Gedankenkarusell

Kennst du das?

Du stehst hinter der Bühne und musst gleich raus und deine Gedanken fangen an so richtig durchzudrehen: „Was ist wenn ich einen Fehler mache?“ – „Was werden die Leute wohl von mir denken?“ – „Sehen meine Haare auch gut aus oder sollte ich noch mal schnell in einen Spiegel schauen?“ – „Habe ich mich auch richtig vorbereitet? Wäre da nicht noch mehr gegangen?“ – „Shit, was mache ich hier eigentlich? Warum tue ich mir das noch mal an?“

Du erkennst das? Na dann Willkommen in der Welt eines Bühnenmenschens. Es ist übrigens egal, was du dort tust. Ob sprechen, singen, tanzen, spielen. In dem Moment, wo wir auf die Bühne gehen, machen wir uns angreifbar. Wir machen uns verletzlich. Wir zeigen uns vor Menschen. Ich persönlich fühle mich seelisch meistens komplett nackt auf der Bühne, aber mittlerweile finde ich das richtig geil! Denn dann sind plötzlich ganz besondere Momente möglich, die ich nicht hatte, als ich mir noch Gedanken um meine Leistung, meine Haare, mein Outfit oder meine Noten gemacht habe.

Dieses oben beschriebene Gedankenkarusell haben sehr viele! Wenn du dich da wieder erkennst, bist du nicht alleine! Das Problem an der Situation ist allerdings, das bei vielen durch dieses Gedankenkarusell ein Gefühl hochkommt, was einem ganz schön die Party versauen kann: Angst.

Angst ist kein guter Berater (dazu gibt es auch eine Podcastfolge, hör da gerne mal rein). Angst sorgt im Körper für noch mehr Stress, als es die Situation eigentlich schon hergibt. Dein Körper ist im Alarmmodus, Adrenalin wird ausgeschüttet und normalerweise gibt es nun drei Möglichkeiten: Fight, Flight oder Freeze. Unser Nervensystem hat drei Optionen für solche Momente: kämpfen, fliehen oder totstellen bzw. einfrieren. Das muss man wissen! Wenn dir das nicht bewusst ist, kannst du auch nicht darauf reagieren. Diese Reaktion ist mehrere zehntausend Jahre alt, heute steht da halt kein Säbelzahntiger sondern ein Vorhang, Scheinwerfer und Augenpaare, die einen erwartungsvoll anschauen. Aber das Muster ist das gleiche.

Es geht nicht darum dieses Muster zu unterdrücken, das mit dem Unterdrücken funktioniert leider nie – vertrau mir, ich spreche aus Erfahrung. Du darfst einen Umgang damit anstreben und lernen, was dir gut tut und was nicht.

Gedanken erschaffen Gefühle und die wiederum beeinflussen unsere Handlung. Wenn du in das negative Gedankenkarusell einsteigst, entsteht Angst und Panik und daraus entsteht eine Handlung, mit der wir oft sehr unzufrieden sind.

Wie glaubst du würdest du dich fühlen, wenn du das Gedankenkarusell zwar benutzt, aber es mal in die andere Richtung drehst? Wenn du nicht nach unten abdrehst, sondern nach oben? Wenn deine Erfahrung auf der Bühne die ist, dass du zeigst was du kannst, dich auf deine Tätigkeit voll fokussieren kannst und einfach die Bude rockst ohne Selbstzweifel und Angst?

Klingt das für dich unmöglich? Ist es nicht!

Wenn du dich mehr damit auseinandersetzen möchtest, dann ist mein Online Kurs „Get your shit done“ genau das Richtige für dich! (Wenn du noch studierst bitte kontaktiere mich für einen Rabattcode.) Der Kurst startet am 14.05.22 und du kannst dich bis dahin anmelden. Du erhältst 4 Coachingvideos, ein PDF Workbook mit vielen Fragen und Übungen und mehrere Bonusinhalte inkl. einem PowerTalk mit positivem Gedankenkarusell 😉

Du musst nicht in Angst hoch! Du darfst dir Vertrauen. Das ist ein Prozess und kein Zustand. Ich kann aus vierzehn Jahren Bühnenerfahrung sagen: Es geht auch anders und es muss nicht immer Drama sein. Du darfst dich dort oben auch wohl fühlen und musst dir nicht erzählen, das sein normal, dass es dir so geht. Es geht vielen so, das bedeutet aber nicht, dass es normal ist!

Get your shit done

Online Kurs ab dem 14.05.22

Endlich kommt er!

Die Idee kam mir schon vor über einem Jahr und das Konzept erstellte sich fast von selbst. Die Umsetzung war das Problem. „Kann ich wirklich einen Online Kurs machen?“ – „Wird das jemanden interessieren?“ – „Wer soll das denn kaufen?“ – Wer hat dich gefragt?“ … die alte Leier. Wer mich schon länger verfolgt weiß, dieses Bullshit FM hatte ich von Tag eins bei jedem neuen Projekt. Dem Blog. Dem Podcast. Dem YouTube Kanal. Dem Social Media Kram. Meinem ersten Buch. Meinem zweiten Buch. Bei meinem Roman, den ich aktuell schreibe. Immer, diese beschissenen Gedanken, warum etwas nicht klappen wird und es sowieso niemand interessiert.

Fakt ist: Mein Bullshit FM hatte immer Unrecht. Meine Intuition war immer richtig. Worauf höre ich also ab jetzt? Meine Intuition und die sagt mir, dass ich mit diesem Online Kurs gold richtig liege und er wirklich benötigt wird.

Hier gehts zum Infovideo. Und hier kannst du dir mein Freebie Info PDF runterladen.

Es geht in dem Kurs nicht darum, dass ich dir erkläre, wie der Hase läuft und das mein Weg der einzig Wahre ist. Nein. Der Kurs ist Hilfe zur Selbsthilfe. Ich begleite dich zu deiner idealen und persönlichen Routine vor einem Auftritt! Wir reflektieren, wir akzeptiere, wir visualisieren und wir planen. Ein erfolgreicher Auftritt, bei dem wir unsere Bestleistung abrufen ist kein Zufall, sondern eine Frage des Mindsets und der Vorbereitung, aber eben nicht nur der inhaltlichen!

Der Kurs startet am 14.05.22, Verkaufsstart ist am 27.04.22. Es wird bis zum 05.05.22 einen Early Bird Preis geben von 149€ (Ratenzahlung möglich) und danach steigt der Preis. Solltest du studieren, kannst du dich per Mail an mich wenden mit deiner Immatrikulationsbescheinigung und du erhältst einen Rabattcode von mir.

Bei Fragen kannst du gerne hier kommentieren, dich per Mail an mich wenden oder via Instagram DM schreiben. Alles möglich. Ich freu mich auf dich!

Wichtig! Der Kurs kann nur bis zum 14.05.22 gebucht werden und ist dann erst mal geschlossen. Je nach Anfrage werde ich den Kurs dieses Jahr noch mal launchen.

Was hat die Pille mit meinen Emotionen zu tun?

Heute ging eine neue Podcastfolge online. Über die Pille und warum ich sie nicht mehr nehme. Ich möchte in diesem Blogartikel passend dazu kurz darüber schreiben, was die Pille (oder generell hormonelle Verhütung) aus meiner Erfahrung mit den eigenen Emotionen zu tun hat und warum das gerade für Musikerinnen wichtig ist zu wissen!

Kleiner Disclaimer vor ab: Ich bin keine Ärztin und alles was ich hier schreibe, habe ich aus Erfahrung und aus eigener Recherche. Ich verlinke auch alles, was ich empfehlen kann, wenn du dich damit mehr beschäftigen möchtest.

Ich persönlich habe die Pille angefangen zu nehmen mit 15 Jahren, weil ich sehr starke Menstruationsbeschwerden hatte, wie so viele junge Mädchen damit kämpfen. Heute weiß ich, das war nicht normal und ist es heute auch nicht! Wenn du dich als Frau heute noch vor Schmerzen krümmst und auf allen Vieren Richtung Kloschüssel robbst, um dort zu warten bis du dich übergibst (ja, das kann so schlimm sein und nein, ich sag es noch mal, das ist nicht normal!) und dein Kreislauf komplett zusammenklappt, dann gibt es da verschiedene Ursachen für.

Erstens: Stress! Der Körper schlägt zurück. Wenn du ihn zu sehr belastest, bekommen wir Frauen spätestens bei unsere Menstruation den Schlag zurück.

Zweitens: Du lehnst deine Weiblichkeit ab, weil unsere Gesellschaft Weiblichkeit ablehnt. Das ist nicht deine Schuld und du brauchst dich dafür auch nicht fertig zu machen, dass du deine weibliche Energie dauerhaft unterdrückst. (Dazu werden noch mehr Podcastfolgen kommen, also gerne abonnieren.)

Drittens: Deine Ernährung war/ist nicht gut. Viel Alkohol, Kaffee (ja, leider!), Zucker, Mehl und verarbeitete Produkte sind nicht förderlich, für einen gesunden Körper und demnach auch für eine gesunde (vor allem schmerzfreie) Menstruation.

Viertens: Du gibst deinem Körper keine Zeit für die Menstruation und möchtest genauso leistungsfähig bleiben, wie um deine Eisprungphase. Das wird nicht funktionieren, auch wenn du es dir noch so sehr wünschst! Unser Körper ist zyklisch – Akzeptier das und lebe danach, das Leben (und die Menstruation) wird leichter.

So. Jetzt habe ich von der Menstruation gesprochen. Die hatte ich aber erst wieder, nachdem ich mit 24 Jahren die Pille abgesetzt hatte. Viele Menschen wissen gar nicht, dass sie unter der Pilleneinnahme keine Menstruation haben. Das, was wir da haben, ist eine Abbruchblutung oder Entzugsblutung (gerne hier weiter informieren) und ist medizinisch absolut nicht notwendig! Wer davon was hat? Die Damenhygiene-Industrie. Und damals als sie rauskam, wollte die Pharmaindustrie das Produkt Pille der katholischen Kirche so „natürlich“ wie möglich verkaufen. Aber schaut euch dazu einfach das Video an!

Es gibt noch mehr, was ich über die Pille und ihre Wirkung gelernt habe, was mich schockiert und gleichzeitig fassungslos gemacht hat, das würde diesen Artikel sprengen, deshalb informiert euch sehr gerne auf dieser Seite und hört in diesen Podcast rein, wenn euch das Thema jetzt noch mehr interessiert.

Heute möchte ich ganz explizit darauf eingehen, was das Absetzen mit meinem emotionalen Zustand gemacht hat und was ich vor allem musikalisch und im Alltag als Musikstudentin gemerkt habe. Ich habe die Pille vorrangig abgesetzt, weil ich unglaublich viele Nebenwirkungen hatte, dazu könnt ihr noch mehr in meiner neuen Podcastfolge hören. Die Nebenwirkungen habe ich über zwei Jahre bemerkt, aber konnte einiges davon erst nach dem Absetzen deuten. Eine Sache die mir aber sehr krass aufgefallen ist und auch schon wenige Wochen danach war: Meine Gehirn hat wieder richtig funktioniert und ich hatte emotional ganz heftige Ausschläge in beide Richtungen. Zu Deutsch: Ich konnte mich besser konzentrieren, mich beim Üben besser fokussieren und ich habe mich nicht mehr so gefühlt, als stünde ich neben mir. Es kam mir so vor, als hätte ich einen Schleier vom Gesicht weggenommen. Das habe ich von ganz vielen Frauen gehört, die dasselbe gemacht haben wie ich. Gleichzeitig habe ich beim Musizieren und beim Auftritt gemerkt, dass meine Emotionen viel intensiver waren. Ich habe meinen Körper besser gespürt und überhaupt erst mal ein Körpergefühl entwickelt. Das hatte ich davor fast gar nicht, ich war wie betäubt, wie kalt gestellt und emotional „eingefroren“.

Wenn man sich mit der grundsätzlichen Wirkung der Pille beschäftigt, macht das auch Sinn. Das muss natürlich nicht bei jeder Frau so sein! Ich spreche gerade auch nur für mich, aber falls das hier jetzt jemand liest, die sich denkt: Oh Gott, das kenne ich! – Dann fang gerne an zu recherchieren und frage dich, ob du das noch möchtest und bewusst dich für diese Verhütungsmethode entscheidest.

Die Pille ist ein Medikament und es sind keine Smarties. Es wurde aber früher (als ich in der Pubertät war) ein bisschen so verschrieben und viele junge Mädchen um mich herum, haben die Pille genommen, weil das Cool war und weil man davon so schöne Haare und Haut bekommt und die „Brüste schneller wachsen“ – kein Scheiss! Aber man sollte das nicht leichtfertig einfach ohne zu hinterfragen über Jahre nehmen, gerade als erwachsene Frau ist es deine eigene Verantwortung.

Ich muss sagen, seit ich ich die Pille abgesetzt habe, merke ich nur Vorteile, vor allem was meinen emotionalen Zustand betrifft. Ich hatte unter der Pille depressive Phasen bis hin zu sehr dunklen Gedanken, die danach nicht mehr da waren und wisst ihr was? Das steht als Nebenwirkung in der Packung! Und das war auch schon bekannt, als die Pille in den 60er Jahren rauskam.

Ich möchte mit diesem Blogartikel und vor allem mit der Podcastfolge einfach für das Thema sensibilisieren und bin offen für Gespräche über das Ganze Thema. Schreibt mir gerne an: info@managemusik.com oder via Instagram.

Mein neues Buch

Oh mein Gott … es ist veröffentlicht! Ich kann es echt nicht glauben. 26 Monate nach der Idee und 16 Monate, nach dem ich das erste Kapitel geschrieben habe, ist das Buch endlich veröffentlicht. „Was machen Sie eigentlich beruflich?“ ist eins meiner absoluten Herzensprojekte und ich bin so dankbar, es endlich mit euch zu teilen.

Hier gehts zur Bestellung der gedruckten Version, zum E-Book und zum Hörbuch. (Das Ebook und das Hörbuch sind leider erst ab dem 14.3. erhältlich, da gab es einen technischen Fehler meinerseits.)

Ein kleiner Ausschnitt noch aus dem Buch, als kleiner Appetit Happen 🙂

„Im Studium bekommen wir irgendwie eine Welt vorgestellt, die es so leider nicht mehr gibt und das nicht erst seit Corona. Die Hochschulausbildung, so hochwertig und wundervoll sie ist, ist in ihrer Struktur und ihrem Aufbau leider in den Achtziger- oder Neunzigerjahren hängengeblieben. Das ist gar nicht böse gemeint, sondern eine simple Feststellung nach neun Jahren Studium. Wir werden dort auf alles Mögliche vorbereitet, was die fachlichen, künstlerischen und pädagogischen Aspekte angeht, aber wie diese Welt, in die man uns nach dem Abschluss schickt, wirklich aussieht, dass erzählt einem gefühlt keiner. Das ist auch einfach erklärt, die meisten Lehrenden an Musikhochschulen sind ja in festen Stellen und zum Teil verbeamtet und werden verdammt gut (völlig zu Recht) bezahlt. Natürlich kann einem da niemand sagen, wie das harte Pflaster als (teil)selbstständige Musiker*in oder Musikpädagog*in aussieht. Wenn man im Studium von einer in die nächste Förderung geschleust wird, oder Stipendien erhält, aber niemand sagt: 

„Hey, später wird das nicht mehr ganz so einfach sein, dann musst du deinen gesamten Lebensunterhalt im Worst Case mit einem prekären Gehalt bestreiten.“

Das Schlimme an der Sache ist, dass das so in den Köpfen der Musiker*innen drin ist, dass niemand realisiert, dass wir an den meisten Problemen (wie in den letzten Kapiteln genauer erläutert) selbst mitverantwortlich sind. Es ist selbstverständlich leichter, auf andere zu zeigen und zu denken, dass die schuld sind. Fakt ist, dass man zu einem sehr großen Teil im Leben selbst verantwortlich ist und wenn wir das Alle mal verstehen und wirklich bewusst umsetzen, dann ändert sich auch etwas in unserer Branche.

Wenn niemand mehr für fünfzig Euro einen Auftritt annimmt, weil er oder sie denkt: 

„Lieber die fünfzig Euro als gar nichts.“

Wenn niemand mehr Instrumentalunterricht für zehn Euro die gehaltene halbe Stunde gibt, weil er oder sie denkt, die Eltern würden ja eh nicht mehr bezahlen. 

Wenn niemand mehr so tut, als wären Honorarverträge an Musikschulen und Musikhochschulen was Tolles und würden nicht zu den prekären Verhältnissen vieler Pädagog*innen beitragen.

Wenn niemand mehr verheimlicht, wie beschissen es eigentlich so vielen in unserer Branche geht und immer auf die zeigt, bei denen alles wie am Schnürchen läuft. Wenn wir alle (und ich spreche jetzt alle Kolleg*innen an, egal aus welchem musikalischen Mikrokosmos sie stammen) endlich (!) zusammenhalten und uns gegenseitig unterstützen, uns helfen und uns nicht gegenseitig die Augen auskratzen, die Ellenbogen in die Fresse rammen, das Messer in den Rücken oder uns gegenseitig überbieten oder schlimmer noch unterbieten wollen, uns zusammen tun anstatt wie ein aufgeblasener, arroganter Gockel oder hysterische Henne zu beweisen, dass die eigene musikalische Sparte die Bessere ist, dann … nur dann sehe ich Hoffnung, dass wir dieses Schiff noch umdrehen und die Richtung wechseln können.“

Viel Spaß beim Lesen oder Hören!

Leseprobe: „Was machen Sie eigentlich beruflich?“

Ich kann es kaum glauben, aber in genau 14 Tagen am 13.03.22 veröffentliche ich mein Buch: „Was machen Sie eigentlich beruflich?“

Ich habe beschlossen hier eine kleine Leseprobe zu teilen und schon mal Werbung zu machen. An dem Tag selbst gehe ich auf Instagram live und am Montag wird diese Livefolge als Podcastfolge online gehen auf meinem Podcast.

Das Buch wird es als gedrucktes Buch im Eigenverlag geben, mit ISBN und erhältlich auch bekannten Buchportalen. Als E-Book und als Hörbuch kannst du es bei mir erwerben, an dem Tag wird auch hier ein Blogartikel online gehen mit allen Links und Infos dazu.

Jetzt möchte ich dich aber nicht länger auf die Folter spannen, es folgt ein Ausschnitt aus dem Kapitel:

„Ach, Musik kann man studieren?“

Diese Frage wird, glaube ich, spätestens in der Familie oder im Umfeld gestellt, wenn man auf die Frage: 

„Was machst du denn dann nach der Schule?“, mit „Ich möchte Musik studieren und bereite mich gerade auf die Aufnahmeprüfung vor.“ antwortet. Natürlich gibt es Familien, in denen bereits Musiker*innen sind. Viele Musikstudierende kommen auch aus Musikerhaushalten. Da wird diese Frage selbstverständlich eher selten gestellt. Es gibt aber sehr viele Menschen, die konsumieren täglich ihre drei bis vier Stunden Spotify oder Radio und sind dann völlig aus dem Häuschen, wenn man ihnen sagt, dass man Musik sogar studieren kann. 

Es gibt tatsächlich dreiunddreißig Musikhochschulen beziehungsweise Universitätsinstitute in Deutschland, an denen man das kann. Ich finde es auch absolut nicht schlimm, dass es Menschen gibt, für die das neu ist. Ich wusste bis vor kurzem auch nicht, dass man „Angewandte Freizeitwissenschaften“ oder „Urbanistik“ studieren kann. Grundsätzlich ist in unserer Branche Musikstudium nicht gleich Musikstudium. Es gibt selbst innerhalb dieser dreiunddreißig Stand-ortmöglichkeiten sehr unterschiedliche Studiengänge. Pauschal könnte man sie in zwei Kategorien einteilen: künstlerische und pädagogische Studiengänge. 

So leicht kann man es sich aber dann doch nicht machen, wenn man sich so ein Studiengangsangebot einer Hochschule mal genauer anschaut. Man findet dort neben Orchestermusik, Jazz/Pop, Solo/Kammermusik und Musiktheater Studiengängen mittlerweile auch Singer/Songwriter oder Musikproduktion. Im pädagogischen Bereich gibt es die ganz klassische Unterteilung von Instrumental- und Gesangspädagogik (IGP), Elementare Musikpädagogik (EMP) und Lehramt. Am Ende haben diese Studienfächer eines gemeinsam: Es geht um Musikvermittlung! 

Die Ensembleleitung darf man hier selbstverständlich auch nicht vergessen. Ja, die Dirigent*innen großer, sowie kleiner Orchester haben in den meisten Fällen ein Dirigatstudium hinter sich oder das Fach Ensembleleitung studiert. Natürlich kann man auch in die wissenschaftliche Richtung gehen, sowohl in der Musikwissenschaft oder in der Musikpädagogik. Viele Musikwissenschaftler*innen stecken hinter den Beiträgen von Rundfunkanstalten oder hinter Zeitungsartikeln. Ganz schön viele Berufszweige, die da zusammenkommen in einer Branche, von der so einige Menschen glauben, wir würden das hobbymäßig machen. Es gibt eine sehr große Vielfalt an Studiengängen und noch eine größere Vielfalt an Berufsprofilen, die dadurch entstehen können. Mittlerweile gibt es nur noch wenige Musikstudierende, die nur einen Studiengang mit einem einzigen Ziel studieren. Orchestermusik ist wahrscheinlich so eine Studienrichtung. Man übt sich vier bis sechs Jahre die Finger wund, um nach zehn bis dreißig Probespielen, eventuell irgendwann, irgendwo, irgendwie eine Orchesterstelle abzusahnen. Die Stellen werden immer weniger und gleichzeitig gibt es immer mehr Anwärter*innen auf diese Stellen. Problem vorprogrammiert. Dazu aber später mehr. 

Eine andere Problematik gibt es in der Beobachtung von Lehramtsstudiengängen. Viele Studierende nutzen die umfassende Ausbildung (hier geht es noch am ehesten in die Richtung ‚Studium generale‘) und setzen dann später einen anderen musikalischen Schwerpunkt, studieren noch Instrumental- oder Gesangspädagogik oder Dirigieren und gehen dann damit in eine ganz andere Richtung und teilweise auch nicht in die Schulen. Früher konnte man Lehramt auch noch an viel mehr Hochschulen im Doppelfach studieren, das bedeutet, man hatte kein Zweitfach für die Schule, sondern das instrumentale Hauptfach war sozusagen das Zweitfach. Das hatte den Vorteil, dass die Musiklehrämtler*innen auch viel Zeit für ihre künstlerische Bildung hatten, für mich eine absolute Voraussetzung, um Kindern und Jugendlichen Musik zu vermitteln. Das kommt heute bei einem Zweitfach an der Universität, wie zum Beispiel Mathe, Chemie oder Geschichte, natürlich zu kurz. Viele zieht es dann zurecht noch in einen Studiengang, indem sie dem Wunsch nach mehr künstlerischer Entfaltung nachgehen können. Musik studieren bestimmt nicht so viele junge Menschen in Deutschland, oder? Es gibt tatsächlich Zahlen, die ich hier natürlich nicht vorenthalten möchte. Im Wintersemester 2019/2020 waren 33.002 Studierende eingeschrieben an deutschen Musikhochschulen, Universitäten, Pädagogischen Hochschulen und Fachhochschulen[i]. Davon tatsächlich die meisten in Studiengängen der Instrumental/-Orchestermusik mit 9.077 Studierenden. Auf Platz zwei folgt der Studiengang Lehramt für allgemeinbildende Schulen mit 7.679 Studierenden und mit 6.800 Studierenden, auf Platz drei, Musikwissenschaft/Musikgeschichte. In Studiengängen der Musikerziehung (IGP und EMP) befanden sich in dem Wintersemester 2019/2020 4.227 Studierende. Wenn man diese Zahl in Relation setzt: Im Wintersemester 2019/20 waren deutschlandweit 2.897.300 Studierende eingeschrieben, laut dem Statistischen Bundesamt 37.100 an Kunsthochschulen – das sind 1,3 %[ii]. Natürlich ein geringer Anteil, aber es sind eben doch mehr, als man vielleicht glauben mag. Generell ist Deutschland ein sehr beliebtes Studienland für das Fach Musik. Wir haben eine sehr internationale Studierendenschaft, was auch auf kultureller Ebene sehr befruchtend ist. Ein weiterer Grund sind natürlich die nicht notwendigen Studiengebühren, das trifft aber natürlich nicht nur die Musikstudiengänge. Deutschland ist als Kulturnation gleichzeitig auch sehr verlockend, bei Komponisten wie Bach, Beethoven und Brahms (Nein, ich kann nichts dafür, dass die alle mit B anfangen).


[i] http://miz.org/downloads/statistik/8/08_Studierende_Musikberufe_Studienfach.pdf

[ii] https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2019/11/PD19_453_213.html

Das Buchcover

Neujahr gleich Neustart?

Ein frohes neues Jahr wünsche ich dir! Es ist einfach 2022 … wann zur Hölle ist das passiert? Es ist so krass, ich bin bereits im dritten Jahr mit diesem Blog und mein Podcast geht im Februar diesen Jahres in die dritte Staffel! Ich kann das manchmal alles nicht glauben. Ich habe im Jahr 2021 ein Unternehmen mit Managemusik gegründet und noch sehr viel vor mit diesem wundervollen Blog, dem Podcast, meinem Patreon Kanal und meinen Workshops und Coachings. Ich plane einen Online Kurs, der auf meinen Selbstmanagement Workshop aufbaut und besonders für Musiker*innen und Musikstudierende gedacht ist. Ich schreibe gerade an meinem zweiten Buch „Was machen Sie eigentlich beruflich?“, welches im Frühjahr rauskommen wird. Es gibt viele schöne Projekte und ich komme aus einer guten Kreativpause mit ganz viel Energie und Ideen zurück.

Das heutige Thema: Neujahrsvorsätze und warum du das auch gleich lassen kannst!

Ja, ich weiß, es gibt da draußen so viele Menschen, die fiebern dem Jahresende entgegen, um dann im neuen Jahr mit Neujahrsvorsätzen ihr Leben „endlich mal richtig“ zu verändern. Weniger Alkohol, aufhören zu rauchen, mehr Bewegung, weniger Social Media, weniger Stress und gesündere Ernährung. Am Besten auch alles auf einmal!

Fühlst du dich ertappt? Dann entspann dich, so geht es vermutlich 95% der Menschen. Ich habe diesbezüglich ein paar Fragen für dich:

  1. Was hat dich im Dezember oder im Oktober oder im Juli davon abgehalten, dein Leben so richtig zu verändern? Was stört dich denn überhaupt?
  2. Warum hängst du denn so viel am Smartphone auf Social Media oder YouTube? Wovon möchtest du dich denn ablenken?
  3. Warum hast du so viel Stress? Wie ist es dazu gekommen?
  4. Was hält dich davon ab, täglich eine halbe Stunde spazieren zu gehen oder eine halbe Stunde Yoga zu machen?
  5. Was zum Henker ist denn bitte eine gesunde Ernährung? Vegan, vegetarisch, glutenfrei, weniger Zucker, weniger Weißmehl, mehr Obst und Gemüse, mehr Wasser, weniger Kaffee, kohlenhydratarm, kohlenhydratreich, fettarm, eiweißreich oder doch Kurzzeitfasten?

Ja, einige dieser Fragen tuen weh, wenn man sie sich selbst stellt, denn man möchte die Wahrheit oft gar nicht hören.

Ich kann dir einen ganz einfachen Tipp mitgeben: Keep cool und mach einen Schritt nach dem anderen!

Du musst (und kannst) nicht alles auf einmal umstellen und verändern, das wird nicht funktionieren. Unsere Gehirnaktivität besteht zu 95% aus unserem Unterbewusstsein und gerade mal zu 5% aus deinem Bewusstsein. Du hast richtig gelesen: Aktuell liest du diesen Artikel und denkst evtl. über den Inhalt nach – das sind gerade mal 5% deiner Gehirnaktivität. Den Rest kannst du nicht aktiv kontrollieren, es sind Denkmuster, Glaubenssätze, Routinen und Gewohnheiten dort verankert. Deine Verdauung, dein Atemsystem und deine gesamten inneren Vorgänge passieren alle unterbewusst. Stell dir vor, du müsstest aktiv deiner Leber den Befehl geben zu entgiften … wir würden vermutlich alle tot umfallen, wenn das in unserem Bewusstsein liegen würde. Wir wären gänzlich reizüberflutet und könnten das alles gar nicht stemmen. Es ist also gut, dass wir das alles nicht aktiv steuern müssen. Allerdings ist das die Grundproblematik von Gewohnheiten und Routinen. Sie liegen in unserem Unterbewusstsein und wenn wir die verändern wollen, dann kostet das Energie. Unser Gehirn möchte aber nur ungern zusätzlich Energie bereitstellen. Das Dilemma ist vorprogrammiert.

Jetzt nicht den Mut und den Kopf verlieren! Es ist alles möglich, was du dir vorstellen kannst. Es ist möglich Gewohnheiten zu verändern. Darüber werde ich in einem weiteren Blogartikel noch mal ausführlicher schreiben. Jetzt gehts mir erst ein mal darum, dass du dir klar machst, was du eigentlich verändern möchtest und vor allem warum? Jedes Ziel braucht ein klares Warum und eine klare Definition. Nenne es nicht Vorsatz, nenne es Ziel oder Fokus. Ein Ziel ist am Ende eines Weges, was bedeutet: Du darfst diesen Weg gehen! Der Weg wird nicht geradlinig verlaufen und auch nicht einfach sein. Denk da einfach an die Reise von Frodo nach Mordor (für alle die Herr der Ringe nicht gelesen oder gesehen haben: war lange und anstrengend, aber am Ende erfolgreich). Die war ja auch kein Zuckerschlecken und ohne Hilfe hätte er es nicht geschafft. So ähnlich ist das bei uns mit Zielen und Veränderungen im Leben. Es wird Tage geben, da verteufelst du die neue Gewohnheit oder dein Ziel und möchtest wieder zurück ins wohlig, warme Bekannte (Auenland ;-)). Das ist völlig normal. Halte durch und es wird leichter mit der Zeit.

Und weißt du was das Schöne ist? Wenn du am Ziel angekommen bist, gibt es ein neues Ziel. Da kommt einem natürlich der berühmte Satz: „Der Weg ist das Ziel“ in den Sinn. Genieße die Fortschritte und ärgere dich nicht so sehr über die Rückschläge, die werden nämlich kommen, entspann dich und fange mit einer Sache an und dreh deinen Alltag nicht von heute auf morgen auf links – damit wirst du keinen Erfolg haben. Es wird so sein wie bei so vielen, die sich im Januar beim Fitnessstudio anmelden, ab Februar dort nicht mehr aufkreuzen und sich dann irgendwann dem inneren Schweinehund ergeben.

Die andere gute Nachricht, die ich für dich habe ist: Du musst das nicht unbedingt nur im Januar machen. Wenn du diesen Artikel jetzt im Hochsommer liest und du möchtest etwas verändern, dann go for it! Du hast jeden Tag die Möglichkeit etwas zu verändern, was dir nicht mehr dient, was dich nicht mehr glücklich macht, was dir gesundheitlich schadet. Du musst nicht auf Silvester warten, fang einfach heute damit an – nicht morgen, sonst schiebst du es auch einfach nur fröhlich vor dir her.

Jetzt ist der richtige Zeitpunkt!

Ich wünsche dir viel Freude und Kraft beim Reflektieren und beim Umsetzen.

Buchempfehlungen Instrumentalpädagogik

Ich wurde vor kurzem ganz lieb gebeten, doch mal einen Blogartikel hochzuladen mit Buchempfehlungen für Instrumentalpädagog*innen. Das mache ich natürlich sehr gerne und möchte hier auch direkt die dazugehörige Podcastfolge verlinken. Falls jetzt jemand sagt, ich höre lieber zu, anstatt zu lesen.

Fangen wir direkt an, mit dem Buch der Bücher. Jede*r, die ein Musikpädagogischen Studium absolviert hat kennt dieses Buch oder zumindest den Autoren. Lehren und Lernen im Instrumentalunterricht von Anselm Ernst.

Ein wirklich gutes Buch mit den gesamten Grundlagen zur Unterrichtsmethodik und Didaktik. Von der Unterrichtsvorbereitung bis zur Reflexion, sehr detailliert erklärt. Wie schreibt man einen Stundenentwurf? Worauf muss ich achten bei der Unterrichtsplanung? Wie führe ich den Unterricht in Gruppen durch? Worauf sollte man achten, wenn man im Unterricht hospitiert?

Diese und viele weitere Fragen werden hier beantwortet. Natürlich muss man dazu sagen, dass Buch ist von 1991 (1.Auflage), ich selbst benutze die 4. Auflage von 2012. Trotzdem ist natürlich das Thema Digitalisierung oder moderner Gedanken zur Pädagogik dort nicht bedacht. Es ist aber ein wirklich sehr gutes Lehrwerk. Ich habe es in meinem Pädagogik Studium komplett durchgearbeitet und viel theoretisches gelernt. Kommen wir zum nächsten Buch.

Erwachsene im Instrumentalunterricht von Reinhild Spiekermann.

Der Unterricht mit Erwachsenen Schüler*innen ist und bleibt was anderes, als mit 8-Jährigen süßen Stöpseln. Darüber braucht man nicht zu diskutieren. Es gibt Kolleg*innen, die arbeiten sogar lieber mit Erwachsenen Schüler*innen, obwohl ich finde, dass es auf der zwischenmenschlichen Ebene sehr herausfordern sein kann. Dieses Buch gibt einem einige gute Tipps und Anweisungen im Umgang mit Erwachsenen. Es gibt eine DVD, die dabei ist, in der man in Unterrichte reinschauen kann. Es ist wirklich sehr spannend, ich habe mich von dem Inhalt inspirieren lassen und bisher einige der Methoden und Tipps mit Erfolg angewendet.

Das nächste Buch liegt thematisch voll in meinem Lieblingsthema. Musiklernen herausgegeben von Wilfried Gruhn und Peter Röbke, zwei absolute Schwergewichte in dem Fachbereich. Diese Buch vereint verschiedene Artikel von sehr bekannten Autor*innen der Musikpädagogik und Musikmedizin. Ein paar Artikelüberschriften: „Hirnphysiologie musikalischen Lernens“ von Eckart Altenmüller, „Musiklernen in Institutionen“ von Wolfgang Lessing und Christine Stöger, „Einflüsse der Adoleszenz auf musikalische Lernbiografien“ von Monika Smetana und „Musikvermittlung“ von Hendrikje Mautner-Obst. Es ist ein großes Kompendium, was sich nicht nur auf Instrumentalpädagogik bezieht, sondern aufs Lernen generell. Meiner Meinung nach, sollte man als Instrumental- und Gesangspädagog*innen aber einen sehr guten Einblick darin haben, wie Lernen im Allgemeinen und Musik lernen funktioniert. Daher der Buchtipp 😉

Und das letzte und mittlerweile wichtigste Buch: Grundwissen Instrumentalpädagogik – Ein Wegweise für Studium und Beruf herausgegeben von Barbara Busch.

Das ist die aktuelle Bibel der Instruemtalpädagogik, könnte man sagen. Ein sehr neues Buch, von 2016, voll mit Beiträgen zu Themen wie z.B. Grundlagen der Instrumentalpädagogik, Neurowissenschaft, Auftrittsangst, Entwicklungspsychologie, Motivation und Lernen, Adressat*innen instrumentalpädagogischer Angebote, Didaktik, Kommunikation, Üben, Vorspiele konzipieren, Ensemblearbeit, Planung und Reflexion von Unterricht und wissenschaftliches Arbeiten im Kontext der Instrumentalpädagogik. Du merkst: ein häufen Holz! Das Buch umfasst knapp 480 Seiten und ist ein wahrer Schatz, vor allem für wissenschaftliches Arbeiten im Studium, aber auch als Absolvent*innen als Nachschlagewerk geeignet. Es ist zwar das teuerste von den Büchern, es steckt aber auch wirklich sehr viel Wissen drin. Bei uns und er Bibliothek, was dieses Buch trotz mehrfacher Exemplare gefühlt „Dauervergriffen“. Ich habe es mir zugelegt und bin sehr froh, immer wieder dort nachschlagen zu können.

Alle 4 Bücher kann ich sehr empfehlen und dürfen in einer guten Pädagogischen Hausbibliothek nicht fehlen.

Ich hoffe der Artikel war hilfreich und das ein oder andere Buch war dir noch nicht bekannt. Ich wünsche dir viel Spaß beim Stöbern und ggf. Lesen.

17 Semester später(Teil 2)

01.10.2015 – da waren wir stehen geblieben. Mein Umzug nach Wuppertal und der Beginn meines Studiums an der Hochschule für Musik und Tanz Köln, Standort Wuppertal bei Prof. Dirk Peppel. Ehrlich gesagt, ich konnte es nicht ganz fassen, als ich die ersten Tage dort Seminare besuchte und meinen ersten offiziellen Unterricht bei Dirk. Ich lernte sehr viele wunderbare Menschen kennen, mit denen ich heute noch sehr engen Kontakt habe und für die ich so dankbar war und bin. Die Clique in die ich reinkam war ein absolut verrückter und lustiger Haufen. Wenn ich mich genau erinnere, habe ich in meinem ersten Studienjahr in Wuppertal das gemacht, was man als Studentin mit 21 eben so macht. Ich hab mir mehrfach die Woche die Kante gegeben und war mehr als einmal nach drei Uhr erst zu Hause und kam am nächsten Tag verschlafen, mit großer Tasse Kaffee, in der Hochschule an zum Üben. Da ich in den ersten zwei Semestern keinen Unterrichtsjob hatte, sondern „nur“ studiert habe – ja, das gab es auch mal – und ich wirklich nicht viel zu tun hatte, außer zu üben und ein paar wenige Seminare die Woche, war das auch ohne Probleme möglich.

Fragt nicht, was in dem Glas ist 😀

Mein Wohnheimszimmer indem ich zwei Jahre wohnte, war der absolute Jackpot. Ich habe im 7.Stock des Wohnheims gewohnt und den geilsten Ausblick auf Wuppertal genossen. Zu einem Hammerpreis und wie sich später herausstellte, wohnten einige aus der Musikhochschule in dem Wohnheimskomplex. Das war natürlich sehr angenehm und gerade wenn man sich mal einsam fühlte, kein Problem.

Mein erstes Studienjahr war vor allem davon geprägt, wie ich das schon erwartet habe, meinen Ansatz umzustellen. Jede*r Bläser*in, die das schon mal machen musste, weiß was ich meine: es war zum Kotzen! Es ist ein bisschen so, als würde man teilweise sein Instrument neu lernen und plötzlich gar nichts mehr auf die Kette bekommen. Ich wusste, das war unumgänglich, ich vertraute meinem Prof und bin heute sehr dankbar, denn mein Klang wäre heute nicht so wie er ist, ohne diese Ansatzumstellung. Stundenlanges Töne aushalten und daneben, ganz normal Etüden und Stücke spielen, in der Hoffnung, dass es sich irgendwann überträgt und der neue Ansatz von meiner Muskulatur als „normal“ eingestuft wird und nicht als etwas, was sich fremd und komisch anfühlt.

Neben den Seminaren und dem Unterricht, war mein Studium gefüllt mit Orchester und Kammermusik. Endlich! Ich sag euch, das erste Erlebnis in der Historischen Stadthalle Wuppertal aufzutreten … das war wirklich atemberaubend, zum Flöte spielen natürlich dezent kontraproduktiv. Da ich schon ein bisschen Erfahrung hatte, durfte ich bei der 2.Sinfonie von Beethoven auf der ersten Flöte spielen. Es war wunderschön und hat wirklich wahnsinnig viel Spaß gemacht.

Aber was wesentlich lehrreicher ist, als im Hochschulorchester zu spielen, ist eine Aushilfe in einem professionellen Orchester. Ich bekam über den Kontakt meines Professors die Anfrage für ein Kinderkonzert in Aachen im Sinfonieorchester. Ursprünglich wollten sie einfach nur Zoom Tube als außergewöhnliches Werk für die Flöte haben, dann fragte mich die Dame am Telefon, ob ich mir vorstellen könnte auf der zweiten Flöte für das Konzert auszuhelfen. Ich war völlig aus dem Häuschen und habe natürlich zugesagt. Das Wochenende rückte näher mit den Proben und dem Konzert und als ich dann sehr nervös und aufgeregt nach Aachen fuhr um 7.40 Uhr (um pünktlich dort zu sein), stand ich im Proberaum plötzlich mit offenem Mund vor der Bläsergruppe: da saß Dirk auf der Ersten Flöte. Moment, dachte ich, wie kann das sein, ich habe gestern noch mit ihm telefoniert und er hat nichts gesagt. Wie sich herausstellte, hatte Aachen ihn wirklich sehr kurzfristig angerufen für die Aushilfe in dem Konzert und er sagte grinsend zu mir: „Na, ich muss doch schauen, was meine Studentin hier so treibt und ob sie gut vorbereitet ist.“ – Na Dankeschön, nur kein Druck …

Es war aber überhaupt kein Druck. Es war einfach nur geil neben ihm zu spielen. Ich habe in den zwei Proben und dem Konzert gefühlt mehr über Orchesterspielen gelernt, als in einem Jahr Studium. Mal abgesehen davon, dass es sehr spannend war meinem Prof mal in einer anderen Rolle und auch charakteristisch ganz anders zu erleben, war es sehr einfach und angenehm unter ihm auf der Zweiten zu spielen. Wenn irgendwer gut führen kann, dann Dirk. Das Programm war sehr schön, einiges kannte ich schon, anderes hatte ich im Vorhinein natürlich geübt. Mein Solobeitrag Zoom Tube kam beim Publikum super an und Dirk war auch ganz begeistert, wie ich mich von der zweiten Flöte vor auf die Bühne schälte und meine „Show abgezogen“ habe. Somit hatte ich meine erste professionelle Aushilfe im Orchester in meinem zweiten Semester absolviert und mein Ansatz war zu dem Zeitpunkt tatsächlich viel besser als noch zu Beginn meines Studiums.

Dirk hatte die Angewohnheit im Unterricht Methoden vorzustellen und zu sagen „Wenn du das durchziehst, es dauert vielleicht etwas, aber dann wird es klappen und zwar immer!“ – wisst ihr was? Er hatte Recht! Mit Mozart Konzerten genauso, wie mit meinem Ansatz, meiner Fingerhaltung und meinen anderen kleinen Baustellen. Ich habe über ein Jahr die Triller des D-Dur Flötenkonzerts langsam geübt. Täglich. Er sagte, irgendwann könne ich es im Schlaf und man kann es einfach so abfeuern im Probespiel oder im Konzert. Und was war? Es stimmte.

Nach meiner Zwischenprüfung begann ich Probespiele zu machen, mein erstes Probespiel war direkt eins hier in der Gegend. Ein Probespiel für eine Akademie. Ich ging in der Erwartung dorthin, nach der ersten Runde Sushi essen zu gehen, da ich es eh nicht weiter schaffen würde. Ich hatte mir auch nichts außer einer Banane mitgenommen, denn ich wollte ja danach Sushi essen gehen. Dann kam ich dran, als 12. und spielte meinen Mozart. Dirk hatte Recht, ich konnte es einfach abfeuern, ich hatte es ja tausende Male langsam geübt und meine starken Nerven aus Stahl taten ihr Übriges. Nach der ersten Runde wurde plötzlich meine Nummer aufgerufen für die zweite Runde … What? Ne. Ich geh doch jetzt Sushi essen, dachte ich. Ich fragte sogar noch mal nach, ich konnte es gar nicht glauben und war demnach auch überhaupt nicht darauf vorbereitet. Ich vergurkte dann eine Orchesterstelle, denn ich war wirklich nicht fokussiert darauf und immer noch überrascht. Aber hey, es war mein erstes Probespiel, ich war in der zweiten Runde und mir war bewusst, wie toll das ist und nicht selbstverständlich!

Mein erster Auftritt in Mainz mit Charlie – meiner damals neuen Flöte.

Ein anderes leidiges Thema in meinem Bachelorstudium war meine Flöte. Zu Beginn meines Studiums stellte sich heraus, mit was für einem Schrotthaufen ich die ganze Zeit gespielt hatte. In meiner zweiten Stunde sagte Dirk: „Gib das Ding mal her …“ – er probierte die Etüde auf der Flöte und scheiterte selbst daran. Er sagte mir dann, das Instrument könne in den Schrank, ich bräuchte ein neues Instrument. Ja geil. Von welchem Geld? Er lieh mir vorerst seine alte (Jochen) Mehnert Flöte, mit C-Fuß, auf der ich tatsächlich bis Mai 2018 spielte. Ich sparte mir einen Ast und wusste nach wenigen Wochen auf seiner alten Flöte, ich möchte auch eine Mehnert Flöte haben. Es spielte mir ein bisschen in die Karten, dass mein Partner mit dem Sohn der Firma Mehnert in der Berufsschule zusammen war und wir heute noch sehr engen und freundschaftlichen Kontakt zu dem wundervollen Familienbetrieb in Ottenbach haben. (Absolut unbezahlte Werbung, aber von Herzen)

Ende des Jahres 2017 verkaufte meine Oma ihr Haus und meine Eltern eröffneten mir, sie könnten mir ein Darlehen geben, damit ich mir die Flöte endlich kaufen konnte. Es fehlte mir allerdings noch ein ganzer Batzen Geld. An Weihnachten 2017 stand ich mit meiner lieben Omi am Buffet und sie fragte mich ganz unschuldig: „Schatz, was brauchst du denn noch für die Flöte?“ und ich nannte ihr den Betrag. Sie schaute mich liebevoll an und sagte mir: „Ich schenk es dir, du musst es mir nicht zurückzahlen, ich helfe dir gerne!“. Wie ich dann Rotz und Wasser geflennt habe, könnt ihr euch denken. Ich konnte wenige Tage später meine Flöte in Auftrag geben bei Mehnerts und im Mai 2018 holte ich sie ab! Mein Baby Charlie 🙂

Ab diesem Zeitpunkt mit Charlie ging es bei mir flötistisch noch mal steil bergauf. Natürlich muss man sich auf einem neuen Instrument erst mal zurecht finden und lernen es vollkommen zu kontrollieren, das hat auch einige Monate gedauert – aber dann …

Die zweite Hälfte meines Bachelorstudiums war geprägt durch Muggen, ein Duoabend mit meinem lieben Freund und Kollegen Leonardo Pedroza, sowie einem Soloabend, den ich selbst organisierte und mit tollen Kammermusikkollegen spielte. In der ganzen Zeit war ich hochschulpolitisch sehr aktiv, arbeitete in der Bibliothek und unterrichtete Privat sowie an privaten Musikschulen. Ich tanzte, wie man so schön sagt, auf sehr vielen Hochzeiten und hatte einen sehr strammen Zeitplan. Die Erkenntnis heute? Der Workload war so heftig, dass es ein Wunder ist, dass ich nicht im Burnout gelandet bin. Ich würde heute nicht mehr so viel machen und mir selbst erzählen, das muss so sein. Ich arbeitete wie eine Wahnsinnige und übte 2017 auch noch für die Aufnahmeprüfung für Klavier Pädagogik. Doppelte Übe(r)dosis.

Fragt mich nicht, wie ich das angestellt habe, ich weiß es selbst nicht mehr.

Wir befinden uns auf der Zielgeraden auf mein Bachelorabschluss, den ich 2019 im Juli gespielt habe. Über den und über meine Masterstudium unter Coronabedingungen berichte ich im dritten Teil des Blogartikels.

Fortsetzung folgt!

17 Semester später (Teil 1)

Am 01.04.2013 begann meine Reise als Studentin. Das ist jetzt einfach krasse 17 Semester her. 17! Drei Studiengänge später sitze ich nun hier und schreibe einen Blogartikel über meine Studienzeit. Hätte ich am 01.04.2013 nicht gedacht, dass ich am 12.09.2021 hier sitze und diese Zeilen in einen Blog tippen würde. Ich war generell in dieser Zeit in einem vollkommen anderen Mindset. Ich dachte mir, ich nehme euch mal mit auf eine kleine Reise durch die Zeit. Erstens um selbst meine Studienzeit zu reflektieren und zu schauen was sich da so verändert hat und zweitens, weil das scheinbar Menschen interessiert, die das hier lesen.

Also zurück zum 01.04.2013. (Unten seht ihr ein paar Fotos von mir aus dieser Zeit.)

Ich habe während meiner gesamten Oberstufenzeit parallel zur Schule mein Jungstudium absolviert, am Peter-Cornelius-Konservatorium in Mainz bei Renate Kehr. Zwischen meinen schriftlichen Abitur-Klausuren und meiner mündlichen Prüfung, spielte ich dann meine Aufnahmeprüfung an genau diesem Haus. Ich habe für das Studium der Instrumentalpädagogik (Hauptfach Flöte) vorgespielt und einen Studienplatz bekommen. Es war im Prinzip ziemlich klar, dass das klappen würde und trotzdem ging mir der Arsch gehörig auf Grundeis bei dieser Prüfung. Ich bestand sie und am 01.04.2013 – 14 Tage nach meiner Zeugnisübergabe an der Hildegardisschule Bingen – begann dort mein Studium. Ich lernte in dieser Zeit wahnsinnig viel über Didaktik, Übemethoden, Neurobiologie, Psychologie und Musikpädagogik. Nicht etwa weil die Kurse so grandios gewesen wären, einige waren das, andere leider nicht – so wie überall natürlich – sondern, weil ich extrem viel gelesen habe und einen ganz besonderen Dozenten hatte, der mein Potential auch als Pädagogin schnell erkannt und mich mit Literatur und Input versorgt hat. Ich habe in meiner Studienzeit in Mainz, wie auch schon zuvor, sehr viel gespielt, viele Muggen, viele Konzerte, sehr viel Kammermusik und natürlich schon unterrichtet. Da war die Musikschule meines Vaters ein geeigneter Ort, um mich auch neben dem Studium auszuprobieren und zu wachsen. In Mainz studierte ich mit unglaublich tollen und wunderbaren Menschen und Musiker*innen und habe dort wahrlich Freunde und Kolleg*innen fürs Leben gefunden – Grüße gehen raus an alle, die hier mitlesen. Ich habe mich in dem „kleinen Teich“ dort sehr wohlgefühlt, aber es gab ein Problem: Ich wollte mehr. Ich wollte wissen wo ich stand, ich hatte dort kaum Vergleichsmöglichkeiten. Ich wollte mehr Bühne, mehr Zeit zum Üben, das ist in einem Pädagogikstudium wirklich nicht so einfach bei all den Fächern. Ich ging auf die Reise, auf die Suche nach jemandem, bei dem oder der ich studieren konnte nach meiner zauberhaften Lehrerin, die mich begleitet hat seit meinem 12. Lebensjahr.

Ich spielte verschiedenen Professor*innen und Dozent*innen vor, an den unterschiedlichsten Orten. Jede*r, der oder die sich für mehrere Aufnahmeprüfungen beworben hat kennt das. Ich habe sowohl sehr liebe Menschen kennengelernt, als auch (und ich nenne selbstverständlich keine Namen) absolut unpädagogische, arrogante Arschgeigen! Nach einer Session, bei der ich jemandem vorspielte, wollte ich hinschmeißen. Und zwar komplett. Ich wollte keine Flöte mehr studieren, denn ich „bin ja sowieso nicht gut genug, und habe gegen die 16- Jährigen Asiaten keine Chance“ (mal abgesehen von dem rassistischen, diskriminierenden Unterton, ein absolut unmöglicher Kommentar!) … mit 20. Alles, was ich damals noch als Baustellen von mir definierte, dachte ich, kann man hinbekommen, mit dem richtigen Lehrer oder der richtigen Lehrerin. Aber diese eine (Arschgeige) Person, hat mir den Boden so unter den Füßen weggezogen, dass ich einfach nicht mehr weitermachen wollte.

Dann, wenn eine Tür zu geht, öffnet sich eine andere. Das sagte mein Opa immer zu mir. Mein geliebter Opa, der am 03.06.2014 ein Stern wurde. Einer der schlimmsten Tage meines Lebens und gleichzeitig, einer der besten meines Lebens. Ein Schicksalstag, mein Schicksalstag. Ich war in dieser Woche zum ersten Mal auf dem Meisterkurs von Carin Levine in Rheinsberg.

Am 03.06.2014 bekam ich morgens den Anruf meines Vaters, dass mein Opa in der Nacht verstorben war. Der Tag fing demnach für mich sehr, sehr traurig und verzweifelt an. Die Kursteilnehmer*innen haben mich so wahnsinnig toll aufgefangen und Carin selbst natürlich auch. Beim Mittagessen sprach ich dann mit ihr, über meinen Wunsch an einer Hochschule studieren zu wollen, aber einfach keine*n finde, der oder die mich nehmen würde. Mal abgesehen davon, dass mich Carin in dieser Woche technisch einmal auseinandergenommen und dann wieder zusammen gesetzt hat, sah sie mich an und lächelte. Dann sagte sie zu mir: „Schau mal, da drüben der Mann mit der Glatze. Das ist Dirk. Geh mal zu ihm rüber und sag du kommst von mir. Er ist Professor in Wuppertal.“

Ich sah mich um, sah einen sehr sympathisch wirkenden Mann am Nebentisch sitzen. Da ich zu diesem Zeitpunkt schon keinerlei Hemmungen hatte fremde Menschen anzusprechen, ging ich rüber, tippte ihm auf die Schulter, streckte ihm die Hand aus und sagte: „Hallo, mein Name ist Saskia, ich komme von Carin, sie sagte du bist Professor in Wuppertal. Ich suche jemand bei dem ich studieren kann, könnte ich dir einmal vorspielen?“. Er lächelte mich an, sprang auf und sagte: „Ja aber selbstverständlich, was machst du denn heute Abend? Dann können wir mal ein Bier gegenüber trinken gehen.“ – What? Ein Bier? Wie geil ist der denn?! Dachte ich mir. Da ich ja an diesem Tag meinen Opi verloren hatte, brauchte ich abends etwas Härteres als Bier. Ich spreche jetzt nicht darüber, wie viel, aber Dirk lud mich auf „ein paar“ Getränke ein und wir unterhielten uns wahnsinnig nett. Ich solle mal auf seinen Meisterkurs kommen in Wuppertal.

Den Wuppertaler Musiksommer 2014. Ich meldete mich direkt an und freute mich wie Bolle auf diesen Kurs und über dieses nette Gespräch. Zur Abwechslung mal keine Arschgeige und lustig war er obendrein, dass dieser Mann 16 Monate später mein Professor sein würde, für 6 Jahre, das ahnte ich noch nicht im geringsten. Ich hatte nur wieder Hoffnung …

Im August 2014 war ich also eine Woche in Wuppertal beim Meisterkurs. Ich merkte wieder einmal woran es bei mir flötistisch haperte. Nicht nur wegen des Vergleichs mit den anderen Flötist*innen, sondern weil Dirk ein sehr ehrlicher und direkter Lehrer ist. Das ist gut so! Manchmal halt ein bisschen „in you face“ – aber man weiß woran man ist. Mir wurde klar: „Oh, da gibt es noch viel Arbeit!“. Allerdings war ich schockverliebt in Dirk als Lehrer. Ich lernte so unglaublich viel, schon in dieser einen Woche und erinnere mich noch sehr gut an den Moment, als ich aus einem Unterricht rauskam, durch das Treppenhaus spazierte und vor dem großen Spiegel im 2.Stock stehen blieb und mir sagte: „An dieser Hochschule wirst du studieren. Hier bist du richtig. Bei Dirk bist du richtig. Nächstes Jahr um diese Zeit habe ich hier einen Studienplatz!“ – ich bekomme gerade Tränen in die Augen, wenn ich daran denke, denn eines war ganz klar: Ich musste verdammt hart arbeiten, um diese verflixte Prüfung zu bestehen. Ein langer Weg lag vor mir, aber ich wusste was das Ziel war.

Ich übte mir die Finger wund, erarbeitete alleine über ein Jahr Zoom Tube von Ian Clarke (mein persönliches Schicksalsstück) – wäre ich doch nur früher damit zu Carin gegangen, dann hätte ich nicht solange gebraucht – weil ich wusste, wo meine Stärken lagen. Bei Mozart und einem schönen Ton lagen sie zu diesem Zeitpunkt nicht. Aber in der Performance und in Solostücken, da lag bereits damals mein Potential begraben und wie sich später rausstellte auch in der zeitgenössischen Musik.

Im Juni 2015 spielte ich die Aufnahmeprüfung in Köln. Eins kann ich euch sagen, ich bin fast gestorben vor dieser Prüfung. Ich wollte sie so sehr bestehen. Was ich nicht wusste, Dirk hatte mich im Blick und zwar seit dem Musiksommer im vorherigen Jahr. Nachdem ich eine Telemann Fantasie gespielt hatte, mit schlechtem Ton, aber mit Musikalität, Leidenschaft und einer Leichtigkeit auf der Bühne, die Dirk total überzeugte. Er sagte mir einige Zeit später in meinem Studium: „Ich dachte mir, wenn du das kannst, bekommen wir den Rest auch noch hin!“

Ich spielte in dieser Prüfung Zoom Tube und dann Telemann. Zoom Tube war der Hammer und Telemann eine absolute Vollkatastrophe. Danach dachte ich erst mal: das war’s, das war jetzt dein Studienplatz, du hast es verkackt. Ich ging runter und holte mir erstmal einen Kaffee (in den ich gerne noch ein Schluck hochprozentiges gekippt hätte) und wartete auf meinen Zug. Eine Stunde später kam Dirk runter und wir unterhielten uns kurz. Ich machte mich auf ein „Danke, aber leider nein“ gefasst. Er erzählte mir zuerst wie geil Zoom Tube ankam, dass wir am „Telemann noch ein bisschen arbeiten müssten“ und stellte mir die Frage, ob ich denn bei ihm studieren wollen würde in Wuppertal … „JA! Natürlich! Sonst wäre ich ja nicht hier.“

Er grinste und sagte ganz nüchtern: „Na super. Dann hast du den Platz.“ Wie? Was? Moment, ich hab bestanden? Ich darf wirklich in Wuppertal studieren? Ich konnte es nicht glauben! Natürlich musste ich noch Klavier und die Nebenfächer bestehen eine Woche später, aber da war in Anbetracht meiner vergangenen Studienjahre das kleinste Problem.

Anfang Juli erhielt ich einen Brief, indem man mir den Studienplatz anbot mit der Bitte um Bestätigung. Ihr könnt euch vorstellen wie sehr ich geweint habe vor Freude. Ich hatte es geschafft. Ich hatte mir das Ziel gesetzt im August 2014 und im Juli 2015 hielt ich den Zettel in der Hand. Glaubt mir eins: alles ist möglich, wenn man es nur will und dafür hart arbeitet, manchmal braucht man ein bisschen Glück und die richtigen Personen, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort. Meine Person hieß Dirk – Schicksal eben …

Ich fuhr in dem Jahr noch einmal zum Musiksommer nach Wuppertal, diesmal bereits mit der Gewissheit ab Oktober dort studieren zu dürfen. Ich bereitete dort meinen Abschluss in Mainz vor, denn auch da war es wieder wie nach dem Abitur. Am 17.09.2015 spielte ich mein Abschlusskonzert in Mainz und am 01.10.2015 begann mein Studium in Wuppertal.

In dem Meisterkurs lernte ich bereits meine wundervollen Studienkollegen kennen mit denen ich die letzten Jahre verbracht habe. Changhuan Xia (links) und Leonardo Pedroza (rechts) – 13.08.2015

Ich durfte in diesem Musiksommer im Abschlusskonzert im großen Saal der Historischen Stadthalle vorspielen. Welches Stück? Natürlich: Zoom Tube! Das gibt es sogar als Video auf YouTube. Es war, wie im Jahr zuvor, eine sehr lehrreiche Woche und eine optimale Vorbereitung auf den Abschluss, bzw. auf den Beginn meines Studiums bei Dirk. Mein Examenskonzert am 17.09.2015 lief sehr gut, ich schloss mein erstes Studium in Mainz in fünf statt sechs Semestern ab, damit ich pünktlich in Wuppertal starten konnte. Mein letztes Semester in Mainz bestand also aus einem Haufen Prüfungen, Lehrproben, einer 30-Seitigen Examensarbeit und meinem Abschlusskonzert und zwischen all dem auch noch die Aufnahmeprüfung in Köln. In diesen Monaten lernte ich mal wieder auf’s Neue mein extrem gutes Zeitmanagement und meine gute Planung zu schätzen, anders wäre das auch nicht möglich gewesen.

Mein erstes Studium war somit vorbei, ich zog nach Wuppertal und begann am 01.10.2015 meinen ‚Bachelor of Music‘ in Wuppertal.

Nach dem Studium musste allerdings zuerst mal eine kleine, aber feine Veränderung her.

Fortsetzung folgt…

Konkurrenzdenken in der Musikbranche?

Oh, jetzt wird’s spannend. Wie sieht es eigentlich mit dem Thema Neid und Konkurrenzdenken in unserer Branche aus? Ist das ein großes Problem oder wird es nur aufgebauscht? Ist es überhaupt grundsätzlich einzuordnen oder könnte es sein, dass es sehr abhängig ist von der subjektiven Wahrnehmung von Musiker*innen? Ist es abhängig davon in welchem Teilbereich der Branche man sich rumtreibt oder welche Stilistik man als Schwerpunkt hat? 

Fragen über Fragen. Beantworten kann ich die meisten auch nicht, denn ich bin kein Guru und auch nicht allwissend. Was ich allerdings kann, ist meine persönliche Erfahrung und Einschätzung zu teilen. Ich beginne mal mit einer steilen These:

„Konkurrenzdenken ist abhängig von den Glaubenssätzen einer Person“ 

In meinen Augen hat das Konkurrenzdenken nichts mit bestimmten Berufssparten oder Stilistiken zu tun, sondern ausschließlich mit der Frage: „Vergleiche ich mich oft, mit anderen Musiker*innen oder vergleiche ich mich mit der gestrigen Version meiner selbst?“  

Konkurrenzdenken ist für mich persönlich nichts Schlimmes, es kann einen auch sehr anspornen. Wenn es aber zur Missgunst übergeht oder zur Sabotage der Kolleg*innen, dann sollte man da was einzuwenden haben. Wenn man sich den Begriff „Konkurrenz“ mal genauer anschaut, dann erhält man als Beschreibung Worte wie zum Beispiel: „Wettstreit“, „Rivalität“ oder „Wettbewerb“. Wettbewerbe kennen wir gut. Sie tauchen in unserer Branche ständig auf, schon früh im Kindes- und Jugendalter. Das geht los mit „Jugend musiziert“ (Folge Podcast) oder Vorspielen für Fördermaßnahmen an kulturellen Bildungsinstitutionen, geht dann weiter mit Aufnahmeprüfungen an Musikhochschulen und Akademien und mündet dann im Berufsalltag in Probespielen, Vorstellungsgesprächen und (inter-)nationalen Wettbewerben. 

Unsere Musikbranche ist also voll von Wettbewerben. Ist das ein Grund, warum wir das Thema Konkurrenz als ein solch Großes betrachten? Ist es so groß? Ich habe das Gefühl, es wird vor allem von außen gerne gepusht und von Menschen, die denken, dass andere Menschen unter Druck höhere Leistungen erzielen, herbeigeführt und befeuert. Das mag ja bei dem einen oder der anderen zutreffen, aber auch das sind meistens Glaubenssätze und Denkmuster, die da anspringen:

„Ich bin nur wertvoll, wenn ich Leistung erbringe“

oder

„Ich bin nur geliebt, wenn ich etwas geleistet habe“. 

Es gibt auch einen Kernglaubenssatz, der bei vielen Thema ist, die mit Konkurrenzgedanken zu kämpfen haben:

„Ich bin nicht gut genug!“

Zack! Dieser Glaubenssatz kann so viel Mist und Leid entfachen, auf so vielen unterschiedlichen Ebenen. Wenn man sich selbst als nicht gut genug erachtet, sind andere immer besser als man selbst und Neid und Eifersucht sind vorprogrammiert. Wenn du dich jetzt ertappt fühlst, weil du selbst oft negativ über andere denkst oder sogar sprichst, es anderen nicht gönnst, wenn sie Erfolg haben oder du anderen Misserfolg wünschst, dann mach dir klar: Das Problem liegt bei dir und kann nur von dir behoben werden, nicht von den anderen. 

Das ist erst mal eine harte Erkenntnis, aber wir wissen ja: „Einsicht ist der erste Weg zur Besserung“.

Es ist übrigens überhaupt nicht schlimm und unnormal, dass es dir so geht. Ich würde mal ganz frech behaupten, dass ca. 95% der Menschen diesen oder einen ähnlichen Glaubenssatz in sich tragen. Wenn sie ihn aufgelöst haben, besteht die Möglichkeit mit einem völlig neuen Blick dieses Thema anzugehen. Das Vergleichen mit anderen Musiker*innen oder generell mit anderen Menschen ist Gift für unsere Seele und Gift für unser Sozialleben. Die einzige Person, mit der du dich vergleichen darfst, bist du selbst. Du selbst kannst heute eine bessere Version von dir sein als gestern und morgen eine bessere Version werden als heute. Du kannst dir alte Aufnahmen von dir anhören und feststellen: Wow, bin ich gut geworden in den letzten drei Jahren. Du kannst dir Ziele stecken und besser werden mit jedem neuen Tag. 

Was ich nicht empfehlen kann, ist sich mit der Studienkollegin oder dem Studienkollegen zu vergleichen, der Lehrerin oder dem Lehrer oder gar mit dem Star der eigenen Instrumental- oder Gesangssparte. Mit YouTube Videos oder Alben auf Spotify. Diese Menschen haben eine ganz andere Vita und einen anderen Hintergrund, wahrscheinlich auch ganz andere Talente und Schwerpunkte. So unterschiedlich und einzigartig wie wir Menschen sind, so unterschiedlich und einzigartig sind wir auch als Musiker*innen und das ist gut so! 

Wenn du es schaffen kannst den Fokus auf dich und deinen Erfolg zu lenken, dich um deine Ziele und Träume zu kümmern und jeden Tag dafür zu arbeiten, interessiert dich der Rest um dich herum überhaupt nicht mehr. Versteh mich bitte nicht falsch, es ist nach wie vor wichtig zu wissen, wo man steht und wo noch Luft nach oben ist, aber sich deshalb die Augen auszukratzen oder zu denken, man ist nicht gut genug, hat noch niemanden weitergebracht. 

Gesunde Konkurrenz bzw. ein gesunder Wettstreit zwischen Musiker*innen ist in unserer Branche wohl unumgänglich. Es ist allerdings von großer Bedeutung, wie es dir dabei mental geht und ob du dich auch als wertvoll und liebenswert erachtest, wenn du nicht den ersten Preis bei dem Wettbewerb machst, nicht das Probespiel gewinnst oder nicht den Studienplatz bekommst. Das sind nämlich keine Fakten, die beweisen, dass du nicht gut genug bist, sondern dass es jemand gab der besser war als du oder es einfach am „Vitamin-B(eziehung)“ lag. Fakt ist: Es wird immer jemanden geben, der besser ist als du – das ist aber kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Du kannst es als Ansporn nehmen oder du merkst, dass der oder die andere nur in einem bestimmten Bereich besser ist als du und du etwas anderes dafür viel besser kannst als sie oder er. Dann wären wir wieder bei der Einzigartigkeit eines jeden Musikers und jeder Musikerin. 

Bleib bei dir und arbeite für deine Ziele. Vergleiche dich nicht mit den anderen, sondern vergleiche dich ausschließlich mit dir selbst. Werde zur besten Version deiner selbst und scheiß einfach darauf, ob der eine die Bach Partita besser spielen kann als du. Rock die Bühne mit Stockhausen und stelle feste: das ist eh viel mehr mein Ding! Dann wird unsere Musikbranche auch bunter und interessanter, vielfältiger und individueller.