Konzentration beim Üben

Yes, heute geht es mal um ein sehr musikspezifisches Thema, aber für alle Muggles (Nicht-Musiker) unter euch ist gesorgt, denn Üben ist eine kognitiv und motorisch herausfordernde Tätigkeit. Davon gibt es ja noch mehr, außer auf einem Musikinstrument oder mit seiner Stimme zu arbeiten. Wer also kein Instrument spielt, darf jetzt an seine Schreibtischarbeit oder an eine andere kognitiv anstrengende Tätigkeit aus seinem oder ihrem Alltag denken. 

Konzentration. Was soll ich sagen, es ist natürlich mega nervig, wenn du dich hinsetzt und konzentriert üben möchtest und dann fliegen dir tausend Gedanken durch den Kopf, der Fokus ist nicht da, du wirst ständig abgelenkt und so wirklich Bock hast du grade auch nicht. 

Welcome to my life!

Wenn ich über irgendwas wirklich ausführlich aus Erfahrung sprechen kann, besonders nach dem letzten Jahr, dann ist es Konzentration beim Üben. 

Fehlende Konzentration kann natürlich unterschiedliche Gründe haben. Müdigkeit, Unwohlsein und fehlende Energie sind da nur ein paar Möglichkeiten. Selbstverständlich haben wir Musiker*innen auch manchmal einfach keinen Bock zu üben! Freundet euch mit dem Gedanken an, auch alle jungen Musiker*innen und frisch Studierende. Es wird der Tag kommen, an dem ihr einen Tiefpunkt beim Üben habt und dann ist die Motivation so richtig im Keller! Konzentration und Motivation kann man diesbezüglich auch nicht unbedingt voneinander trennen. 

Über Motivation möchte ich heute nicht viel sprechen, das ist ein eigenes Thema und wird dieses Jahr von mir mit Sicherheit noch mehr behandelt. Wenn es also der Zustand ist „einfach gerade keinen Bock aufs Üben“ zu haben, dann hast du zwei Möglichkeiten: Du ziehst es durch, weil etwas Wichtiges ansteht oder du lässt es einfach! 

Wenn du allerdings ständig unkonzentriert bist, habe ich hier ein paar Tipps bzw. Empfehlungen für dich:

Ich habe mich seit Jahren mit dem Thema Hirnforschung beschäftigt, gehirngerechtes Lernen und Üben, sowie grundsätzlich über Neurowissenschaft Bücher gelesen. Ich bin selbstverständlich kein Arzt oder Neurobiologe, aber kann dir trotzdem einige Tipps aus dieser Sparte geben! 

Unser Gehirn besteht aus zwei Hälften, die in der Mitte verbunden sind. Das wirst du sicher wissen. Es gibt eine kreativ denkende und eine logisch denkende Hälfte. Zwischen diesen zwei Hälften gibt es einen sogenannten „Balken“, der übrigens bei uns Musizierenden stärker ausgebildet ist als bei nicht Musizierenden. Ein Ungleichgewicht beider Hälften kann auch zu Konzentrationsproblemen führen. Eine einfache Atemübung kann dieses Gleichgewicht wiederherstellen: die Wechselatmung.

Du hältst ein Nasenloch mit einem Finger zu, atmest ein und atmest auf dem gegenüberliegenden Nasenloch wieder aus, während du das zuhältst, auf dem du eingeatmet hast. Auf dem Nasenloch, wo du ausgeatmet hast, atmest du direkt wieder ein und auf dem anderen aus. Diesen Vorgang kannst du beliebig oft wiederholen. Ich selbst mache das immer acht bis zehn Mal und verspüre nach bereits fünf oder sechs eine deutliche Verbesserung meines Sauerstoffgehalts im Gehirn. Natürlich kann fehlende Konzentration auch durch fehlenden Sauerstoff entstehen. Mit dieser Übung gleichst du deine Gehirnhälften wieder aus und bekommst ausreichend Sauerstoff ins Gehirn! 

Diese Übung machst du selbstverständlich in einer Pause und am besten an der frischen Luft oder bei geöffnetem Fenster. Da kommen wir auch gleich zum nächsten Tipp: Pausen.

Pausen sind so unglaublich wichtig beim Üben und auch generell. Unser Gehirn lernt und verarbeitet Informationen in den Pausen und nicht beim aktiven Übe- oder Arbeitsvorgang. Natürlich generell am meisten im Schlaf! Während du also nach einer Übesession auf der Couch sitzt und was isst, einen Spaziergang machst, oder einen Film schaust, arbeitet dein Gehirn unterbewusst weiter an dem Neugelernten. Unglaublich, oder? Wie das möglich ist? 

Unsere Gehirnaktivität besteht zu fünfundneunzig Prozent aus Unterbewusstsein und nur aus fünf Prozent Bewusstsein. Du benutzt also im wachen Zustand gerade mal fünf Prozent deiner Gehirnaktivität für deine sechzigtausend bis achtzigtausend Gedanken, die du täglich denkst, Entscheidungen, die du triffst und Handlungen, die du ausübst. 

Fürs Üben habe ich da den Tipp für dich, mit der Pomodoro Technik zu üben. Die kommt aus dem Zeitmanagement und sagt: Fünfundzwanzig Minuten Aktion und fünf Minuten Pause. Diesen Zyklus kannst du viermal wiederholen und dann braucht das Gehirn eine längere Pause von zwanzig bis dreißig Minuten. Einfach mal ausprobieren, dazu kommt noch mal ein gesonderter Artikel. 

Ablenkungen beim Üben solltest du grundsätzlich minimieren und die mit Abstand größte Ablenkung unseres Jahrhunderts ist unser Smartphone! Es hat so viel Nützliches und Hilfreiches in unser Leben gebracht, aber auch so viel Negatives und eine chronische Ablenkung ist es auch. Es gibt eine wunderbare Funktion auf dem Smartphone, vielleicht kennst du sie schon: den Flugmodus! 

Benutze ihn während deiner Übesession und in den Pausen, tu dir den Gefallen: Lass ihn eingeschaltet. Du wirst sehr schnell merken, wie sich dein Üben verändert. Solltest du dein Metronom und Stimmgerät nicht auf einem anderen Gerät haben, kannst du durch den Flugmodus auch dein Smartphone auf deinem Notenständer liegen lassen, ohne Störung und Ablenkung. 

Letzter Tipp, vor allem für das Gedankenkarussell: Mach ein Brain Dump.

Lege dir einen Zettel bereit oder nimm deine Notizapp und schreibe diese Gedanken runter bevor du übst, dann nerven sie dich nicht beim Üben. Wie ein Brain Dump funktioniert, habe ich in diesem Artikel bereits ausführlich erklärt: Link. 

Ich hoffe diese Tipps helfen dir, dein Üben fokussierter und konzentrierter zu gestalten. 

Sollte es dennoch Tage geben, an denen es einfach nicht geht: Lass es! 

Ein Pausentag die Woche kann nicht schaden, sondern bewirkt eher Wunder bei einigen Problemen und kann verhindern, dass du dir noch mehr Fehler und Probleme einübst. 

Habe eine wundervolle Woche und viel Spaß beim Üben. 

Monatsplanung

Der erste Artikel im Jahr 2021 – Ich wünsche dir ein frohes Neues Jahr! Ich hoffe du hattest eine erholsame Zeit zwischen den Jahren und bist gut ins neue Jahr gestartet.

„Mach nur einmal das, von dem andere sagen, dass du es nicht schaffst, und du wirst nie wieder auf deren Grenzen achten müssen.“

James Cook (1728-1779) britischer Seefahrer und Entdecker

Heute möchte ich direkt die frisch gewonnene Motivation nutzen, die so ein Jahresneustart mitbringt, für ein klassisches Planungsthema. In größeren Einheiten zu planen ist grundsätzlich immer sehr empfehlenswert, wie z.B. Jahresplanung, Semesterplanung oder sogar einen Fünf-Jahres-Plan. Aber was ich noch viel wichtiger finde, ist zu wissen, was in den nächsten vier Wochen passiert. Einen Überblick über jeden Monat zu haben, entspannt mich persönlich, zu Beginn des Monats, immer enorm.

Ich plane wie immer gemütlich mit Kaffee und schöner Musik, ein paar Kerzen und meinem Bullet Journal und Kalender. Die Methode funktioniert aber natürlich auch mit einem digitalen Medium oder einfach mit einem Schmierzettel.

Solltest du in deinem Kalender oder deiner App keine Monatsübersicht haben, dann druck dir eine aus. Es gibt Monatsübersichten wie Sand am Meer im Internet. Solltest du einen Jahreskalender an deiner Wand haben, kannst du selbstverständlich auch den benutzen.

Ich gehe in fünf Schritten vor:

  1. Ich schreibe mir alle wichtigen Termine in die Monatsübersicht. Keine wiederkehrenden Ereignisse, sondern einmalige Termine, wie z.B. Konzerte, Prüfungen, Blockseminare, Geburtstage, Deadlines und Arzttermine. Wenn ich auf Reisen bin, markiere ich mir das meistens auch in einer bestimmten Farbe. Ich blocke mir zu Beginn des Monats immer freie Tage aus, das müssen selbstverständlich nicht die Sonntage sein, aber einen freien Tag pro Woche gibt es bei mir immer!
  2. Ich arbeite mit meiner Jahresplanung und meinen Zielen, schaue was diesen Monat wichtiges ansteht und formuliere mir Ziele für den Monat. Ich versuche es auf maximal vier bis fünf Ziele zu beschränken, aus unterschiedlichen Lebensbereichen. Mehr schaffe ich aus Erfahrung sowieso nicht. Diese Ziele kommen ebenfalls auf meine Monatsübersicht. Du kannst dir das aber natürlich auch an die Pinnwand hängen oder im Bullet Journal eine eigene Seite gestalten.
  3. Ich plane für den Monat meinen Gesundheits- und Sportbereich. Da ich ein sehr sportaffiger Mensch bin und gleichzeitig ein Planungsfreak, gibt es natürlich auch diesbezüglich einen Plan. Ich plane meine Joggingrunden, vor allem wenn ich ein größeres Laufziel habe, ich überlege, wann ich Zeit habe für Krafttraining oder kurze intensive Sporteinheiten, wann ich Fahrrad fahren könnte oder schwimmen gehen kann und wann ich längere Yoga Sessions einplanen möchte. Ich trenne ganz klar meine Sportziele von meinen anderen Lebensbereichen, weil ich es als Musikerin für einen sehr wichtigen Lebensbereich halte, damit wir unseren Job gesund ausführen können.
  4. Ich plane meine Projekte und Jobs, wie in meinem Fall: Podcasts, Blogartikel, Social Media im Allgemeinen, meine Unterrichts- und Workshoptätigkeit, Konzert- und Probenplanung und Studienangelegenheiten. Dazu arbeite ich vor allem im Bullet Journal und schreibe mir für die jeweiligen Bereiche Pläne und kleine To-Do-Listen.
  5. Ich fertige eine To-Do-Liste für den Monat an, da stehen nicht die kleinen Schritte, sondern eher dir größeren Überthemen drauf. Alles was in dem Monat wichtig ist und unbedingt erledigt werden muss, bekommt die Priorität eins. Alles was in dem Monat wichtig wäre, aber nicht so dringend, bekommt die Priorität zwei und die sogenannten „Nice-to-Have-To-Do’s“ bekommen die Priorität drei – wenn dafür dann noch Zeit ist.

Beim Planen bezüglich der To-Do-Liste und den einzelnen Plänen für die unterschiedlichen Bereiche in deinem Leben, habe ich noch den Tipp neben dem Priorisieren: Tu dir den Gefallen und überlege dir bereits beim Planen, wie viel Zeit diese Tätigkeit in etwa in Anspruch nehmen wird und wie viel Energie sie dich kosten wird. Eine Arbeit am Schreibtisch ist etwas anderes, als eine Aufnahme, die mit Fahrtzeit und körperlicher, sowie kognitiver Arbeit verbunden ist. Aktives Üben ist eine anstrengendere Tätigkeit, als seine Noten einzurichten. Ich denke du verstehst, was ich meine.

Beim Priorisieren gibt es ebenfalls einen Fehler, der sehr oft gemacht wird. Bei manchen stehen dann von zehn To-Do’s, acht mit der Priorität eins da. Das könnte entweder daran liegen, dass du im Monat davor zu wenig von den wichtigen Dingen erledigt hast oder du überschätzt bestimmte To-Do’s in ihrer Wichtigkeit. Bedenke bei dieser To-Do-Liste immer: Je kürzer, desto besser! Lange To-Do-Listen führen zu Frustration und Demotivation, weil du im Laufe des Monats feststellst, dass der Monat auch nur 28-31 Tage hat. Das klingt zu Beginn immer so viel, ist aber in der Realität oft erschreckend wenig. Denn zwischen all den To-Do’s hast du sowas wie einen Alltag, dein Studium, deinen Job, deine Hobby’s, deine Freunde und Schlafen solltest du selbstverständlich auch noch irgendwann.

Aus meiner Erfahrung, hast du effektiv am Tag nicht mehr als drei bis vier Stunden für die To-Do’s auf deiner Liste. Das solltest du bei der Planung bereits im Hinterkopf behalten, sonst hast du am Ende des Monats noch die Hälfte der To-Do-Liste, die dann in den nächsten Monat rutscht und das wird dann im Dezember sehr ungemütlich …

Die Monatsplanung ist grundsätzlich dafür gedacht, dass du den Überblick über den Monat behälst, aber sie ist auch dafür gedacht, dass du dich nicht überlädst mit Arbeit. Das erfordert etwas Übung und ich möchte mich auch in diesem Jahr dahingehend wiederholen: Du musst einen Scheiß!

Niemand muss seinen Monat planen, wenn er das für sinnfrei und Zeitverschwendung hält. Dann beschwere dich aber bitte nicht, und am Besten schon gar nicht bei mir, dass du immer alles vergisst, dir wichtige Deadlines durchrutschen, du Termine verpennst oder du irgendwie in deinem Leben nicht voran kommst!

Abschließend möchte ich dir den Rat geben: Du kannst To-Do’s oder Termine auch streichen, wenn du das Gefühl hast es wird zu voll! Wir erlauben uns das selbst oft nicht, weil das ja Schwäche bedeuten würde oder Inkompetenz sich und seine Zeit und Energie einzuschätzen. Alles Bullshit! Es kommen einfach manchmal auch Dinge im Jahr, die nicht vorhersehbar sind (ich denke das Jahr 2020 ist uns da sehr lehrreich in Erinnerung), die man nicht planen kann und somit zerschießen sie einem auch mal den Monatsplan. Das ist ok, akzeptiere das und plane ggf. neu.

Niemand ist unersetzlich und wie wir im letzten Jahr festgestellt haben: Man kann wirklich alles verschieben!

Einen guten Start ins neue Jahr 2021!

Jahresreflexion und Jahresplanung

Das Jahr 2020 war … sagen wir … durchwachsen. Aber mal abgesehen davon, mache ich jedes Jahr eine Jahresreflexion „zwischen den Jahren“ und plane mein nächstes Jahr. Vor zwei Tagen hatte ich ein wundervolles Webinar zu diesem Thema und heute geht auch zeitgleich eine Podcastfolge dazu online. Ich möchte dir die Möglichkeit geben, meine Tools für die Jahresreflexion und Jahresplanung zu nutzen, damit auch du von diesen kraftvollen Übungen profitieren kannst.

Los geht’s.

Vor der Planung ist das Hirn einzuschalten und nicht nur der Rechner.

Werner L. Hetterich (*1945) dt. Architekt

Jedes Jahr nach Weihnachten in der Zeit zwischen dem 27.12. und dem 01.01. des folgenden Jahres, mache ich mir es ein paar Stunden gemütlich mit meinem Bullet Journal und meinem Kalender. Ich mache mir einen Kaffee (oder seien wir ehrlich – es sind meistens eher zwei bis drei) und mache schöne Musik an.

Das erste Tool, welches ich euch gerne vorstellen möchte, ist sich Fragen zu stellen.

Fragen sind etwas unglaublich Wertvolles, vor allem, wenn wir sie uns selbst stellen. Alle Antworten, die du benötigst sind bereits in dir. Du darfst dich wieder mit diesem weisen Anteil in dir verbinden, der weiß genau was du brauchst oder was dich bedrückt. Es folgen einige Fragen aus meinem Arsenal für die Jahresreflexion:

  • Welche Ziele habe ich dieses Jahr erreicht?
  • Welche Erkenntnisse hatte ich in diesem Jahr? 
  • Was habe ich Neues gelernt?
  • Welche besonderen Menschen habe ich im vergangenen Jahr kennengelernt?
  • Mit wem oder was habe ich viel Zeit verbracht?
  • Wie viel Zeit habe ich gefühlt vor dem Smartphone/Tablet/Laptop verbracht? Ist das okay für mich oder möchte ich das ändern?

Das zweite Tool, was ich seit Jahren schon mache ist, mein „Erfolgsboard“.

Schreibe dir in der Mitte eines Blattes das Jahr 2020 auf und drum herum die zwölf Monate. Für jeden Monat lässt du etwas Platz und schreibst dir für jeden Monat auf, welche Erfolge du hattest. Hier geht es absolut nicht nur um berufliche oder schul/studientechnische Erfolge. Ein Erfolg kann es auch sein, dass du den Lockdown gut überstanden hast oder du einen schönen Waldspaziergang gemacht hast, an einer Yogachallenge teilgenommen hast oder wieder angefangen hast zu malen. Schreib dir für jeden Monat mindestens eine Sache auf. Ein erreichtes Ziel, ein Erfolg, ein schöner Moment oder eine schöne Begegnung.

Ziel der Übungen ist, dass du am Ende drei Dinge für dich klar benennen und aufschreiben kannst.

  1. Deine Erkenntnisse des Jahres 2020
  2. Dein größtes Erfolgserlebnis im Jahr 2020
  3. Dein schönster Moment im Jahr 2020

Solltest du nicht nur eine Sache haben, die du dort hinschreiben kannst, ist auch Platz für zwei oder drei Sätze, aber mindestens einer!

Das nenne ich dann positive Jahresreflexion! Natürlich kann man sich auch daran aufgeilen, wie beschissen und nervtötend das Jahr war, was alles nicht geklappt hat und wie viel ausgefallen ist. Zielführend und erheiternd ist das aber leider nicht.

Wenn ich mein Jahr reflektiert habe, gehe ich über zur Planung des nächsten Jahres. Ich versuche dabei immer die Erkenntnisse und das Gelernte aus dem letzten Jahr zu berücksichtigen, damit Fehler oder bestimmte Dinge nicht noch mal passieren. Dazu schreibe ich mir immer eine Not-To-Do-Liste, das ist übrigens Tool Nummer drei. Kann man jederzeit im Jahr machen, aber zu Beginn finde ich es immer sehr hilfreich, um bestimmte Gewohnheiten, die sich eingeschlichen haben, wieder rauszubekommen.

Da steht dann z.B. drauf: nicht nach 12 Uhr ins Bett gehen oder max. eine Stunde Social Media Konsum am Tag oder kein Kaffee nach 16 Uhr. Was auch immer dich in den letzten Wochen und Monaten gestört hat in deinem Alltag: schreib es auf, häng es dir an den Kühlschrank oder an deine Pinnwand oder den Spiegel im Bad, dort wo du es jeden Tag siehst.

Nun habe ich auch bestimmte Fragen, die ich mir im Bereich Jahresplanung jedes Jahr stelle:

  • Mit was möchte ich im Jahr 2021 meine Zeit verbringen?
  • Mit wem möchte ich im Jahr 2021 meine Zeit verbringen?
  • Mit was wollte ich schon lange anfangen oder weitermachen, aber es war keine Zeit dafür da?
  • Was tue ich im Alltag für mich?
  • Welche Ziele habe ich?

Bei den Zielen wird es jetzt spannend. Ich halte nichts, aber auch gar nichts, von Vorsätzen für das neue Jahr. Jedes Jahr die gleiche Leier am 31.12.: „Ich möchte weniger Alkohol trinken“, „Ich will mehr Sport machen“, „Ich muss mich gesünder ernähren“ oder mein Highlight „Ich muss mit dem Rauchen aufhören“. Das sind so die gängigsten „Vorsätze“ der Nation und ich sage dir, wie lange die sich halten: im Normalfall maximal drei bis vier Wochen. Dann ist es vorbei mit den „gesunden und guten Vorsätzen“. Das liegt an einem ganz einfachen Phänomen. Unsere Gehirnaktivität steuern wir nur zu 5% bewusst, die restlichen 95% laufen Unterbewusst ab. Wenn wir also etwas an unseren Gewohnheiten verändern wollen, müssen wir mehr machen als uns nur gut zuzureden und dann versuchen innerhalb von drei Tagen alle Vorsätze gleichzeitig umzusetzen!

Ein tolles Tool hierfür ist, sich Ziele zu setzen.

Wenn du dir Ziele setzt, kannst du auch besser den Erfolg messen. Nehmen wir mal das Beispiel: „Ich will mehr Sport machen“. Was ist „mehr“ und welchen „Sport“? Noch vager, kann man den Satz eigentlich gar nicht formulieren. Hast du vorher irgendeinen Sport gemacht? Hat der dir Spaß gemacht? Nein? Dann könnte das zum Beispiel auch der Grund sein, warum du ihn nicht mehr machst.

Ein Ziel definiere ich immer mit einer fiktiven Deadline und einer konkreten Formulierung: „Am 01.03.21 laufe ich einen 5 km-Lauf in 30 Minuten“. So, da habe ich ein Datum, bis wann ich das erreicht haben möchte, ich habe eine Zielstrecke bei einem konkreten Sport und eine Zielzeit. Wenn du jetzt nicht so der Lauf-Typ bist, ist das gar nicht schlimm. „Ich mache drei Mal wöchentlich 20 Minuten Yoga“. „Ich gehe jeden Tag mindestens 30 Minuten spazieren“. „In einem Jahr habe ich zehn neue Sportarten ausprobiert.“ Alles besser als: „Ich will mehr Sport machen“.

Schon hast du dir ein Ziel gesetzt. Wichtig, schreib es dir auf, egal wohin! Allerdings reden wir jetzt nur von Sport, also dem Gesundheitsbereich in unserem Leben. Wir können uns aber in allen Lebensbereichen Ziele stecken. Dazu stelle ich dir mein letztes Tool für heute vor: Level 10 Life Strategie. Die ist natürlich nicht von mir, ich persönlich habe sie von verschiedenen Coaches schon als Übung gesehen und muss sagen, sie ist wirklich eine sehr wertvolle Übung.

Du malst auf ein Blatt Papier einen großen Kreis, unterteilst den Kreis in zehn Felder und schreibst dir deine zehn Lebensbereiche jeweils außen an jedes „Kuchenstück“ dran. Die zehn Lebensbereiche könnten so aussehen:

  • Berufliche Erfüllung
  • Familie & Freundschaft
  • Gesundheit & Fitness
  • Geld & Finanzen
  • Spiritualität
  • Partnerschaft & Liebe
  • Räumliche Umgebung
  • Abenteuer, Spaß & Freizeit
  • Gesellschaftliches Engagement
  • Kreativität

Du kannst natürlich auch welche austauschen, je nachdem wie es bei dir im Leben aktuell aussieht. Jetzt überlegst du dir in jedem Lebensbereich, wie erfüllt und zufrieden du gerade bist. Oft verlagern wir unsere Aufmerksamkeit auf zwei bis drei Lebensbereiche und vernachlässigen die anderen. Leider sind das unter anderem auch Gründe dafür, warum es uns schlecht geht, warum wir gestresst sind, warum wir nicht glücklich sind. Wir brauchen alle Lebensbereiche um ausgeglichen zu sein, nicht jeder gleich stark, aber jeder sollte über die Zeit Aufmerksamkeit bekommen. Die zweite Frage, die du dir dann stellen darfst, ist wie wichtig ist mir der jeweilige Lebensbereich? Also ist die geringere Erfüllung in dem Lebensbereich vielleicht okay, weil ich ihn gar nicht so wichtig erachte.

Wenn all das auf deinem Zettel steht, schreibst du dir Ziele für jeden Lebensbereich auf. Wichtig hierbei: Nicht jedes Ziel muss sofort oder gar dieses Jahr umgesetzt werden. Du kannst dir auch Ziele hinschreiben, die vielleicht erst in drei bis fünf Jahren umgesetzt werden können. Ich finde es unfassbar, wie sich mein Leben verändert hat, seit ich das jedes Jahr (mehrfach) mache. Das ist wie ein Software-Update beim Laptop.

Nachdem die Ziele klar sind, beginne ich damit, mir zu überlegen, wann ich diese umsetzen kann. Wann im Jahr habe ich Zeit, mich auf die jeweiligen Dinge zu konzentrieren. Ich breche größere Ziele runter zu Teilzielen und stecke sie mir über das Jahr ab. Bei einigen Zielen ist auch dein Warum sehr entscheidend! Wenn du Laufen willst, weil du abnehmen möchtest, ist das ein anderes Warum, als wenn du das tust, um fitter und gesünder zu werden. Das eine ist negativer geprägt in den meisten Fällen, das andere positiv. Schreibe dir ggf. dein Warum zu dem Ziel dazu!

Neben diesen Übungen, trage ich natürlich auch schon wichtige große Termine in meinen Kalender, sowie Geburtstage und Ferien bzw. freie Zeit.

Das ist es auch schon. Wie du vielleicht bemerkt hast, ist das einiges an Übungen und ich mache das für gewöhnlich nicht an einem Tag! Meistens nehme ich mir dafür drei bis vier Tage und gönne mir Pausen zwischendrin. Das ist unglaublich motivierend, wenn das Jahr startet und du hast einen genauen Plan, wie du privat oder beruflich weitermachen möchtest. Und Ziele sind immer besser als Vorsätze! Konkret, effektiv und erfolgsverdächtig.

Viel Spaß beim Reflektieren und Planen. Ich wünsche dir nun ein wundervolles Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2021! Und vergiss nicht, wir haben dieses Jahr gemeistert und können darauf sehr stolz sein.

Eure Saskia

Tageskalender vs. Wochenkalender

Heute kommt mal wieder ein Thema für die Planungsfreaks unter euch, die besonders gerne mit Papierkalender planen. Und vor allem kommt ein Thema, was mich gerade selbst beschäftigt.

Ich plane seit ca. 6 Jahren mit einem Tageskalender und es hat bisher immer sehr gut funktioniert. Das dieses Jahr das Planen quasi hinfällig war und ich in meinem Leben noch nie so viel streichen musste, lassen wir mal aussen vor. So ging es ja nicht nur mir. Ich habe bereits seit Juli mit dem Gedanken gespielt, mal wieder einen Wochenkalender zu verwenden. Da es da mehrere Varianten gibt, habe ich mich erst mal damit beschäftig, welcher für mich in Frage kommt.

Übrigens, wer in das Thema Planung mit Papierkalender noch mal grundlegend einsteigen will, hier gehts zum Blogartikel dazu: https://managemusik.com/2019/11/16/planung-mit-papierkalender/

Bei Tageskalendern gibt es eigentlich nur in einer Form: Ein Tag pro Seite – Fertig.

Was mir die letzten Jahre immer gefehlt hat, war eine Wochenübersicht. Ich hatte keinen guten Überblick über die Woche. Das ist auch das Grundproblem bei der Entscheidung, welchen Kalendertyp man kauft. Über diese Problematik möchte ich heute schreiben und ein paar Lösungsvorschläge, bzw. Inspirationen dafür bereitstellen.

Beim Tageskalender gibt es, für die Hardcore-Planer unter uns, natürlich sehr viel Platz, um Notizen, To-Do’s und Termine genau aufzuschreiben. Ideen und Tracking finden ebenfalls ein Ort auf der Seite. Es gibt Menschen, die müssen Dinge aufschreiben, damit sie besser denken können. Jeden Tag kann man individuell gestalten, was vor allem für die Flexiblen sehr gut geeignet ist. Aber…

In den meisten Tageskalendern gibt es zwar eine Monats- und Jahresübersicht, aber leider keine Wochenübersicht. Der Kalender, der sowieso schon ca. 300 Seiten umfasst, würde ja noch mal dicker werden! Da kommt auch schon direkt der nächste Minuspunkt: für viele ist er zu schwer und zu dick, um ihn mit sich rumzutragen. Ein paar haben bei meinem immer gefragt, ob das eine Bibel oder ein Kalender sei. Da es sich bei meinem Kalender, um mein ausgelagertes Gehirn handelt, würde ich es jetzt nicht als Bibel bezeichnen, aber auf jeden Fall als eines der wichtigsten Tools beim Planen.

Die Wochenkalender haben den großen Vorteil, dass man direkt eine Übersicht über die Woche hat, das ist nämlich schlicht der Sinn eines „Wochenkalenders“. Es gibt ihn in Spaltenform (wie ein Stundenplan), 1 Seite mit allen 7 Tage und auf der anderen Seite Platz für Notizen, oder die Woche schlicht im Querformat über die zwei Seiten verteilt. Egal für welches Design oder Layout man sich entscheidet, eines ist ganz sicher: der Platz ist, im Vergleich mit dem Tageskalender, wirklich mickrig. Da man aber viel weniger Seiten hat, ist er handlich, lässt sich gut überall mit hinnehmen und bietet Raum für Kreative Wochengestaltung, denn wenn jemand wie ich nach wie vor viel schreiben möchte, braucht es ein paar Lösungen für die Problematik.

Du weißt von mir von früheren Artikeln schon, dass ich immer wieder predige: alles an einem Ort, nicht 3 verschiedene Kalender, nicht zusätzlich ein Block und 2 Notizhefte. Aber, was ich schon seit langem mache, ist ein Bullet Journal neben meinem Kalender zu führen. Es gibt da sehr viele Möglichkeiten den Wochenkalender zu kombinieren, um sein Planen nach wie vor schön gestalten zu können, ohne sich eingeschränkt zu fühlen.

Hier ein paar mögliche Tools, um den Platz des Kalenders voll auszuschöpfen, sowie andere Hilfsmittel die du nutzen kannst:

  1. Klebezettel
  2. Pinnwand/Whiteboard
  3. Stundenplan
  4. Dashboards
  5. Farbsystem
  6. Bullet Journal/Notizbuch

Klebezettel kennt jede*r, und bestimmt hast du noch irgendwo in irgendeiner Schublade welche rumfliegen. Wenn du keine hast, musst du gar nicht unbedingt welche kaufen. Die nachhaltigste Variante ist Schmierpapier zu nehmen, klein zu schneiden und mit Tesa oder Washitape einzukleben. Du kannst Listen oder Notizen, auf deiner jeweiligen Wochenseite, auf extra Zettel schreiben und einkleben. Du schaffst so Platz auf dem du mehr schreiben kannst und wenn sich das erledigt hat, kannst du den Zettel wegschmeißen. Du kannst sogar auf kleinen Klebezetteln Termine schreiben, die noch nicht fix sind und in der Woche hin und herschieben.

Pinnwände oder Whiteboards sind gerade für die Menschen hilfreich, die einen guten Überblick über ihre Aufgaben und Ziele brauchen. Du kannst dort deine Listen aufhängen, Ziele und Motivationen anpinnen und ggf. die Listen dann auch mal in den Kalender legen, wenn du sie mitnehmen möchtest. So schaffst du ebenfalls Platz für deine zusätzlichen Aufschriebe.

Stundenpläne kennst du noch aus der Schule. Ich kenne auch viele Studierende, die sich sowieso im Semester einen Stundenplan machen. Der Tipp dir einen schön zu gestalten und vorne in deinen Kalender zu kleben, ist vielleicht jetzt nicht der Tipp des Jahres, aber evtl. hast du daran noch nicht gedacht. Du kannst alle wiederkehrenden Termine dort hineinschreiben, nicht nur die Seminare, auch deine Übeblöcke, auch dein Job, deine Hobby’s, eben alles was jede Woche ansteht. Somit, hast du schon mal für jede Woche einen guten Überblick und kannst dann, wenn der Stundenplan sich verändert, einen neuen machen.

Dashboards muss ich vielleicht kurz erklären. Damit ist gemeint, dass du auf Seiten im Kalender die du nicht brauchst, dir mit schönem Papier einen Hintergrund bastelst und dir damit Platz für Listen, Projektplanung, Ziele etc. schaffst. Wenn du diese einlaminierst, kannst du mit Tesa und Klebezetteln besser arbeiten. Diese Taktik habe ich persönlich von Ella thebee, daher verlinke ich jetzt hier einfach mal ein paar Videos dazu (Werbung, von Herzen, aber unbezahlt): https://www.youtube.com/watch?v=lyV761GEcZQ https://www.youtube.com/watch?v=Fm6PyWg9Dzg&list=PLEClfJ6CCN1Rb27n6ps5aYJG3zOWYGkhP&index=7 https://www.youtube.com/watch?v=C-l375X7lNI&list=PLEClfJ6CCN1Rb27n6ps5aYJG3zOWYGkhP&index=8

Mit Farbsystemen arbeite ich schon immer, aber besonders in einer Wochenübersicht sind sie gold wert. Wenn jeder Bereich deines Alltags eine eigene Farbe hat und du nicht nur die Termine, sondern auch dazugehörige Notizen und Aufgaben in der Farbe aufschreibst, bekommst du einen super Überblick.

Was ein Bullet Journal ist, verrate ich dir hier genauer: https://managemusik.com/2019/12/11/planung-fur-kreative-bullet-journal-und-filofax/

Nebenbei bemerkt, ist das der beliebteste Artikel auf meinem Blog, ich vermute, ich sollte mehr Content in die Richtung produzieren…

Ein Bullet Journal oder Notizbuch extra zu benutzen, gibt natürlich die Möglichkeit, immer alles festzuhalten. Brain Dumps zu machen, Listen zu schreiben, Ziele aufzuspalten und zu planen. Zum Planen braucht man Platz, hat man den nicht mehr im Kalender, muss man sich einen anderen Ort suchen und beides koppeln. Du kannst auch einfach, erst mal nur ein College Block Din A5 benutzen, der noch bei dir im Regal verstaubt oder ein anderes Notizheft, wo du nie wusstest, was du damit anfangen sollst.

Ob du nun mit einem Tageskalender oder einem Wochenkalender planst, wichtig ist, dass du dich wohlfühlst damit und nach kreativen Lösungen für Probleme suchst, die auf dich zukommen. Für jeden gibt es das optimale Planungssystem und manchmal, verändert sich das auch. Das habe ich dieses Jahr akzeptiert und werde selbst mal den Versuch starten, mich da umzuorientieren. Ich halte dich auf dem Laufenden…

Ich hoffe ich konnte dir ein paar Inspirationen mitgeben, wie du dich optimal mit deinem Kalender auf 2021 vorbereiten kannst. Wenn du noch mehr Inspiration dafür suchst, kann ich dir sehr die YouTube Kanäle von Ella Thebee (https://www.youtube.com/user/ellathebeex) und für Bullet Journal den Kanal von Jasminar (https://www.youtube.com/user/jasminar) empfehlen!

Eine wunderschöne Adventszeit wünsche ich euch!

Du darfst Fehler machen

Wir Menschen sind oft sehr gut darin, uns ständig zu sagen was wir alles nicht können, was wir falsch gemacht oder wem wir Schaden zugefügt haben. Wir sind gut darin, uns zu erzählen, welche fünf Noten wir von geschätzten 1200 in einem Konzert verkackt haben. Wir sind sehr gut darin, beim Üben penibel darauf zu achten, Fehler im Keim zu ersticken. Wir sind besonders gut darin, uns selbst Vorwürfe zu machen und auf Kleinigkeiten rumzureiten oder „aus einer Mücke einen Elefanten zu machen“. 

Worin wir leider richtig schlecht sind, ist das Positive zu sehen in unseren Fehlern, die wir machen oder Fehler gar zuzulassen, ohne sich selbst zu sagen: „Habe ich ja gesagt, dass du das nicht kannst“. 

Faszinierend, oder? Tief im Inneren wissen wir alle, dass wir durch Fehler lernen und uns dadurch weiterentwickeln. Wir wissen auch, dass Fehler ganz normal sind, dass jede/r Fehler macht. Trotzdem geben wir uns regelmäßig einen inneren Kampfdialog, indem wir uns selbst Vorwürfe machen, indem wir uns darüber auslassen, wie dumm wir doch sind, dass man das ja hätte besser wissen können oder, im Falle eines Konzerts, dass man sich hätte mehr vorbereiten können oder man einfach nicht konzentriert genug war. 

An der Umsetzung dieses Wissens im Alltag und im Berufsleben scheitern wir jedoch fast täglich!

Dieses ‚keine-Fehler-machen-wollen‘-Ding hängt natürlich eng mit einem völlig ungesunden und unerreichbaren Perfektionismus zusammen. Gleichzeitig haben wir irgendwann in unserer Vergangenheit mal gelernt, oft sehr früh, dass Fehler etwas Schlechtes sind, dass man sie vermeiden muss oder man nichts wert ist, wenn wir Fehler machen. 

Ich habe auf Instagram mal einen sehr wichtigen Satz geteilt: „Der Wert eines Menschen darf niemals an seiner Leistung gemessen werden!“

Das gilt demnach auch, wenn jemand Fehler macht. Ich bin nicht wertlos, nur weil ich Fehler mache. Ich bin auch kein schlechter Mensch, nur weil ich Fehler mache. Ich bin keine schlechte Musikerin, nur weil ich Fehler mache. 

Fehler sind unumgänglich. Wir Menschen lernen entweder aus Spaß oder Interesse, anders gesagt durch intrinsische Motivation, oder durch Schmerz. Dieser Schmerz entsteht meistens dann, wenn jemand anderes oder man selbst Fehler macht. Das kann mehr oder weniger weh tun, aber manchmal geht es nicht anders. 

Wir dürfen wieder anfangen Fehler zuzulassen, in jeder Lebenslage, und sie nicht direkt zu verteufeln. Natürlich gibt es Situationen, da ist es sehr ärgerlich, aber oft sieht die Sache ganz anders aus, wenn man sie von einem anderen Blickwinkel oder aus der Vogelperspektive betrachtet. Jede negative Erfahrung hat auch eine positive Seite, es kommt ganz alleine darauf an, von welcher du schaust. Nach jedem Fehler folgt ein Lerneffekt, zumindest wenn man ihn sich anschaut, ihn wahrnimmt und es reflektiert. Da kommen wir zu einer anderen sehr wichtigen Fähigkeit im Bereich Selbstmanagement. Als Musiker*innen und Pädagog*innen übrigens auch nicht schlecht zu verbessern: Selbstreflexion. 

Wenn wir Fehler als etwas Positives und nicht als etwas Negatives in unserem Leben integrieren wollen, dürfen wir selbstreflektiert sein und uns Situationen, in denen wir etwas vermeintlich falsch gemacht haben, genauer anschauen. Nicht nur mit dem Baseball Schläger draufhauen: „Das hast du ja wieder toll hinbekommen“ – „Was hast du denn da schon wieder verzapft“ – „War ja klar, wie immer völlig hirnlos gehandelt“ – „Erst denken, dann sprechen“ – „Was kannst du eigentlich?“ usw…

Ja unser innerer Kritiker und unser Ego sind unfassbar charmant in diesen Situationen. Fehler sind dafür da, dass man etwas aus ihnen lernt und nicht, dass sie uns zur Weißglut bringen. Das mögen jetzt der ein oder die andere verstörend finden, wenn ich das so direkt sage, aber jeder Fehler, den ich in meinem Leben gemacht habe, war gut so, dass er passiert ist. Wirklich jeder! Die Erkenntnis, dass ich Fehler machen darf, dass ich mir erlauben darf aus ihnen zu lernen, dass ich gut so bin wie ich bin, auch wenn ich ab und an Scheiße baue, ist unglaublich befreiend und sorgt für einen Entwicklungsschub, den man kaum in Worte fassen kann.

Bezüglich unserer Branche ist das natürlich in manchen Bereichen unfassbar schwer umzusetzen. Da sind die Denk- und Handlungsmuster schon so drin, dass man da nur schwer rauskommt. Auf der Bühne alles zu geben, 150% und den Laden so richtig zu rocken, bewahrt mich nicht vor Fehlern. Im Gegenteil – dadurch, dass ich so leidenschaftlich und voller Energie dabei bin, gehen mir viel schneller Fehler durch, sei es ein paar falsche Töne oder ganze Aussetzer. Die passieren – so what! Das hat mich ehrlich gesagt noch nie gekümmert, wenn ich auf der Bühne war. Ich bin da in meinem Element und brenne dafür. Aber beim Üben … oh je, ich kann euch sagen! Ich war ein richtiger Drache zu mir selbst. Die Art, wie ich mit mir selbst gesprochen habe bei einer Übesession, war mehr als asozial und ich würde nie mit Schüler*innen so sprechen wie ich mit mir selbst. Wir wissen ja, man ist selbst sein/e härteste/r Lehrer/in. Aber schön war das nicht, was ich da veranstaltet habe. 

Ich könnte mir jetzt deswegen Vorwürfe machen. Ich kann aber auch akzeptieren, dass es eine Zeit in meinem Leben gab, wo ich so mit mir umgegangen bin. Ich kann daraus lernen, was ich natürlich auch gemacht habe, und für mich festlegen, nie wieder mit irgendwem so zu sprechen – schon gar nicht mit mir. Ich kann mir zugestehen, dass ich heute nicht so gut wäre bzw. nicht so wäre, wie ich eben bin, menschlich wie künstlerisch, ohne diesen leichten Drill in meinem Kopf. Ich darf aber auch anerkennen, dass wir Menschen uns stetig verändern und entwickeln, dass das aber immer unsere Entscheidung ist und nicht die von jemand anderem. 

Wenn du das nächste Mal nach einem Auftritt runterkommst, dann stell dir doch mal die Frage:

Was habe ich heute gut gemacht? Oder: Welche meiner Stärken konnte ich heute zeigen?

Dafür setze ich selbstverständlich voraus, dass du dir darüber im Klaren bist, welche Stärken du hast! Und dann, wenn du dir das Positive angeschaut hast, lässt du deinen inneren Kritiker behutsam los und überlegst dir, was hätte besser sein können. Ganz neutral und liebevoll mit dir selbst. Denn noch mal zum Verdeutlichen:

Wir machen alle Fehler, auf der Bühne oder im sozialen Umgang, beruflich oder privat, es ist okay, und der erste Schritt in die richtige Richtung ist, genau das anzuerkennen. 

Selbstreflektiert zu leben hat natürlich viele Vorteile, aber einer davon ist auf jeden Fall, Positives an Fehlern zu finden und den Lerneffekt heraus zu kristallisieren. 

Es gibt natürlich auch Menschen, die machen bestimmte Fehler immer wieder, das kennst du bestimmt auch – das ist dann das Gegenteil von Selbstreflexion: Verdrängung. Bei den Menschen sind immer die anderen schuld…

Wie dir vielleicht aufgefallen ist, habe ich in dem Artikel besonders oft in der Wir-Form gesprochen. Das hat gute Gründe und ich bin selbst noch lange nicht an dem Punkt, dass ich alle Fehler, die ich mache, sofort selbstreflektiert aufarbeite. Ich sitze manchmal auch wie ein kleines Rumpelstilzchen zu Hause und ärgere mich grün und blau, weil ich dies und jenes vergurkt habe. Aber ich bin auf einem sehr guten Weg, es immer öfter selbst zu realisieren, ohne Hilfe von außen. 

Setz dich damit bitte nicht unter Druck, aber sieh diesen Artikel als Spiegel, den ich dir vorhalte und geh mal in dich, wie du das die nächsten Jahre oder Jahrzehnte für dich handhaben möchtest. Wie du mit dir sprichst, wenn du etwas falsch machst. Welche Emotionen da so hochkommen. 

Ich wünsche dir dabei viel Kraft und Geduld, denn es ist kein Sprint, sondern ein Marathon!  

Wie viel Energie habe ich zur Verfügung?

Energie ist die Währung unseres Körpers. Alles, wirklich alles, was wir tun benötigt Energie. Ich rede jetzt nicht nur von Kilokalorien, aber auch das ist eine Einheit, in der man Energie messen kann. Keine Angst, dieser Artikel wird jetzt keiner von der Sorte, in dem ich dir sage du musst mehr Sport machen oder deine Kalorien zählen – bitte mit sowas am besten gar nicht erst anfangen.

Du weißt ja: Du musst einen Scheiß! 

Heute geht es um Energie, nicht nur in Form von Bewegungsenergie. Wie du sicher schon bemerkt hast, kostet dich eine kognitive Tätigkeit wie z.B. Schreiben, Lesen, Planen oder Üben auch sehr viel Energie – da bewegst du dich unter Umständen aber nur wenig bis gar nicht. Damit dir ein bisschen klarer wird, worauf ich heute hinaus will möchte ich eine kleine Geschichte erzählen. 

Vor über einem Jahr gab es einen Tag, an dem ich zwei Auftritte am selben Tag hatte. Grundsätzlich ist das etwas, womit ich keine Probleme habe. Ich spiele sehr gerne und war auch gut vorbereitet, sodass man von außen betrachtet sagen könnte: „Alles gut, das wird zwar anstrengend, aber ich schaffe das!“ 

Eine Stimme in mir, die damals noch sehr leise war, sagte mir aber schon Monate davor: „Lass es! Das wird zu hart!“. Es gab Diskussionen in mir, es gab Diskussionen außerhalb mit Lehrenden, Pro und Contra – am Ende habe ich mich entschieden, diese beiden Konzerte zu spielen. Ich hatte da große Lust drauf, es waren auch zwei sehr besondere Konzerte für mich und ich wollte nicht eins davon nicht machen, zugunsten des anderen. Klassische Entscheidungsproblematik. Also habe ich mich dafür entschieden, die Zähne zusammenzubeißen und das durchzuziehen. Man will ja auch kein Weichei sein oder Schwäche zeigen…

Dann kam der große Tag. Mir ging es sehr gut am Morgen und ich war guter Dinge. Nach dem ersten Konzert am Vormittag, hatte ich bereits einen halben Kreislaufkollaps. Das lag natürlich auch an der (zeitgenössischen) Musik, die ich dort spielte, aber auch an dem körperlichen Anspruch dieses Stückes an mich. Ich wusste innerlich zu dem Zeitpunkt schon: diese Stimme von vor ein paar Monaten – sie hatte Recht. Jetzt einzuknicken kam für mich allerdings nicht in die Tüte. Ich bin ja kein Schwächling…

Mittags hatte ich eine kurze Pause, in der ich mich ausruhen konnte. Dann ging es aber schon weiter zur Anspielprobe des nächsten Konzerts, in dem ich nicht nur über 60 Minuten spielte, sondern teilweise auch noch moderierte. Das hatte ich irgendwie energetisch nicht ganz so auf dem Schirm. Aber hey, ich bin ja hart im Nehmen…

Das zweite Konzert lief gut, ich merkte allerdings nach wenigen Minuten bereits, dass ich auf meinen persönlichen Notstromaggregaten umgestellt hatte. Oder wie ich so gerne sage, ich lief schon auf dem Zahnfleisch nach dem ersten Stück. 

Das Konzert war rum und mein Körper signalisierte mir den Alarmstufe Rot Zustand. Ich hatte massiv meine energetische Grenze überzogen an diesem Tag und die Quittung dafür erhielt ich dann die kommenden Tage. Ich lag drei ganze Tage wie erschossen auf der Couch. Ich war nicht krank, also keinerlei Erkältungssymptome oder ähnliches, aber ich habe mich gefühlt, als hätte mich ein LKW überfahren und zwar mindestens zehn Mal. Mir tat alles weh, ich war einfach müde und antriebslos und ich habe zwischen 12 und 14 Stunden geschlafen über den Tag verteilt.  

Warum ich dir das erzähle? 

Mir wurde im Vorhinein von einigen Menschen gesagt, ich sei ja so ein Energiebündel und ich würde das locker schaffen. Von Menschen, die glauben mich so gut zu kennen, dass sie sogar meine Energiegrenzen kennen. Ich habe das geglaubt und es mir selbst auch eingeredet. Die Erkenntnis, dass niemand von außen das einschätzen kann außer mir selbst – traf mich hart und war ein Tritt in meine Eier(stöcke). Ausgelöst von mir selbst. 

Praktischerweise bin ich selbstreflektiert und selbstkritisch, ich hatte das relativ schnell für mich klar. Aber eine Sache lies mich seitdem nicht mehr los: Menschen in meinem Umfeld wollen mir sagen was ich energetisch leisten kann und was nicht. Menschen in meinem Umfeld meinen zu wissen, was gut für mich ist und was nicht. Das ist keine Schuldzuweisung an diese Menschen, im Gegenteil, es ist ein Eingeständnis: ich darf und will Verantwortung für mich und meine Entscheidungen übernehmen.

Eigenverantwortung ist dieser Tage ein spannendes Thema. Darauf gehe ich auch in dem ein oder anderen Artikel noch mal näher ein.

Worauf ich heute abziele ist aber das Thema Energie und Grenzen unserer Energie. Die kennen nämlich nur wir selbst und so individuell wie wir Menschen sind, so individuell ist auch unser Energiehaushalt. Es ist unglaublich wichtig, dass du dir zugestehen darfst, nicht dieselbe Energie an den Tag legen zu müssen wie jemand in deinem Umfeld. Es kommt auch nicht nur auf unseren individuellen Energiehaushalt an, sondern auch auf unsere Motivation der Tätigkeit, für die wir die Energie bereitstellen.

Kurz gesagt: wenn du für etwas brennst und etwas richtig gerne tust, wirst du dafür viel mehr Energie bereitstellen können, als für eine Tätigkeit, an der du weder Freude empfindest noch in der du einen Sinn siehst. Wenn du zusätzlich am Motivationsfaktor auch noch gut bist in dem was du tust, durch Übung/Erfahrung oder einfach durch Talent, dann wirst du auch mehr Energie dafür haben bzw. energiesparender bei der Tätigkeit sein. 

In unserem Mikrokosmos der Musiker*innen bedeutet das z.B., es gibt Menschen in unserer Branche, die kostet das Unterrichten von Schüler*innen mehr Kraft und Energie als andere. Das kann an der Erfahrung liegen, denn mit der Erfahrung wächst auch die Fähigkeit bestimmte Unterrichtsbausteine im Autopiloten zu unterrichten. Es kann auch daran liegen, dass man es einfach liebt Menschen Wissen und Fähigkeiten auf dem Instrument beizubringen. Wenn du liebst was du tust, fällt es dir viel leichter, als wenn du dich dazu zwingen musst. Leider ist aber auch eine sehr motivierte und leidenschaftliche Lehrkraft irgendwann mal ‚leer‘. Ich gebe immer gerne das Bild einer Energieanzeige (wie eine Tankfüllung im Auto) im Ampelsystem, also von Grün nach Rot. Es gibt einen Reserve Bereich, wie beim Auto, die dir sinngemäß sagt: „Bitte tanken – du kommst noch 50 km weit“. Wenn du das nicht machst? – Genau. 

Das passiert uns Menschen auch. Da muss dann schlimmstenfalls auch der Abschleppwagen kommen…sinngemäß. 

Wann bei dir diese Reserven angezapft werden, kannst nur du spüren. Wenn man es dir ansieht, dann ist es meistens schon zu spät. Du kennst bestimmt diese Sätze: „Boah, du siehst echt fertig aus. Hast du viel Stress im Moment?“. Ich denke mir dann immer, na vielen Dank auch. Aber oft ist das absolut korrekt und ich bin eigentlich schon lange im Reservenmodus und komme nicht mehr wirklich raus. 

Wie du deine Energiereserven bzw. deinen Tank wieder auffüllst, darüber schreibe ich in einem anderen Artikel. 

Einen Tipp zum Abschluss habe ich noch für dich: 

Höre auf dein Bauchgefühl und wenn du nicht mehr kannst, dann lass es! 

Fahre nicht zu lange in diesem Alarmstufe Rot Bereich, es kostet dich deine Gesundheit und deine Lebensfreude. Vertrau mir, ich weiß wirklich wovon ich spreche und bin da leider nicht sehr stolz drauf. Es gibt Menschen, die denken ein Beipass ist ein Leistungsnachweis oder nur wer richtig Stress hat arbeitet auch hart.

„Nur die Harten kommen in den Garten.“ Das ist Bullshit! Sorry für den harten Ausdruck. Die Harten kommen dann ggf. irgendwann ins Grab, da wachsen zwar auch Blumen, aber ich glaube diesen „Garten“ meinte man damit nicht…

Wenn du dich schon in den Zwanzigern ins Burn-Out oder in chronische Erkrankungen schießt, dann ist das kein Leistungsnachweis, sondern es einfach unfassbar beschissen. Du kannst deine Ziele nur erfolgreich erreichen mit einem gesunden Körper und einem gesunden Geist. Wenn eins davon am Arsch ist, wird das leider nichts. 

Um deinen Körper gesund zu halten und das zählt für mich absolut ins Themenfeld Selbstmanagement, brauchst du ein gesundes Energiemanagement.

Stell dir ein paar Fragen, um dir darüber im Klaren zu sein, was für dich gilt und zwar nur für dich – nicht für andere:

  • Was sind meine persönlichen körperlichen Anzeichen für Stress?
  • Fällt mir spontan eine Situation ein, in der ich über meine Grenze gegangen bin und dafür die Quittung bekommen habe?
  • Wie viele Pausen brauche ich am Tag oder in einer Woche und nehme ich mir die?
  • Wo liegt die Grenze, über die ich nicht gehen sollte?

Die letzte Frage ist nicht unbedingt einfach zu beantworten und musst du auch nicht jetzt beantworten. Mein Ziel ist es mit diesem Artikel, dass du achtsamer mit deiner Energie umgehst und dir klar machst, dass nur du deinen Alltag bewältigen muss. Niemand macht das für dich, auch nicht die, die dir Ratschläge geben. Ich kann für dich diese Dinge nicht umsetzen, das tust du entweder selbst oder du lässt es. 

Deine Entscheidung. Deine Gesundheit. Dein Energiehaushalt. Dein Alltag. Deine Verantwortung. Dein Leben.

Niemand hat darüber zu bestimmen oder sich einzumischen, aber du darfst diese Verantwortung annehmen und die Entscheidung das zu tun – ist einfach unbeschreiblich befreiend. Im ersten Moment vielleicht auch beängstigend, für seine Handlungen, seine Gedanken und seine Gefühle Verantwortung zu übernehmen. Manchmal auch erschreckend. Aber dann auch befreiend und es öffnet dir unfassbar viele Möglichkeiten und Chancen erfolgreich zu sein und deine Ziele zu erreichen. 

Also bleib gesund und übernimm Verantwortung für deinen Körper. 

Er wird es dir danken!

Wenn dir dein Körper in den Hintern beißt…

In den letzten sechs Monaten wurde so viel wie noch nie über Gesundheit gesprochen, geschrieben oder geteilt – bzw. mehr über Krankheit, als über Gesundheit…

Eigentlich war es früher einigen Menschen sogar ziemlich egal, wenn sie andere angesteckt haben. Ich hatte regelmäßig in der Musikschule kranke Schüler*innen in der Erkältungszeit, die sich krank in die Schule und dann natürlich auch krank zu ihrem Musikunterricht geschleppt haben. Ich habe auch Fälle erlebt, da kamen Kinder oder Jugendliche mit Fieber in meinen Unterricht. Einerseits ja ein großes Kompliment, wenn die Schüler*innen sogar noch krank in den Musikunterricht kommen – dann macht es ihnen ja offensichtlich Spaß. Über die Ansteckungsgefahr eines nießenden Kindes auf die Klaviertasten brauche ich hier wohl nicht hinzuweisen. (Das war allerdings die letzten 8 Jahre in denen ich unterrichtet habe immer allen egal!)

Andererseits wurde so eine weitere Generation dazu erzogen: „sich mal nicht so anzustellen“ oder „ach das bisschen Schnupfen“ oder „kein Weichei zu sein“ oder „auf die Zähne zu beißen und das durchzuziehen“…

Hat sich dieser Umstand jetzt in der Coronazeit geändert?

Bei all der Berichterstattung der öffentlich rechtlichen Medien und der Aussagen von unterschiedlichen Politikern (die meiner Meinung nach eigentlich kein Recht haben über meine Gesundheit zu bestimmen), habe ich persönlich noch nicht das Gefühl gehabt, es gehe hier um Gesundheit! Ich weiß nicht wie es dir geht, aber für mich bedeutet Gesundheit: physische und psychische Gesundheit. Mal abgesehen davon, dass einem gesunden Körper mit ausgewogene Ernährung, viel Flüssigkeit, ausreichend Schlaf, Bewegung und viel frischer Luft (am Besten in der Sonne) alles wichtige gegeben ist, ich allerdings von diesen Themen wenig bis gar nichts in den Medien lesen kann, wird über psychische Gesundheit schon mal gleich gar nicht gesprochen! Manche würden hier jetzt ansetzen mit bösen Unterstellungen oder mit Mutmaßungen, ich werde mich von solchen Methoden aber distanzieren.

Schwierig wird es allerdings, wenn durch etwaige Maßnahmen einem die Luft zum atmen, die ja eigentlich so wichtig für unsere Gesundheit ist, einfach genommen wird. Einige Maßnahmen machen leider für mein Verständnis von Gesundheit absolut kein Sinn und ich weiß – ich bin mit dieser Auffassung nicht alleine! Darum soll es in diesem Artikel aber nicht gehen…

Ich möchte näher darauf eingehen wie spannend es ist mit anzusehen, wie einen der Körper außer Gefecht setzen kann. Besonders interessant für mich ist hier die Ursache herauszufinden.

Unser Immunsystem, bei einem gesunden Menschen ohne chronische Erkrankungen oder Vorerkrankungen, steckt ziemlich viel weg. Es gibt aber ein paar Dinge, die unser Immunsystem runterfährt – auch bei einem gesunden Menschen wie mir. Dazu gehört natürlich Stress! Ich glaube ich muss das niemandem erklären, jeder weiß wovon ich spreche. Stress ist einer der Immunsystemkiller schlecht hin. Angst produziert im Körper übrigens Stresshormone, man bedenke das, wenn man demnächst das Gefühl hat von panischen und ängstlichen Menschen umgeben zu sein…

Unser Körper hat einige Warnsignale die er bringen kann: Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Müdigkeit, Energielosigkeit, Schlaflosigkeit usw.

Bildlich gesprochen gibt es so eine Art Energieanzeige in unserem Körper und viele Menschen bewegen sich sehr lange im orangenen und hellroten Bereich – für Wochen oder sogar Monate. Wenn etwaige Symptome nicht beachtet werden, keine Ruhepausen eingelegt werden, die Energie zu sehr ausgereizt wird…ja, jeder weiß was passiert: wir werden krank! Der Körper ist plötzlich anfällig (übrigens nicht nur für Coronaviren) und es erwischt einen mit einer Erkältung, einem grippalen Infekt oder einer Grippe. Ja das sind alles unterschiedliche Krankheitsbilder, lass es dir gesagt sein ich war früher öfter krank…

Über Langzeitfolgen von Stress möchte ich hier und heute auch nicht sprechen, sollte aber vielleicht in einer der vielen Talkrunden im ZDF & Co. mal wieder dringend getan werden!

Warum ich diesen Artikel heute schreibe? Ich liege gerade krank im Bett. Ich habe eine Schwachstelle am Körper, die immer anschlägt wenn ich es überreizt habe. Mir passiert das zwar deutlich seltener als früher, aber dennoch liege ich hier und es nervt tierisch. Ich hätte mich noch vor wenigen Jahren einfach darüber aufgeregt, dass ich krank bin – man wird dann übrigens nicht schneller gesund, nur weil man sich drüber aufregt.

Heute bin ich an dem Punkt zu reflektieren, woran das liegen könnte. Unser Körper kommuniziert den ganzen Tag mit uns, er teilt uns mit wenn ihm etwas nicht passt, ihm etwas nicht gut bekommt oder er etwas nicht mehr schafft. Leider hören wir immer weniger auf diesem Kanal zu und ich frage mich ernsthaft woran das liegt! Ich bin der Meinung, wir dürfen diesem wundervollen Körper in dem wir hier auf diesem Planeten wandeln auch mal zuhören, vor allem wenn er nicht mehr kann. Ich bin der Meinung, dass es nichts aber auch gar nichts mit Schwäche zu tun hat, wenn man dem nachgibt und sich ausruht. Ich bin der Meinung, dass viele Menschen einfach nicht mehr auf ihren Körper hören, weil sie es irgendwann abtrainiert haben. Wir hören auf Empfehlungen von aussen, von Behörden, von Organisationen, von Politikern, aber auf unseren eigenen Körper nicht mehr? Das muss mir mal einer erklären!

Ich kann dir nur eindringlichst dazu raten, den Kommunikationskanal mit deinem Körper wieder aufleben zu lassen. Kein Arzt oder Ärztin, kein Familienmitglied oder Partner*in kann dir das abnehmen. Du alleine wohnst in diesem Körper, der den ganzen Tag 100% für dich gibt! Du bist selbst für diesen Körper verantwortlich – nicht die WHO, nicht das ZDF und schon gar nicht Frau Merkel! Wenn du krank wirst ist das meisten ein kleiner bis großer Tritt in deinen Hintern, sozusagen die letzte Methode die unser Körper zum kommunizieren hat. Er sagt einem dann ganz klar: „So Fräulein und du bleibst jetzt mal für ein paar Tage liegen und füllst deine Energiereserven mal wieder anständig auf. Ich sage wann es weiter geht und nicht du!“

Diesen Satz oder zumindest sinngemäß, bekam ich vor ein paar Tagen um die Ohren und ich wusste wieder: Ich bin zu weit gegangen. Jetzt liege ich hier mit meinem Tee und meinen Lutschpastillen und muss die Klappe halten – jeder der mich kennt weiß, wie unfassbar schwer mir das fällt. Während ich so am reflektieren war, was die letzten Wochen los war und woran das liegt, dass ich nun hier liege, sind mir so einige Antworten gekommen. Zeitgleich kam in mir der Gedanke auch über dieses Thema auf diesem Blog zu schreiben.

Für mich gehört dieser Artikel absolut in den Bereich „Energiemanagement“, denn eines ist ganz sicher: wenn ich die letzten Wochen besser mit meiner Energie gehaushaltet hätte und achtsamer mit meinem Körper umgegangen wäre, läge ich nun nicht hier!

Wer näher zu dem Thema in eine Podcastfolge einsteigen will, vor einer Woche ging dazu eine online:

https://www.podcast.de/episode/490684768/Energiemanagement/

Trotzdem bin ich meinem Körper immer wieder dankbar für seine Warnsignale. Ich möchte hiermit einfach ein bisschen Bewusstsein dafür schaffen, dass wir keine Maschinen sind und es irgendwann einen Punkt gibt, wo unser Körper uns eben in den Hintern beißt…

Bleibt Gesund und Grüße aus dem Krankenlager!

Was die Zeit so bringt…

Ein Jahr ist es her, da saß ich um 22.56 Uhr an meinem Küchentisch und habe meine Sorgen, Ängste, Befürchtungen und Glaubenssätze über Bord geworfen und diesen Blog gestartet. Genau heute vor einem Jahr ging mein erster Blogartikel online. Ich hatte die Idee für diesen Blog schon Wochen vorher, bekam aber leider mit jedem Tag mehr Zweifel, ihn zu machen. Ich hatte vor vielen Dingen Angst – vor Beurteilung, vor Ablehnung, davor als überheblich oder arrogant zu wirken und davor Menschen auf die Füße zu treten mit meinen Worten.

Ich hab dann an diesem Abend einfach drauf geschissen, nach dem ersten Modul des I AM Kurses von Laura Malina Seiler. Ich habe mir auf meinen ‚Action‘ Zettel geschrieben: Blog starten!

Ich hatte schon genug darüber recherchiert, ich wusste wie das geht, nachdem ich mir erst mal 14 Tage lang erzählt hatte, ich könne sowas eh nicht. Mein innerer Kritiker sang gemeinsam mit dem verletzen Kind in mir solch tolle Glaubenssätze wie: „Du bist dafür nicht gut genug!“ – „Niemand interessiert was du zu sagen hast!“ – „Die werden dich wieder für arrogant halten, du kennst das doch schon!“ – „Du willst das doch gar nicht!“ – „Du hast nicht genug Erfahrung dafür!“ – „Wer bist du eigentlich, dass du den Leuten erzählen willst, wie man sich organisiert!“. Sie sangen es übrigens im Kanon und in Endlosschleife, es war traumhaft…

Ich suchte also bis zum 12.09.19 ausschließlich Gründe, warum es nicht geht. Unser innerer Kritiker mag absolut keine Veränderung und das habe ich auf voller Linie zu spüren bekommen.

An diesem Abend fand ich allerdings einige Gründe für den Blog und meine Motivation, mein Warum dahinter. Es war mir plötzlich egal, was andere denken könnten. Mir war es wichtiger, was es bei denen auslösen kann, die Hilfe brauchen und sie dann dort finden würden. Ich hatte eine Vision davon, wie ein Studierender irgendwo in Deutschland sitzt und Probleme mit seinem oder ihrem Selbstmanagement hat, unmotiviert und uninspiriert ist, keine Ahnung hat wie er oder sie eine Struktur in den Studienalltag bekommen soll – dann recherchiert und auf meinen Blog stößt.

Meine Devise in dem Moment war:

Wenn es nur einem hilft, dann hat es sich schon gelohnt!

Der Name „Managemusik“ war in dieser Nacht eine Eingebung und absolut nicht vorher geplant, er fiel mir ein, als ich eine Domain brauchte! Ich schrieb also meinen ersten Artikel und baute die Seite auf WordPress, ich lud alles hoch und zack – er war online.

Heute, ein Jahr später, sind auf diesem Blog über 30 Artikel zu finden – rund um die Themen Selbstmanagement, Motivation, Planung und persönliche Weiterentwicklung. Meine Zielgruppe hat sich bereits um einen Großteil erweitert, denn am Anfang dachte ich, ich schreibe nur Musikstudierende an. Es kamen Schüler*innen, Studierende aus anderen Fachrichtungen, Selbstständige, Arbeitnehmer und bereits abgeschlossene Musiker*innen und lasen meine Artikel. Die Rückmeldungen die ich in den letzten Monaten erhielt, sind absolut überwältigend. Die Reichweite die dieser Blog bekommen hat, übersteigt meine kühnsten Vorstellungen! Wie bereits erwähnt, ich dachte mir, wenn es nur einer oder einem hilft, freue ich mich – mit dem was zurückkam, hatte ich nicht gerechnet!

Am 09.02.20 veröffentlichte ich meine erste Podcastfolge auf dem gleichnamigen Podcastkanal „Managemusik“. Ich hatte auch bei diesem Medium lange den Wunsch und den Ruf in mir, einen Podcast zu machen. Die Glaubenssätze beschäftigten mich auch dort, allerdings kam die Unterstützung durch den anderen Podcast „Die Musikerschmiede“ mit Manuel Hilleke dazu und meine Idee eines eigenen Podcasts brauchte dann nur etwas mehr Zeit. Ich zähle dort seit Beginn über 1500 Downloads meiner Folgen. Als ich diese Statistik gesehen habe, traute ich meinen Augen kaum, ich hatte zu diesem Zeitpunkt ja gerade mal 20 Folgen online. Bei einem Nischenpodcast hat mich das doch sehr umgehauen, denn auch dort galt für mich: Wenn es nur einem hilft, dann hat es sich gelohnt!

Die Rückmeldungen beim Podcast waren ähnlich überwältigend und zahlenmäßig überraschend, wie zuvor beim Blog. Es fehlte also nur noch eins: Der YouTube-Kanal, um das letzte Medium „Video“ auch noch abzudecken. Der Kanal ging online am 28.07.20.

Wenn du mir vor 13 Monaten gesagt hättest, dass ich ein Jahr später einen Blog, Podcast und YouTube-Kanal betreiben würde, sowie beruflich Social Media professionalisiert hätte, ich hätte dich schallend und missbilligend ausgelacht. Ich wollte keine Influencerin sein, ich wollte auch keine YouTuberin sein. Podcasterin schon, aber alles andere war zu diesem Zeitpunkt für mich absolut nicht in meinem Kopf realisierbar. Der Witz ist: Ich sehe mich auch nicht als YouTuberin oder Influencerin, ich finde diese Begriffe und Bezeichnungen haben eine solcher gesellschaftliche Abwertung erfahren, dass ich mich damit nicht betiteln wollte.

Mein Warum ist mittlerweile deutlich geworden, auch bei den Lesern und Hörern und Zuschauern meiner Medien. Ich möchte dich motivieren, inspirieren, informieren und dir einen Weg aufzeigen in ein erfolgreiches Studium und erfolgreiches Berufsleben. Ich liebe es, das zu tun, genauso wie ich es liebe zu unterrichten und zu musizieren bzw. zu konzertieren. Ich lebe das, was ich hier empfehle selbst. Ich bin ehrlich und authentisch und nehme kein Blatt vor den Mund. Ich halte dir den Spiegel vor, auch wenn das manchmal weh tut. Ich unterhalte dich mit Themen oder meiner Art, zaubere dir vielleicht ein Lächeln ins Gesicht oder wie ich mal gelesen habe auch mal eine Träne. Ich berühre Menschen mit dem was ich hier tue und genau das war mein Ziel!

Ich habe es erreicht und bin noch lange nicht am Ende angekommen. Ich habe neue Ziele und bin motivierter denn je, so viele wie möglich in ihre Kraft und ihren Erfolg zu bringen und wenn ich nur einen kleinen Teil dazu beitragen kann, freu ich mir schon einen Ast ab. Eure Nachrichten und Kommentare machen mich jeden Tag glücklich und geben mir Energie, dass ich richtig gehandelt habe. Meine Vision bestätigt sich täglich und ich werde nicht aufhören, mein Herzblut hier rein zu stecken, authentisch und ehrlich zu informieren und zu motivieren und dem ein oder anderen einen Arschtritt zu verpassen.

Die Zeit bringt manchmal Dinge mit sich, die wir uns gar nicht vorstellen können. Das ist wunderbar und ich bin unglaublich dankbar für jeden, der diesen Blog liest, der meine Podcastfolgen hört, meine Videos schaut, mir auf Social Media folgt und den ich unterstützen darf. Danke euch, denn ohne euch wäre das alles hier nicht möglich!

Happy Birthday – Managemusik!

Brauchst du einen Übeplan?

Da kommt er endlich, der lang ersehnte Artikel und Start in ein Themengebiet, bei dem ich bisher etwas zögerlich war. Ich wurde mehrfach gefragt, ob ich darüber sprechen und schreiben könne, wie ich meine Übepläne gestalte. Das tue ich natürlich sehr gerne, ist aber mit einigen Hürden meinerseits verbunden gewesen.

Den ersten Gedanken an diesen Artikel hatte ich bereits im November letzten Jahres. Da habe ich meinen Plan für den Wettbewerb entworfen, welcher ja dieses Jahr Corona-bedingt nicht stattfand. Ich dachte mir damals schon: „Das wäre natürlich ein sehr wichtiger Artikel, der Mehrwert bietet und vielen Studierenden Inspiration bringen kann.“ Da hatte ich natürlich weder meinen Podcast noch meinen YouTube Kanal gestartet. Jetzt wo all das da ist, kam ich etwas in die Denkspirale – Wie und Wo postest du das am Besten?

Ich habe mich entschieden: auf allen Kanälen! Ein Artikel oder eine Podcastfolge reicht da leider nicht. Deshalb kommt zu diesem Themenfeld jetzt ebenfalls vermehrt Content und dieser Artikel ist der Start. In meinen Workshops hat sich herausgestellt, dass das eines der essentiellsten und wichtigsten Themen für Musikstudierende darstellt. Hätte ich auch selbst drauf kommen können, aber für mich war das im ersten Moment nicht so deutlich, wie es das vielleicht für dich jetzt ist!

Auf die Frage: „Brauchst du einen Übeplan?“ – antworte ich intuitiv mit: „Auf jeden Fall!“. Vielleicht geht es dir genauso, aber du stellst dir gleichzeitig die Frage: „Wie erstellt man einen guten Übeplan?“. Vielleicht hast du dir diese Frage auch noch nie gestellt und bist jetzt verwundert, wie man sich nicht einfach in den Überaum begeben kann und einfach drauf los ballert. Vielleicht hast du dir auch schon Übepläne gemacht und dabei die Erfahrung, dass es dir nicht hilft oder du die Pläne nicht durchhalten konntest.

Eines ist auf jeden Fall schon mal ganz klar:

„Der Ziellose erleidet sein Schicksal – der Zielbewusste gestaltet es“

Immanuel Kant (1724-1804)

Eines sollte dir bewusst sein – Pläne sind keine Selbstzweck. Es gibt Menschen die planen einfach gerne und planen und planen und planen und kommen nicht ins handeln! Und dann gilt zeitgleich mit dem obigen Zitat:

„Machen ist wie wollen nur krasser“

Unbekannt

Bei all der Planerei, sollte dir immer klar sein warum du dir einen Plan machst. Ein Übeplan ist wie ein Navigationssystem. Wenn du in ein Auto einsteigst, fährst du ja auch selten einfach los. Du hast ein Ziel – eine Stadt bzw. eine Straße, im Idealfall sogar eine Hausnummer. Umso genauer du deine Adresse in dein Navi eingibst, desto schneller und ohne Umwege kommst du an! Wenn du in das Navi „Berlin“ eingibst – ja, dann kommst du schon irgendwo in Berlin an, aber nicht unbedingt dahin, wo du ursprünglich hinwolltest. So ähnlich ist es auch mit Übeplänen. Wenn du dir auf einen Zettel schreibst: „Ich übe heute die Beethoven Sonate“ – ja, dann wirst du schon irgendwas üben, vielleicht bringt dir das auch was oder es ist einfach Beschäftigung deiner Synapsen ohne Ziel und ohne Reflexion. Du wirst die Beethoven Sonate bestimmt auch irgendwann können, die Frage ist wie schnell und wie effektiv du an diesen Punkt kommst.

Du solltest dich also nicht fragen: „Brauche ich einen Übeplan?“, sondern zu allererst solltest du dich fragen, was deine Ziele auf deinem Instrument sind. Es gibt unterschiedliche Formen eines Übeplans. Die meisten denken bei Übeplänen vermutlich eher an die kurzfristige Variante – Wochenpläne oder Tagespläne. Das ist allerdings nur das Ende der Fahnenstange. Idealerweise hast du langfristige Ziele, mittelfristige Ziele und kurzfristige Ziele. Das funktioniert im Leben, wie auch beim Üben! Deswegen arbeite ich auch nicht nur mit dem Begriff eines Plans, sondern auch mit dem Begriff „Übeziele“. Deine Übeziele stehen also vor dem Plan. Oder um es anders zu sagen: Ohne Ziele macht ein Plan einfach keinen Sinn! Oder um es noch einfacher zu sagen: Dein Ziel gibst du in dein Navi ein und der Plan ist dann die Route.

Um bei meiner Metapher zu bleiben – es gibt auch Leute die sagen: „Viele Wege führen nach Rom“. Das stimmt auch. Ich hab nur in den meisten Fällen keine Zeit und keinen Bock dreimal so lange zu brauchen, mal abgesehen davon, dass jeder die schnellste Route im Navi auswählt und nicht die längste. Allerdings, stimme ich dem Satz zu, bei der Art und Weise Pläne aufzuschreiben. Es gibt viele Möglichkeiten einen Übeplan zu gestalten, darum soll es aber hier und heute noch nicht gehen!

Einer der größten Vorteile an einem Übeplan ist, dass du besser nachvollziehen kannst welche Fortschritte du bereits gemacht hast. Deine Entwicklung ist für dich leichter zu beobachten und in dem Moment, wo du etwas aufschreibst wird es verbindlicher, als wenn es nur in deinem Kopf herumirrt. Erfolgreiche Musiker*innen arbeiten mit Übezielen und Plänen, jeden den du fragst, wird dir das bestätigen. In welcher Form sie planen und ob sie das handschriftlich, mit dem Tablet oder im Kopf tun steht auf einem anderen Blatt.

„Wenn du in den Überaum gehst und noch nicht weißt was du gleich tun wirst, kannst du es auch gleich bleiben lassen!“

Valère Burnon – mehr dazu im Artikel: Wettbewerbvorbereitung

Zum Abschluss ist klar: deinen Erfolg kannst du nur messen wenn du weißt, ob du auf dem richtigen Weg in die richtige Richtung bist und dich deinen Zielen näherst. Dafür muss dir allerdings klar sein was deine Ziele sind. Du darfst dir gerne mal die Zeit nehmen, diese Ziele zu definieren.

Dazu noch ein Artikel: https://managemusik.com/2019/09/24/ziele-setzen/

Dieses Thema ist ein Fass ohne Boden und dieser Artikel ist wirklich nur eine erste Annäherung, vor allem für Menschen, die sich noch nicht viel damit auseinandergesetzt haben. Es folgen weitere Artikel, Podcastfolgen und YouTube Videos (https://www.youtube.com/channel/UCSxj3GIq0kqKiZLnRvik7BA?view_as=subscriber), denn ich möchte dir sehr gerne einen detaillierten Einblick in meine Übeplanungsroutine geben und dich damit motivieren und inspirieren.

Ich schließe mit einem Satz, der mir persönlich die Augen geöffnet hat in meinem früheren Planungswahn:

„Ein Plan ist nicht unbedingt dafür da erfüllt zu werden!“

„Und täglich grüßt das Murmeltier“

Kennst du das? Morgens 07:00 Uhr, der Wecker klingelt und du drückst erst noch mal auf die Schlummertaste. Dann um 07:10 Uhr und um 07:20 Uhr – das Spiel geht so bis 07:45 Uhr, dann musst du aber wirklich dringend aufstehen. Du merkst schon so ein leichtes Gefühl der Hektik im Körper. Etwas hastig läufst du ins Bad und machst dich schnell fertig, ziehst dir was an, auf dem Weg zum Bad hast du noch schnell die Kaffeemaschine eingeschaltet, um auf dem Rückweg aus dem Bad deinen Kaffee abzuholen. Du schmierst dir schnell ein Brot oder im schlimmsten Fall ist selbst dafür keine Zeit. Du nimmst dir deine Tasche und hechtest zum Bus oder zum Auto. Du bist eigentlich schon zu spät dran. Im Bus oder im Auto gehen dir Gedanken durch den Kopf, dass du ja gestern nicht unbedingt bis 02:00 morgens noch die Serie zu Ende hättest schauen müssen. Du bist leicht genervt, weil du zu deinem Termin zu spät kommst. Ein schlechtes Gewissen macht sich breit. Das Gefühl von Hetzerei und genervt sein kennst du gut, denn es geht dir an 80% der Tage im Monat so und diese Gefühle ziehen sich dann durch deinen ganzen Tag – bis du am Ende des Tages wieder genervt auf der Couch landest, um dort wieder bis um 02:00 morgens YouTube oder Netflix zu schauen…

Und täglich grüßt das Murmeltier!

Filmtitel (1993)

Das oben beschriebene Szenario hatte ich in meiner Studienzeit mehr als einmal. Mit dem Unterschied, dass ich eher bis 04:00 Uhr morgens noch unterwegs war und alkoholisiert von Hauspartys oder Bars nach Hause kam. Mit Kater ist das übrigens alles noch viel beschissener und schmerzvoller. Wenn das mal passiert, ist das auch überhaupt nicht schlimm. Wir sind ja schon groß und können selbst entscheiden, wann wir ins Bett gehen und was wir vor dem zu Bett gehen machen. Problematisch wird es, wenn das zur Gewohnheit wird und du jeden Morgen dasselbe erlebst wie Phil aus dem Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ – falls ihr den nicht kennt: Anschauen! 

Gewohnheiten sind richtig große Scheiße, zumindest wenn wir nicht bewusst Dinge zu unserer Gewohnheit gemacht haben. Denn eines kann ich dir ganz sicher sagen:

  • Unser Schlafverhalten ist eine Gewohnheit
  • Routinen haben wir auf jeden Fall, ob bewusst oder unbewusst, man macht morgens und abends immer das gleiche, ob man das nun merkt oder nicht
  • Das innere Murmeltier lässt sich allerdings trainieren – das ist die gute Nachricht.

Das größte Problem an dem oben geschriebenen Szenario ist aber, dass dein ganzer Tag sich so anfühlt, wie dein Morgen ausgesehen hat. Erfolgreiche Menschen etablieren sich eine Morgenroutine und nein du musst jetzt nicht jeden Morgen um 5 Uhr aufstehen, eine Stunde meditieren, 5 km joggen gehen und 10 Seiten in dein Dankbarkeitstagebuch schreiben! Das ist auch ein Weg, aber nur für die Geübten und Hartgesottenen. 

Eine gute Nachricht an alle Langschläfer da draußen:

Früh(er) aufstehen kann man lernen. Unser Körper kann sich sozusagen an alles gewöhnen! Er verändert sich einfach nur nicht gerne. Entscheidend ist vor allem, wie man aufsteht, auch an Tagen mit Aufgaben und Terminen, auf die wir keine Lust haben. Eine individuelle Morgenroutine ist Zeit für dich. Zeit für deine Ziele. Zeit für deinen Erfolg.

In diesem Artikel möchte ich dir ein paar Ideen geben, wie man sich sehr simpel eine Morgenroutine erarbeiten kann. Anfangs brauchst du dafür gerade mal zehn Minuten. Später kann man das ausdehnen und für sich individuell anpassen. Da ist auch schon der erste wichtige Punkt:

Morgenroutinen sind sehr individuell und sehen bei jedem Menschen anders aus!

Du darfst ausprobieren, was für dich passt und was nicht. Du darfst kreativ werden und dir diesbezüglich ein paar Fragen stellen. Über Prioritäten habe ich im Artikel „Ich habe einfach keine Zeit“ ja schon geschrieben. Bevor du aber deine Morgenroutine etablieren kannst, musst du für dich aufdecken, was du aktuell jeden Morgen gebetsmühlenartig tust – deinen Status Quo analysieren! 

Dafür ein paar Fragen – nimm dir ein Blatt Papier und einen Stift und sei ehrlich zu dir:

  1. Was sind deine ersten Handlungen nach dem Aufstehen? 
  2. Was sind deine ersten Gedanken nach dem Aufstehen?
  3. Wie oft schaltest du morgens die Snooze Taste?
  4. Wie viel Zeit hast du morgens vom Aufstehen bis zum Verlassen der Haustür oder deiner ersten Arbeitsminute (wenn du von zu Hause arbeitest)?
  5. Welche Dinge tust du in dieser Zeit?
  6. Wie fühlst du Dich, wenn du aus dem Haus gehst oder mit deiner Arbeit beginnst? 

Die ein oder andere Antwort wird dir vielleicht nicht passen, dazu aber gleich mehr. Zuallererst darfst du die Fragen ganz wertfrei beantworten. Ehrlich, aber ohne Bewertung. Danach kannst du dir die Antworten anschauen und dir überlegen:

Möchte ich das nach dem Aufstehen tun und möchte ich mich so fühlen?

Meistens ist die Antwort auf diese Frage: Nein! 

Wenn du mir erzählst, du hättest gerne Stress und magst es, den ganzen Tag das Gefühl zu haben, etwas hinterher zu rennen oder dich den ganzen Tag müde und ausgelaugt zu fühlen, das kauf ich dir nicht ab! 

Bei vielen sieht das morgens nämlich so aus: Nach mehrmaligem Schlummertaste drücken rollt man sich irgendwann auf die Seite und schnappt sich sein Smartphone. Dort werden erstmal Mails gecheckt, WhatsApp, Insta und Facebook. Man ist direkt mit anderen beschäftigt und eben nicht mit sich selbst. Wer mehr „Me-Time“ haben möchte, für den habe ich eine wichtige Nachricht. Wenn du dich schon morgens mit Social Media berieseln lässt und das jeden Morgen tust, weil es bereits zur Gewohnheit geworden ist, verspielst du dir die perfekte Zeit des Tages, um dir etwas Gutes zu tun! Natürlich haben wir viel auf der Uhr und müssen uns auf der Arbeit oder im Studium oft mit anderen beschäftigen. Da geht es nicht um die Frage: Wie geht es mir und was brauche ich gerade? 

Aber morgens kannst du dir genau diese Frage stellen und schauen, was dir dein Unterbewusstsein antwortet. Vielleicht ist es der Kaffee auf dem Balkon in der Sonne oder die kurze Yogaeinheit. Vielleicht möchtest du dich auch mehr bewegen, einen Spaziergang, eine Laufrunde oder ein Workout machen. Ein entspanntes Frühstück und ausgiebig duschen und dich fertig machen für den Tag. Weiter am Hörbuch hören oder ein Buch weiterlesen. Journaln oder einfach deine Gedanken vom letzten Tag oder für diesen Tag aufschreiben.

Was es auch ist, probiere es aus und bitte nicht nur drei Tage.

Gewohnheiten brauchen etwa 30 Tage, um sie ins Unterbewusstsein einzuschleusen, sodass du nicht mehr drüber nachdenken und dich nicht aktiv dafür entscheiden musst. Wenn du dir die Frage beantwortet hast, was du morgens machen möchtest, dann überlege dir, mit welcher Sache du anfangen willst. Nicht alles auf einmal etablieren wollen, das geht schief. Wenn du z.B. drei Dinge auf deiner Liste stehen hast, dann kannst du das ganz entspannt über drei Monate verankern. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. Der Vorteil: Du musst nicht von jetzt auf gleich eine Stunde früher aufstehen, sondern allmählich immer mehr mal 5-10 Minuten früher. Das ist langfristig sehr viel effektiver und kommt einem nicht so heftig vor. 

Ich habe am Anfang von den 10 Minuten geschrieben, die du zuerst mal früher aufstehen kannst. Ich beziehe mich da allerdings auf die Uhrzeit 7:00 Uhr und nicht auf 7:45 Uhr. Das Schlummern versuchst du mal wegzulassen, denn dann hast du plötzlich nicht 10 Minuten mehr am Morgen, sondern fast eine Stunde! Eine Stunde nur für dich. Du kannst sie füllen mit allem, außer weiterschlafen. 

Wenn du dich jetzt fragst, was du eine Stunde lang machen sollst, Inspiration findest du im Buch „Miracle Morning“ von Hal Elrod. 

Aus diesem Buch ein paar kleine Tipps, damit die Schlummertaste der Vergangenheit angehört:

  • Wecker weiter wegstellen, damit du aufstehen musst
  • Ein großes Glas Wasser trinken, am Besten am Abend vorher bereitstellen
  • Direkt ins Bad: Gesicht waschen, Zähne putzen und ggf. unter die Dusche hüpfen
  • Einen Tee oder einen Kaffee machen 

Danach legt man sich eher selten wieder ins Bett zurück. Wenn du jetzt noch 45 Minuten für dich hast und die so füllst, wie du möchtest, dann startest du entspannt und gelassen in den Tag. Das zieht sich durch den ganzen Tag und du wirst dich abends noch besser fühlen, von diesen 45 Minuten am Morgen – vertrau mir!