt nicht jeden Morgen um 5 Uhr aufstehen, eine Stunde meditieren, 5 km joggen gehen und 10 Seiten in dein Dankbarkeitstagebuch schreiben! Das ist auch ein Weg, aber nur für die Geübten und Hartgesottenen. 

Eine gute Nachricht an alle Langschläfer da draußen:

Früh(er) aufstehen kann man lernen. Unser Körper kann sich sozusagen an alles gewöhnen! Er verändert sich einfach nur nicht gerne. Entscheidend ist vor allem, wie man aufsteht, auch an Tagen mit Aufgaben und Terminen, auf die wir keine Lust haben. Eine individuelle Morgenroutine ist Zeit für dich. Zeit für deine Ziele. Zeit für deinen Erfolg.

In diesem Artikel möchte ich dir ein paar Ideen geben, wie man sich sehr simpel eine Morgenroutine erarbeiten kann. Anfangs brauchst du dafür gerade mal zehn Minuten. Später kann man das ausdehnen und für sich individuell anpassen. Da ist auch schon der erste wichtige Punkt:

Morgenroutinen sind sehr individuell und sehen bei jedem Menschen anders aus!

Du darfst ausprobieren, was für dich passt und was nicht. Du darfst kreativ werden und dir diesbezüglich ein paar Fragen stellen. Über Prioritäten habe ich im Artikel „Ich habe einfach keine Zeit“ ja schon geschrieben. Bevor du aber deine Morgenroutine etablieren kannst, musst du für dich aufdecken, was du aktuell jeden Morgen gebetsmühlenartig tust – deinen Status Quo analysieren! 

Dafür ein paar Fragen – nimm dir ein Blatt Papier und einen Stift und sei ehrlich zu dir:

  1. Was sind deine ersten Handlungen nach dem Aufstehen? 
  2. Was sind deine ersten Gedanken nach dem Aufstehen?
  3. Wie oft schaltest du morgens die Snooze Taste?
  4. Wie viel Zeit hast du morgens vom Aufstehen bis zum Verlassen der Haustür oder deiner ersten Arbeitsminute (wenn du von zu Hause arbeitest)?
  5. Welche Dinge tust du in dieser Zeit?
  6. Wie fühlst du Dich, wenn du aus dem Haus gehst oder mit deiner Arbeit beginnst? 

Die ein oder andere Antwort wird dir vielleicht nicht passen, dazu aber gleich mehr. Zuallererst darfst du die Fragen ganz wertfrei beantworten. Ehrlich, aber ohne Bewertung. Danach kannst du dir die Antworten anschauen und dir überlegen:

Möchte ich das nach dem Aufstehen tun und möchte ich mich so fühlen?

Meistens ist die Antwort auf diese Frage: Nein! 

Wenn du mir erzählst, du hättest gerne Stress und magst es, den ganzen Tag das Gefühl zu haben, etwas hinterher zu rennen oder dich den ganzen Tag müde und ausgelaugt zu fühlen, das kauf ich dir nicht ab! 

Bei vielen sieht das morgens nämlich so aus: Nach mehrmaligem Schlummertaste drücken rollt man sich irgendwann auf die Seite und schnappt sich sein Smartphone. Dort werden erstmal Mails gecheckt, WhatsApp, Insta und Facebook. Man ist direkt mit anderen beschäftigt und eben nicht mit sich selbst. Wer mehr „Me-Time“ haben möchte, für den habe ich eine wichtige Nachricht. Wenn du dich schon morgens mit Social Media berieseln lässt und das jeden Morgen tust, weil es bereits zur Gewohnheit geworden ist, verspielst du dir die perfekte Zeit des Tages, um dir etwas Gutes zu tun! Natürlich haben wir viel auf der Uhr und müssen uns auf der Arbeit oder im Studium oft mit anderen beschäftigen. Da geht es nicht um die Frage: Wie geht es mir und was brauche ich gerade? 

Aber morgens kannst du dir genau diese Frage stellen und schauen, was dir dein Unterbewusstsein antwortet. Vielleicht ist es der Kaffee auf dem Balkon in der Sonne oder die kurze Yogaeinheit. Vielleicht möchtest du dich auch mehr bewegen, einen Spaziergang, eine Laufrunde oder ein Workout machen. Ein entspanntes Frühstück und ausgiebig duschen und dich fertig machen für den Tag. Weiter am Hörbuch hören oder ein Buch weiterlesen. Journaln oder einfach deine Gedanken vom letzten Tag oder für diesen Tag aufschreiben.

Was es auch ist, probiere es aus und bitte nicht nur drei Tage.

Gewohnheiten brauchen etwa 30 Tage, um sie ins Unterbewusstsein einzuschleusen, sodass du nicht mehr drüber nachdenken und dich nicht aktiv dafür entscheiden musst. Wenn du dir die Frage beantwortet hast, was du morgens machen möchtest, dann überlege dir, mit welcher Sache du anfangen willst. Nicht alles auf einmal etablieren wollen, das geht schief. Wenn du z.B. drei Dinge auf deiner Liste stehen hast, dann kannst du das ganz entspannt über drei Monate verankern. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. Der Vorteil: Du musst nicht von jetzt auf gleich eine Stunde früher aufstehen, sondern allmählich immer mehr mal 5-10 Minuten früher. Das ist langfristig sehr viel effektiver und kommt einem nicht so heftig vor. 

Ich habe am Anfang von den 10 Minuten geschrieben, die du zuerst mal früher aufstehen kannst. Ich beziehe mich da allerdings auf die Uhrzeit 7:00 Uhr und nicht auf 7:45 Uhr. Das Schlummern versuchst du mal wegzulassen, denn dann hast du plötzlich nicht 10 Minuten mehr am Morgen, sondern fast eine Stunde! Eine Stunde nur für dich. Du kannst sie füllen mit allem, außer weiterschlafen. 

Wenn du dich jetzt fragst, was du eine Stunde lang machen sollst, Inspiration findest du im Buch „Miracle Morning“ von Hal Elrod. 

Aus diesem Buch ein paar kleine Tipps, damit die Schlummertaste der Vergangenheit angehört:

  • Wecker weiter wegstellen, damit du aufstehen musst
  • Ein großes Glas Wasser trinken, am Besten am Abend vorher bereitstellen
  • Direkt ins Bad: Gesicht waschen, Zähne putzen und ggf. unter die Dusche hüpfen
  • Einen Tee oder einen Kaffee machen 

Danach legt man sich eher selten wieder ins Bett zurück. Wenn du jetzt noch 45 Minuten für dich hast und die so füllst, wie du möchtest, dann startest du entspannt und gelassen in den Tag. Das zieht sich durch den ganzen Tag und du wirst dich abends noch besser fühlen, von diesen 45 Minuten am Morgen – vertrau mir!

„Was muss ich für die Aufnahmeprüfung können?“

Zuallererst muss ich leider eine bittere Wahrheit aussprechen: Angehende Musikstudierende mussten vor ihrem Studium noch nie so viel können, wie heutzutage. Natürlich bezieht sich das auf das künstlerische Niveau, aber auch auf die Fähigkeiten außerhalb des Instruments. Die Aufnahmeprüfungen werden gefühlt von Jahr zu Jahr härter, was natürlich einmal mit der großen Anzahl an Bewerbern zu tun hat, auf der anderen Seite mit dem, was einen alles nach dem Studium erwartet. Die Anforderungen sind höher, die Stücke schwerer und die Plätze werden weniger. 

Mit dieser Einleitung möchte ich niemanden deprimieren oder jemandem Angst machen. Ich habe allerdings die Erfahrung gemacht, dass man mit einer realistischen Vorstellung und Einschätzung erfolgreicher fährt, als mit naiver Einstellung gegenüber der Musikbranche und deren Ausbildung.

Beim dritten Artikel in der Serie für Studieninteressierte setze ich voraus, dass du dich mit den ersten beiden Artikeln auseinandergesetzt hast. Die Fragen: Was gibt es für Studiengänge und wo sollte ich die studieren, beantworte ich dir in diesen beiden Artikeln:

https://managemusik.com/2020/07/19/musikstudium-duales-studium/

https://managemusik.com/2020/07/31/was-und-wo-soll-ich-studieren/ 

Hier gibt es noch eine weitere Seite, um einen Überblick zu bekommen, was wo studiert werden kann: 

https://www.studycheck.de/studium/kunst-gestaltung-musik/musik

Was muss ich für die Aufnahmeprüfung können?

Muss ich auch Klavier spielen?

Was muss ich für Stücke vorspielen?

Wie schwer sind die theoretischen Aufnahmeprüfungen in Tonsatz und Gehörbildung?

Wie viele Bewerber bekommen einen Platz?

Mit diesen und weiteren Fragen beschäftige ich mich in diesem Artikel und mit den Voraussetzungen für die Aufnahmeprüfung und dem Musikstudium. Bevor ich auf diese Fragen näher eingehe, kurz die Erklärung, warum es diese Prüfungen überhaupt gibt und warum sie in einigen anderen Studiengängen vielleicht nicht schlecht wären einzuführen.

Unter normalen Umständen an einer Universität bewirbst du dich auf einen Studienplatz in einem bestimmten Fach. Z.B. ‚Bachelor of Arts‘ (BA) mit den Fächern Geschichte und Politikwissenschaft oder Deutsch und Religion auf Lehramt, also im ‚Bachelor of Education‘ (B.Ed.). Wenn du auf eine x-beliebige Seite einer Universität gehst, in meinem Fall war es damals: https://www.studium.uni-mainz.de/studienfaecher-ba/ der Johannes Gutenberg Universität Mainz, findest du sehr oft die Bezeichnung bei Zulassungsvoraussetzungen: zulassungsfrei. 

Das bedeutet im Prinzip, jeder der sich bewirbt kommt auch rein. Man könnte hier auch davon sprechen, man schreibt sich an einer Universität ein ohne ein Verfahren der Eignung o.ä.

Dann gibt es einige Studiengänge an einer Universität, da steht dann: zulassungsbeschränkt. Das wird in den meisten Fällen über den sogenannten N.C. geregelt, also über deinen Abiturschnitt. Ein sehr berühmter Studiengang ist hier natürlich das Medizin- oder das Psychologiestudium – auch wenn ich der Meinung bin, eine Eignungsprüfung vor allem auf der sozialen Ebene würde diesen Studiengängen weiß Gott mehr bringen, als der Abiturschnitt.

Bei drei Studienfachrichtungen steht allerdings folgendes: Eignungsprüfung.

Diese drei sind, wie du dir vielleicht denken kannst, Musikstudiengänge, Kunststudiengänge und Sportstudiengänge. Spannend, bei der Recherche fiel mir ein Gedanke dazu ein, warum es heute nur noch umgangssprachlich „Aufnahmeprüfung“ heißt. Eignung und Aufnahme sind ja zwei verschiedene paar Schuhe. Damals hieß es Aufnahmeprüfung, weil tatsächlich alle, die früher eine Aufnahmeprüfung bestanden haben, auch einen Studienplatz bekamen und eben aufgenommen wurden. Heute ist das Bestehen einer sogenannten Eignungsprüfung kein Garant für einen Studienplatz! In der Prüfung wird geschaut, ob du dich für den Studiengang eignest, ob du aufgenommen wirst, steht leider auf einem anderen Blatt. Das ist nur eine Vermutung bzw. eine Interpretation meinerseits und kein Fakt! 

Es ist also durchaus möglich, dass du eine Eignungsprüfung bestehst, du dich also offensichtlich dafür eignest – es aber nicht so viele Studienplätze, wie es bestandene Bewerber*innen gibt. Einige Fachbereiche an Hochschulen machen das besonders „schlau“, um nicht in diese Situation zu kommen – sie lassen einfach alle durchfallen, die nicht aufgenommen werden. Geil! Andere Hochschulen schrauben ihre Anforderungen in der Theorie dermaßen hoch, dass ein Großteil durch die Theorieprüfungen rasseln und ebenfalls durchfallen. Auch geil! 

Wenn man etwas genauer hinschaut, ist das alles natürlich gar nicht geil. Aber irgendeine Taktik, um die hohen Bewerberzahlen zu bewältigen, muss es ja geben – und diese Zahl ist leider sehr hoch! Ich habe jedoch keine offiziellen Zahlen gefunden, aber aus eigener Erfahrung: bei meiner Bacheloreignungsprüfung im Jahr 2015 waren es über 80 Bewerber, nur für Flöte und nur für den künstlerischen Studiengang. Die Klavierlehrenden der HfMT prüfen eine ganze Woche Pianisten und Pianistinnen, täglich von 08:00 Uhr bis 20:00 Uhr. 

Du merkst schon, es sind unglaublich viele! Wie viele Plätze es gibt, hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie viele Lehrende es für das Instrument gibt, wie viele bei den jeweiligen Lehrenden Abschluss gemacht haben und so einen Platz „frei“ machen und wie im letzten Artikel schon beschrieben: ob die Lehrenden dich haben wollen! 

Die Frage ‚Was muss ich für die Aufnahmeprüfung können?‘ stellt sich natürlich dann direkt. Leider ist das nicht ganz so einheitlich zu beantworten. Erst mal ist entscheidend, für welchen Studiengang du dich bewirbst und wo du das tust. Du findest die detaillierten Voraussetzungen auf den jeweiligen Internetseiten. Grob erklärt:

  1. Du musst auf deinem Hauptfach vorspielen – Programm zwischen 15 und 30 Minuten, abhängig von den Voraussetzungen
  2. Du musst auf deinem Nebenfach vorspielen – bei allen Orchesterinstrumenten ist das Klavier, die Pianisten haben freie Wahl und die Zupfinstrumente können ggf. auch ein anderes Zupfinstrument nehmen
  3. Du musst eine schriftliche Prüfung ablegen in den Fächern Tonsatz und Gehörbildung
  4. Du musst eine pädagogische Prüfung ablegen, im Falle eines pädagogischen Studiengangs
  5. Wenn es weitere Nebenfächer o.ä. gibt, musst du auch dort eine Prüfung ablegen. Das ist allerdings sehr studienspezifisch! 

Im Normalfall besteht die Eignungsprüfung also aus drei Teilen: dem Hauptfach, dem Nebenfach und einer Theorieprüfung. 

Es gibt Hochschulen mit Fachbereichen, die wünschen ein bestimmtes Programm für die Hauptfachprüfung. In meinem Fall reichte das von: „Ein Kopfsatz eines Solokonzerts, ein Werk für Flöte solo und ein Werk nach 1950“ bis hin zu „Bach Partita, Mozartkonzert in G-Dur, Syrinx von Debussy…“. Es kann aber auch sein, dass dort einfach steht: „20 Minuten Programm Werke aus drei verschiedenen Epochen“ – das ist der Jackpot, denn da kann man seine Stärken sehr gut ausspielen! 

Im Nebenfach steht in den meisten Fällen 10-15 Minuten Programm, zwei Werke aus zwei verschiedenen Epochen und in den allermeisten Fällen spielen die Anwärter*innen dann das C-Dur Präludium von Bach BWV 846 und etwas von Schumann oder was modernes. 

Ein Kommentar noch zu der Minutenangabe: du spielst keine 20 Minuten in der Hauptfachprüfung, du spielst auch keine 15 Minuten in der Nebenfachprüfung. Der Tag der Prüfungskommission müsste 48 Stunden haben, damit das aufgeht. Rechne mit 5-10 Minuten. Du wirst abgebrochen, manchmal hören sie auch nur 2 Ausschnitte aus 2 Stücken. Manchmal die Anfänge von allen Werken, die auf deiner Liste stehen. 

Zur Theorieprüfung gibt es von meiner Seite folgenden Tipp: Bereite dich gut vor! 

Wenn du Probleme mit Gehörbildung hast, übe es jeden Tag genauso wie dein Instrument. Jeden Tag 10-15 Minuten, investiere diese Zeit, denn wie oben beschrieben: viele Hochschulen sieben ihre Bewerberzahlen in der Theorieprüfung aus. An manchen Hochschulen gibt es auch die Möglichkeit, bei einer nicht bestandenen Gehörbildungsprüfung trotzdem einen Studienplatz zu bekommen, ins Tutorium zu gehen und ein Jahr später die Eignungsprüfung in diesem Fach zu wiederholen. 

Das ist aber nicht die Regel! 

Fast jede Hochschule hat alte Klausuren als PDF Download bereit, damit du einen Eindruck bekommst, was verlangt wird und wie geprüft wird. Es gibt auch Angebote, von Studierendenvertretungen oder von den Hochschulen selbst, für Vorbereitungskurse in den Theoriefächern. Vielleicht hat deine Musikschule eine/n Theorielehrer/in, geh in den Kurs und bereite dich vor – so früh wie möglich. Du kannst dir nicht vorstellen, wie vielen verzweifelten Studierenden ich schon bei dem Thema Gehörbildung geholfen habe! Ich höre selbst nicht absolut. Ich hatte einfach den besten Professor, den es dafür gab und das über eine sehr lange Zeit! 

Die Voraussetzungen für das Musikstudium selbst, bespreche ich im nächsten Artikel. Heute sollte es erst mal um die Eignungsprüfungsvoraussetzungen gehen und die vielen Fragen im Kopf der Studieninteressierten, was da auf einen zukommt. 

Wie immer bei Fragen gerne melden – ich versuche sie alle in dieser Artikelreihe, zumindest im Ansatz, zu beantworten! 

„Ich habe einfach keine Zeit!“

Diesen Satz höre ich sehr oft und habe ihn früher auch immer gekonnt von mir gegeben – bis mir etwas klar geworden ist:

Das ist eine Lüge, die wir uns selbst und anderen gerne erzählen!

Fakt ist, wir haben alle 24 Stunden. Jeder Mensch auf dieser Welt hat immer nur 24 Stunden pro Tag. 

Fakt ist, Zeit kann man nicht besitzen und in seine Tasche stecken. 

Fakt ist, dieser Satz wird meistens als Ausrede benutzt, um etwas nicht tun zu müssen, oder zu können, aber auch um sich zu rechtfertigen, etwas nicht getan zu haben. 

Bevor ich hier jetzt die ein oder andere Anekdote zur Unterhaltung preisgebe, noch ein Hinweis: Zeit kann man auch nicht einteilen. Das Wort Zeitmanagement ist leider irreführend, da es suggeriert, wir könnten Zeit managen. Wir managen aber nicht die Zeit selbst, sondern die Aufgaben und Termine, die wir innerhalb einer bestimmten Zeit haben. In meinem ersten Artikel auf diesem Blog habe ich bereits über diese Formulierungsproblematik geschrieben: https://managemusik.com/2019/09/12/example-post/ 

Was steckt eigentlich hinter diesem Satz? 

Ich nehme dich mal in eine Situation mit – eine ganz typische Situation im Studium, an einer Musikhochschule. 

Es ist Mitte des Semesters. Ich sitze in der Bibliothek der Hochschule, da ich dort seit einigen Jahren studentische Hilfskraft bin. Es kommt ein Studierender relativ panisch bzw. schwer atmend reingelaufen (das schwer atmend, könnte sich natürlich auch auf den Berg beziehen, den man hier in Wuppertal immer erklimmen muss). Der Studierende legt mir ein Zettel auf den Tresen, den ich nur zu gut kenne: die Literaturliste unseres Musikwissenschaftsprofessors. 

Es ertönt folgender Satz: „Saskia kannst du mir helfen? Ich brauche ein paar Bücher für das Referat in Musikwissenschaft. Ich habe schon angekreuzt, welche ich brauche. Wie finde ich die denn hier in der Bibliothek? Haben wir die überhaupt da?“.

Ich antworte mit ruhiger Stimme, er oder sie solle sich erst mal beruhigen, ich schaue mir das mal an und gehe in unseren Online-Katalog. Ich suche dort die Bücher raus und überprüfe, ob wir sie haben oder wir sie ggf. aus Köln bestellen müssen. Eins der vier Bücher ist gerade entliehen, der Rest ist da. Ich freue mich, dass ich dem Studierenden helfen konnte und suche die Bücher raus. Es kommt zu folgendem Dialog:

Studierende: „Ok vielen Dank! Das ist ja blöd, dass das eine Buch entliehen ist. Ich hoffe, das ist nicht zu wichtig. Ich muss mich nämlich etwas beeilen!“. Ich frage und ahne schon die Antwort: „Oh, wann musst du denn das Referat halten?“. Studierende: „Übermorgen“

Ja, was soll ich dazu sagen, diesem kurzen Dialog folgt ein Gespräch über das Thema des Referats, mit dem sich der Studierende quasi heute zum ersten Mal beschäftigt und die Umstände, warum er oder sie erst heute mit dem Referat beginnt. Irgendwann fällt er, der berühmte Satz:

„Ich hatte einfach keine Zeit!“ 

Was ist hier passiert und warum ist das eine Lüge, die sich Studierende bevorzugt selbst erzählen?

Wir gehen dem Satz einmal etwas näher auf den Grund, die Fakten über die Zeit, habe ich oben ja bereits ausgeführt. Zeit kann man nicht managen, aber die Aufgaben und Termine innerhalb der Zeit schon. Aufgabe für den Studierenden war es ein Referat, inkl. PowerPoint und Handout, zu einem musikwissenschaftlichen Thema, zu entwerfen. Diese Aufgabe wird in der ersten Stunde, zu Beginn des Semesters, gestellt.

Zeit für diese Aufgabe hatte er oder sie effektiv ca. 4-6 Wochen. Gehen wir mal von 4 Wochen aus – das sind 28 Tage oder 672 Stunden. Das ist eine Menge an Zeit! Wenn wir mal die Zeit abziehen, die wir im Durchschnitt schlafen (also acht Stunden) bleiben noch 448 Stunden übrig. Zeit war also mehr als genug da! 

Was aber hat gefehlt?

  1. Eine Vorstellung davon, wie viel Zeit man wirklich in das Referat investieren muss – aus meiner Erfahrung sind das ca. 8-12 Stunden, je nachdem, wie lange das Referat sein muss und wie viel Stoff vorher verarbeitet werden muss. 
  2. Ein Plan, wann ich allerspätestens anfangen sollte, mich auf das Referat vorzubereiten. 
  3. Das Ziel ‚Referat‘ in kleinere Ziele bzw. Aufgaben zu unterteilen.
  4. Die Aufgabe(n) zur Priorität zu machen.

Und da haben wir das Kernproblem. 

Wenn du sagst: „Ich habe keine Zeit“, dann ist der Subtext: „Es ist nicht meine Priorität“. Wir haben nicht Zeit zu wenig, sondern wir setzen uns bestimmte Aufgaben oder Termine nicht als Priorität! Noch ein wichtiger Hinweis: wir können nicht Prioritäten zur selben Zeit haben – die Mehrzahl ist hier leider eine ähnliche Lüge, wie der Satz in der Überschrift. Wir können immer nur eine Priorität haben, innerhalb einer bestimmten Zeit.

Ein Beispiel aus meinem Leben:

Ich studiere, wie mittlerweile viele Leser/innen wissen, zwei Hauptfächer gleichzeitig – Querflöte und Klavier. Ich kann ja nicht beides zur selben Zeit üben. Ich kann aber Übe-Hopping (das Wort habe ich mir tatsächlich grade ausgedacht) betreiben, sprich, innerhalb von zwei Zeitstunden beide Instrumente im Wechsel üben oder eben nacheinander. Erst das eine, dann das andere. 

Größer gedacht, ich kann mich nicht auf zwei Konzerte innerhalb einer Woche, mit beiden Instrumenten vorbereiten. Ich habe hier zwei Möglichkeiten: 

  1. Ich verlängere die Vorbereitungszeit, sodass innerhalb der einen Woche nur noch Details gefeilt werden.
  2. Ich lasse es!

Während meinen Übesessions habe ich immer eine bestimmte Priorität in dem einen Moment. Nicht nur das Instrument an sich, sondern auch inhaltlich. Ich kann nicht zwei Dinge gleichzeitig machen. Auch wenn einige böse Zungen behaupten, Frauen könnten Multitasking – ich muss die Zungen leider enttäuschen. Aus der Neurobiologie ist die Nachricht ganz klar: Das Gehirn, kann sich nur auf eine Sache gleichzeitig konzentrieren! (auch bei Frauen!).

Wenn Menschen mich also fragen, wie ich es schaffe, zwei Studiengänge und Job unter einen Hut zu bekommen, ist die Antwort simpel: durch Prioritäten setzen und z.T. langen Vorbereitungszeiten und Planen. 

Wenn Studierende also ein Referat oder eine Hausarbeit im allerletzten Moment anfangen, ist da meist kein böser Wille dahinter, sondern Unsicherheit und ein schlechtes Gewissen, welches immer größer wird. Sie prokrastinieren bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie merken „Scheiße, jetzt muss ich anfangen!“.

Es folgt Stress, durchgemachte Nächte und das Referat hält man dann mit drei Liter Kaffee intus und ist danach völlig am Arsch! Im Endeffekt war das Referat einfach nie Priorität. Priorität war: 

  • Üben (nur zu verständlich) 
  • Hauptfachunterricht
  • Freunde treffen 
  • Hobby’s 
  • Fächer, die einen vielleicht mehr interessieren 
  • Netflix, YouTube, Social Media 
  • Das Date, worauf man sich so lange gefreut und vorbereitet hat
  • Füge hier ein, was auch immer bei dir grade Thema ist… 

Das ist vollkommen ok! Ich möchte hier noch mal betonen, dass ich mich darüber nicht lustig machen möchte oder den Guru mit dem erhobenen Zeigefinger geben will. Ich war selbst so und rutsche manchmal wieder in dieses Denken ab, bei dem ich mir erzähle, ich hätte für dies und jenes ja keine Zeit…

Was ich mit diesem Artikel bezwecken will? 

Hör auf dir zu erzählen, du hättest für irgendwas keine Zeit. Das ist Bullshit! Zeit ist genug da, die Frage ist, was du zu deiner Priorität machst. Wenn du gerade frei hast und Semesterferien und deine Priorität ist es, die 10. Staffel Modern Family an einem Tag durchzusuchten – hammergeil, viel Spaß! 

Wenn du allerdings noch drei Hausarbeiten auf der Uhr hast und ein gemeinsames Projekt, an dem noch andere arbeiten, dann überlege dir, was gerade Priorität hat und schau vielleicht nur eine oder zwei Folgen am Tag und den Rest arbeitest du produktiv, über einen längeren Zeitraum. Jeden Tag ein bisschen und ein Schritt nach dem anderen. 

Dieses sogenannte ‚Bingewatching‘ von Serien ist mittlerweile auch in unseren Arbeitsmodus übergegangen. Wir ‚bingewatchen‘ Netflix und dann ‚bingewatchen‘ wir das Referat in 24 Stunden. Das ist leider überhaupt nicht gesund und effektiv. Es führt zu Stress, genervten Dozenten, genervten Studienkollegen und einem schlechten Gefühl, man sei zu dumm oder zu unorganisiert, um sowas zu schaffen. 

Ein paar Tipps für dich, die du heute noch umsetzen kannst:

  1. Schau mal in deinen Kalender und überlege dir, was gerade Priorität hat: das Studium? Deine Freizeit? Deine Freunde? Dein Job? Zeit für dich?
  2. Frage dich, ob das so in deinem Sinne ist oder ob du momentan Zeit für Dinge investierst, die dich in deiner Priorität leider gar nicht weiterbringen. Z.B. Fünf Stunden durch Social Media zu scrollen.
  3. Entlarve deine Zeitfresser, die Dinge, die dich viel Zeit kosten, aber nicht viel bringen.
  4. Schreibe dir auf deine To-Do-Liste für heute nur eine Aufgabe – die eine Aufgabe, die heute Priorität hat!

Abschließend bleibt zu sagen, dass jedes Mal, wenn wir uns erzählen wollen, wir hätten für irgendwas keine Zeit – für Sport, für gesunde Ernährung, für mehr Zeit mit Freunden, für Zeit mit uns selbst, für ein weiteres interessantes Projekt – immer ein bestimmter Teil in unserem Gehirn nicht möchte, dass wir etwas verändern. Der mag das nämlich nicht, sich zu verändern. Wenn sich also etwas in dir sträubt beim Lesen dieses Artikels, sieh es als Herausforderung, und wenn du das nächste Mal den Satz sagst oder denkst, dann frage dich kurz: „Was ist gerade meine Priorität und ist das auch meine Priorität oder die eines anderen?“

Lass deine fehlende Selbstreflexion nicht an der Zeit aus. Sie kann nichts dafür, sie ist einfach da und wir können sie auch sinnvoll für uns nutzen. Aber sie immer als den Miesepeter hinzustellen, ist nicht fair und auch nicht zielführend. 

Ich revidiere also den Satz in der Überschrift:

„Es ist nicht meine Priorität!“ 

Was und Wo soll ich studieren?

Ich habe mich in den letzten Wochen auf sehr vielen unterschiedlichen Hochschulseiten umgeschaut und eine Sache festgestellt: es gibt wirklich sehr viele verschiedene Möglichkeiten. Sowohl welchen Studiengang, als auch an welchem Studienort man studieren möchte. 

Als ich mich vor sechs Jahren an deutschen Musikhochschulen umgeschaut habe, um eine/n Professor/in zu finden, wusste ich zumindest schon mal was ich studieren möchte. Das ist auch der allererste Schritt, sich zuerst einmal in dem Wald an Studiengängen zurechtzufinden. In einigen Fällen und bei einigen Instrumenten ist die Wahl einfach, in anderen nicht. Die Recherche davon nimmt viel Zeit in Anspruch und ich kann nur wärmstens empfehlen, dass du dich früh genug damit beschäftigst. 

Im letzten Artikel habe ich dir bereits einen groben Überblick gegeben, welche Studiengänge grundsätzlich möglich sind. Die ganz simple Unterteilung ist die Künstlerische Ausbildung, die pädagogische Ausbildung oder das Lehramtsstudium. Wenn du dir die Frage stellst, ob man auch mehrere Studiengänge studieren kann, möchte ich noch mal darauf hinweisen, dass es in jedem Fall sehr schlau ist sich breit aufzustellen. In der aktuellen Situation mehr denn je. 

Aber…

Wenn du dir absolut nicht vorstellen kannst zu unterrichten, dann musst du das auch nicht tun. Es ist natürlich ein gutes Standbein, eine pädagogische Ausbildung zu haben und gerade in der Corona-Krise, waren die Pädagogen an vielen Stellen die „Gewinner“ der Krise. Wir konnten großflächig auf Online-Unterricht umstellen, man mag darüber denken was man möchte, aber unsere Einkommen waren somit auch als Honorartätige gesichert. Ich habe Kollegen, die verdienen seit März nichts mehr, da sie ausschließlich von Live Auftritten leben. Es ist dennoch kein Zwang zu unterrichten, es gibt noch einige andere Möglichkeiten sich vielfältig aufzustellen.

Im künstlerischen Bereich ist die Wahl des richtigen Professors oder der richtigen Professorin wirklich essenziell. Und hierzu möchte ich ein paar Dinge loswerden, die vielen in der Branche sonnenklar sind, aber Studienanwärtern oft nicht. 

Natürlich suchen sich Lehrende die Studierenden aus für ihre Klasse und niemand möchte gerne die Katze im Sack kaufen. Es macht also sehr viel Sinn, vor der Aufnahmeprüfung Kontakt mit den Lehrenden aufzunehmen, an dessen Hochschulen du Aufnahmeprüfungen machen möchtest und ihnen vorzuspielen oder ggf. eine Probestunde zu nehmen. Ja, das ist mit Aufwand verbunden. Ja, das ist mit Zeit und Geld verbunden – aber es lohnt sich! Denn eines ist ganz sicher. Eine Probestunde nützt nicht nur den Lehrenden zur Feststellung, ob du in ihre Klassen passt – sondern auch dir, um festzustellen, ob du mit den Lehrenden zurechtkommst. Es bringt dir leider nichts, wenn du irgendwo einen Platz bekommst und du dann vier Jahre durch die Hölle gehst…

Vertrau mir – alles schon da gewesen! 

Und noch etwas: wenn ein/e Professor/in 250€ für eine Probestunde von 45 min verlangt, dann mach das bitte nicht! Du musst nicht dessen schicke Chanel Handtasche oder den Porsche mitfinanzieren. Schwarze Schafe gibt es überall! 

Falls du in Erwägung ziehst, eine künstlerische und pädagogische Ausbildung zu absolvieren, dann plane auf jeden Fall etwas mehr Zeit ein als vier Studienjahre. Es ist möglich! Einige von meinen Studienkollegen haben es gemacht, ich selbst studiere beides aktuell. Aber es ist in keinem Fall möglich, zeitgleich zwei volle Bachelorstudiengänge in Regelstudienzeit (8 Semester) zu studieren. Die Kombination von Lehramt und Instrumentalpädagogik oder Elementarer Musikpädagogik ist ebenfalls sehr beliebt. 

Im letzten Artikel hatte ich schon auf die Internetseite verwiesen, bei der es eine Auflistung aller Musikhochschulen gibt (inkl. deren Internetseiten). Auf so ziemlich jeder Website einer Musikhochschule findest du Informationen darüber, welche Studiengänge möglich sind und wer die einzelnen Instrumente unterrichtet. Über die tollen Studienverlaufspläne und deren Verständnis, schreibe ich in einem anderen Artikel noch ausführlicher. Aber für einen Eindruck, welche Fächer in dem Studiengang unterrichtet werden, schaut da gerne mal rein. 

Viele der Hochschulen bieten Info-Tage an. Ich kann dir sehr empfehlen dorthin zu gehen. Den Ort einmal zu sehen vor der Aufnahmeprüfung, nimmt einem auch die Angst vor dem Unbekannten, denn so eine Aufnahmeprüfungssituation ist schon aufregend genug!

Eine Frage die ich schon häufiger gestellt bekommen habe an solchen Info-Tagen ist:

Wie viele Aufnahmeprüfungen an verschiedenen Hochschulen kann ich schaffen?

Dazu musst du ein paar Dinge wissen…

  • Pro Bewerbung zahlst du 50€-60€ Verwaltungsgebühr – an jeder Hochschule!
  • Einige Prüfungen laufen parallel ab und nicht immer ist beim Bewerbungsschluss klar, wann die Prüfungsphase für deinen Studiengang stattfindet
  • Die normalen Prüfungsphasen in Deutschland belaufen sich auf 2-2 ½ Monate z.B. Mai-Anfang Juli (Corona Ausnahmezustand mal ausgenommen)
  • Nicht an jeder Hochschule kann man sich für Winter- und Sommersemester bewerben
  • Es gibt Hochschulen, die haben Pflichtprogramme für dein Instrument, besonders dieser Punkt ist ausschlaggebend, wenn man nicht 8 Stücke zeitgleich vorbereiten möchte
  • Jede Aufnahmeprüfung läuft ein bisschen anders ab und ist inhaltlich auch selten einheitlich – bei der einen findet alles an einem Tag statt, bei der anderen im Abstand von 14 Tagen

All diese Informationen solltest du im Hinterkopf behalten, wenn du dich bewirbst.

Wenn du dich bei drei Lehrenden vorgestellt und dort ein gutes Gefühl hast, dann reichen drei Aufnahmeprüfungen völlig aus. Drei bis sechs Aufnahmeprüfungen sind schon gut zu schaffen, vorausgesetzt sie überschneiden sich nicht. Zum Beispiel:

Die letzten Jahre ist es immer mal vorgekommen, dass die Flöten Aufnahmeprüfungen von der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf und der Hochschule für Musik und Tanz Köln an den gleichen Tagen stattfanden. Das ist blöd, zumal sich einige an beiden Hochschulen bewerben, sie liegen ja auch nur wenige Kilometer voneinander entfernt. Oder es passiert, dass die zweite Runde einer Aufnahmeprüfung in Berlin am selben Tag ist, wie die Theorieprüfung in München. Manchmal muss man pokern, aber wenn man sich an neun Hochschulen zeitgleich bewirbt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich etwas überlappt natürlich viel höher!

Bedenke bei den Bewerbungen auch den Studienort und die Entfernung zu dir nach Hause. Du musst diese Kilometer alle z.T. mehrfach fahren. Das bedeutet nicht, dass du dir keinen Studienort am anderen Ende des Landes suchen sollst, es bedeutet aber, dass du das bei der Planung bedenken und das auch finanziell stemmen musst. 

Abschließend kann ich dir eine kleine Checkliste (besonders für künstlerische/pädagogische Studiengänge) mit auf den Weg geben:

  1. Informiere dich über verschiedene Studiengänge, welche für dich in Frage kommen, um dich dann gezielt darauf zu bewerben.
  2. Suche nach Lehrenden und spiele ihnen vor, besuche ihre Workshops oder Meisterkurse und kommuniziere frühzeitig mit ihnen – gerne auch ein Jahr im Voraus.
  3. Schau nach Bewerbungsfristen, einige Hochschulen haben die sehr früh angesetzt. Informiere dich über die Bewerbungsverfahren: online oder per Post.
  4. Bewirb dich dann gezielt an den Hochschulen, bei dessen Lehrenden du dir vorstellen kannst zu studieren. Ein bis zwei Aufnahmeprüfungen kann man auch auf Risiko spielen, also ohne vorher dort jemandem vorgespielt zu haben auch der Erfahrung halber. Aber grundsätzlich solltest du mindestens zwei Lehrende im Hinterkopf haben, bei denen du gerne studieren würdest!
  5. Bereite dich frühzeitig auf die Aufnahmeprüfungen vor und schau was verlangt wird, das ist z.T. an jeder Hochschule etwas anders.

Zum letzten Punkt – darum geht es im nächsten Artikel! Ich habe schon mit so einigen jungen Musikern und Musikerinnen gesprochen, die da die größte Hürde sehen und nicht wissen, wie sie sich anständig und gut durchdacht auf Aufnahmeprüfungen vorbereiten können. Oft haben diese jungen Menschen auch nicht unbedingt Lehrende an der Hand, die sie dabei begleiten.

Viel Spaß beim Recherchieren und wenn du Fragen hast, fühl dich frei mich zu kontaktieren.

Musikstudium = Duales Studium?!

Wer kennt den Satz: „Was?! Musik kann man studieren?“ oder „Was passiert eigentlich in so einem Musikstudium?“ oder „Was ihr übt dann da einfach den ganzen Tag?“…

Zumindest das Zweite ist eine sehr gute Frage! Was passiert in einem Musikstudium und was gibt es für mögliche Schwerpunkte? Wo kann man Musik studieren und bei welcher Lehrkraft ist es am Besten? Was muss man überhaupt können, um eine Aufnahmeprüfung zu bestehen? Wie lange muss ich mich vorbereiten und wie läuft so eine Aufnahmeprüfung ab? 

Dieser Artikel, der erste einer kleinen Artikelserie, richtet sich vor allem an Schüler*innen und/oder junge Menschen, die den Wunsch haben Musik zu studieren und nicht wissen wo sie die Informationen dafür herbekommen.

Ich hatte das große Glück drei Jahre eine studienvorbereitende Ausbildung machen zu können, bevor ich eine Aufnahmeprüfung absolviert habe. Ich wusste, bei wem ich was fragen konnte. Ich wusste was es für Möglichkeiten gab, schon alleine aus dem Elternhaus und näherem Umfeld. 

Aber…

Ich weiß auch, dass es da draußen viele junge Musiker*innen gibt, die dieses Privileg nicht haben und nach Informationen suchen und bei so genannten Info-Tagen an Musikhochschulen meist mit mehr Fragen rausgehen, als sie reingekommen sind. 

Für genau die Menschen gibt es nun eine Artikelserie, bei der ich mich mit diesen und noch weiteren Fragen beschäftigen werde.

Kleiner Disclaimer am Rande: wenn du die Artikel liest und es Fragen gibt, die ich hier nicht beantworte oder dich noch anderen Fragen beschäftigen – schreib mir eine Mail! 

Nun aber zum Thema des heutigen Artikels. 

Ist das Musikstudium ein Duales Studium? Nein! Es wird zumindest so nicht ausgelegt und rechtlich wäre es falsch das zu behaupten. Aber nach sieben Jahren Studium kann ich eines mit Gewissheit sagen: es fühlt sich wie ein duales Studium an! Mit einem Uni-Studium hat es zumindest nur sehr sehr wenig zu tun!

Für die Menschen, die dich fragen „Was, das kann man studieren?“, gebe ich dir hier eine schlagfertige Antwort mit auf den Weg: „Ja, man kann schließlich auch Kosmetologie oder Amerikanistik studieren und ich frage mich, was man danach beruflich macht außer Taxi fahren?“ – Ok, ein altes Klischee, aber fragt mal Studierende aus Universitäten oder geht zu Info-Tagen. Ich bin immer wieder selbst überrascht, was man nicht alles studieren kann. 

Bei uns wird aber zumindest überwiegend das, was im Namen enthalten ist, auch unterrichtet. 

Grundsätzlich gibt es an Musikhochschulen aber nicht nur einen Studiengang. 

Wir haben insgesamt 24 eigenständige Musikhochschulen, 9 Hochschulen, an denen man Kirchenmusik studieren kann und 5 Institute, die unter dem Dach einer Uni laufen. (Eine Übersicht findest du hier: https://www.dov.org/klassikland-deutschland/musikhochschulen)

Das sind schon ein paar Möglichkeiten. Gleichzeitig macht es aber die Auswahl nicht gerade leichter, bei dem großen Angebot!

Wenn ich hier jetzt versuchen würde einen Rundumschlag, über die verschiedenen Schwerpunkte der einzelnen Hochschulen aufzuschreiben, säße ich vermutlich in 3 Tagen noch hier. Ich möchte jedoch trotzdem, soweit es mir möglich ist, einen Einblick geben, in das grobe Studienangebot im Bereich Musik. 

Vielen Menschen fällt beim Musikstudium vermutlich zuerst einmal das Orchestermusik Studium ein. Dazu muss man leider sagen: die alten Diplom Studiengänge waren, was die Berufsbezeichnung am Ende angeht, etwas leichter zu verstehen. 

Im Jahr 2020 studiert man erst mal kein „Orchestermusik“, sondern man studiert einen „Bachelor of Music“. Ja, die Bologna Reform hat auch vor den Musikstudiengängen nicht Halt gemacht. Noch heute kotzen gefühlt alle Fachbereiche an den Hochschulen. Manche finden es auch toll. Aber ich kenne eindeutig mehr Menschen, die das Bachelor- und Mastersystem im Musikstudium völlig hirnverbrannt finden, aus verschiedenen Gründen. Dazu aber in einem anderen Artikel mehr. 

Der Studiengang „Bachelor of Music“ kann verschiedene Themenfelder bzw. Schwerpunkte bedienen. Da gibt es natürlich den Studiengang, den wir umgangssprachlich als „KA“ also die Künstlerische Ausbildung bezeichnen. Den gibt es für so gut wie jedes Instrument. Bei mir handelte es sich z.B. um den „Bachelor of Music Holzbläser“. Dasselbe gibt es mit Klavier, Gitarre, Streichinstrumenten, Schlagwerk etc., es ist aber nicht die einzige Möglichkeit! 

Auch hier werfe ich erst mal einen umgangssprachlichen Begriff in den Raum: IP und/oder EMP. Da handelt es sich um die pädagogischen Studiengänge. IP bedeutet Instrumentalpädagogik und EMP steht für Elementare Musikpädagogik. EMP ist für dich vielleicht sogar noch eher unter dem Begriff der „Musikalischen Früherziehung“ bekannt. 

Wenn man nicht so der Klassikmensch ist oder gar ein Instrument spielt, was für ein klassisches Studium nicht in Frage kommt, gibt es auch den Studiengang Jazz/Pop.  

Den gibt es allerdings nicht an jeder Musikhochschule und da kommen wir schon zum ersten Problem: nicht jede Institution bietet alles an und nicht jede Institution ist für alles geeignet und dafür ausgestattet! Natürlich muss man sich in diesem Urwald an Studienfächern irgendwie zurechtfinden. Das musst du aber unbedingt selbst machen, da hilft nur recherchieren, sich einen Plan machen (da bist du hier ja richtig) und sich die Studienorte und ihre Lehrkräfte anschauen. Aber dazu im nächsten Artikel mehr. 

Ein sehr bekannter Studiengang, den ich noch nicht genannt habe, ist das Lehramt Studium. Der läuft allerdings nicht unter dem Namen „Bachelor of Music“, sondern tauft sich „Bachelor of Arts Lehramt Musik“. Dieser Studiengang wird aber nur angeboten, wenn eine Universität in der Nähe ist, mit der die Hochschule verbunden ist. Oder eben eine Universität mit einem Fachbereich Musik. 

Im „Master of Music“ kann man sich dann z.B. als Instrumentalist auf Orchesterspiel oder Kammermusik oder Solo spezialisieren. Es gibt ebenso die Möglichkeit sich auf eine Stilistik zu konzentrieren: zeitgenössische/Neue Musik oder Alte Musik. Pädagogische Masterstudiengänge und Master im Jazz/Pop sind selbstverständlich auch vorhanden.

Es gibt zusätzlich, zu den oben etwas ausführlicher dargestellten Studiengängen, die Fächer (Bachelor und Master): Orchesterdirigieren, Chordirigieren, Oper/Musiktheater, Kirchenmusik, Komposition, Tonsatz, Musikwissenschaft, Musikproduktion…

Du merkst vielleicht nach den letzten Zeilen – das ist ein riesen Angebot und es ist überall immer etwas anders. Das Internet bietet uns heute die Möglichkeit sich sehr gut zu informieren, über einen bestimmten Studiengang oder eine Musikhochschule und deren Lehrende. Was aber irgendwie nirgends steht, ist die Realität und der Studienalltag eines Musikstudierenden. Ich versuche mit meinen kommenden Artikeln, genau dieses Loch zu füllen. Ich möchte niemanden davon abhalten ein Musikstudium anzustreben! Aber ich möchte auch nicht, dass jemand blind ins Studium rennt, ohne einen Gedanken daran verschwendet zu haben, was da eigentlich auf einen zukommt!

Abschließend will ich noch mal auf den Titel dieses Artikels eingehen und auf die Frage(n):

Ist das Musikstudium wie ein duales Studium?

Es kommt ganz darauf an, was du daraus machst. Mein Studienverlauf hat sich zumindest immer wie ein duales Studium angefühlt, da ich selten „nur“ studiert habe und immer schon in dieser Berufsbranche gearbeitet habe. Natürlich um Geld zu verdienen, aber auch um Erfahrung zu sammeln!

Kann man mehrere Studiengänge gleichzeitig oder hintereinander studieren?

Ja, ich bin das lebende Beispiel! Aber hintereinander bietet sich schon eher an, als gleichzeitig…

Muss man sich auf einen Berufszweig einschießen?

Nein, ist auch nicht sehr förderlich. Einen Plan B oder C zu haben, ist grundsätzlich nicht verkehrt oder sich mehrere Standbeine aufzubauen!

Ist das Musikstudium wirklich so hart?

Das kommt ganz drauf an, was du studieren möchtest und was du danach damit anfangen willst! Aber ein Ponyhof ist es definitiv nicht…

Wo soll ich mich bewerben?

Die Frage, bzw. meine Tipps dazu, kommen im nächsten Artikel 🙂 Bis dahin eine gute Zeit und genießt die Sonne (falls vorhanden)! 

Corona-Alltag

Was soll ich sagen…mein letzter Artikel war am 11.04….und ich freue mich wahnsinnig jetzt gerade auf meinem Balkon in der Sonne zu sitzen – natürlich mit Kaffee – und einen neuen Artikel schreiben zu können. Denn eines ist sicher: am Wollen scheiterte es bei mir nicht, sondern am Können!

Ich weiß nicht wie es dir erging in den letzten Wochen, aber diese Situation konnte keiner vorhersehen, geschweige denn kann das jemand verstehen. Es ist nach wie vor surreal und völlig fern ab der Realität, die wir gewohnt sind. Ich möchte heute auch absolut nicht über Corona oder über meine Meinung zu dem Thema sprechen. Aber ich möchte über die Folgen sprechen. Folgen der Maßnahmen für dich und mich als Musiker/in, Musikpädagoge/in und/oder Künstler/in etc.

Ich habe am 17.03. noch einen Artikel geschrieben über eine Quarantäne-To-Do-Liste, mit Dingen die man machen kann, für die man nie Zeit hat oder genauer gesagt sich die Zeit dafür nie genommen hat. Witziger Fun-Fact: ich hatte noch nie so wenig Zeit für Dinge, die ich schon immer mal machen wollte, wie in den letzten sechs Wochen! Die Vorstellung einer Quarantäne, in der ich den ganzen Tag nicht weiß was ich mit meiner Zeit anstellen soll, war eine schöne Vorstellung – es blieb leider bei der Vorstellung. Die Realität sah etwas anders aus. Wie gesagt: es konnte keiner vorhersehen und ich möchte hier auch nicht auf hohem Niveau jammern, aber dieser Blog richtet sich bevorzugt an Musikstudierende oder Studierende und ich habe die Vermutung, dass es nicht nur mir so ging!

Zu Beginn der Corona Krise entwickelte sich immer mehr mein Alltag mit Online Unterricht, Online Seminaren und Kommunikation via Zoom/Mail/WhatsApp.

Was mir nicht klar war: die Kommunikation mit Eltern oder Lehrern zum Planen eskalierte in der Anfangszeit natürlich enorm. Stunden meiner Woche gingen nur dafür drauf, Termine abzuklären, Zoom Links zu erstellen, die unfassbar große Flut an E-Mails zu bewältigen, Unterrichte vorzubereiten, Material zu scannen, Play-Alongs einzuspielen, Tutorials aufzunehmen – und da hatte ich noch keinen einzigen Unterricht live via Zoom oder Jitsi gegeben! Am Anfang war ich dafür unglaublich dankbar. Ich merkte, dass ich weiterhin Geld verdienen kann. Meine Verluste durch Muggen hielt sich Gott sei Dank in Grenzen. Aber…

…ich bin sowieso gefährdet beim Thema Überplanung. Das ist meine größte Schwäche und es kam also wie es kommen musste. Innerhalb kürzester Zeit hatte ich ein Workload durch Online Unterrichten, Online Studium, Workshoptätigkeit und Gremienarbeit, welcher sich auf ungefähr 60-70 Stunden die Woche belief. BÄM! Und glaub mir, ich hab das intuitiv kommen sehen, aber es überrollte mich zur Gänze, als es dann soweit war!

Die Vorstellung ich hätte in der Corona Krise Zeit viele Blogartikel zu schreiben, Podcastfolgen zu produzieren, neue Kurskonzepte zu entwickeln, zu Lesen, viel Sport zu machen, Auszumisten und zu Üben – ja die verpuffte ungefähr nach zwei Wochen. Meine Vermutung, dass es einigen Studierenden da draussen ähnlich geht, hat sich bereits durch Gespräche bestätigt. Denn eine Sache haben wir auch noch völlig unterschätzt: Wir Musikstudierende sind es absolut nicht gewohnt 8-9 Stunden vor einem PC/Laptop/Tablet zu hängen und dort zu arbeiten.

Ein Online Seminar jagt das nächste. Die Vor- und Nachbereitungszeit hat sich gefühlt verdoppelt, weil einige Lehrende dachten: ‚Na damit da bloß keine Langeweile bei den Studierenden aufkommt, können die ja dies und jenes auch noch machen!‘ – bitte nicht falsch verstehen, den meisten Lehrenden war auch das nicht klar. Denn wie oben bereits geschrieben, niemand konnte das vorhersehen. Üben zu Hause ist vielen einfach gar nicht möglich. Weil einem die Nachbarn, die ja auch alle zu Hause sind und z.T. auch im Home-Office arbeiten, einem einfach aufs Dach steigen, wenn man 4 Stunden lang Orchesterstellen oder Etüden rauf und runter übt.

Und dann kommt da eine Frage in mir hoch: Wofür übe ich überhaupt grade? Was soll das Ganze? Ich habe das nächste Konzert im Oktober, wenn das denn stattfindet. Probespiele wurden alle auf unbestimmte Zeit verlegt. Kann ja auch da keiner wissen, wann es wieder weiter geht. Ich bin ein sehr zielorientierter Mensch, war ich schon immer. Für meine Psyche auf der Ebene, waren die letzten Wochen auch eine große Herausforderung. Ich habe mich fokussiert aufs Unterrichten, Geld verdienen, Funktionieren.

Der Online Unterricht, ob man ihn nun gibt oder nimmt, ist wesentlich kräftezehrender als der Präsenz Unterricht. Die Rückmeldung habe ich nicht nur aus dem näheren Bekanntenkreis erhalten. Zeitweise hatte ich das Bedürfnis abends meinen geliebten Laptop einfach aus dem Fenster zu werfen. Kopfschmerzen, Konzentrationsprobleme und Zeitmangel sind eine unfassbar beschissene Kombination!

Zusätzlich zu dem ganzen Workload, kam immer wieder die große Sehnsucht zu sozialem Kontakt. Ich vermisste das Bier/Kaffee trinken mit Freunden, die Small Talks in der Hochschule und vor allem die Kammermusik! Die fehlt mir nach wie vor am meisten. Ich habe mein Musikstudium vor sieben Jahren begonnen u.a. weil ich mein Leben lang Kammermusik machen wollte. Das erfüllt mich. Ich liebe das! Mit Menschen in Verbindung auf der Bühne Musik zu machen, das Publikum zu berühren, zu interagieren, die Sau rauszulassen, Spaß zu haben auf einer ganze besonderen Ebene. All das war von heute auf morgen einfach weg.

Es macht mich wütend, dass unsere Branche einfach so auf 0 gebremst wurde. Nach wie vor. Es geht mir da nicht nur ums Geld. Künstler arbeiten schon seit Jahrzehnten zum Großteil für eher weniger als mehr Geld. Ich habe diesen Beruf auch nicht gewählt um reich zu werden. Ich habe ihn gewählt, weil ich liebe was ich da tue. Ich motiviere junge oder ältere Menschen Musik zu machen, ich begeistere sie für Musik und stecke sie im Idealfall mit meiner Leidenschaft und Energie an. Das geht Online unter bestimmten Umständen auch ganz gut, aber nichts – gar nichts – ersetzt den persönlichen, menschlichen Kontakt live in Farbe und in 3D! Ich berühre Menschen auf der Bühne im Publikum und bringe sie für einen Moment weg aus ihrem Alltag in einen friedlichen Bereich ihrer Selbst. Ich löse Emotionen aus und kommuniziere mit Energie und Leidenschaft. All das ist einfach nicht mehr da!

So langsam kommen wir wieder zu einer „Normalität“ die ich dringend nötig habe. Ich halte mich natürlich an meiner Grundmotivation fest und vertraue darauf, dass es bald wieder möglich ist, all diese Dinge zu tun und zu fühlen. FaceTime mit Freunden und Familie haben mir sehr geholfen dadurch zu kommen. Ich hoffe bei dir war es genauso!

Ich bin für diese Menschen unglaublich dankbar!!! Und diesen Artikel widme ich allen wunderbaren Menschen, die mir in dieser Zeit durch diese Scheiß Corona Zeit geholfen haben – sorry ein bisschen fluchen am Ende musste sein!

Vergiss nicht! Du darfst das auch scheiße finden, du darfst dich drüber aufregen, du darfst weinen oder schreien oder jammern, du darfst es auch geil finden und feiern, dass du den ganzen Idioten draussen nicht mehr begegnen musst, es darf dir auch einfach egal sein. Alles ist erlaubt! Emotionen müssen raus und du musst dich auf keinen Fall dafür schämen, dass du nicht in der Zeit ein Roman geschrieben hast, ein Werk komponiert hast, ein Kunstwerk gemalt hast, einen Marathon gelaufen bist oder was auch immer…wenn du einfach sechs Wochen richtig in der tiefen emotionalen Scheiße gesteckt hast: dann Willkommen im Club! Es ging nicht nur dir so.

Einen wundervollen Tag wünsche ich dir – egal was du gerade machst! Denk immer daran:

Gemeinsam sind wir stark und wir schaffen das zusammen 😉